Porsche-Paranoia, I knew you were trouble

An dem Tag, an dem ich den Kaufvertrag für meinen ersten Porsche unterschrieben hatte, lief auf der Rückfahrt vom Porschezentrum Taylor Swift im Radio. „I knew you were trouble“

Ein Omen.

Seit ich ihn habe mache ich mir Sorgen.

Wo parken, damit mir keiner der Nachbarparker die Tür in die Seite haut?

Wo hebe ich den Ersatzschlüssel sicher auf?

Kann ich auf den Eifelwiesen am Ring parken, ohne mir von den Unebenheiten Aufsetzschäden zu holen?

Wie krieg ich ihn hologrammarm gereinigt?

Für Fahrten in die Innenstadt wegen Vandalismusgefahr besser die C-Klasse nehmen?

Wie singt Taylor so passend? Oh, oh trouble, trouble, trouble…

Porsche-Paranoia

Time to say good bye

Vier Tage Dienstreise.

Mit der Bahn!!!
Großraumwagen statt Sportwagen.

Fast 400 Kilometer von der schwarzen Schönheit entfernt, dabei schlafen wir normalerweise nur vier Meter voneinander entfernt. Ich kann von meinem Bett aus zur Garage rüber gucken.

Eine gefühlte Ewigkeit bis am Wochenende zurück komme.

Time to say good bye. What a drag…

No Boxster Girl

Heute fahre ich einen Ersatz-Porsche.

Es ist ein Boxster S(981) in achatgraumetallic und er ist ganz neu. Ein hübscher Kerl. Das Porschezentrum hat ihn mir gegeben, solange mein Schatz in der Werkstatt ist.

Er soll 69.208,40 Euro kosten. Mehr, als ich für meinen gebrauchten 997 bezahlt habe.

Das Wetter ist super und ich kann offen fahren. Das macht, zumindest abseits der Autobahn, auch richtig gute Laune. So weit so gut.

Doch was sich trotz der 232 kW starken Motorisierung partout nicht einstellen will, ist das Gefühl, in einem „richtigen Porsche“ zu sitzen.

Er wirkt klein, wendig. Was ihm fehlt, ist in meinen Augen die klassische Eleganz des 11ers. Und in den Augen der anderen Autofahrer offenbar das „Überholprestige“ (fieses Wort). Wo dem 11er Platz gemacht wird, weichen die anderen für den Boxster noch lange nicht.

Zum ersten Mal bin ich einen Porsche als Schalter gefahren. Kann man machen, mir gibt es aber nix, was mir mein PDK nicht geben könnte.

Ich mag seinen Sound durchaus, aber so richtig kraftvoll beschleunigt er nicht. Wenn ich Porsche fahre, dann soll mich ein Sprint auch beeindrucken.

Für mich klappt offenbar nur der 11er. Mein Verkäufer hatte mir noch gesagt, „Der Boxster macht auch Spaß“, als ich ihn unglücklich bei der Schlüsselübergabe angesehen hatte.

Ja, Spaß vielleicht. Aber nicht glücklich.

Ich bin kein Boxster Girl.

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An der Tanke

Mein Freund Marius und ich beschließen einen Sonntagsauflug nach Kaiserswerth zu machen. Gesagt, getan. Während wir durch das wunderbare Städtchen bummeln, kommen wir an einem Oldtimer Mercedes mit bemerkenswert gut aussehendem Lack vorbei, der gerade einparkt.

Ich halte meinen autodesinteressierten Kumpel Marius am Ärmel fest und bleibe stehen. Der Fahrer steigt aus und es ergibt sich ein kurzer Plausch über Lackpflege. Es ist noch der Originallack wie er stolz berichtet und der sagenhafte Glanz das Ergebnis des teuren Alpenwachses…

Nach dem Sonntagsausflug halten wir noch an der Tanke, die Preise sind ok und ich tanke voll.

Als ich nach dem Tanken wieder auf die Straße einbiege, stehen zwei ca. 7 Jahre alte Jungs auf der anderen Straßenseite und strahlen zahnlos über das ganze Gesicht den Porsche an.

Einer filmt mit seiner Kamera begeistert  wie der Porsche an ihnen vorbei fährt. Marius, dessen erste Fahrt im Porsche es ist, und ich lachen drinnen, die beiden draußen.

Mit der C-Klasse passiert so etwas nicht.

Boys, you made my day!

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2 Frauen

Auf der Fahrt zur Autobahn höre ich Swing.

Der Porsche tanzt Quickstep durch die Kurven, schnell, leichtfüßig.

An der T-Kreuzung zur Bundesstraße steht ein Stoppschild. Ich halte an und da stehen wir uns gegenüber.

Zwei Frauen in ihren Fahrzeugen.

Beide Locken, ihre braun, meine blond. Sie trägt außer dem BH auf ihrer brauen Haut nichts, ich trage ein rosa T-shirt mit einem Rennauto drauf.

Sie sitzt in ihrem Wohnmobil und wartet am Waldweg auf Freier. Ich sitze in meinem Porsche und verdiene meinen Sprit auf deutlich angenehmere Weise.

Einen Moment lang schauen wir einander an. Dann wird die Kreuzung frei und ich biege links ab zur Autobahn.

Im Porsche zu sitzen macht eigentlich immer glücklich, aber heute bin ich auch zutiefst dankbar. Dankbar, nicht die Frau auf der anderen Seite der Kreuzung zu sein.

Uwe und Gottfried

In der Nacht waren die Temperaturen auf 3 Grad gefallen, beim Rennen gestern hatte der Sprecher schon gesagt, dass warme Kleidung für den Samstag angeraten sein würde.

Fröstelnd und noch etwas müde steige ich in den Porsche, um pünktlich um 9.10 Uhr zu dem Rennen am Ring zu sein, bei dem ich die ersten Bilder machen will.

Auf der Wiese an der ich vorbeifahre  frühstücken zwei Rehe.

Im Tal angekommen fährt vor mir eine dieser mobilen Bäckereien, die hier auf dem Land die Versorgung mit Backwaren sicher stellen. Sie werden von sehr patenten Eiflerinnen gelenkt. Ich muss daran denken, wie eine mir mal erzählt hatte, dass sie ein Auto, das sich festgefahren hatte, mit ihrer Bäckerei auf Rädern wieder aus dem Morast gezogen hat.

Bald biegt das Brotmobil ab. Auf CD läuft „The last laugh“. Lieblich, versöhnnlich, wunderbare weiche Bläsersätze, ein Hauch Country. Der Porsche schwingt souverän durch die Kurven.

Schwer mit mir und der Welt zufrieden fällt mein Blick auf das Kreuz von Uwe, der hier im Ahrtal gestorben ist. Vermutlich wie viele namenlose weitere Verkehrsopfer. Ein Stück weiter dann ein Kreuz mit dem Namen Gottfried an einer Stelle, die für Motorradfahrer besonders tückisch ist. Sinnlose Tode, viel zu früh.

Weil ich so zeitig dran bin, gibt es keine Schlange am Parkplatz.Bald darauf stehe ich im eisigen Wind auf der Tribüne und fotografiere die Einführungsrunde. Er krallt sich unglaublich kalt und scharf in meine Hände. Hier in der Hocheifel weht es irgendwie immer. Ich kann die Kamera kaum halten, die Nase läuft und die Augen tränen.

Leiden für den Motorsport.

Während an durchschnittsdeutschen Frühstückstischen gerade das erste Brötchen mit Zeitung im Anschlag verzehrt wird, stehe ich hier in der Kälte. Ich Wahnsinnige.

Die Sonne macht die Lage erst zwei Stunden später etwas erträglicher. Mit dem Verkauf von Windbreakern in den ringeigenen Shops müsste eigentlich die ganze Misere hier oben zu bezahlen sein…

Das Licht ist wunderbar und ich habe eine optimale Stelle gefunden, die Sportprototypen fahren mir direkt vors Objektiv. Eigentlich ist dieser Bereich gar nicht geöffnet, aber egal! Da sehe ich die Warnanzeige, mein Akku ist fast alle.

F***k!!!! Das Ladegerät liegt natürlich in Neuss, noch eingemottet von der langen Winterpause.

Als die Fahrer in der letzten Runde winkend an mir vorbeifahren winke ich mit etwas unglücklichem Gesicht zurück. Die Kamera wandert in den Rucksack, der Akku ist ausgewrungen bis zum letzten Rest.

Was mich etwa versöhnt,  ist der Blick zum Himmel. Hier oben sind die Wolken so viel näher als zuhause am Rhein. Perfekte Schäfchen am blauen Himmel, zum greifen nah.

Da ich alle Serien gesehen habe und mir noch immer unglaublich kalt ist, lenke ich meine Schritte zurück zum wunderbarsten Auto auf dem Parkplatz. Die schwarze Schönheit empfängt mich mit ledrig riechender Wärme.

Zurück geht die Fahrt, wieder vorbei an den zwei Kreuzen.

Ruhet in Frieden Jungs!

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Boxengassen-Babe

Ich hatte heute keine Termine und der Porsche wollte raus. Die Kamera auch. Zufällig bemerkte ich, dass am Ring AvD Raceweekend ist.

Frühstück? Kaffee? Geht auch mal ohne.

Arne-Shirt an und ab in die Eifel!

Schon beim Aussteigen aus dem Auto höre ich die Motoren und rieche die benzingeschwängerte Luft.

Ein erhebendes Gefühl…

Heute war es noch ruhig am Ring. Vielleicht lag es daran, dass ich das Glück hatte, an Stellen fotografieren zu dürfen, die sonst nur mit Ausweis zugänglich sind.

Stunde um Stunde vergehen, ich habe erste gute Bilder im Kasten. Der Nasenrücken wird langsam rot und mir ist schwindellig. Ach ja, das ausgefallene Frühstück lässt sich wohl doch nicht durch Inhalation von Abgasen ersetzen.

Also Boxenstopp für fotowütige Porschefahrerinnen. Es gibt Subway-lunch und den ausgefallenen Kaffee. Während ich in der Sonne sitze und den Kaffee trinke, fällt mein Blick auf mein linkes Knie. Schmuddelig. Das hatte ich in der Boxengasse beim Fotografieren wohl zu oft am Boden…

Noch schnell einige Ringdevotionalien für einen Porschefreund besorgen, dann geht es zurück ins Fahrerlager.

Der Nachmittag vergeht wie im Fluge, irgendwann bin ich wirklich kaputt und habe 747 Bilder gemacht.

Der Porsche bekommt an meiner Lieblingstanke noch seinen Durst gestillt, dann geht es zurück durchs Ahrtal.

Ich höre „You and your friend“ und bin mir ganz sicher, dass die Dire Straits diesen Song für genau so einen Tag geschrieben haben. Einen sonnigen Freitag, den man am Ring verbracht hat.

Sie wollten, dass man zu dem Lied Porsche fährt.

Durch die Eifel. Mit einem Chip voller Fotos und einem tiefen Glücksgefühl.

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Wann haben Sie zum letzten Mal Ihren Schatz eingecremt?

Für die meisten Porschebesitzer stellt Ihr Fahrzeug einen hohen Wert dar.

Das Porschedesign ist zeitlos gelungen und jede lackierte Oberfläche ist zweifellos schöner, wenn sie glänzt.

Leider wird ein Porsche bei der Benutzung schmutzig und bald stellt sich die Frage, wie man ihn wieder zum Glänzen bringt.

Als Neuling in der Szene lese ich interessiert die Diskussionen im Forum zum Thema „Wagenpflege“.

Schnell wird mir klar, Waschstraße ist nicht!

Darauf folgt die Einsicht, dass die Pflege von Hand, offenbar mit sündhaft teuren Pflegemitteln zu erfolgen hat.
Eindrucksvolle Summen von mehreren Hundert Euro kommen für ein Starterkit (nicht etwa für das Rundum-sorglos-Paket!!) rasch zusammen.

Beherzt schiebt der nicht ganz skrupellose Porscheneuling die Frage nach der Dekadenz, die sich ihm beim Lesen aufdrängt, bei Seite.
Ein Porsche an sich ist ein Luxusprodukt, warum die Idee nicht konsequent weiter denken und für alle den Porsche betreffenden Fragen das Portemonnaie weit aufmachen?

Innerlich dennoch nicht mehr völlig unerschüttert lese ich  weiter. Ein Pflegemittelhersteller rät dazu, das Pflegeprodukt mit der Hand aufzutragen. Das Fahrzeug quasi einzucremen.

Perplex halte ich inne.

Das machen die wirklich?

Ja, in  Deutschland gibt es reihenweise Männer (und vermutlich auch Frauen), die Ihre Fahrzeugpflege von Hand einreiben.

Da fängt es in der Psychologin doch gehörig an zu brodeln.
Neben der Frage: Ist das wirklich die optimale Art, das Produkt aufzutragen oder einfach Marketing-bullshit?,  möchte ich doch sehr gerne wissen, ob diese Menschen auch ihren Schatz aus Fleisch und Blut regelmäßig nach dem Bad eincremen.

Oder behandeln sie ihr Auto hingebungsvoller als ihre Lebenspartner?

Handelt es sich beim Autosalben vielleicht um eine Ersatzhandlung?
Sind diese Porschecremer alles Singles, die nichts lieber täten, als einen warmen, menschlichen Körper zu streicheln?
In Ermangelung eines solchen dann in die Garage gehen und das Auto liebkosen?

Fragen über Fragen.

Noch ist mein eigener Porsche zu neu, als dass ich mir selbst die Frage nach dem Starterkit stellen müsste. Aber bald wird es so weit sein.

Porschegöttin, gib mir die Gelassenheit, die Nicht-Luxuspflege zu verwenden.
Den Mut, sie mit dem Lappen aufzutragen,
und die Weisheit, Marketing von Notwendigkeit zu unterscheiden.
Amen!

Besser wird es nicht mehr!

Dienstagabend.

Die drei Jungs und ich wollen zusammen essen. Und den Porschekauf feiern.

Ich beschließe, für die Fahrt nach Wuppertal den Porsche zu nehmen und greife beim Herausgehen noch rasch eine Dire Straits CD.

Auf der A46, der Autobahn meiner Jugend, fahre ich zu meiner Verabredung.

Großartig, die langen Intros auf der Platte beim schnellen Fahren.

„Your latest Trick“ läuft.

Ein Stück, das ich 1985 schon sehr mochte. Wir waren auf Klassenfahrt und haben das Album im Bus gehört, in der Lüneburger Heide. Damals hörten wir es auf dem Walkman.

Heute sitze ich in meinem Traumauto und der Song kommt aus 13 Boxen.

Eigentlich könnte ich jetzt auch sterben, besser kann das Leben nicht mehr werden.

In Bed with TopGear

Bei meinem Londonbesuch neulich brauchte ich einen Cappucino in der Shoppingpause. Während ich in der Marks&Spencer Coffeebar wartete, fiel mein Blick auf die Zeitschriften und so entdeckte ich das TopGear Magazin.

Die Sendung mag ich und schnell stand fest, die Zeitung will ich.

Der SLS auf dem Cover hat seinen Teil zur Kaufentscheidung beigetragen. ( Ich liebe seinen Sound. Wenn ich bei Mercedes vor ihm stehe, kann ich nicht normal atmen vor Begehren… der Preis ist, selbst gebraucht, für mich unerschwinglich, aber auf der Zeitung kann ich ihn mir leisten).

Was für ein Unterschied zu den deutschen Automagazin-Schwestern!

Wertige Aufmachung, sehr ansprechende Fotos, wenig Tech-talk (wer Zahlenkolonnen will, findet diese seitenweise ganz hinten im Heft).

Dazu der aus der Sendung bekannte schwarze Humor. Obwohl die Fahrzeugvorstellungen in weiten Teilen auf technische Details verzichten, fühlt man sich gut informiert.

Die Artikel entsprechen weniger ihren drögen deutschen Pendants, sondern sind eher wie Erlebnisberichte aufgemacht.

Zum SLS lautet die Überschrift „Who is Sunday Jonathan?“ Beschrieben wird eine Fahrt zu AMG. Diese Unterschrift, die, wie sich später herausstellt, völlig anders lautet, hat der Verfasser auf der Motorplakette des SLS gefunden und nun macht er sich auf, den Mann kennen zu lernen, der den Motor in seinem Fahrzeug gebaut hat. Ganz nebenbei wird der Mercedes vorgestellt. Aber eben charmanter als die Deutschen Autojournalisten es tun würden: „I love it, not like you love a Porsche GT3, but more warmly and openly“

Seufz!

In England kostet die Zeitschrift 3,99 Pfund. Für 89 Pfund kommt das Abo nach Deutschland.

Liebes Christkind, ja, ich weiß, die Liste ist schon wieder viel zu lang, aber bitte leg mir doch TopGear ins Bett!

TopGear Mag 005