Hedonistisc Adaptation

Ein wunderbarer Frühlingssonntag.

Zum ersten Mal in diesem Jahr ist es warm genug um im Garten zu frühstücken.

Der Himmel ist satt blau und der Kirschbaum steht in voller Blüte.

Ich lasse mir Zeit mit dem Frühstück und komme endlich einmal dazu, liegengebliebene Zeitungen zu lesen.

In der New York Times erklärt eine Kollegin von mir, dass jeder Mensch sein eigenes Normalmaß für Glück hat. Passiert etwas Schönes, schwingt das Glücksgefühl kurz nach oben, passiert etwas Schlechtes, schwingt es kurz nach unten. Dann jedoch kehrt es zu seinem Ausgangswert zurück.

Auch an die tollsten Dinge gewöhnt man sich, sagt die Dame. (Hedonistic adaptation… furchtbar!). Und dann machen sie nicht mehr glücklich.

Ganz offensichtlich fährt sie keinen Porsche. Der hätte sie gelehrt, dass es Autos gibt, die die Regeln der Psychologie in Frage stellen.

🙂

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Sind Porschefahrer die besseren Liebhaber??

Nein, bitte jetzt keine Angebote, das zu beweisen meine Herren!!

Böse Stimmen behaupten ja gerne, dass Sportwagen zur Kompensation aller nur denkbaren Defizite beim Mann herhalten müssen. Sei es das zu kleine Ego, oder Schlimmeres.

Was macht einen guten Liebhaber aus?

Vermutlich sind folgende Kriterien schon recht wegweisend:
1. Leidenschaftlichkeit.
2. Hingabefähigkeit
3. Ausdauer
4. Eine gewisse Ahnung, wie die technischen Zusammenhänge am Objekt der Begierde von statten gehen.

Porschefahrer sind leidenschaftliche Menschen. Sie sind zu großer Liebe und Begeisterung in der Lage und wenn sie lieben, dann intensiv. Grundsätzlich sind sie also zur Leidenschaft fähig. Und ich erlaube mir an dieser Stelle einmal den Schluß von Auto auf Fleisch und Blut.

Hingabefähigkeit ist vorhanden. Sie verwenden Geld, Zeit, Nerven, knappen Garagenstellplatz, große Teile ihrer Gedanken, und wenn es um die Pflege der Fahrzeuge geht, manchmal auch Blut, Schweiß und Tränen für ihren Schatz.

Ausdauer muss gegeben sein, von der Entwicklung des Kaufwunsches bis Eintritt in den Besitzerstand vergeht oft eine qualvoll lange Zeit. Ohne Ausdauer würde man sie nicht überleben.

Ahnung haben die mir bekannten Porschefahrer alle, oft frage ich mich, wie sie dieses verblüffende Wissen über Funktionen des Lieblings anhäufen konnten. Denn fast keiner von ihnen ist ein Professioneller.

Beste Chancen also, davon auszugehen, dass Porschefahrer die besseren Liebhaber sind.

Leicht problematisch ist, dass sie laut einem Artikel, den ich neulich las, einen gewissen Hang zur Polygamie haben. Nicht nur besitzen sie in aller Regel mindestens ein anderes Fahrzeug, sondern es soll laut Statistik so sein, dass sie überdurchschnittlich viele Seitensprünge haben. Macht ein Porsche sexy?

Ich hatte noch nie einen Porschefahrer als Liebhaber. Meine Analyse lässt die Erwartungen vergleichsweise hoch ausfallen.

Sollte jemals ein Porschefahrer diese hohen Erwartungen enttäuschen, und somit Schande über uns alle bringen, so wird er in diesem Blog öffentlich hingerichtet.

Meine werte Leserschaft kann mir gerne Themenwünsche zukommen lassen. Ich bin gespannt, ob das Thema „Sind Porschefahrerinnen die besseren Liebhaberinnen?“ diese Liste anführen wird.

Mein unheimlicher Porsche

Ein Tag folgenschwerer Unterschriften beim Notar steht an. Ich lenke meine Schritte nicht leichten Herzens zur Garage.

Der Kombi reicht heute nicht. Es gibt Tage, die schafft man nur mit Porsche.

Normalerweise fahre ich ihn nicht in die Innenstadt, sondern hüte ihn sorgsam vor Vandalismus aller Art, aber heute muss er dran glauben. Ich brauche jede Aufmunterung, die ich kriegen kann.

Noch während ich den Zündschlüssel drehe, lässt er mich das erste Mal lächeln. Es ist nicht, wie so oft, der Klang seines Motors.
Während ich mit schwerem Kopf voll Sorge und Erschöpfung das Auto aus der Garage setze, tröstet er mich mit
„Why worry? There should be laughter after pain. There should be sunshine after rain.“
In Kombination mit der schlafliedsanften Musik sind die lyrics Balsam für meine Nerven.

Wohlig schiebe ich meinen Rücken im Sitz zurecht, drücke aufs Gas und fahre Richtung Autobahn. Es ist noch so früh, dass ich ohne Stau die Stadtgrenze erreiche.

In dem Moment, als ich auf die Rheinbrücke fahre, beginnt ein neues Stück auf der CD.
Ungläubig schüttele ich meinen Kopf. Das gibt es doch gar nicht….

Perfektes Timing.

„The cause it is noble and the cause it is just. We are ready to pay with our lives if we must. Gonna ride across the river deep and wide. Ride across the river to the other side“

Woher weiß mein Porsche, wie es mir geht?

Woher weiß er, wann ich über den Rhein fahre?

Woher weiß mein Porsche, dass ich heute  eine Unterschrift auf ein Stück Papier setzen werde, die mich sehr viel ärmer macht?

Und  woher weiß er, „the cause it is nobel and the cause it is just“?

Schöner Weinen

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich viel im Auto geweint. Damals war meine Welt zusammen gebrochen und ich habe sowohl die A46, als auch die A1 oft ziemlich tränenüberströmt befahren.

Das war noch in meinem treuen, alten Kombi.

Heute Morgen lag ein Brief in der Post, der die verheilt geglaubten Wunden dieser Zeit wieder geöffnet hat.

Heute weine ich im Porsche.

Schöner Weinen.

 

Mein erstes Porschetreffen

Schon um 9.00 Uhr am 1. Mai brechen wir auf nach Dinslaken. Es soll zum Porschetreffen gehen.

Kurz vor Dinslaken erübrigt sicht die Frage nach dem Weg, die Porschedichte steigt sprunghaft an und wir fahren sowohl auf der rechten, als auch auf der linken Spur Kolonne. Mir als Beifahrerin gibt das die Gelegenheit, neugierige Blicke in die anderen Porsches zu werfen.

Gefahren werden sie von älteren Männern. Ausnahmslos. Verblüfft kommentiere ich das meinem Begleiter gegenüber. Wir scheinen den Altersdurchschnitt deutlich zu senken.

Da wir den Porsche draußen parken (zum Glück, wie sich später zeigt…) berappen wir 5 statt der 25 Euro, die es für die Fahrer kostet, die ihre Fahrzeuge auf der Rennbahn zeigen wollen und dort parken.

Die Sonne strahlt, ein Porsche nach dem anderen fährt auf das Gelände. Es gibt viel zu sehen. Die Stimmung ist fröhlich.

Aber der STAUB…

Durch die Trockenheit und den Belag der Rennbahn sind sofort die liebevoll polierten Fahrzeuge, unsere Kameras und auch wir mit feinem weißen Sand überzogen. Ich mache innerlich drei Kreuze, dass meine schwarze Schönheit gut geschützt in der heimischen Garage steht. Dennoch lassen viele Fahrer von offenen Wagen ihren Porsche ohne Dach im Staub stehen. Ich kann es gar nicht fassen.

Die Besucher einer solchen Veranstaltung hätte ich mir anders vorgestellt. Hier regieren Herren über 50, die Haare im Nacken gerne etwas über dem Hemdkragen, in Camp David oder La Martina gekleidet, alles keine richtigen Sympathieträger. Leicht schmierige Assoziationen mit Dieter Bohlen drängen sich mir auf.

Einer der einfahrenden Wagen ist bis unters Dach mit Gepäck von Luis Vuitton voll geladen.

Die Porscheclubs verbreiten mit Klappstühlchen und Essen aus der mitgebrachten Tupperkollektion fröhliche Campingstimmung. Einer der Clubs kombiniert gewagt das langstielige Sektglas mit Speisen aus der Plastikdose. Ein zaghafter, nicht ganz getaner Schritt zum stilvollen Picknick.

Ein Stück weiter wird gemessen und kommentiert, was so ein Auspuff röhren kann.

Mich schauderts.

Mein immer gutmütiger Begleiter bleibt unerschüttert, ich fühle mich wie im falschen Biotop.

Viele schöne, verschiedene Fahrzeuge gibt es zu bestaunen, das ist reizvoll und macht Spaß, der Rummelplatzcharme passt für mich nicht zu den edlen Designs der Porsches.

Eine absolut sympathische Szene voller gelassener Porscheliebe habe ich aber doch noch vor die Kamera bekommen.

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Mädchen-Porsche

Gemeinhin bezeichnet man in Porschefahrerkreisen den Boxster als Mädchen-Porsche.

Das stimmt so nicht. Der ultimative Mädchen-Porsche ist der 11er.

Mir war klar, dass Männer den 11er lieben. So ist es auch, Herren von 7-70 bekommen diesen interessierten Blick, wenn ein Carrera an ihnen vorbei fährt.

Womit ich nicht gerechnet hatte, kleine Mädchen LIEBEN ihn!

Gestern in Wuppertal hielt ich an, um eine ca. 8 Jahre alte Dame vor mir über den Zebrastreifen zu lassen.
Sie strahlte den Porsche an, legte den Kopf schief, zog die Nase kraus und die Schultern hoch und hüpfte verzückt auf dem Weg vor mir. Als sie uns passiert hatte, drehte sie sich noch einmal strahlend um.

Das ist jetzt schon das zweite kleine Mädchen, das ganz offenbar hingerissen ist von ihm.

Großen Mädchen macht er Gänsehaut, wenn sie ihn  fahren.

Kein Wunder, bei diesem A****

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Just the two of us

Bill Withers und ich fahren zusammen Porsche.

Der Tag war leicht nervig und daher soll es beschwingt in den Feierabend gehen.

Allerdings geht es zuerst beschwingt tanken.

Ich höre „Just the two of us“ . Samba im Carrera.

Auf dem Weg zur Aral sing Bill: „We look for love, no time for tears
Wasted water’s all that is and it don’t make no flowers grow
Good things might come to those who wait, not for those who wait too late
We’ve got to go for all we know“

„Yolo Bill“ antworte ich in Gedanken.

Als ich die Autobahn erreiche, hebt Bill zu „I want to spend the night with you“ an. Und ich grinse, weil er offenbar gerade meine Gedanken gelesen hat.

Im Duett schmettern wir durch den Porsche „I wanne shaaaaare my life with you foreeeeeeever“ er aus den Boxen, ich am Steuer.

Kein Zweifel, Bill Withers hat alle seine Songs für einen Porsche geschreiben.

Die Sünderin

Es wird immer schlimmer mit mir. Es ist Samstagabend und ich sitze mit meinen Freunden in der Bar. Sie wollen die Location wechseln, ich verabschiede mich und fahre zurück. Ich habe noch etwas vor.

Ich werde heute mal so richtig meinen Führerschein riskieren.

Vier Tage Dienstreise und soziale Verpflichtungen heute haben mich von ihm getrennt, aber jetzt will ich Porsche fahren.

Die Sonne geht schon unter und ich wähle eine der leereren Autobahnen in Richtung Holland.

Kurz vor Mönchengladbach zieht eine SUV-Pestbeule links rüber, noch ein letztes Mal stark abbremsen, dann ist die Bahn frei.

Ich lasse die Nadeln im Amaturenbrett nach rechts schwingen und genieße die Beschleunigung.

Es fühlt sich fast surreal an, wie sich die Wahrnehmung verändert, wenn man ungestört schnell fahren kann.

Irgendwann höre ich mich laut lachen vor Glück, als er noch einmal mehr richtig Schub gibt.

Viel zu schnell habe ich die Grenze erreicht. Jetzt bloß runter vom Gas und nach 50 Metern Niederlande mit einem Schwenk zurück nach NRW.

Nach zehn weiteren Minuten, in denen wir inzwischen durch solide Dunkelheit zurück in Richtung Kaarst jagen, schwingt leider auch die Tankanzeige im Uhrzeigersinn weiter nach rechts. Die Autobahn wird wieder voller und ich reduziere den Druck aufs Gas.

Was für ein Fahrgefühl! Was für ein Gefühl!!!

Ich habe in meinem Leben eine Reihe von Sünden begangen, zu denen sich Menschen hinreißen lassen, um sich intensiv gut zu fühlen.

Aber keine hat mich jemals so gekickt.

The great escape

Porsche ist Opium für die Frau.

Als Eskapismus bezeichnet man eine Haltung der Realität zu entfliehen. Dies ist laut Lehrbuch unter anderem durch Hinwendung zu Substanzdrogen möglich.

Meine Droge ist das Porschefahren, bevorzugt mit Musik. Kurz unterbrochen von Phasen, in denen ich nur der Musik meines Motors lausche.

In letzter Zeit esse ich oft komische Dinge, weil sie noch im Haus sind. Ans Einkaufen denke ich nicht mehr.

Dates? Nein, keinen Nerv, lieber noch etwas Spaß mit der schwarzen Schönheit. No man, no cry.

Die Buchführung? Der Haushalt? Die Gartenarbeit?

Welche Frage das Leben auch stellt, im Moment lautet die Antwort „Lieber `ne kleine Tour!“

Völlig verblüfft stellt dann die Opiumabhängige fest, dass tatsächlich der Kühlschrank bis auf Senf und Marmelade völlig leer ist. Und es halb neun am Samstagabend ist.

Egal, Frau kann auch auswärts essen gehen. Da Kurzstrecken gar nicht gut sind für den Sportwagen, darf es auch ruhig ein Dinner etwas weiter entfernt sein.

Zeit im Porsche bedeutet Zeit im faradayschen Käfig des Eskapismus.