Wo kommt der Sprit rein?

Wir werden immer blöder.
Zumindest scheint das die Automobilindustrie zu glauben.
Der Dr. hat Nachtdienst und ich sitze alleine am Abendbrottisch.
Vor einigen Tagen war das ADAC-Blatt gekommen.

Ich beziehe das schon seit Jahren nicht mehr.
Irgendwann hatte ich es  abbestellt, nachdem der Arsch (so heißt mein Exmann) und ich immer zwei Exemplare bekommen hatten.
Als ökologisch erzogenes Kind der 80er wollte ich solch eine Ressourcenverschwendung natürlich vermeiden.

Jetzt kriegt der Dr. das Blatt,  irgendwie lese ich es fast nie.
Heute blätterte ich kauend und musste feststellen, dass der Mist, der in Autos verbaut wird, immer schlimmer wird.
Nachdem neuere Modelle dauernd ausgehen (wenn das nicht irgendwann mal als ebenso großer Ökoschwindel auffliegt, wie die manipulierten Abgaswerte…) und laufend absurde Gefahrenmeldungen anzeigen, jetzt dies.

Angeblich weisen bei immer mehr Fahrzeugen die Displays mit einem Pfeil  auf die Seite hin, auf welcher der Treibstoff eingefüllt werden muss!
Völlig fassungslos überlege ich, welcher Ingenieurs-Idiot sich das wieder ausgedacht hat.

Wahrscheinlich der Zwillingsbruder von dem Vollpfosten, der die kaum abzunehmende Ascheschublade meines Designaward-Ofens entworfen hat.
Oder der Onkel von dem Heini, der das spülrandlose WC erfunden hat, das dank der neuen Konstruktion jetzt viel besser Tröpfchen beim Abziehen durchs Bad schleudern kann als seine Vorgänger, deshalb muss man natürlich die selbstschließenden Klodeckel haben, sonst Fäkalfontäne…

Und weil wir Käufer leider schon so oft erfolgreich mit überflüssigen Neuentwicklungen veräppelt wurden, hält uns die Industrie für unglaublich dämlich.
Was denken die, wo wir den Sprit reinfüllen, wenn man uns keinen Tipp per Pfeil im Display gibt?

In den Kofferraum?
Und uns dann wundern, dass so viel in den Tank geht?
Wer zu doof ist, zu wissen, wo die Öffnung für den Sprit ist, hat im Verkehr nichts zu suchen.

Der ist eine Gefahr für die Menschheit und gehört weggesperrt, damit er seine Dämlichkeitsgene nicht weitergeben kann.
Ich will so ein Auto nicht.
Ich will solche Erfindungen nicht.
Ich will nicht glauben, dass wir so dämlich sind, sowas zu brauchen.

Wie peeeeeinlich… Blamage an der Lieblingstanke

Weil der Dr. müde war, hatte ich angeboten, nach dem Essen zu fahren.
Er nahm an, und ich pilotierte uns durch die Eifel.
Kurz vor Barweiler werfe ich einen Blick auf die Tankanzeige und sehe, dass es kanpp wird, mit dem Sprit für die Heimfahrt.

Er stimmt zu und ich steuere meine Lieblingstanke an.
In der Eifel gibt es nicht so viele Tankstellen.
Noch dazu, ist der Sprit hier häufig sogar billiger als in der Stadt.

Als ich den Boxster auf das Gelände der Tankstelle fahre, weist der Dr. mich auf die richtige Zapfsäule hin.
Vor mir wird gerade ein 11-er betankt.
Hier in Ringnähe tanken immer viele schöne Autos und eigentlich tanke ich hier gerne.

Man mag mir leiden auf hohem Niveau vorwerfen, oder mangelnde Souveränität, oder andere schlimme Dinge, aber ich habe mich geschämt.
„Oh Mann, jetzt denken alle, dass das mein Mädchenporsche ist!“ jammere ich.
Am liebsten würde ich dem 11-er-Fahrer zurufen, „Das ist nicht mein Boxster. Ich fahre nur einen müden Mann. Ich habe auch einen richtigen Porsche“

Das hätte dann dafür gesorgt, dass mich alle Umstehenden für völlig bekloppt gehalten hätten, also verkneife ich mir das.
Stattdessen sitze ich im Auto, während der Carrera betankt wird und schüttele verzweifelt meinen Kopf „Wie peinlich, wie peinlich…!“
Den Dr. ficht das nicht an.

Er beleidigt postewendend meinen Mercedes und erklärt, ich könne froh sein, so einen tollen Boxster überhaupt fahren zu dürfen.
Ich hingegen plane in Gedanken wieder meinen Aufkleber, über den ich schon im Sommer nachgedacht hatte…

Der Nürburgring dreht durch

An einem herbstlichen Freitag hatte ich beschlossen, zum Ring zu fahren, um beim ADAC Saisonfinale vorbei zu schauen.
Am Parkplatz angekommen, wunderte ich mich, dass ich an diesem Tag, an dem nichts Besonderes geboten wurde ( es war nur Training, das eigentliche Programm startete einen Tag später), fünf Euro für das Parken berappen sollte.

Ein Hoch auf die Ortskenntnis, einen Parkplatz weiter konnte ich kostenfrei parken, aber wer sich nicht auskennt, latzt…
An der Kasse kramte ich die 7.50 Euro Eintritt aus dem Portemonnaie und fragte beiläufig, welche Tribünen heute geöffnet seien.

Die freche Antwort „Keine!“ ließ mich dann doch mein Kramen unterbrechen.
Wofür ich denn dann Eintritt bezahlen müsste, wollte ich wissen.
Für das Fahrerlager. Man könne auf die Schnuppertribüne (zum Fotografieren nicht optimal) das koste aber 1.5 Euro extra und wenn man die Trübene verlasse, könne man nicht zurück, ohne erneut zu zahlen.

Fassungslos klappte ich das Portemonnaie wieder zu.
Was für ein Nepp.
So vermittelt man den Besuchern nicht, dass sie wieder kommen sollten.
Da kommt man mit Parken und Eintritt zu einem 12.50 Euro teuren Bummel durchs Fahrerlager.

Wer aus einem der vielen Ballungsgebiete kommt, kann für seinen Brückentag unter einer Vielzahl von Attraktionen auswählen.
Der unterwirft sich vielleicht einmal einer solch armen Kosten-Nutzen-Relation und kommt dann nicht wieder.

Die wenigen Kunden, die heute gekommen sind, werden tüchtig von den Pleitegeiern am Ring vor den Kopf gestoßen.

Vorbei an der Geisterstatt der verwaisten Gastronomie schlendere ich zurück zum Porsche.
Die Straßen sind leer und ich kenne ich paar schöne Strecken.
Da investiere ich mein Geld lieber in Sprit!

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Im Hintergrund die Silhouette der Nürburg.
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Die schwarze Schönheit ganz alleine auf der waldigen Strecke.

An der Tanke

Mein Freund Marius und ich beschließen einen Sonntagsauflug nach Kaiserswerth zu machen. Gesagt, getan. Während wir durch das wunderbare Städtchen bummeln, kommen wir an einem Oldtimer Mercedes mit bemerkenswert gut aussehendem Lack vorbei, der gerade einparkt.

Ich halte meinen autodesinteressierten Kumpel Marius am Ärmel fest und bleibe stehen. Der Fahrer steigt aus und es ergibt sich ein kurzer Plausch über Lackpflege. Es ist noch der Originallack wie er stolz berichtet und der sagenhafte Glanz das Ergebnis des teuren Alpenwachses…

Nach dem Sonntagsausflug halten wir noch an der Tanke, die Preise sind ok und ich tanke voll.

Als ich nach dem Tanken wieder auf die Straße einbiege, stehen zwei ca. 7 Jahre alte Jungs auf der anderen Straßenseite und strahlen zahnlos über das ganze Gesicht den Porsche an.

Einer filmt mit seiner Kamera begeistert  wie der Porsche an ihnen vorbei fährt. Marius, dessen erste Fahrt im Porsche es ist, und ich lachen drinnen, die beiden draußen.

Mit der C-Klasse passiert so etwas nicht.

Boys, you made my day!

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