Mein Ostern als Familienvater

Früher habe ich sie oft bemerkt, diese sauertöpfischen Blicke aus den Familienkutschen, wenn ich mit dem Porsche unterwegs war.
Jetzt weiß ich, wie sich diese Männer gefühlt haben müssen.
Ostersamstag war ich so verbittert, wie man es als Familienvater, der im uncoolen Auto seine Sippe heimfährt nur sein kann.

Wir waren auf der Rückfahrt aus der Eifel.
Die ganze C-Klasse voller Möpse.
Nein, kein Mercedesporno, Hunde.

Es fing mit dem Porsche an, der uns entgegen kam.
Da kam mir der Gedanke, dass ich jetzt auch lieber mit dem Porsche in, statt mit dem Kombi aus der Eifel fahren würde.
Und es wurde immer schlimmer.

Ein Lambo überholte.
Und war so schnell weg, dass ich gar nicht in Ruhe gucken konnte.
Als wäre das nicht schlimm genug gewesen, kam auch noch ein SLS-Cab.
Eingehüllt in seinen Sound zockelte ich mit Neid-Schnappatmung weiter die A1 hoch.

Ich klagte und jammerte, der Dr. hatte irgendwie kein Mitleid.
Und dann auch noch Lambo Nummer 2!
Sicher waren die alle bei dem guten Wetter am Ring gewesen und hatten Spaß gehabt.
Mit ihren geilen Autos, während ich gerade einen Mops badete, der sich in einem Fuchshaufen gewälzt hatte.

Noch 12 Stunden nach dieser Heimfahrt hatte ich schlechte Laune.
So müssen sie sich also fühlen, die Väter, denen es immer so geht.
Ich hab ihn ja wenigstens, den Porsche und bin auch gar nicht wirklich Papi.
Jungs, Ihr tut mir richtig leid!

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Too close to Home

Donnerstagabend war ich kaputt von der Dienstreise zurück gekommen.
Die Verkehrssituation in und um Köln spottete jeder Beschreibung und ich war mittendrin.
Mit den Kunden hatte ich unter anderem das Thema erörtert, wie man Suizidgefahr bei psychisch erkrankten Menschen angemessen besprechen könne.

Freitag war strahlendes Wetter in der Eifel und die Einstellfahrten liefen, ich saß leider noch zuhause, der Samstag aber stand als Tag am Ring bei mir im Kalender.
Da der Dr. Sonntagmorgen zum Dienst musste und am Samstag das Wetter ungemütlich war, sind wir nicht in die Eifel gefahren, was sich noch als Glücksfall herausstellen sollte.

Samstagabend sah ich, dass meine Lieblingstante angerufen hatte, was mich mit leichter Sorge erfüllte.
Da es zu spät war, beschloss ich Sonntagvormittag zurück zu rufen.
Der Dr. fuhr Sonntagfrüh zum Dienst und mein Plan war ein ruhiger Tag mit Hausarbeit.

Als ich meine Tante zurück rief, erfuhr ich, dass meine Intuition mich nicht getäuscht hatte.
Meine Cousine, so alt wie ich, und leider schon lange mit schweren psychischen Problemen kämpfend, liegt schwer verletzt im Krankenhaus, nachdem sie sich vom Balkon gestürzt hat.

Meine Tante selbst ist psychisch auch angeschlagen und lebt alleine im Nachbarland.
Der Gedanke, dass sie in dieser Zeit niemanden um sich hat, insbesondere, da sie weder mobil, noch aufgrund der eigenen Verfassung in der Lage ist, eine solche Krise zu meistern, war mir unerträglich.

Weinend und zittrig habe ich die Ausweise der Hunde zusammengerafft, die Truppe ins glücklicherweise vollgetankte Auto verfrachtet und bin überstürzt losgefahren.
Stunden später, auf der Rückfahrt, habe ich schnell noch vor der Grenze nach Deutschland an der Tankstelle ein Baguette gekauft, ich hatte seit 9 Stunden nicht mehr gegessen und getrunken, aber es war gut, dass ich bei meiner Tante war.

Als die Möpse versorgt waren, war ich völlig erschöpft und auch heute Morgen steckt mir der Schock noch in den Knochen.
In ein paar Stunden wird der Dr. aus dem Dienst kommen, ab Mittags bin ich dann den ganzen Nachmittag in Sitzungen.
Die Themen werden mich hoffentlich weniger direkt betreffen.

Post von Jim Knopf

Samstagmorgen.
Die Sonne scheint, die Pollen fliegen.
Im Auto bin ich, dem Pollenfilter sei dank, allergiearm untergebracht.
Früh am Tag ist die Stadt noch angenehm leer.

Schnell alles besorgen und vor dem Ansturm der Massen wieder raus!
Auf dem Weg aus der Stadt wartet noch Post von Jim Knopf auf mich.
A2
Ich habe Porsche-Buttons, einen Porsche-Magneten und diesen Carrera-Anstecker von ihm bekommen.
Aus meiner bescheidenen 08/15 Jacke wird eine standesgemäße Elferfahrerinnen-Bekleidung.

Jims Porsche hat nicht nur mehr Knöpfe als meiner, Jim treibt sich auch auf interessanteren Veranstaltungen herum als ich.
Jim Knopf ist natürlich nur mein Kosename für ihn.
Der echte Jim Knopf fährt ja Eisenbahn und nicht Motorrad und Sportwagen…

Außerdem ist Jim eine nie enden wollende Quelle von einfallsreichen Internetadressen.
Aufmerksame Leser werden darüber schon geschmunzelt haben.
Ob ich Jims schmutzige Phantasie auch die Leser zu verdanken habe, die durch folgende Suchbegriffe bei mir gelandet sind und sicher sehr enttäuscht wurden

„Kostenlose Seniorenpornos“.
„Extrem gebogener Penis“ und
„Weinen Porno“?
Bäh, ich will das nicht!

Jim Knopf hingegen weiß genau, was Frauen wünschen.

 

 

 

 

Wo kommt der Sprit rein?

Wir werden immer blöder.
Zumindest scheint das die Automobilindustrie zu glauben.
Der Dr. hat Nachtdienst und ich sitze alleine am Abendbrottisch.
Vor einigen Tagen war das ADAC-Blatt gekommen.

Ich beziehe das schon seit Jahren nicht mehr.
Irgendwann hatte ich es  abbestellt, nachdem der Arsch (so heißt mein Exmann) und ich immer zwei Exemplare bekommen hatten.
Als ökologisch erzogenes Kind der 80er wollte ich solch eine Ressourcenverschwendung natürlich vermeiden.

Jetzt kriegt der Dr. das Blatt,  irgendwie lese ich es fast nie.
Heute blätterte ich kauend und musste feststellen, dass der Mist, der in Autos verbaut wird, immer schlimmer wird.
Nachdem neuere Modelle dauernd ausgehen (wenn das nicht irgendwann mal als ebenso großer Ökoschwindel auffliegt, wie die manipulierten Abgaswerte…) und laufend absurde Gefahrenmeldungen anzeigen, jetzt dies.

Angeblich weisen bei immer mehr Fahrzeugen die Displays mit einem Pfeil  auf die Seite hin, auf welcher der Treibstoff eingefüllt werden muss!
Völlig fassungslos überlege ich, welcher Ingenieurs-Idiot sich das wieder ausgedacht hat.

Wahrscheinlich der Zwillingsbruder von dem Vollpfosten, der die kaum abzunehmende Ascheschublade meines Designaward-Ofens entworfen hat.
Oder der Onkel von dem Heini, der das spülrandlose WC erfunden hat, das dank der neuen Konstruktion jetzt viel besser Tröpfchen beim Abziehen durchs Bad schleudern kann als seine Vorgänger, deshalb muss man natürlich die selbstschließenden Klodeckel haben, sonst Fäkalfontäne…

Und weil wir Käufer leider schon so oft erfolgreich mit überflüssigen Neuentwicklungen veräppelt wurden, hält uns die Industrie für unglaublich dämlich.
Was denken die, wo wir den Sprit reinfüllen, wenn man uns keinen Tipp per Pfeil im Display gibt?

In den Kofferraum?
Und uns dann wundern, dass so viel in den Tank geht?
Wer zu doof ist, zu wissen, wo die Öffnung für den Sprit ist, hat im Verkehr nichts zu suchen.

Der ist eine Gefahr für die Menschheit und gehört weggesperrt, damit er seine Dämlichkeitsgene nicht weitergeben kann.
Ich will so ein Auto nicht.
Ich will solche Erfindungen nicht.
Ich will nicht glauben, dass wir so dämlich sind, sowas zu brauchen.