The long way home

Sonntagmorgen in der Eifel.

Brötchen sind im Haus. Aber neben dem Haus wartet der Porsche.

Schnell steht der Entschluss, andere Brötchen müssen her! Also in den Nachbarort zum Bäcker. Zwei ältere Eifler werfen interessierte Blicke, als sie den Porschesound hören. Die Eifler mögen Autos.

Ein kleines, moppeliges Mädchen, furchtbar angezogen mit Leggins, ungekämmten Haaren und Hund an der Leine, geht vorbei, schaut rüber und schenkt mir und dem Porsche das schönste Lächeln der Welt.

Jetzt könnte ich eigentlich zurück fahren und die Brötchen essen. Der Porsche will noch nicht nach hause. Also mache ich einen kleinen Umweg. Auch die steilsten Berge nimmt er mit Leichtigkeit flott, die Straße ist frei und er schnurrt. Im Radio läuft Musik, die ich mag.

Am Kreisverkehr erscheint ein anderes Auto vor mir. Mist denke ich, keine freie Bahn mehr. Aber in dem kleinen Wagen sitzt ein junger Mann, der rast, wie alle jungen Männer hier. Und er kennt jede Kurve der mir unbekannten Strecke.

So zischen wir im Slalom über die Eifelhügel, er voraus, ich dicht hinterher. Das macht Spaß! Irgendwann drehe ich ab. Ich wohne ganz woanders…

Kurz bevor ich zu meinem Ort abbiegen muss, kann ich den Impuls nicht unterdrücken, noch ein Stück durchs Ahrtal zu fahren. Umweg Nummer 2. Wieder hab ich die Straße für mich, perfekte Kurven, eine nach der anderen.

Schließlich geht es den Berg hoch, am See vorbei durch eine wunderbare langgezogene Kurve. Man kann sie schnell durchfahren. Im Sommer tun die Eifeljünglinge dies mit Vorliebe und brüsten sich mit kreischenden Reifen vor den am See badenenden Kumpels und jungen Damen.

Ich bin eine Frau mittleren Alters und sehe davon ab, die Sonntagsstille mit einem anderen Geräusch als dem satten Sound meines Motors zu zerstören.

Dann komme ich in der winzigen Straße oben auf dem Berg an. Während ich frühstücke steht der Porsche knisternd neben dem Haus.

Gleich werde ich wieder raus gehen. Spazieren, zu Fuß.

Deutsche Autozeitungen…

Hätte man mich noch vor wenigen Jahren nach einer Autozeitung gefragt, wäre mir nur das ADAC-Blatt eingefallen…

Inzwischen lese ich sie und freue mich immer, wenn ich irgendwo warten muss und dort eine liegt.

Obwohl sie sich mit meinem Lieblingsfetisch beschäftigen, mag ich die deutschen Automagazine nicht sonderlich.

Sie sind reichlich dröge und nicht selten überaus unwitzig. Mein Lieblingsbespiel ist die Überschrift „Vati wünscht sich Ladedruck, Mutti wünscht sich Laderaum“ oder so ähnlich, die mich letztes Jahr sehr erzürnt hat.

Diesem Käseblatt für Motorsport habe ich einen Leserbrief geschrieben. Als Leserin möchte ich so etwas nicht sehen. Ebenso wenig wie Bannerwerbung vom Escortservice auf den Seiten meines Lieblings-Porscheforums. (Dies ist einer der Gründe, warum ich ein einges Blog habe, my rules !) Von den Werbungseinkäufern des Forums unbemerkt, ist hierbei die Botschaft: „Und wenn Du selbst trotz Porsche keine Frau kriegst, kauf Dir eine!“

Ich schweife ab…

Zurück zur Kernaussage: die deutschen Motor-Blätter haben noch jede Menge Raum nach oben. Wie es geht, zeigen zum Beispiel die englischen Kollegen, doch dazu ein andermal mehr…

Mutti steigt jetzt erst einmal in ihr Fahrzeug mit ordentlich Ladedruck und überholt ein paar Vatis 😉

Meine Freunde und meine Porscheleidenschaft

Niemand aus meinem Freundeskreis mag Autos besonders.

Für alle sind es Gebrauchsgegenstände und die meisten meiner Freunde fahren nur Kleinwagen.

Alle hatten natürlich mitbekommen, wie sehr ich mich für Porsches begeistere und wie lange ich mir einen gewünscht hatte.

Nachdem ich ihn dann endlich gekauft hatte, schickten sie mir die wunderbarsten Fotos.

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Geteilte Freude ist doppelte Freude!

YOLO!

Ich bin über 40, man muss mir erklären, was dieses Akronym aus der Jugendsprache heißt.

YOLO steht für „You only live once“.

Mit dem Porschekauf habe ich mich  nicht leicht getan. Mein interner Moralwächter tobte angesichts der Investitionshöhe. „Du hast doch ein Auto, es ist völlig dekadent, zwei zu fahren!“, „Am Haus muss noch einiges gemacht werden, das sollte vorgehen!“, „Denk an die Alltagsvorsorge!!!!“

An dem Morgen des Tages, an dem ich mittags den Kaufvertrag unterschrieben habe, hatte ich von dem Akronym in der Zeitung gelesen. Und die Einsicht, dass man sich dieses eine, oft zu kurze Leben schön machen muss, hat dazu begetragen, dass ich mir den langersehnten Wunsch erfüllt habe.

Heute Morgen lese ich dann in der Zeitung: „Deutsche Kinder sind leistungsstark aber unglücklich“.

Ja, habe ich gedacht. So werden wir erzogen. Auch ich war ein Mensch, der sich eher zur Leistung trieb, als sein Glück zu suchen.

Aber die Zeiten haben ein Ende. Jetzt hab ich ihn, den unvernünftigen Traumwagen.

YOLO!!!!!!!!

Wie ich ein Mann wurde

Fast mein ganzer Freundeskreis findet es komisch, dass ich im Sommer viel zum Nürburgring fahre. Sie haben schon im letzten Jahr gescherzt, dass ich aufpassen müsste, dass mir nicht Bart und Brusthaare wachsen, bei so einem männlichen Hobby.

Ich habe genau nachgesehen: nein, weder Bart noch Brustbehaarung. Gott sei Dank!!!

Offenbar tue ich häufiger Dinge, die andere Frauen nicht tun. Mein Verkäufer im PZ sagte, er hätte während seiner gesamten Berufstätigkeit noch keine Frau erlebt, die vor dem Kauf das Fahrzeug wegen eventueller Aufsetzschäden von unten sehen wollte. Ich wollte.

Die völlige Veränderung zum Mann fand, zumindest in den Augen meiner Mitschreiber  im Porscheforum, dann im April dieses Jahres statt.
Wie viele andere stolze Neu-Porschebesitzer hatte ich mich  und mein Fahrzeug im Forum vorgestellt und diese Vorstellung war auf einiges Interesse gestoßen.

Mehrere der Herren dort waren zu der Überzeugung gekommen, dass ich gar keine Frau sein könne. „Zu viel Ahnung“, zu „latent aggressiv“, zu „männlich“. Also gar keine Anne, sondern ein Arne.

Ich persönlich glaube gar nicht, sonderlich viel Ahnung zu haben, aber für die Jungs dort war es offenbar schon zu viel… ihr Weltbild war ins Wanken geraten.

Nun plane ich die Markteinführung einer „Arne-Kollektion“.
Sportswear für die porschefahrende Dame, nur echt mit dem „Arne“-Aufdruck und dem Bartsymbol 😉

Warum heißt ein Porscheblog „Nur nicht aus Liebe weinen“ ?

Wieso sollte man ein Blog über Porsches nach einem Zarah Leander Lied benennen?

In besagtem Lied singt Frau Leander über die Liebe und mahnt gleichzeitig zum gelassenen Umgang mit dem Objekt der Liebe.

Von vielen Porschefahrern kann man ohne zu zögern behaupten, dass sie Ihre Fahrzeuge lieben. So sehr, dass sie zu vielen, manchmal absurden Opfern bereit sind. (Dazu an anderer Stelle mehr…).

Es würde uns gut tun, gelassener mit dem edlen Blech umzugehen. Bei aller Liebe, ein Porsche ist und bleibt ein Gebrauchsgegenstand und wenn ich Gegenstand schreibe, so geschieht das mit Bedacht.

Ich selbst muss mich schockierend häufig zu dieser Gelassenheit ermahnen und versuche deshalb, hier die Porscheleidenschaft mit einem Augenzwinkern zu beschreiben.

Von daher: liebe Deinen Porsche,  aber „Nur nicht aus Liebe weinen“ !

Mein erstes Mal

Mein erstes Mal  bin ich kurz nach meiner Geburt im Porsche gefahren. Als Beifahrerin von Papa.

41 Jahre später, im klassischen Alter der midlife crisis, tat ich das, was viele Männer auch tun, in diesem heiklen Lebensabschnitt.

Nein, ich beschloss nicht, eine Affäre mit einer 20 Jahre jüngeren Frau zu beginnen!

Ich kaufte einen Porsche.

Vor den Kauf hat der liebe Gott die Probefahrt gesetzt. Meine Entscheidung war auf ein Porschezentrum bei mir in der Nähe gefallen. Ein Anruf, mit der Bitte um einen Probefahrttermin, führte nicht zum gewünschten Ergebnis. Ein erboster Anruf beim Verkaufschef mit dem Hinweis, ich sei kurz davor, den Spaß am Autokauf zu verlieren, brachte schließlich den angestrebten Termin. Vielleicht ein frühes Zeichen, dass es nicht immer leicht sein würde, in der Porschewelt zu leben…

Dann saß ich drin. Im Carrera mit 345 PS. Zuerst nur auf dem Beifahrersitz, ich Memme. Und schon da hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich mir einen Sportwagen anders vorgestellt hatte. Schneller, spritziger… als ich ihn dann selber fuhr, bestätigte sich dieses unbefriedigende Gefühl. Zur großen Überraschung des Verkäufers stand ich nach einer halben Stunde wieder vor ihm, mit den Worten: „Der macht mich irgendwie nicht glücklich, haben sie einen anderen?“

Er hatte. Einen Carrera 4 GTS. Schon beim Verlassen des Parkplatzes stellte sich das Gefühl ein, auf das ich gewartet hatte. „Ja, so muss es sein!“

Die Preise für den GTS sind und blieben hoch, alle Versuche, einen kleineren Motor zu fahren, endeten unbefriedigt. Geworden ist es, fast ein Jahr später, schließlich ein Carrera 4S, mit 385 PS. Ein Kompromiss zwischen meinem need for speed und meiner Investitionsbereitschaft.

Zwei endlos lange Wochen lagen zwischen dem zittrigen Unterschreiben meines ersten Porschekaufvertrags und dem Tag, an dem ich ihn abholen konnte. Die Motorhaube sollte wegen Steinschlägen noch neu lackiert werden und ich hatte einen Urlaub geplant.

Um mir die Zeit zu vertreiben, war ich viel im pff unterwegs. Einem Forum, in dem sich Porschefahrer austauschen. In dieser Zeit kam mir die Idee für dieses Blog. Unglaubliche Dinge geschahen. Unter anderem wurde ich für einen Mann gehalten. Doch davon später mehr…