Leben am Limit

Ute erwähnte neulich, dass es im Blog ruhig geworden sei.
Das liegt daran, dass es im Leben so unruhig ist.
Das Geschäft läuft sensationell gut und mitten in der Hochsaison bin ich auch noch geschäftlich umgezogen.

Sonntagmorgen um halb sechs habe ich in den neuen Räumen den Schleifstaub des Parkettlegers beseitigt und dann habe ich ein furchtbares Fahrzeug geliehen, einen Iveco.
Das ist ein Billigsprinter.

Unfassbar lang und man sitzt so weit oben, dass ich Höhenangst hatte beim Fahren.
Dieses lange Ding musste dann durch enge Einfahrten rangiert werden.
Von mir.

Als ich noch immer zitternd die Leiter aus dem Fahrerhaus hinunter geklettert war und der Dr. (er hatte das Glück im Pkw gefahren zu sein…) mich und meinen 15 jährigen Beifahrer fragte, wie die Fahrt geklappt habe, war dessen trockener Kommentar:
Leben am Limit!

Romantik auf der Rückbank

Neulich kam es zu einem Gespräch über Autos.
Er: „Ich fahre einen Renault Lattitude.“
Ich: „Was ist das denn?“
Er: „Ja, der ist ganz selten.“

Er schickt ein Bild.
Auf dem Bild ist ein nichtssagendes Auto.
Ich überlege lange, was man Höfliches antworten könnte.
„Sieht komfortabel aus.“

Er: „Freut mich, dass er Dir gefällt.“
Meine Stirn schlägt auf die Tischkante.
Wie in aller Welt kommt er da drauf? Vermutlich ein nichtzutreffender Schluss von sich selbst auf andere.

Dann werde ich noch darüber informiert, dass hinten unglaublich viel Platz für Romantik sei.
Romantik?
Das ist so ziemlich das Letzte, was mir zu Autos einfällt.

Nicht, dass meinen Porsche und mich nicht eine tiefe Liebe verbindet, aber Leute, die mit über 20 noch im Auto vögeln, befremden mich.
In Autos kann man so viel Spaß haben, muss es denn auch noch dieses messy business sein?

Das hat so etwas Verzweifeltes.
Assoziationen zwischen Papi auf dem Autostrich und notgeilem Gefummel drängen sich mir auf.
Bäh.

Den besten Sex hat man mit dem und nicht im Wagen.
Das allerdings setzt das entsprechende Fahrzeug voraus…

 

 

Das perfekte Verbrechen

Samstagmorgen gegen 8 Uhr auf der A46.
Heute ist VLN, aber ich bin unterwegs zum Kunden.
Auf dem Seitenstreifen steht ein Autotransporter.
Voll mit Porsches, auf zwei Etagen.

Einige sind abgedeckt, unter dem Cover ist ein riesiger Flügel zu erkennen.
Sofort meldet sich in mir ein Begehren, die Porsches in meinen Besitz zu bringen.
Alle.
Das ist überhaupt kein Problem.

Während ich die Autobahn hinunterfahre überlege ich, dass ich nur den Fahrer überwältigen müsste, und durch eine göttliche Eingebung auf einmal in der Lage sein müsste, LKW zu fahren.
Dann noch schnell den Mercedes verstecken, der mich bis zum Porschetransporter gebracht hat, und schon gehören sie alle mir.

Was wirklich passiert ist, dass ich den gesamten Samstag beim Kunden verbringe, in der C-Klasse zurück gurke und die VLN verpasse.
Kein Wunder, dass ich vor lauter Frustration keine runden Obst-Pfannkuchen backe, sondern die Dinger wie von Zauberhand nordschleifenförmig werden…

pfannkuchen

Verdienste um den Motorsport

Auf einmal war da dieses Schild.
Es stand  in der Eifel und sah aus wie ein Rallye-Schild.
Mit einem riesigen Stempel drauf.
Bei näherer Inspektion auf einem Mopsspaziergang sah ich, dass auch noch ein kleiner Stempel daran hing, Text: MSC-Aachen.

Der Dr. hat im Internet nachgeschaut und festgestellt, dass die Aachener vor einigen Tagen eine Tour durch die Eifel gemacht hatten und offenbar hatte der Schilder-Verantwortliche vergessen, das Schild wieder mitzunehmen.
In einem Telefonat haben wir mit dem MSC ausgemacht, dass wir das Schild retten und so lange bei uns aufbewahren, bis jemand es abholen kann.

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Medizinischer Notfalleinsatz mit Taschenmesser in der Wildnis, der Dr. im Rettungsdienst.

Heute hatten wir Besuch.
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Das Schild und seine vergessene Schwester wurden abgeholt, ich habe zur Feier des Tages mit Ikea-Keksen den Vereinsnamen gebaut.
Für unsere Verdienste um den Motorsport sind wir lecker belohnt worden:
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Aachner Printen und ein nettes Pläuschchen.
Der Dr. sagt, bei uns gebe es auch einen Motorsport-Club.
Ich muss mal gucken, ob das etwas für mich wäre.

Zwei Porschefahrer im ÖPNV

Wir haben eine neue U-Bahnlinie.
Schon länger, aber wenn so etwas neu ist, warte ich immer lieber das Abklingen der Kinderkrankheiten ab.
Heute wollten der Dr. und ich in die Stadt und hatten geplant, Park and Ride zu machen.

Der Hinweg war ausgesprochen preisgünstig, der Fahrkartenautomat war defekt und offenbar kann man dann schwarz fahren.
Der Rückweg in einer schlecht gelüfteten und schlecht ausgeschilderten Straßenbahn (ich sage nur Rundfahrt quer durch die Stadt, weil in beiden Richtungen dieselbe Beschilderung drauf stand…) hat pro Person 2.60 Euro gekostet.

Wir waren ausgesprochen erschöpft von der Erfahrung und hätten für dasselbe Geld auch ins Parkhaus fahren können, aber vermutlich hat er Höllentrip unsere Öko-Bilanz verbessert.
Wir werden diese Erfahrung in den nächsten 5 Jahren nicht noch einmal anstreben, glaube ich.

Zuhause musste ich ermattet auf die Couch sinken und Christophorus lesen.
Herr Dr. Josef Arweck, der Herausgeber, hat sich im Blatt fotografieren lassen.
Was ihm an Haupthaar abhanden gekommen ist, baut er ums Kinn herum an, und trägt zwar Schlips zum Hemd, aber kein Sakko.

Bei sehr jungen, sehr gutaussehenden Männern sehen Bärte klasse aus, bei allen anderen helfen sie nicht.
Mann wir dadurch auch nicht hip.

Früher war er bei McKinsey, ob er sich da auch schon so ungekonnt stylen durfte?
Die Marke Porsche steht doch eigentlich für Ästhetik…
Auf der anderen Seite hat er Politikwissenschaften studiert, und mit der Fachrichtung assoziiert Frau ohnehin nicht die elegantesten Personen.

Als Herausgeber des Christophorus sollte er eigentlich seinen Autoren etwas aufmerksamer auf die Finger schauen.
Auf Seite 51 benutzt John Baekelmans ein Wort, bei dem sich mir regelmäßig die Nägel nach oben rollen, „Düsenjet“.
Könnten die Herren vom Porscheblatt mal bitte nachschlagen, wie die Übersetzung von „jet“ ins Deutsche lautet?!

Ich hoffe, die Technik in meinem Auto ist überzeugender konstruiert, als die Unternehmenskommunikation!

Schneller im Himmel

Die Eifler fahren gerne flott.
Wenn ich terminbefreit durch die schöne Gegend cruisen will, habe ich oft einen genervten Bergbewohner an der Stoßstange kleben, der bei erster Gelegenheit zügig überholt.

Ich selbst habe vor vielen Jahren in der Eifel das Überholen auf Landstraßen gelernt.
Die Anleitung lautete damals: „Dicht ranfahren, dann mit Vollgas vorbei!“…

Sogar tote Eifler sind schneller im Himmel, als im Rest der Republik.
Neulich fuhr ein Leichenwagen mit Dauner Kennzeichen hinter mir her.
Die Farbe war schon ungewöhnlich, er war weiß.
Er hatte die typische Form, mit dieser Haube hintendrauf und den Gardinen im Fenster.

Der Grill vorne verriet aber, dass der Betreiber des Bestattungsunternehmens offenbar ein Herz fürs Sportliche hat.
Der Grill war eindeutig von AMG.

Macht Euch sowas an?

Der Dr. guckt DTM auf dem abgewrackt wirkenden Hungaro-Ring.
Mich interessiert das nicht wirklich, ich mache etwas anderes und schaue nur kurz hin.
Billig gestylte Frauen laufen in kurzen Röcken im Kreis und halten briefmarkenförmige(!) Schilder hoch.

„Ach Du Sch**ße!! “ denke ich und gucke schnell wieder weg.
Dann kommt es noch bekloppter.
Animierte Autos, über denen die Fahrer bescheuerte Gesten machen, laufen als Vorstellungs-Grafik.

Ist Männern nichts zu flach?
Wer denkt sich so einen Mist aus?
In den Boxen stehen die Teams.
Alle in Ihren Team-Uniformen.

Es gibt diese bestimmte Sorte Mann, die es schafft, auch in Hemd und Kragen unseriös zu wirken.
Ich glaube, es liegt am Kopf, der oben rausguckt…
Einige unfreundliche Dinge über die DTM im Allgemeinen und diese dämliche Inszenierung im Besonderen murmelnd verziehe ich mich in den Garten.

Der Dr. fiebert mit, es hat kurz nach dem Start eine Rempelei gegeben.