Nochmal Turbo

Der Dr. und ich sind heute sicher von einem Porsche 911 Turbo-Fahrer für völlig bekloppt gehalten worden.
Wir kamen vom Blumenladen und hatten einen Mops im Schlepptau.
Die Sonne schien herrlich und wir waren in unserem Viertel unterwegs.

Ich wollte bei der Post noch Briefmarken kaufen und auf dem Parkplatz der Post stand er.
Ein weißer Porsche.
Im Stillen dachte ich „Ein Turbo“.
Der Dr. sagte: „Da steht ein GTS oder ein Turbo.“

Ich sagte: „Turbo!“ während der den Wagen umrundete und anhand der Lufteinlässe die Diagnose: „Turbo!“ bestätigte.
Erst da bemerkte ich es.
Der Turbo war gar nicht leer!
Der Fahrer hatte die ganze Zeit im Wagen gesessen, während wir ihn umrundeten und über ihn sprachen.

Sehr unangenehm, er muss uns für geistig arme Auto-Nerds gehalten haben.
In der Post habe ich mich nach der Demütigung mit Porschebriefmarken getröstet.
Needless to say hatte dieser Turbo seine Föhn wo er hingehört: irgendwo unsichtbar verbaut…

Turbo!

Der Sohn unserer Nachbarn war als Kind schon komisch.
Inzwischen hat er einen Freund, der ihn täglich besucht, und auch ausgesprochen eigenartig ist.
Genau wie sein Auto.

Ein unattraktives silbernes Fahrzeug mit einem Föhn-Aufkleber und einem Lufterfrischer in Föhnform am Rückspiegel.
Heute beim Mittagessen sage ich: „Der Freund vom kleinen B. ist aber sehr treu, der kommt jeden Tag! Was soll das eigentlich mit dem Föhn?“

Der Dr. fragt, ob ich den Herren mit dem Seat meine.
Ich hatte nur ein sehr häßliches Auto gesehen, und frage an meiner Kartoffel vorbei: „Ist das ein Seat?“
Der Dr bestätigt dies und erläutert mir, dass der Föhn für „Turbo“ stehe.

Jetzt macht es auf einmal Sinn.
Der Verehrer vom Nachbarsjungen sah nämlich überhaupt nicht aus wie ein Frisör, ganz im Gegenteil, er wirkt ziemlich ungepflegt.
Auf die Tatsache, dass er einen Turbo im Auto hat, ist er scheinbar ausgesprochen stolz.

Was Männer sich immer für einen Scheiß ins und ans Auto pappen müssen!
Ganz nebenbei teilt mir der Dr. mit, ich hätte auch einen Turbo.
Voller Bedauern denke ich, dass leider in meiner Garage kein GTS auf mich wartet, da schiebt der Dr. hinterher: „Im Mercedes.“

Wußte ich gar nicht.
Das ist jetzt allerdings kein Grund, für mich am Montag so einen Föhn-Aufkleber zu kaufen zu gehen.

 

„Hallo Porschefahrerin“

Die Umgangsformen unterliegen einem stetigen Wandel.
Auch im Business erleben wir immer wieder neue Trends, was die Etiquette anbelangt.
Ein junger Kunde beantwortete heute meine Mail.
Die Anrede lautete: „Hallo Porschefahrerin“.

Ich musste grinsen, im letzten Jahr hatte ich ihn und seine Kollegin mal im schwarzen Prinzen mitgenommen.

Fürchtete die Automobilindustrie noch vor kurzer Zeit, dass die Youngsters mehr auf Carsharing als auf Selberkaufen abfahren würden, lässt dieser Trend doch hoffen.
Die korrekte Anrede in der beruflichen Korrespondenz kann ja schließlich nicht „Hallo Carsharing-Kleinwagenfahrerin“ lauten… 😉

Need for speed

Wenn man nicht mehr kann, braucht man eine Kur.
Normalerweise müssen dafür Arztbesuch und Anträge erledigt werden.
Meine Kur kann ich mir selber machen.
Ich steige ins Auto.

Am sehr frühen Sonntagmorgen war ich schon auf der Autobahn.
Der aufgehenden Sonne entgegen.
Die Bahn war leer, im Radio lief eine Dancehymne von Coldplay und weil so ein Auto ja ab und zu mal Vollgas braucht, habe ich ihn laufen lassen…

Eine Stunde so zu verbringen ist ungeheuer heilsam.
Meine Seele kommt wieder in die Balance, ich fühle mich danach satt und zufrieden.
Das geht nur wenn ich alleine fahre, es muss schnell sein, und die Straße leer.

Meiner Krankenkasse spart so eine Speed-Kur eine Menge Geld, mich macht sie glücklich.

Herr Zuckerbergs Weltherrschaft

Google, Youtube, Facebook und Co saugen in unverschämter Weise Daten.
Und zweifellos ist das gefährlich.
Aber offenbar reichen die Daten noch nicht, um die Welt auch wirklich zu verstehen.
Wie komme ich zu dieser steilen These?

Ich bin Youtube-süchtig.
Den Fernseher mache ich kaum noch an.
In der Tube kann ich zu allen Themen meines Interesses (Autos, Garten, vegane Küche etc.) jeweils das anschauen, was mich interessiert.
Und zwar zu jedem Zeitpunkt der mir passt, ergo besser als TV.

Youtube macht mir immer Vorschläge, was mich interessieren könnte.
Neulich zum Beispiel aus der Rubrik „Autos“.
So weit bin ich also schon gläsern, Herr Zuckerberg weiß, dass ich Interesse an Autos habe.

Das vorgeschlagene Video hat mich dann aber schon amüsiert:
https://www.youtube.com/watch?v=qzwZeDV4NE4
Es ist nämlich von mir, das hat er wohl nicht so richtig kapiert, der Mark.
Das Video handelt von meinem Wunschfahrzeug…

Alles wird schlechter

Das ist nicht meine Prognose fürs neue Jahr.
Obwohl das durchaus sein könnte, viele Musik-Idole meiner Jungend sind 2016 gestorben.
Alle irgendwie zu früh.

Was schlechter wird, sind die Autos.
Seit heute Abend fahre ich Leihwagen.
Meine C-Klasse steht zur Beseitigung des Unfallschadens bei Mercedes.
Es war schon ein Drama, einen vernünftigen Leihwagen zu bekommen.

Der Mitarbeiter der Werkstatt hatte mich beunruhigt, als er mir mitteilte, dass meine C-Klasse ja schon ordentlich etwas runter habe und das deutsche Versicherungsrecht so gestrickt sei, dass ich eventuell als Ersatz nur eine B-Klasse bekäme.
B-Klasse?

Ich weiß gar nicht genau, wie das Ding aussieht, aber ich will keine B-Klasse.
Auch keinen Audi.
Wenn jemand meine C-Klasse kaputt macht, will ich eine Ersatz-C-Klasse.
Alles andere erscheint mir unfair.

Mein Freund Stefan und der Dr. konnten gar nicht verstehen, wo mein Problem mit der B-Klasse sein sollte, beide meinten „Hauptsache mobil“.
Ich sehe das anders.
Ich habe schließlich eine Ehre und die wird durch fiese kleine Autos beschädigt, das geht nicht.
Keine Kastration durch B-Klasse!

Nach ca. 100 Telefonaten mit der Versicherung des LKW-Fahrers und Europcar wurde mir eine C-Klasse zugesagt.
Es war dunkel, als ich in den Leihwagen einstieg.
Hinter dem Beifahrersitz glitzerte es weiß.

Eine Menge weißen Pulvers lag dort auf der Auslegeware.
Ich hoffe, es ist Kokain.
Wie auch immer, sauber war der Wagen nicht.
Aber er war noch gar nicht viel gefahren worden und sah ansonsten schön neu aus.

Das sollte sich als Problem herausstellen…
Mehr als eine Schlüsselübergabe hatte ich nicht bekommen und nun saß ich ratlos am Steuer des Mietwagens.
Da, wo bei meinem Modell die Gänge eingelegt werden, konnte man nichts auf „D“ stellen.

Der Herr von Europcar musste mir sagen, dass man es bei diesem Modell mit einem Hebel am Lenkrad macht.
Irgendwann fuhr der Wagen endlich und mit Schrecken stellte ich fest, wie schlecht die Standard-Lautsprecher bei Mercedes sind.

Der Motor war ist ein Benziner mit weniger PS als meiner, folgllich auch weniger flott.
Als ich über einen ganz flachen Bordstein fuhr rumpelte es fies, offenbar kein Allrad.
An der ersten Ampel wackelte auf einmal das ganz Auto unangenehm und ging dann aus.

„Oh Gott, irgendetwas stimmt nicht!“ fuhr es mir durch den Kopf.
Dann kam mein Großhirn aus der Schockstarre gehumpelt, und mir wurde klar, dass dies diese dämliche Stopp-Automatik ist.
Warum verändern die alles?

Gut, ich gebe zu, ich mag es nicht, wenn Dinge, die ich für gut halte, sich ändern.
Da fehlt mir die geistige Flexibilität.
Aber sinnfreie Änderungen sind nun wirklich überflüssig.
Erst recht, wenn sie das Fahren unangenehmer machen.

Bevor ich morgen den Leihwagen starte, nehme ich etwas von dem weißen Zeug hinter dem Beifahrersitz, vielleicht hilft das.