Oh wei, Herr GT3

Freitagnachmittag, Rush Hour, A46, kurz vor Düsseldorf.
Schleichend quält sich der Verkehr mit Tempo 30 durch das Versagen der nordrheinwestfälischen Verkehrspolitik und Baustellenplaner.
Nicht so der Herr im GT3!

Sein Wagen ist auffällig und geschmacklos foliert und er trägt Handschuhe mit abgeschnittenen Fingern.
Sein Motor heult auf, während er auf der linken Spur, die ebenso voll ist wie der Rest der Autobahn, stark beschleunigt und sofort wieder abbremst.

Auf dem Beifahrersitz eine Frau, vielleicht will der Herr mit den albernen Handschuhen und der welken Gesichtshaut ihr imponieren.
Ich schüttele den Kopf und frage mich bang, ob ich auch schon mal derartig peinlich die gesamte Porschefahrerwelt blamiert habe.

Wie schafft es eine solche Knalltüte im Job ausreichend erfolgreich zu sein, um genügend Geld für ein so teures Fahrzeug anzuhäufen?
In welchen Berufen sind unreifes Verhalten, schlechter Geschmack und alberner Kleidungsstil von Vorteil?

Mein innerer Buddha mahnt mich, nicht gedanklich die Samen des Bösen zu wässern, und als er die Bahn verlässt, verabschiede ich sein häßliches Gefährt mit dem Gedanken, dass er seinen unterirdischen Geschmack ganz bestimmt durch ein besonders reines Herz ausgleicht…

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Homecoming Queen

Meine Fahrt in die Eifel erinnert mich an den ersten Harry Potter Band.
Dort kündigen Katzen im Ligusterweg die Zauberer in der Muggelwelt an.
So ähnlich geht es auf der A1 zu.
Überdurchschnittlich viele Autos mit Nordschleifenaufkleber unterwegs…

Nicht wenige hochmotorisiert.
„Ob heute VLN ist?“ frage ich mich.
Und mein Glück will es, dass ich ungeplant zum ersten Mal in diesem Jahr und bei allerbestem Wetter zur VLN kann, memento vivere!

Der Winter war lang und durch ein anstrengendes Projekt geprägt.
Dieses nähert sich nun der Zielgraden und ich bin kurz davor, sehr zufrieden diesen Kraftakt abzuschließen.
Die Sonne verwandelt die Eifel in ein Motorsportpapradies und die Jacke kann im Auto bleiben.


Winken bei der Einführungsrunde kurz vor der Brücke in Adenau.
Als der Fuchsschwanzmanta an mir vorbei fährt, kann ich mich des Gedanken nicht erwehren, dass die Welt doch beruhigend in Ordnung ist.
Alles noch da, wo es hingehört, ein Gefühl, wie nach hause zu kommen.

Der Hunger treibt mich zum Lieblingsitaliener.


Das Rennen wird auf dem Laptop verfolgt, und dazu gibt es eine superleckere Tomatensuppe.
Auch hier ist alles wie ich es verlassen habe.
Derselbe Mann zwei Tische neben mir, ich an meinem Lieblingsplatz.

Ich mag dieses Gefühl, wenn die Welt meiner Seele passt, wie ein gut sitzender Handschuh.
Auf dem Weg zum Auto treffe ich die wunderbare Giulia, die das Restaurant 30 Jahre lang geführt hat.
Wir begrüßen uns herzlich.

Die Rückfahrt vom Ring wird überschattet von Motorradfahrern, die auf einer zweispurigen Landsstraße eine dritte Spur in der Mitte eröffnen und mich schaudernd denken lassen, dass ich nicht sehen will, wie sie schwerst verletzt auf der Straße liegen, während ich gezwungen bin, erste Hilfe zu leisten.

Oder mir frontal ins Auto krachen.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen kann ist, dass genau so ein Unfall heute noch im Ahrtal passieren wird.
Zum Glück ist alles, was ich davon mitbekomme, das kaputte Bike auf dem ADAC-Wagen.

„Organspenderwetter“ nennen die Mediziner in den Notaufnahmen Tage wie diesen.
Für mich geht ein runder Tag idyllisch in der schönen Landschaft zuende.
Reine Glückssache… memento mori.

12 Männer und 12 Hunde unterwegs im Porsche durch Kalifornien

26. Dezember, Porschewetter.
Die Straßen sind trocken und es ist warm genug, um die Sommerreifen fahren zu können.
So schwül es im Sommer oft bei uns ist, so mild sind die Winter im „Kalifornien NRWs“.

Der Carrera und ich sind unterwegs zur traditionellen Weihnachtsabschluss-Party bei meinen Freunden.
Er kennt die Strecke und ich lasse meinen Blick beim Fahren schweifen.
MON-EY lese ich auf dem Kennezeichen eines schwarzen Mercedes.

Kann man machen, muss man aber nicht, denke ich.
Der Mann am Steuer passt zu seinem Kennzeichen, leider ist er kein begnadeter Fahrer.
Kurz danach lenkt mich eine flott durchfahrene Kurve ab.

Huah!
„Das war aber etwas flott!!“ flüstert mein innerer Angsthase.
„Scheiß drauf“ antwortet die wilde Frau in mir, „dafür sind diese Autos schließlich gebaut.“

Optimal gebaut ist auch des Elfers Ablage unter der Heckscheibe.
Mein traditionells Geschenk (jedes Jahr schenken mir die Gastgeber einen Kalender) passt perfekt:
Dieses Jahr: 12 Männer mit muskulösem Oberkörper (alle haben zufällig Ihr T-shirt verlegt…) und Hund.

2018, ich bin bereit!

 

 

Mit dem Oligarchen auf der Autobahn

Heute ist der erste Advent.
Zu meiner Verblüffung stellte ich beim Aufstehen fest, dass Petrus, um uns Rheinländer in Stimmung zu versetzen, den ersten Schnee des Winters geschickt hatte.
Alles war weiß.

Ich musste in die Eifel und bei dem Wetter war klar, die C-Klasse muss ran, der Elfer bleibt in der salzfreien, schneefreien Garage.
Auf den Straßen war die übliche Mischung aus Nässe, Matsch und Salz.
Und mitten drin, zu meiner großen Fassungslosigkeit, ein 911.


Kilometerweit beschäftigte mich die Frage, warum man bei diesem Wetter seinen Porsche aus der Garage holt.
Die einzig sinnvolle Erklärung war folgende: der Fahrer ist ein russischer Oligarch und der Elfer das billigste Fahrzeug in seiner Garage.

In der Eifel hielt ich in Marmagen bei meiner Lieblingsbäckerei.
Auf dem Weg dorthin hatte ich ein Auto im Graben gesehen.
Als ich dies der Verkäuferin beim Bäcker erzählte, war deren lakonische Antwort:
„Da war er vermutlich zu langsam.“

Als ich vorbei an schneebedeckten Kiefern zurück zur Autobahn rollte, musste ich wieder an den 911er von der Hinfahrt denken.
Lieber Herr KF-WT 911,
ich hoffe, Ihr Porsche steht heile und nach gründlicher Wäsche wieder in der Garage…

Treffen mit Mr. Teen Spirit

Mein Karma ist bestimmt ruiniert.
Ich habe gerade mit Herrn Teen Spirit gesprochen, weil wir uns auf einem Hundespaziergang trafen.
Er roch heute unauffällig, hatte wieder die schöne Jacke an und war sehr freundlich.

Und ich böse Frau schreibe hier gemeine Sachen über seine Parfumauswahl…
Ich werde mich umgehend in reinen Gedanken und buddhistischer Friedfertigkeit üben!

Die schlechteste Aufmunterung der Welt

Samstagabend, zwanzig Uhr, die Düsseldorfer Innenstadtstraßen sind voll, es ist eng.
Die Lichter der Autos um mich herum verschwimmen vor meinen Augen, ich muss mir immer wieder die Tränen vom Gesicht wischen, als ich vom Abendessen nach Hause fahre.
Ich war mit einem guten Freund verabredet gewesen.

Die letzten drei Wochen war ich ziemlich krank und musste schwere Schmerzmittel nehmen.
Das eine habe ich gestern versucht abzusetzen, und beim Absetzen kann es zu Depressionen kommen, die sich promt einstellten.

Also rief ich den Freund an, damit er mich beim gemeinsamen Abendessen aufheitere.
Im Sommer hatte man ihn wegen Prostatakrebses operiert, er hatte sich gut erholt und wir beide waren froh, dass das hinter ihm lag.
Wir saßen beim indischen Essen, als er sagte, der Krebs sei zurück.

Mein Onkel ist vor einigen Jahren an den Knochenmetastasen seines Prostatakrebses gestorben.
Unter großen Schmerzen.
Ich will meinen Freund nicht verlieren und ich will nicht, dass ihn ähnliches Leid erwartet.

Wenn wir zusammen essen, schreiben wir immer noch einen Dank für den schönen Abend.
Heute schreibe ich ihm, dass ich den ganzen Heimweg weinen musste und dass wir mit den schönen Abenden weitermachen werden.

Er antwortet: „Jau abgemacht. Vorwärts mit den schlechten Nachrichten! Hoch die Depression!“
Ich muss unter Tränen lachen.
Vorher hatte ich ihm geschrieben, dass er den ersten Preis für die schlechteste Aufmunterung gewinnt.

Ich bin es so leid, im Auto zu weinen.
Um die nutzlosen Männer in meinem Leben oder um die wertvollen Freunde.

Smells like Teen Spirit

Er hat einen Carrera 4S und einen Cayenne GTS und einen Riesenpool hinterm Haus.
Ich kenne ihn nicht persönlich, aber sein Haus liegt auf der Route, die ich mit den Hunden immer nehme.
Neulich sah ich ihn zum ersten Mal außerhalb des Porsches.

Er war groß und hatte eine coole Jacke an.
Man hätte denken können, er ist ein toller Typ.
Als ich seinen Briefkasten erreichte, vor dem er gestanden hatte, konnte ich es nicht fassen.

Es lag ein intensiv süßlicher Teenie-Mädchenparfum-Vanilleduft in der Luft.
Er muss sich unglaublich viel von dem Zeug draufgekippt haben.
Gerüche lösen in uns sehr schnell Emotionen aus.
Was in aller Welt wollte Porschemann damit erreichen?

Gibt tonnenweise Geld aus, um den Nimbus der coolen Sau hinzubekommen, und dann riecht er wie ein Mädchen?
Nicht dass Mädchen per se uncool sind, aber solche die Vanille-Überdosis-Cremes auf ihre 13-jährigen Körper schmieren, irgendwie schon.

Immer, wenn er jetzt den machtvollen Sound seines Elfers in seiner Auffahrt erklingen lässt, muss ich grinsen.
In der Karre riecht es nicht nach Benzin und Leder, sondern nach Arbeitsunfall in der Vanillekipferl-Fabrik: Mann in Backmischung gefallen.