Mit dem Oligarchen auf der Autobahn

Heute ist der erste Advent.
Zu meiner Verblüffung stellte ich beim Aufstehen fest, dass Petrus, um uns Rheinländer in Stimmung zu versetzen, den ersten Schnee des Winters geschickt hatte.
Alles war weiß.

Ich musste in die Eifel und bei dem Wetter war klar, die C-Klasse muss ran, der Elfer bleibt in der salzfreien, schneefreien Garage.
Auf den Straßen war die übliche Mischung aus Nässe, Matsch und Salz.
Und mitten drin, zu meiner großen Fassungslosigkeit, ein 911.


Kilometerweit beschäftigte mich die Frage, warum man bei diesem Wetter seinen Porsche aus der Garage holt.
Die einzig sinnvolle Erklärung war folgende: der Fahrer ist ein russischer Oligarch und der Elfer das billigste Fahrzeug in seiner Garage.

In der Eifel hielt ich in Marmagen bei meiner Lieblingsbäckerei.
Auf dem Weg dorthin hatte ich ein Auto im Graben gesehen.
Als ich dies der Verkäuferin beim Bäcker erzählte, war deren lakonische Antwort:
„Da war er vermutlich zu langsam.“

Als ich vorbei an schneebedeckten Kiefern zurück zur Autobahn rollte, musste ich wieder an den 911er von der Hinfahrt denken.
Lieber Herr KF-WT 911,
ich hoffe, Ihr Porsche steht heile und nach gründlicher Wäsche wieder in der Garage…

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Treffen mit Mr. Teen Spirit

Mein Karma ist bestimmt ruiniert.
Ich habe gerade mit Herrn Teen Spirit gesprochen, weil wir uns auf einem Hundespaziergang trafen.
Er roch heute unauffällig, hatte wieder die schöne Jacke an und war sehr freundlich.

Und ich böse Frau schreibe hier gemeine Sachen über seine Parfumauswahl…
Ich werde mich umgehend in reinen Gedanken und buddhistischer Friedfertigkeit üben!

Die schlechteste Aufmunterung der Welt

Samstagabend, zwanzig Uhr, die Düsseldorfer Innenstadtstraßen sind voll, es ist eng.
Die Lichter der Autos um mich herum verschwimmen vor meinen Augen, ich muss mir immer wieder die Tränen vom Gesicht wischen, als ich vom Abendessen nach Hause fahre.
Ich war mit einem guten Freund verabredet gewesen.

Die letzten drei Wochen war ich ziemlich krank und musste schwere Schmerzmittel nehmen.
Das eine habe ich gestern versucht abzusetzen, und beim Absetzen kann es zu Depressionen kommen, die sich promt einstellten.

Also rief ich den Freund an, damit er mich beim gemeinsamen Abendessen aufheitere.
Im Sommer hatte man ihn wegen Prostatakrebses operiert, er hatte sich gut erholt und wir beide waren froh, dass das hinter ihm lag.
Wir saßen beim indischen Essen, als er sagte, der Krebs sei zurück.

Mein Onkel ist vor einigen Jahren an den Knochenmetastasen seines Prostatakrebses gestorben.
Unter großen Schmerzen.
Ich will meinen Freund nicht verlieren und ich will nicht, dass ihn ähnliches Leid erwartet.

Wenn wir zusammen essen, schreiben wir immer noch einen Dank für den schönen Abend.
Heute schreibe ich ihm, dass ich den ganzen Heimweg weinen musste und dass wir mit den schönen Abenden weitermachen werden.

Er antwortet: „Jau abgemacht. Vorwärts mit den schlechten Nachrichten! Hoch die Depression!“
Ich muss unter Tränen lachen.
Vorher hatte ich ihm geschrieben, dass er den ersten Preis für die schlechteste Aufmunterung gewinnt.

Ich bin es so leid, im Auto zu weinen.
Um die nutzlosen Männer in meinem Leben oder um die wertvollen Freunde.

Smells like Teen Spirit

Er hat einen Carrera 4S und einen Cayenne GTS und einen Riesenpool hinterm Haus.
Ich kenne ihn nicht persönlich, aber sein Haus liegt auf der Route, die ich mit den Hunden immer nehme.
Neulich sah ich ihn zum ersten Mal außerhalb des Porsches.

Er war groß und hatte eine coole Jacke an.
Man hätte denken können, er ist ein toller Typ.
Als ich seinen Briefkasten erreichte, vor dem er gestanden hatte, konnte ich es nicht fassen.

Es lag ein intensiv süßlicher Teenie-Mädchenparfum-Vanilleduft in der Luft.
Er muss sich unglaublich viel von dem Zeug draufgekippt haben.
Gerüche lösen in uns sehr schnell Emotionen aus.
Was in aller Welt wollte Porschemann damit erreichen?

Gibt tonnenweise Geld aus, um den Nimbus der coolen Sau hinzubekommen, und dann riecht er wie ein Mädchen?
Nicht dass Mädchen per se uncool sind, aber solche die Vanille-Überdosis-Cremes auf ihre 13-jährigen Körper schmieren, irgendwie schon.

Immer, wenn er jetzt den machtvollen Sound seines Elfers in seiner Auffahrt erklingen lässt, muss ich grinsen.
In der Karre riecht es nicht nach Benzin und Leder, sondern nach Arbeitsunfall in der Vanillekipferl-Fabrik: Mann in Backmischung gefallen.

 

 

Faraday-Porsche

In den letzten Tagen hat Murphys Gesetz sich bei mir breit gemacht.
Freitag der letzten Woche war der 13. und als wolle mich jemand davon überzeugen, dass es Unglückstage wirklich gibt, reihten sich die Unerfreulichkeiten nur so aneinander.

Als ich gestern zur Arbeit aufbrach, war das Leben noch immer doof.
Aber immerhin warm und trocken, daher kam der Porsche mit.
Und als ich über die morgendlich dunkle Autobahn fuhr, legte sich zum ersten Mal seit vier Tagen Ruhe über meine Seele.

Ich saß in meinem schwarzen Kokon,
eingepackt in den Sportsitz, umhüllt vom Klang der Anlage.
Drinnen Bose, draußen das Böse.
Als trenne die Flyline die Einflüsse der Mitmenschen vom Innenraum.

Der Sportwagen als sicherer Hafen, als Mutterschoß, in den Frau sich flüchtet.
Take that, Porsche-Marketingabteilung!

Verdammt scharf

Die ätzenden Bemerkungen häuften sich.
Dauernd wurde ich von irgendwelchen Männern darauf hingewiesen, dass mein Porsche schon ziemlich dreckig sei.
Das stimmte, er wird halt benutzt.

Wobei der Stachel schon saß, ich selbst finde ja auch, dass sauberer Lack das Gesamtkunstwerk noch heller strahlen lässt.
Mit dem Oktober kam allerdings auch das instabile Wetter und so fanden die schwarze Schönheit und ich uns an einem Tag mit dauernden Schauern in einer dieser verdammten Verrichtungsboxen wieder.

Mißmutig fing ich mit den Felgen an.
Als ich später über die breiten Hüften seifte, diesen perfekten Formen nachfuhr, konnte ich mich lüsterner Gedanken nicht erwehren.
Diese breiten Backen…

Jetzt steht die Sexbombe sauber in der Garage.
Und ich grüble schon die ganze Zeit, ob er da auch besser drin bleibt, wenn ich morgen zum Ring fahre, da es Regen geben wird.
Das Problem ist, ich bin so unglaublich scharf auf ihn…

Joyride

Video

Wir haben den dritten Oktober und mir ist zum ersten Mal in diesem Jahr langweilig.
Ich hatte vergessen, was das für ein nerviges Gefühl ist.
Am frühen Nachmittag trocknen die Straßen endlich ab, es stellt sich doch noch Porschewetter ein, und ich greife nach dem Elferschlüssel.

Ich muss nirgendwo hin.
Wobei, so kann man das nicht sagen, schließlich bin ich nicht ziellos unterwegs, denn es zieht mich auf leere, kurvige Landstraßen in die Gegend meiner Kindheit.
Ich bin nicht die einzige Lustfahrerin heute.

Als ich auf die A46 fahre, kommt von rechts der nächste Porsche.
Dieses kurze wissende Begrüßungsgrinsen und schon fangen wir an, auf der Bahn ein bisschen Unsinn zu machen.
Irgendwann fährt er ab und ein Lotus übernimmt.

Blick, Grinsen, Gas.
Im Tunnel beschleunigt er weit in den führerscheingefährdenden Bereich, und es klingt gut.
Kindliche Freude, angesichts des Memento mori der nahenden Winterzeit.

Über Serpentinen geht es hinab ins Neandertal.
Ausflüglerrummel bremst mich aus, nur weg hier.
Steil geht es Richtung Wuppertal hinauf, der Carrera nimmt die Höhenmeter freudig.

Felder erstrecken sich neben der Landstraße, die Bäume sind schon herbstlich gefärbt.
Die schwarze Schönheit klebt zuverlässig auf dem Asphalt und mein Herz wird immer leichter.
Irgendwann ist die Strecke nach Wuppertal gesperrt und ich biege zurück ins Rheinland ab.

Das Wetter ist etwas instabil und ich beschließe, die Tour zu beenden.
Zwei kleine Jungen stehen mit ihren Fahrrädern an der Straße, als ich mein Haus fast erreiche.
Ihr Blick klebt fasziniert an meinem Heck, als ich schmunzelnd zum Sender für das Garagentor greife.

Müde und erholt zugleich bleibe ich noch einen Moment neben dem warmen, knisternden Porsche stehen.
Dann schließe ich das Tor und gehe mit einem „the cat that got the cream-Blick“ ins Haus.