24h und sechs Tage

Bei meiner Wanderung zur Hohen Acht bin ich auch zum gleichnahmigen Streckenabschnitt der Nordschleife gekommen. Es gab noch einige Erinnerungsstücke an das 24h-Rennen…

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Offenbar waren die Feiernden irgendwann satt.
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Verblüffend, wie gut sich Würstchen und Spaghetti im Wald halten…!
Und falls doch nicht:
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Und danach schnell ab ins Taxi!
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Fähnchen nicht vergessen!!
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Ups! Sieht nicht gut aus mit der Taxe…
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Zum Glück gibt es Mehmet und Nejdet. Die haben mit ihren Kollegen den ganzen Krempel schon zusammengeräumt.
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Ich plaudere mit den beiden netten Eiflern über die Müllberge und sie weisen in dem Zusammenhang darauf hin, dass Rock am Ring ja schon bald losgeht. Was für eine Sisyphos-Arbeit…
Während wir in der warmen Sonne stehen und über Veranstaltungsmüll philosophieren, machen Testfahrer nur wenige Meter von uns entfernt ihren Job.
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Ich mag diese Mischung aus Natur und Autos…

Fluchtwagen

Irgendwann hat mein Porschefreund mal gescherzt, ich würde den Porsche als Fluchtfahrzeug benutzen, um von hier weg, bevorzugt in die Eifel zu kommen.
Er hat völlig recht. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich zwei Wohnsitze habe. Der Gedanke, abhauen zu können, wann immer ich will, behagt mir sehr.

Mich schauderts, wenn ich an meinen Inselkoller nach 1 Woche Sylt denke…
Heute war wieder so ein Tag.
Eigentlich hätten die Sektgläser von gestern Abend noch gespült werden müssen, und auf dem Schreibtisch wartet Arbeit.
Aber ich muss ganz dringend weg.
Klar, ich werde für diesen Ausflug mit Arbeit am Wochenende zahlen müssen, aber der Preis stimmt.

Schnell zur Tanke und dann los.
Ich will fahren. Ich will Porsche. Ich will weg.

Schon unterwegs wird mein Herz leichter. Hohe Acht 001
endlich mal kein Dauerregen und der Himmel ist wunderschön.

Auf dem Weg zu meinem Ziel komme ich an den Wiesen vorbei, die letztes  Wochenende noch voller Zelte vom 24h-Rennen standen.
Arbeiter sammeln Müll zusammen.
Einer hat gerade einen Sombrero in der Hand.
Kopfschüttelnd fahre ich weiter.
Leichte Paranoia überfällt mich, als ich den Porsche recht einsam parke. Hohe Acht 039

Aber unerschüttert breche ich auf.
Ich will auf die Hohe Acht, die höchste Erhebung der Eifel.
Sie ist vulkanischen Ursprungs und der erkaltete Basalt formt eine spektakuläre Landschaft. Hohe Acht 057
Nach einem Kilometer Aufstieg habe ich den Aussichtsturm erreicht.
Niemand ist hier, an diesem Freitagvormittag.
Hohe Acht 058
Oben auf der Plattform überkommt mich heftig die Höhenangst, aber am Fuße des Turms kann ich es gut aushalten.
Ich stehe ganz allein auf dem Dach der Eifel im Sonnenschein und merke, wie ich heil werde.
Der Rest der Menschheit ist weit weg, irgendwo da unten.
Ich setze mich in die Sonne und werde innerlich ruhig und zufrieden.

Ganz von Ferne hört man unten auf der Nordschleife, wie Motoren aggressiv beschleunigt werden.
Nach einer Weile schlägt das Wetter um, aber ich wandere unverdrossen durch den Wald.
Wenn ich an Nadelbäumen vorbei komme riecht es ganz süß und würzig.
Nach vier Stunden gleichförmiger Bewegung habe ich Hunger und bin bester Stimmung.

Der Porsche steht zum Glück noch da, und erleichtert sinke ich ins Leder.
Es geht nach Adenau, zu einem verspäteten Mittagessen.
Die Strecke ist sehr schön und im Radio läuft „I´ve had the time of my life“.
Passt mal wieder.

Ich finde einen Parkplatz und krame nach der Parkscheibe.
Im Porsche habe ich sie noch nie gebraucht.
Und natürlich ist auch keine drin.
Als ich gerade resigniert aussteige, kommen drei Engländer an mir vorbei.
Einer kommentiert mein Auto: „Beauuuuuuuuuuuutiful!“
Stolz grinse ich: „Thanks.“

Ja, mein Fluchtwagen ist eine absolute Schönheit.

Panta rhei

Der Mensch will Sicherheit.

Und wenn etwas gut ist, wünscht er sich, es möge immer so bleiben.

Schon den Philosophen im antiken Griechenland war bewusst, dass das Leben ein konstanter Veränderungsprozess ist.

Heute Morgen hat ein Richter eine gewichtige Wende in meinem Leben rechtskräftig werden lassen.

Nein, ich muss nicht ins Gefängnis, weil ich einen schlechten deutschen Autojournalisten getötet habe…

Er kam mit dem Fahrrad zur Arbeit und musste sich vor der ersten Sitzung noch schnell umziehen.

Für ihn vermutlich ein Tag wie jeder andere. Für mich ein Tag zum Porschefahren.

Das Gute an der Veränderung ist, dass auch die miesen Dinge irgendwann ein Ende haben.

Was Heraklit nicht wissen konnte: wenn im Lebensfluss Stromschnellen sind, ist es ungeheuer tröstlich, in ein geiles Auto zu steigen.

 

Carrera

Egal wo ich langfahre, auf meinem Weg durch die Stadt, Männer gucken dem Porsche hinterher.

Sie sitzen in Straßenbahnen, stehen an Haltestellen, an der Ampel oder gehen auf dem Fußweg und gucken.

Es ist verblüffend, welch eine Männerblickmagnet mein Porsche ist.

Klar, er ist schön, er ist sexy und er ist ein Stück Ingenieurskunst, verpackt in äußerst gelungenem Design.

Für viele Menschen ist er ein Traumauto.
Und der Gedanke daran, dass ich einen solchen Traum besitze, lässt mich immer noch reflexartig grinsen.

Aber ein Carrera ist mehr. Er ist perfekt geeignet für das, was Psychologen „symbolische Selbstergänzung“ nennen. Dieses Konzept gibt es im Stammtisch-Deutsch auch. Da heißt es Schw+++-Ersatz.

Wenn ein Mensch eine Diskrepanz zwischen seiner Idealvorstellung (Bsp. Geschäftlicher Erfolg) und der Realität feststellt, kann er durch gewisse Symbole (teure Uhr, teures Auto, repräsentatives Haus, 25-jährige Modell-Freundin) zeigen, dass er es geschafft hat.

Auch ich hab ihn damals gekauft, um etwas zu erreichen. Weniger beim Rest der Welt, ich habe kein ausgeprägtes Bedürfnis, mich zu beweisen.
Ich hatte das Bedürfnis, nach einer langen, anstrengenden Zeit endlich mal wieder satt glücklich sein zu wollen.

Und auch das klappt.

Wenn das kein Grund ist, einem Carrera hinterher zu gucken…

 

Porsche Sports Cup2013 140

In Watte gepackt

Mein Porsche steht zu viel in der Garage.

Ganz offenbar bin ich eine überbehütende Besitzerin. Im Traum wäre mir nicht eingefallen, zum 24h-Rennen mit dem Porsche zu fahren. Beim Gedanken an das Parken auf unebenen Wiesen am Ring befällt mich die schiere Panik.

Aufsetzschäden! Und dann erst der Matsch…

OGP 11.08 107
Und er sieht ja nicht aus, wie dieser hier…

Zu meiner Überraschung sehe ich einige Modelle, deren Besitzer offenbar stärkere Nerven haben, auf den Parkplätzen rund um den Nürburgring

Heute kann ich ihn wirklich nicht nehmen, ich muss nacher noch in ein Viertel mit ganz vielen Kindern. Die spielen auch alle draußen, nicht auszudenken, was die am Porsche…
Nein! Auf gar keinen Fall! Ich nehm den Kombi.

Morgen vielleicht. Nee, geht auch nicht. Ich muss in die Innenstadt.
Da haut mir in der Enge womöglich jemand seine Tür in die Seite…

Beim besten Willen werde ich meine Porscheparanoia nicht los. Was macht man noch gleich mit Angstpatienten…?
Konfrontationstherapie?
Sich den Ängsten stellen, bloß kein Vermeidungsverhalten?

Ok.
Nur nicht aus Liebe weinen!
Ich nehme den Porsche.
Heute.

Gott, ich hab ein flaues Gefühl im Magen.
Zur Not parke ich im Nachbarviertel, da wo die vielen alten Leute wohnen…

12 Stunden 24h

1. Hühnerpestsperrbezirk Brünnchen
24h Sonntag 011

Ich nutze die Tatsache, dass es morgens noch etwas ruhiger ist, und nehme den Shuttlebus zum Brünnchen.
Hier haben es sich einige Herren bequem gemacht, die offenbar schwere Probleme mit Frauen haben.
24h Sonntag 002
Gummiepuppen sind ein beliebter Dekorationsgegenstand, dieser hat man eine Bierflasche eingeführt. Schön hier.
24h Sonntag 006
Die Wippermann Hell Boys, eine trinkfreudige Truppe, träumen von einem Porno Casting. Was hat das mit Motorsport zu tun?
24h Sonntag 012
Zum Glück gibt es auch sehr sympathische Zeitgenossen hier.

Ich wandere hinunter zum Karussell. Diese Streckenabschnitte sind landschaftlich wunderschön und gehören zu meinen Lieblingsstellen an der NOS. PAs, die Großraumdiskos beschallen könnten, blasen Musik durch den Wald.
24h Sonntag 014
Sowohl die Fans, als auch die Fahrer haben Sorge, wie es am Ring weiter geht. Das rechte Schild klebt auch auf meinem Auto…
24h Sonntag 031

24h Sonntag 020
Ein uralter Lanz tuckert zum Karussell. Hier sehe ich auch die Porsches, ein toller Sound, wie sie über den Beton plockern.
Der Rückweg wird unangenehmer, der Alkoholpegel steigt und als Frau läuft man an den angetrunkenen Männergruppen vorbei, sie haben hochrote Köpfe und ich komme lieber hierher zurück, wenn die Herren wieder abgereist sind.

2. Zurück an der GP-Strecke
24h Sonntag 032
Augen auf bei der Berufswahl Mädels! Die weißen Pumps der Grid girls sind wohl unbequem…
24h Sonntag 048
Dreher schon in der 1. Runde. Die Ginetta der vier Italiener fliegt einen Tag später an der Hedwigshöhe richtig.
24h Sonntag 238
Jubiläums SLS in der Dunlop Kehre
24h Sonntag 284
Titus Viper bekommt am Montagmorgen einen Getriebeschaden.

Ich ziehe um auf die Bilsteintribüne. Mit Sicherheit einer der kältesten und zugigsten Orte am gesamten Ring. Aber hier will ich die Bremsscheiben glühen sehen. Meine Hände werden immer kälter und am Ende zittere ich so sehr, dass meine Zähne klappern. Und das bevor um 21.00 Uhr der Wolkenbruch losgeht. Mai am Ring…
24h Sonntag 446
24h Sonntag 47224h Sonntag 525

Auf der Rückfahrt laufen die Pointer Sisters im Radio, wie passend!

„Tonight’s the night we gonna make it happen
tonight we’ll put all other things aside
give in this time and show me some affection
we’re going for those pleasures in the night“

Der Tag vor den 24 Stunden

Morgens hole ich noch schnell mein Handy-Ladekabel aus dem Porsche.
Er bleibt in der Garage.
Obwohl er ein Allradmodell ist, fällt mir nicht im Traum ein, ihn auf matschigen Wiesen zu parken.
Er riecht so gut…! Und sein prachtvolles Heck ist heute Morgen besonders sexy. Aber akute Porscheparanoia lässt mich schnell die sichere, trockene Grarage wieder schließen.

Ich bin gerne am Tag vor dem großen Rummel unterwegs, also fahre ich einen Tag vor Beginn des 24h-Rennens an den Ring.

Von der A1 fahre ich Kolonne mit lauter Männern Richtung Ring.

Als ich mein Auto parke und aussteige, kräht mir der Einweiser entgegen: „Die Frau parkt besser, wie 100 Männer!“

Ich schmunzle und denke mir, „Wenn Du wüsstest, ich kann auch anders…“
und erinnere mich an einige Manöver, die ihm mit Sicherheit die Lachtränen in die Augen getrieben hätten…

Obwohl ich früh dran bin, muss ich schon ein ganzes Stück von meiner Parkwiese bis zum Gelände laufen. Es geht vorbei an eingezäuntem Eifelwald. Der vertraute saubere Waldgeruch steigt in meine Nase.
Im Hintergrund hört man schon die Motoren von der Grand Prix Strecke.
Was für ein Kontrast.

Das Merchandising läuft auch Hochtouren.
In Lack gekleidete Asiatinnen laufen durch die Gegend.
Es gibt eine Wand mit einem Rennauto darauf. Wo der Kopf des Fahrers ist, ist eine Aussparung, durch die man seinen eigenen Kopf stecken kann.
Männer sammeln eifrig Poster, Schlüsselbänder, Gummiebärchen und Fähnchen.
24hSamstag 010

Nein, ich möchte keinen Nürburgring-Grill beim Preisausschreiben gewinnen. Vielen Dank.

Die Camper erkennt man daran, dass ihre Hosen bis zum Knie schlammig sind. Die Böden sind feucht nach dem vielen Regen. Offenbar sind Camouflagehosen und T-shirts mit martialischen Aufdrucken in dieser Szene en vouge.

Gute fünf Stunden laufe ich über das Gelände und fotografiere fröhlich vor mich hin. Es ist zwar schon einiges los, aber noch kein nerviges Gedränge.

24hSamstag 012
Ich mag die Flügeltürer und ihren Sound.

24hSamstag 033
Hinten auf dem Lkw von BMW…

24hSamstag 02424hSamstag 423
Die fahren im ADAC 24h-Classic

24hSamstag 126
Alle Tribünen sind endlich mal wieder offen, man kann hin und her spazieren und fotografieren.

24hSamstag 220
So sexy…

24hSamstag 298
Ich mag die Farben.

Dann fahre ich zurück in die normale Eifel. Hier liebt man sein Auto und fährt schnell, aber es gibt noch andere Themen außer dem heiligen Blech.
Die Kurven machen Spaß und 20 Kilometer vom Ring entfernt sind die Straßen wunderbar leer.
Ich habe noch Lust zu fahren und kehre bei meiner Lieblingsbäckerei-Fachverkäuferin ein. Abends gehe ich auf eine Lesung und werde zur Abwechslung selbst mal fotografiert.

Dann geht es früh ins Bett, denn morgen geht es ja weiter.

Thank God it´s Friday

Der Tag war anstrengend und unter meiner leichten Frühlingsbräune bin ich blaß. Ich stehe noch ins Handtuch gewickelt vor der Badewanne und betrachte mich im Spiegel.

Schnell Make-up und Haare fertig machen, denn bevor ich zu meiner Verabredung fahre, muss ich noch Katzenfutter und Kaffee einkaufen.

Ich schlüpfe in flache Schuhe. High heels und Porsche passen nur in der Phantasie von primitiv-Fotografen bei Frauen zusammen.

Auf den Supermarkt hab ich keine Lust, die beiden unverzichtbaren Güter gibt es auch im Dorgeriemarkt, das geht schneller.

Auf dem Parkplatz ist ein kleiner Junge, höchstens fünf Jahre alt völlig hingerissen vom Porsche. Während der arg um Coolness bemühte Papa mit getunneltem Ohr und alberner Wollmütze auf dem Kopf neben der Familienkutsche steht, schaut seine Brut der schwarzen Schönheit hinterher.

Als ich auf der Autobahn bin, läuft Robbie Williams „Candy“ im Radio. Ich lache, als die Textstelle kommt: „The bush is high but in the hole there´s water.“ wenn den deutschen Hörern allen klar wäre, was er da singt…

Wir sitzen in der Bar. Zu meiner Überraschung sind alle drei Jungs dabei. Wir haben uns seit London nicht mehr in dieser Kombination gesehen, wie schön!

Auf dem Fernseher an der Bar läuft das erste Qualifying für das 24h-Rennen. Ich murmele etwas von „Kaffee holen…“, setze mich auf einen Barhocker und sehe zu. Wie schön die einsetzende Abendstimmung ist. Ein Sehnsüchtiges Gefühl durchzieht mich. Die Jungs sind nicht weiter verwundert, dass ich länger weg bleibe.

Später bringen sie mich zum Auto und stehen Spalier, als ich losfahre. Zum Abschied machen sie eine Laola-Welle, sie sind nach jeweils zwei Riesencocktails bester Stimmung.

Ich bin völlig nüchtern. Wie anders sich ein Sportwagen in Kurven anfühlt. Ich bin froh, dass mein Kopf klar ist, ich möchte das Gefühl der Rückfahrt ganz intensiv genießen…

Brainwashed

Der mittlere von 3 Terminen fällt heute aus.

Zeit, die es sinnvoll zu füllen gilt.

Ich entscheide mich für Fahrzeugpflege.
Der Kombi ist noch dreckiger als der Porsche, und normalerweise wäre ich jetzt zur Waschstraße gefahren.

Aber ich bin einer Gehirnwäsche im Porschforum unterzogen worden.
Der edle Porschelack gehört per Hand gereinigt!
Es gibt dafür sogar Anleitungen. Wenn das so eine Wissenschaft ist, will ich keine grauenvollen Anfängerfehler am 11er machen und beschließe am Kombi zu üben.

Die Anleitung, die mir ein Freund hat zukommen lassen, ist voller Banalitäten, die jedem selbstputzenden Hausbesitzer nur ein müdes Lächeln abringen können. Man putze von oben nach unten… ach, echt?

Auf dem Weg zum Waschboxbetreiber überlege ich, wann ich wohl zum letzen Mal ein Fahzeug mit der Hand gereinig habe.
War es das Fahrrad, als Kind…?
Nein, das Motorrad, das ich als Studentin fuhr, fällt mir ein.

Auch schon 17 Jahre her…

Während ich den Kombi in die Waschbox setze, fährt der Zwilling von meinem Porsche an mir vorbei. Ein schwarzer Carrera 4S.

Und biegt in die Waschstraße ein!!!

Jetzt komme ich mir völlig bescheuert vor.
Dennnoch fange ich an, das Auto erst vorzureinigen, fülle dann einen Eimer mit Wasser und Autoshampoo (Marke 0815, ich soll verdammt sein, wenn ich anfange bei den teuren Brüdern aus dem Nachbarland einzukaufen).
Es schäumt wie irre.
Gut so, Kapillarwirkung!

Mit dem Mikrofaserwuschel wird von oben nach unten geschäumt.

Ich stoße mir den Kopf am Seitenspiegel, pople das Wuschelding in meine Felgen und frage mich, ob es weise ist, wertvolle Lebenszeit auf diese Weise zu verbringen.

Aber ich bin brainwashed und mache weiter. Klarspülen und abtrocknen (hierfür habe ich ein superweiches Riesentuch aus meinem Mikrofaserfundus mit, es ist altrosa).
Ok, fertig.

Innenraum noch leicht staubig, nix ist poliert oder gewachst, die tiefer liegenden Schrauben an den Felgen sind nicht völlig sauber und auch meine Reifen glänzen nicht wie Speckschwarten.

Dafür sind Flusen vom Abtrocknen auf dem Auto.

Ich fahre zurück, auch meine Arbeitsstätte hat noch etwas Aufmerksamkeit nötig.

Ich stelle das Auto ab, und zehn Minuten später fängt es an zu regnen. Das dürfte die Flusen erledigen. Das frischgewaschene Aussehen allerdings auch.

Warum in aller Welt wollen wir Dinge, die so leicht dreckig werden wie Autos, besonders Felgen, makellos sauber haben?

Haben wir sonst keine Probleme? Warum lesen wir in der Zeit nicht ein gutes Buch, pflanzen einen Baum und entschädigen die Welt so für unsere PS-Sünden oder tun eine gute Tat?

Hin und her gerissen zwischen Autofetischismus und gesundem Menschenverstand beschließe ich, das Thema vorerst zu verdrängen.

Bald ist der heilige Porsche dran, Fortsetzung folgt…

Porsche Sports Cup2013 319
Echte Rennwagen werden nicht lackschonend gepflegt…

„Uhren für Autofans“

Eigentlich sollte ich meinen neuen Rasenmäher montieren. Ich kann das jetzt, neulich hatte ich schon einmal das Vergnügen.

Eigentlich würde ich lieber eine Porscherunde drehen.

Aber ich bin müde und habe etwas Kopfschmerzen. Also geht es auf die Couch. Mit der „Motor Klassik“.

Auch die Redaktion dieses Blattes hat schon mitbekommen, dass es unter Motorfreunden viele Uhrennarren gibt und hat ein „Uhren für Autofans“-Extra verfasst.

Offenbar kennen diese schnarchnasigen, ewiggestrigen „Klassiker“ unter den Journalisten keine weiblichen Autofans. Sie stellen ausschließlich Herrenuhren vor.

Von der Uhr, die ich (als Damenversion) früher mal sehr gerne haben wollte, behauptet Alf Cremers, (der Verfasser des Artikels) sie sei etwas für „diese graumelierten Herrenfahrer mit Halstuch und Kaschmirsakko“. Mein Traum war einmal, sie mir zum 30. Geburtstag zu kaufen…

Entweder es lebt seit über zehn Jahren der Geist eines alten Mannes in mir, oder ich habe Geld für ein geistloses Macho-Presseerzeugnis ausgegeben.

Ich glaub, ich geh ins Bett…