Ex und hopp

Ich verstehe die Männer nicht.
Gut, dass ist an sich jetzt nichts Neues.
Viele Frauen verstehe ich auch nicht, aber hier soll es um Männer gehen.
Es sind nämlich ausschließlich Männer von denen ich den folgenden Satz lese.

„Der Porsche ist verkauft.“
Auf meine bestürzte Reaktion kommt die Begründung:
„Ich habe einen guten Preis dafür bekommen.“
Teilweise gefolgt von „Der nächste ist schon bestellt.“

Jungs, Ihr kommt mir vor wie Boris Becker.
Der ersetzt auch eine gut pigmentierte Dame mit der nächsten.
Oder Schröder, bei dem waren die Damen blond.
ES WAR EUER ERSTER PORSCHE!!

Den gibt man doch nicht mit leichter Hand weg.
Oder habt Ihr heimlich geweint und gebt das nur nicht zu?

Der Dr. und ich, beide noch im Vollbesitz unserer Ursprungsporsches, planen hingegen einen ausgeprochen romantischen Ausflug.
Der Hundesitter ist gebucht, wir fahren zum 24h-Rennen.
Und zwar zusammen!

Das ging, seit wir Moses im letzten Jahr bekamen, nicht mehr.
Man kann ja nicht mit einem Welpen zu einer Motorsportveranstaltung.
Nun werden wir, wie damals vor zwei Jahren, als wir nur Porschkumpels waren, gemeinsam auf der Tribüne sitzen.

Glühende Bremsscheiben wir kommen!

24h und sechs Tage

Bei meiner Wanderung zur Hohen Acht bin ich auch zum gleichnahmigen Streckenabschnitt der Nordschleife gekommen. Es gab noch einige Erinnerungsstücke an das 24h-Rennen…

Hohe Acht 079

Offenbar waren die Feiernden irgendwann satt.
Hohe Acht 102 Hohe Acht 082
Verblüffend, wie gut sich Würstchen und Spaghetti im Wald halten…!
Und falls doch nicht:
Hohe Acht 086

Und danach schnell ab ins Taxi!
Hohe Acht 098
Fähnchen nicht vergessen!!
Hohe Acht 100 Hohe Acht 077

Ups! Sieht nicht gut aus mit der Taxe…
Hohe Acht 097

Zum Glück gibt es Mehmet und Nejdet. Die haben mit ihren Kollegen den ganzen Krempel schon zusammengeräumt.
Hohe Acht 096
Ich plaudere mit den beiden netten Eiflern über die Müllberge und sie weisen in dem Zusammenhang darauf hin, dass Rock am Ring ja schon bald losgeht. Was für eine Sisyphos-Arbeit…
Während wir in der warmen Sonne stehen und über Veranstaltungsmüll philosophieren, machen Testfahrer nur wenige Meter von uns entfernt ihren Job.
Hohe Acht 108Hohe Acht 104
Ich mag diese Mischung aus Natur und Autos…

Fluchtwagen

Irgendwann hat mein Porschefreund mal gescherzt, ich würde den Porsche als Fluchtfahrzeug benutzen, um von hier weg, bevorzugt in die Eifel zu kommen.
Er hat völlig recht. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich zwei Wohnsitze habe. Der Gedanke, abhauen zu können, wann immer ich will, behagt mir sehr.

Mich schauderts, wenn ich an meinen Inselkoller nach 1 Woche Sylt denke…
Heute war wieder so ein Tag.
Eigentlich hätten die Sektgläser von gestern Abend noch gespült werden müssen, und auf dem Schreibtisch wartet Arbeit.
Aber ich muss ganz dringend weg.
Klar, ich werde für diesen Ausflug mit Arbeit am Wochenende zahlen müssen, aber der Preis stimmt.

Schnell zur Tanke und dann los.
Ich will fahren. Ich will Porsche. Ich will weg.

Schon unterwegs wird mein Herz leichter. Hohe Acht 001
endlich mal kein Dauerregen und der Himmel ist wunderschön.

Auf dem Weg zu meinem Ziel komme ich an den Wiesen vorbei, die letztes  Wochenende noch voller Zelte vom 24h-Rennen standen.
Arbeiter sammeln Müll zusammen.
Einer hat gerade einen Sombrero in der Hand.
Kopfschüttelnd fahre ich weiter.
Leichte Paranoia überfällt mich, als ich den Porsche recht einsam parke. Hohe Acht 039

Aber unerschüttert breche ich auf.
Ich will auf die Hohe Acht, die höchste Erhebung der Eifel.
Sie ist vulkanischen Ursprungs und der erkaltete Basalt formt eine spektakuläre Landschaft. Hohe Acht 057
Nach einem Kilometer Aufstieg habe ich den Aussichtsturm erreicht.
Niemand ist hier, an diesem Freitagvormittag.
Hohe Acht 058
Oben auf der Plattform überkommt mich heftig die Höhenangst, aber am Fuße des Turms kann ich es gut aushalten.
Ich stehe ganz allein auf dem Dach der Eifel im Sonnenschein und merke, wie ich heil werde.
Der Rest der Menschheit ist weit weg, irgendwo da unten.
Ich setze mich in die Sonne und werde innerlich ruhig und zufrieden.

Ganz von Ferne hört man unten auf der Nordschleife, wie Motoren aggressiv beschleunigt werden.
Nach einer Weile schlägt das Wetter um, aber ich wandere unverdrossen durch den Wald.
Wenn ich an Nadelbäumen vorbei komme riecht es ganz süß und würzig.
Nach vier Stunden gleichförmiger Bewegung habe ich Hunger und bin bester Stimmung.

Der Porsche steht zum Glück noch da, und erleichtert sinke ich ins Leder.
Es geht nach Adenau, zu einem verspäteten Mittagessen.
Die Strecke ist sehr schön und im Radio läuft „I´ve had the time of my life“.
Passt mal wieder.

Ich finde einen Parkplatz und krame nach der Parkscheibe.
Im Porsche habe ich sie noch nie gebraucht.
Und natürlich ist auch keine drin.
Als ich gerade resigniert aussteige, kommen drei Engländer an mir vorbei.
Einer kommentiert mein Auto: „Beauuuuuuuuuuuutiful!“
Stolz grinse ich: „Thanks.“

Ja, mein Fluchtwagen ist eine absolute Schönheit.

Der Tag vor den 24 Stunden

Morgens hole ich noch schnell mein Handy-Ladekabel aus dem Porsche.
Er bleibt in der Garage.
Obwohl er ein Allradmodell ist, fällt mir nicht im Traum ein, ihn auf matschigen Wiesen zu parken.
Er riecht so gut…! Und sein prachtvolles Heck ist heute Morgen besonders sexy. Aber akute Porscheparanoia lässt mich schnell die sichere, trockene Grarage wieder schließen.

Ich bin gerne am Tag vor dem großen Rummel unterwegs, also fahre ich einen Tag vor Beginn des 24h-Rennens an den Ring.

Von der A1 fahre ich Kolonne mit lauter Männern Richtung Ring.

Als ich mein Auto parke und aussteige, kräht mir der Einweiser entgegen: „Die Frau parkt besser, wie 100 Männer!“

Ich schmunzle und denke mir, „Wenn Du wüsstest, ich kann auch anders…“
und erinnere mich an einige Manöver, die ihm mit Sicherheit die Lachtränen in die Augen getrieben hätten…

Obwohl ich früh dran bin, muss ich schon ein ganzes Stück von meiner Parkwiese bis zum Gelände laufen. Es geht vorbei an eingezäuntem Eifelwald. Der vertraute saubere Waldgeruch steigt in meine Nase.
Im Hintergrund hört man schon die Motoren von der Grand Prix Strecke.
Was für ein Kontrast.

Das Merchandising läuft auch Hochtouren.
In Lack gekleidete Asiatinnen laufen durch die Gegend.
Es gibt eine Wand mit einem Rennauto darauf. Wo der Kopf des Fahrers ist, ist eine Aussparung, durch die man seinen eigenen Kopf stecken kann.
Männer sammeln eifrig Poster, Schlüsselbänder, Gummiebärchen und Fähnchen.
24hSamstag 010

Nein, ich möchte keinen Nürburgring-Grill beim Preisausschreiben gewinnen. Vielen Dank.

Die Camper erkennt man daran, dass ihre Hosen bis zum Knie schlammig sind. Die Böden sind feucht nach dem vielen Regen. Offenbar sind Camouflagehosen und T-shirts mit martialischen Aufdrucken in dieser Szene en vouge.

Gute fünf Stunden laufe ich über das Gelände und fotografiere fröhlich vor mich hin. Es ist zwar schon einiges los, aber noch kein nerviges Gedränge.

24hSamstag 012
Ich mag die Flügeltürer und ihren Sound.

24hSamstag 033
Hinten auf dem Lkw von BMW…

24hSamstag 02424hSamstag 423
Die fahren im ADAC 24h-Classic

24hSamstag 126
Alle Tribünen sind endlich mal wieder offen, man kann hin und her spazieren und fotografieren.

24hSamstag 220
So sexy…

24hSamstag 298
Ich mag die Farben.

Dann fahre ich zurück in die normale Eifel. Hier liebt man sein Auto und fährt schnell, aber es gibt noch andere Themen außer dem heiligen Blech.
Die Kurven machen Spaß und 20 Kilometer vom Ring entfernt sind die Straßen wunderbar leer.
Ich habe noch Lust zu fahren und kehre bei meiner Lieblingsbäckerei-Fachverkäuferin ein. Abends gehe ich auf eine Lesung und werde zur Abwechslung selbst mal fotografiert.

Dann geht es früh ins Bett, denn morgen geht es ja weiter.