Fluchtwagen

Irgendwann hat mein Porschefreund mal gescherzt, ich würde den Porsche als Fluchtfahrzeug benutzen, um von hier weg, bevorzugt in die Eifel zu kommen.
Er hat völlig recht. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich zwei Wohnsitze habe. Der Gedanke, abhauen zu können, wann immer ich will, behagt mir sehr.

Mich schauderts, wenn ich an meinen Inselkoller nach 1 Woche Sylt denke…
Heute war wieder so ein Tag.
Eigentlich hätten die Sektgläser von gestern Abend noch gespült werden müssen, und auf dem Schreibtisch wartet Arbeit.
Aber ich muss ganz dringend weg.
Klar, ich werde für diesen Ausflug mit Arbeit am Wochenende zahlen müssen, aber der Preis stimmt.

Schnell zur Tanke und dann los.
Ich will fahren. Ich will Porsche. Ich will weg.

Schon unterwegs wird mein Herz leichter. Hohe Acht 001
endlich mal kein Dauerregen und der Himmel ist wunderschön.

Auf dem Weg zu meinem Ziel komme ich an den Wiesen vorbei, die letztes  Wochenende noch voller Zelte vom 24h-Rennen standen.
Arbeiter sammeln Müll zusammen.
Einer hat gerade einen Sombrero in der Hand.
Kopfschüttelnd fahre ich weiter.
Leichte Paranoia überfällt mich, als ich den Porsche recht einsam parke. Hohe Acht 039

Aber unerschüttert breche ich auf.
Ich will auf die Hohe Acht, die höchste Erhebung der Eifel.
Sie ist vulkanischen Ursprungs und der erkaltete Basalt formt eine spektakuläre Landschaft. Hohe Acht 057
Nach einem Kilometer Aufstieg habe ich den Aussichtsturm erreicht.
Niemand ist hier, an diesem Freitagvormittag.
Hohe Acht 058
Oben auf der Plattform überkommt mich heftig die Höhenangst, aber am Fuße des Turms kann ich es gut aushalten.
Ich stehe ganz allein auf dem Dach der Eifel im Sonnenschein und merke, wie ich heil werde.
Der Rest der Menschheit ist weit weg, irgendwo da unten.
Ich setze mich in die Sonne und werde innerlich ruhig und zufrieden.

Ganz von Ferne hört man unten auf der Nordschleife, wie Motoren aggressiv beschleunigt werden.
Nach einer Weile schlägt das Wetter um, aber ich wandere unverdrossen durch den Wald.
Wenn ich an Nadelbäumen vorbei komme riecht es ganz süß und würzig.
Nach vier Stunden gleichförmiger Bewegung habe ich Hunger und bin bester Stimmung.

Der Porsche steht zum Glück noch da, und erleichtert sinke ich ins Leder.
Es geht nach Adenau, zu einem verspäteten Mittagessen.
Die Strecke ist sehr schön und im Radio läuft „I´ve had the time of my life“.
Passt mal wieder.

Ich finde einen Parkplatz und krame nach der Parkscheibe.
Im Porsche habe ich sie noch nie gebraucht.
Und natürlich ist auch keine drin.
Als ich gerade resigniert aussteige, kommen drei Engländer an mir vorbei.
Einer kommentiert mein Auto: „Beauuuuuuuuuuuutiful!“
Stolz grinse ich: „Thanks.“

Ja, mein Fluchtwagen ist eine absolute Schönheit.

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4 Gedanken zu „Fluchtwagen

    • Brrrrr! Ich hatte alles von warmer Sonne bis kurzem Schneeschauer. Aber die Nachttemperaturen machen momentan wenig Spaß in der Eifel…
      Wenigstens warst Du in ner schönen Gegend 😉

      • stimmt, denn die gegend ist wunderschön, und es war blauer himmel, sonnenschein und aus dem tal kamen die nebelschwaden – irre stimmung!

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