Böses Mädchen

Freitagabend.
Drei Tage Dienstreise liegen hinter mir.
Ich hatte geplant, den Koffer auszupacken, die Wäsche zu machen und mich auszuruhen.

Irgendwie sticht mich der Hafer und natürlich erklärt sich einer der Jungs bereit, die Klassenarbeiten an einem der nächsten Tage zuende zu korrigieren und sich stattdessen auf ein paar Drinks zu treffen.

Ruhe und Haushalt sind vergessen, ich setze den Porsche aus der Garage.
Die Sonne scheint und die Musik im Radio ist gut.
Ich bin bester Stimmung und fahre nur gelinde ungeduldig mein Öl warm, den Feierabend genießend.

Im Tunnel kommt von rechts ein weiterer Carrera S, dem nur das 4 fehlt.
Sekundenbruchteile und wir haben uns beide gesehen.
Er fängt sofort an, zu spielen.
Schießt hinter mich, zieht neben mich, wieder hinter mich. Viel zu nah.

Noch kann ich kein Gas geben, das Öl hätte die Temperatur, aber der dichte Verkehr aus der Stadt raus erlaubt keine Beschleunigung.
Hinter mir zappelt er weiter. Ein Mann, mit einem Jungen auf dem Beifahrersitz.

Jetzt ist auch noch ein Cayenne vor mir. Kurze Zeit fahren wir Kolonne, dann zieht der Cayenne nach rechts und lässt mich passieren.
Der Carrera immer noch schwänzelnd an meinem Heck.

Die Bahn ist fei und ich trete das Gas bis zum Anschlag durch, mein Porsche fliegt davon. Von den beiden ist nichts mehr zu sehen.
Doch, ganz hinten zieht der Vater rüber, Richtung A3.

Als mein Blick auf den Tacho fällt, erschrecke ich. Mit über 200 fahre ich auf der Autobahn, an einer Stelle, an der 120 erlaubt wären.

Wie konnte mir das denn passieren?
Ich brauche meinen Führerschein!
Beruflich auch!!

Ich nehme das Tempo deutlich zurück, erreiche meine Ausfahrt und verlasse die Autobahn.
Von der Gegenseite blinkt eine Lichthupe.
Mir gelingt es gerade noch, das Tempo vor dem mobilen Blitzer auf die geforderten 80 abzusenken.

Hätte der Blitzer nur wenige Kilometer weiter vorne gestanden, ich wäre erledigt gewesen.
Was war da im Tunnel nur geschehen?
Kaum war der andere da, war mir völlig klar, dass er hinter mir bleiben soll.

Sonst bin ich gar nicht so. Ich bin eine recht abgeklärte Fahrerin. Rennen sind mir eher fremd.
Eigentlich…

Offenbar war ich kurze Zeit nicht Herrin meiner Sinne. Der andere hat aber auch sofort angefangen. Das ging in dem Moment los, in dem wir uns im Tunnel entdeckt hatten.
Ein Blick, und das Spiel war in vollem Gange.

Was war das bloß?
Das darf sich auf keinen Fall wiederholen.
Ein böses Mädchen, ganz klar vom Teufel besessen…

Mein allererstes Fahrerlager

Vor einem Jahr war es, ich war damals nur einmal an der Einfahrt zur Nordschleife gewesen, aber noch nie am Ring.

Ich wusste, dass an dem Wochenende eine Oldtimerveranstaltung läuft. Gerne wollte ich hin, aber eigentlich nicht alleine.

Meine Vermieterin in der Eifel ermunterte mich, doch vorbei zu fahren.
„Mädchen, dafür brauchst Du keinen Mann.“

Es war der Freitagabend des Rennwochenendes und der Frühsommerregen hatte gerade nachgelassen. Die Luft war feucht und sauber.
Also stieg ich ins Auto und fuhr zum Ring. Am Dorint habe ich geparkt, und weil es schon spät war, konnte ich ohne Eintrittskarte einfach durchs alte Fahrerlager spazieren.

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Schon hier, wunderschöne Oldtimer. Weiter ging es ins neue Fahrerlager. Hier spielte eine Band und überall entdeckte ich tolle Autos.
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Völlig fasziniert lief ich über das Areal. Ich hatte nur die Handykamera dabei und machte eifrig Fotos.
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Die Atmosphäre hat mich sofort gefangen genommen. Von Ferne hörte man noch die Musik der Band, die Stimmung war gelöst und entspannt und wunderbare Fahrzeuge in Hülle und Fülle. Ich war hooked.

Am nächsten Tag merkte ich, dass meine kleine Digitalkamera zu langsam auslöst, für bewegte Objekte.
Ich schoß meine ersten Fotos von halbierten Autos, die aus dem Bild fuhren und ahnte noch nicht, dass mich dieses Thema noch lange beschäftigen würde.

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Hingerissen sah ich dem ersten Rennen meines Lebens zu.

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Wanderte durchs Fahrerlager, vorbei an den Boxen, zu den Markentreffen.
In einer Ecke ein Porsche neben dem anderen. Ich konnte es gar nicht fassen. Entenbürzel, Fuchsfelgen, 356er, Rallyporsches, alle Farben, alle Modelle.
Himmel und Hölle zugleich, denn keiner von ihnen gehörte mir.

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Seitdem hat sich viel verändert.
Unzähliche Tage am Ring liegen hinter mir. Ich besitze eine andere Kamera und Porsches zu sehen, tut nicht mehr weh.
Klar hätte ich gerne mehrere Modelle in meiner Sammlung, aber mein Herz ist jetzt satt mit Besitzerstolz und kann sich einfach nur an dem Familientreffen erfreuen.

Work-life-balance

Dr.  Boxster und ich waren beide fleißig, er hat sich im Krankenhaus die Nacht um die Ohren geschlagen und ich habe meine Veranstaltung erfolgreich begonnen.

Am Abend besucht er mich. Nach dem Abendessen und einem Spaziergang durch den Wald, können wir den Boxster nicht stehen lassen und machen noch eine Tour.

Das Leder des Innenraums hat der Dr. frisch gecremt und der Lack glänzt von der nicht all zu fernen Wäsche.

In dem Musterbeispiel der Wagenpflege geht es durch das Ruhrgebiet. Der Wind an diesem lauen Abend fühlt sich weich an.

Wir fahren wieder die Strecke, die wir vor einigen Wochen genommen haben, vorbei an einem geschlossenen, verfallenen Schwimmbad, das die Tristesse der verarmten Ruhrgebietsstädte so eindrucksvoll verkörpert.
Ein tolles Fotomotiv, sind wir uns einig.

Wieder eine dieser einträchtigen, eher wortkargen Fahrten, inzwischen eine lieb gewordene Gewohnheit, und ausgesprochen gesund für die Work-life-balance.

Nachdem wir auf diesem Wege unsere Porsche-Kur absolviert haben, können wir morgen wieder unserem Tagewerk nachgehen, und uns um die Belange der anderen kümmern.

Am Wochenende lockt ein schönes Rennen. Ich habe Glück, und kann ohne einschränkende Dienste dem Hedonismus frönen.
Dr. Boxster wird das Rennvergnügen irgendwie zwischen Dienste und Schlaf quetschen müssen.

Mit unseren Porsche-Kuren belasten wir weder Krankenkasse noch Rentenversicherung.

Anderen die Rückengymnastik im Kurhaus auf Krankenschein, uns die Tour nach Feierabend…

Mein erster ChristophOrus

Er liegt im Postkasten und gespannt öffne ich das eingeschweißte Magazin.
Im Begleitschreiben steht, er präsentiere sich als ein „beachtenswertes Stück aufregender Reiseliteratur“.
Ok, Porsche scheint recht eingenommen, von seinem Magazin.

Auch für mich ist es Reiselektüre, denn ich werde meinen Christophorus mit auf Dienstreise nehmen.

Der Untertitel ist „Performance, Passion, Porsche“.
Hmmmmm. Alliterationen, besonders als Dreierform, sind beliebte rhetorische Stilmittel, aber diese finde ich doch etwas auf Rhetorikkurs-Anfänger-Niveau. Wozu auch noch der Anglizismus? Irgendwie etwas zu tief in den Farbkasten der Sprache gegriffen.

Weiter unten, ein Satz, der vermutlich das Herz eines jeden Porschefahrers höher schlagen lässt: „In jedem Porsche steckt rein Rennwagen“.
Ja, denkt man, in meinem auf jeden Fall!
Wenn ich allerdings an so einige andere Modelle denke, aber lassen wir das…

Zu meiner Verblüffung fällt mir Werbung entgegen. Das war der Grund, weshalb ich meine Papiertageszeitung auf e-Paper umgestellt habe… jetzt also kommt der Werbungsstapel aus dem Christophorus.

Kreuzfahrt und Herrenkleidung. Äh, nein.

Innen jede Menge Werbung für Herren-Armbanduhren. Da scheint es eine Fetisch-Kombination zu geben. Wer teure Autos mag, scheint auch Interesse an schönen Uhren zu haben.
Offenbar haben die Anzeigenverkäufer von Porsche den Werbekunden auch mitgeteilt, dass es nicht lohnt, Damenuhren im Magazin zu bewerben, denn die Fetisch-Kombi zieht wohl nur beim männlichen Geschlecht. (Die Uhr an meinem linken Arm hat ca. 60 Euro gekostet, da ist nix zu holen…)
Außerdem versucht Walter Röhrl Lederjacken an den Mann zu bringen. Offenbar bin ich echt eine Exotin in der Porscheszene. Kaum Werbung für die Frau… dafür aber für Swizöl. (Und wieder nix zu holen bei mir…)

Nette Berichte, leichte Kost für den Nachttisch, auf Dienstreise.

Auf der A3 fahren ein Carrera Cab und ein Turbo vor mir her.
Natürlich betrachte ich sie mit Freude und Interesse. Nicht mehr jedoch mit der schmerzhaften Sehnsucht aus porschelosen Zeiten.
Zufrienden denke ich an meinen Schatz, der zuhause auf mich wartet.

Als ich beim Tagungshaus vorfahre, kommentiert der Rezeptionsmitarbeiter mein schickes Auto. Er kannte aus den 13 Vorjahren den alten, abgekämpften Kombi.
Grinsend sage ich, dass mein richtig schickes Auto zuhause stehe.
Er meint, dieser hier sei doch schon nicht schlecht. Als ich ihm verrate, was das andere für eins ist, sagt er lachend, „Ok, diese Runde haben Sie gewonnen.“

Von unterwegs höre ich meine Mailbox ab, die Mitarbeiterin eines Kunden hat eine Nachricht hinterlassen. Sie freue sich, mich bald zu sehen, und vor allem wolle sie alles über den neuen Porsche hören.
Die Kunden, die jahrelang meine sehnsuchtsvollen Schwärmereien gehört haben, freuen sich mit.

Mein Carrera ist ein rollendes Glücksschweinchen. Performance, Passion, Happiness.

Besuch im PZ

Der Porsche und ich fahren heute an den Ort zurück, an dem wir uns das erste Mal begegnet sind, die Fahrt geht ins PZ Dortmund.

Es gibt eine Kleinigkeit einzustellen.
Die Gelegenheit nutze ich, um  meine Hupe überpfüfen zu lassen. Sie ist nicht defekt…

Der Meister bemerkt, dass eine Winzigkeit einer Türdichtung fehlt. Die Tür ist dicht, trotzdem wird angeboten, die Dichtung zu ersetzen. Ein überzeugender Service!

Als ich den Schlüssel zurück bekomme, frage ich den Meister, ob er je einen schöneren Porsche gesehen hat, er verneint charmant.

Dann kommt der Teil des Tages, vor dem ich am meisten Angst habe. Erst muss ich den heiligen Porsche im Einkaufszentrum parken. Tapfer lasse ich ihn gaaaaanz hinten auf dem Parkplatz stehen und bete, dass während meines Termins keiner neben mir parkt, und mir die Tür in die Seite haut.
Danach muss ich einen defekten Subwoofer in Dortmund City zur Reparatur bringen. Hier geht es ins Parkhaus, ein Ort voller Gefahren.

Todesmutig navigiere ich den Porsche wie ein rohes Ei durch das enge Parkhaus und finde einen wunderbaren Platz für ihn.
Gut, es ist eine entlegene Ecke, als Frau würde ich diese normalerweise meiden. Aber links und rechts kann keiner parken.

Während ich den schweren Subwoofer sehr viel weiter durch das Parkhaus schleppe, als nötig, steigt in mir ein lächerlich starkes Gefühl der Erleichterung auf.
Er steht sicher und ich kann in Ruhe meine Dinge erledigen.

Meine Porsche-Paranoia ist noch nicht wirklich abgeklugen.

Obwohl er sich auch als Alltagsfahrzeug gut macht.
Der große Sacke Katzenstreu im Kofferraum, Subwoofer in den Fußraum des Beifahrers gezirkelt, Einkäufe bis fast unters Dach gestapelt und Fahrspaß satt.

Aber die vielen Kurzstrecken, gar nicht gut…
Werde ich jemals ein wirklich entspanntes Verhältnis zu meinem geliebten Carrera entwickeln können…?

Porschetreffen in Düsseldorf

Endlich mal eine kurze Fahrt zu einer Porscheveranstaltung. Alles in allem ganz nett für einen Sonntagnachmittag, aber eher unspektakulär würd ich sagen…

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Ein schöner Ort, zum Sterben…
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Es gab viele verschiedene, der Kremerporsche hatte den Schönsten…
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Wenn das meiner wär, hätte ich auch schlagartig ne glückliche Kindheit…
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Ein Besucher erklärt seiner Freundin, dies sei der „geilste Porsche aller Zeiten“. Ich persönlich sehe das anders…

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Zum Glück hat das Wetter mitgespielt.
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Die Schützenszene mischt sich unters Porschevolk.
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Im Feindesland…
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Ein (un)verzichtbares Accessoire.
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Dann doch lieber so.
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Herr Dr. hat mir Porsche-Plätzchenformen gekauft.
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Die Rückseite meiner neuen Porsche-Parkscheibe. Stilecht mit Fuchsfelgen-Werbung hintendrauf.

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Sehr charmant!
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Mancher Besucher musste, damit er vor Langeweile nicht bewusstlos wird, mit allerlei Technik ausgestattet werden.
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Rrrrrrr! So einen hätt ich gerne auch.
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Raffiniertes Marketing. Wer so ein Bonbon ißt, kauft umgehend das passende Fahrzeug.

Dann habe ich noch den Nachfolger von meinem Auto gesehen. Er gefällt mir weniger gut als der 997.
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Meine Scheinwerfer gefallen mir besser und der Neue hat da unten so komische Plastikrippen…
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Eine doofe Kante hinten…
Und komisch breit an der Seite, irgendwie kein sexy Po mehr, sondern eher wie ein Hamster mit vollgestopften Backen.
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Auch nicht unbedingt ein Fortschritt.
Ich behalte mein Modell. 🙂

Porschebadetag

Der Rasen müsste gemäht werden, die Hecke geschnitten, die Wäsche gewaschen…
Aber der Porsche ist so dreckig, der Rest muss warten.

Dr. Boxster lässt sich überreden, gemeinsam zur Waschanlage zu fahren.
Ich packe das babyweiche Waschdings, seine Brüder, die Eimerkollektion, die Reiniger und los geht es.

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Der 11er kommt zuerst dran.
Ich mache mich an den oberen Teil, der Dr. übernimmt die Felgen.
Seifend arbeite ich mich um das Auto herum und erreiche die Front. Alles voller blutiger, zermatschter Insekten.
Wi-der-lich!!!
Mutig versuche ich sie wegzukriegen, aber mir wird schlecht. Absolut ekelhaft.

Ich jammere, der Doktor, von berufswegen unerschütterlich, übernimmt. Mir ist noch immer schlecht. Sein Therapievorschlag: eine Weile Pause machen und weiteratmen.
Ich weigere mich, noch einmal mein Waschdings mit der blutverschmierten Front meines Porsches in Kontakt zu bringen.
Also, er das Massengrab, ich die Felgen.

Eine junge Dame fragt, ob sie die Waschbox haben kann, wenn wir fertig sind.
Ich verneine, mit dem Hinweis, dass wir noch ein zweites Auto waschen wollen.
Sie ist ganz überrascht, ich erkläre: „Zwei Personen, zwei Autos“, während Dr. Standesdünkel korrigiert „Zwei Porsches“.

Zum Glück waren wir früh dran, die Waschstraßenkunden bilden inzwischen eine lange Schlange vor der Einfahrt und vertreiben sich die Zeit damit, die Porschebadeaktion zu beobachten.

Der Boxster ist viel schneller fertig und seine Felgen sind viel pflegeleichter. Sauber fahren wir wieder vom Hof.

Nachdem ich mich wegen der Insekten beinahe in die Waschbox übergeben habe, kann noch viel weniger verstehen, warum Leute ihr Fahrzeug freiwillig von Hand waschen.

Ich bin zu vielen Opfern bereit, für mein heiliges Blech, aber da stoße ich doch gehörig an meine Grenzen…

 

 

 

 

Erektionsschwäche

Meine Lichthupe benutze ich öfter.

Die Zeit, in der ich meine Ungeduld hinter einem zu langsamen Vordermann zügeln kann, ist in aller Regel eher kurz.
Dann rücke ich näher. Und wenn das nicht wirkt, kommt der Mittelfinger zum Einsatz.
Nein, nicht zum Vordermann. Am Hebel.

Bisher habe ich die richtige Hupe noch nie benutzt.

Heute fahre ich frohen Mutes in den Feierabend, da kommt mir auf der Landstraße ein Kleinwagen entgegen.
Auf meiner Fahrbahnseite.
Der Schwachmat hatte angesetzt, gleich eine ganze Kolonne zu überholen.

Synchron bewegen sich mein rechter Fuß und die rechte Hand nach links.
Der Fuß wechselt schwungvoll auf die Bremse und die Hand zeitgleich auf die Hupe.
Oh Gott!
Was war das denn?
„Pääääääp.“
War das meine Hupe??

Der Ärger über den Irren lenkt mich für eine Weile ab.
Auf der Autobahn zieht dann völlig unvermittelt der nächste Wahnsinnige noch kurz vor einem Lkw links rüber.
Genau vor mein sich rasch von hinten näherndes Auto.
Wieder die synchrone Bewegung.

Und wieder:
„Päääääp“.

Scheiße, denke ich. Das darf doch wohl nicht wahr sein.
Wie können die denn einem 11er eine solche Hupe einbauen?!

Alles an ihm klingt satt und kraftvoll. Der Motor ohnehin, aber auch die Türen.
Alles sehr befriedigend.
Und dann gehen die hin, und bauen so einen albernen Hupton in solch eine Sexbombe?
Warum???

Diese Hupe klingt zu hoch, zu schwächlich, zu harmlos.
Eine hupende Erektionsschwäche.
Ein Ton, wie ein feuchtwarmer, schlaffer Händedruck.

Mein Carrera ist vom Teufel bessen.
Gibt es eine Rettung?
Kann man Hupen tunen?
Hiiiiilfeeeeee!

Porsche-Balsam

Den dritten Tag in Reihe habe ich zu lange und intensiv gearbeitet.
Meine Freizeit verbringe ich alleine.
Zum einen bin ich nicht in der Nähe meiner Freunde, und zum anderen bin ich auch zu müde, um nach Feierabend noch zu sprechen.
Der Mann, für den ich eine Ausnahme gemacht hätte, musste passend zu meiner Arbeitsbelastung demonstrieren, wie eindrucksvoll bescheuert er sein kann.

Das fordert seinen Tribut. Im Job läuft es prima, privat fühle ich mich aber einsam und traurig.

Um 20.30 Uhr mache ich Feierabend und fahre in Adenau los.
Da Rock am Ring seine Schatten vorauswirft, wähle ich nicht die gewohnte Strecke, sondern fahre einen Weg, den ich heute zum ersten Mal nehme.

Im 6. Jahr in der Eifel bin ich eigentlich verhältnismäßig hartgesotten, was landschaftliche Schönheit angeht.
Aber diese Strecke ist absolut atemberaubend!

Mit Leichtigkeit nimmt der Porsche den steilen Anstieg aus dem Ort. Ich habe beide Fenster weit geöffnet und der warme Abendwind weht würzigen Heuduft zu mir hinein.
Hier wird momentan überall gemäht.

Reizvolle Kurven schlängeln sich durch den Wald, die Strecke ist ganz leer. Nur einmal begegnet mir ein Mann, der sehr glücklich aussieht, in seinem offenen alten Mercedes.

Goldenes Abendsonnenlicht und safte grüne Berge.
Ein Traum.
Im Porsche eine Frau, deren trauriges Herz auf dieser schönen Heimfahrt wieder ein kleines Stück leichter wird.

Der Ginster blüht in sattem Gelb, und das lässt mich leise lächeln.
Ginster ist mein Nick, weil es den hier viel gibt.

Ich bin so froh, dass ich den Porsche für diese Dienstreise gewählt habe. Er ist zwar derartig dreckig geworden, dass ich die Wäsche nicht länger werde vor mir herschieben können, aber ihn zu fahren ist Balsam für die Seele.

Im Moment sitze ich vor dem Haus, er steht neben mir und ich glaube wirklich, dass dieses Auto mich in den letzten Tagen davon abhält, mich richtig mies zu fühlen.

Es trägt tatsächlich, dieses gekaufte Stück Glück.

Wie heißt Dein Porsche?

In der Mittagspause gehe ich hinaus auf den Hotelparkplatz.

Hi
Die schwarze Schönheit steht vor einer Bruchsteinmauer und sieht einfach überwältigend gut aus.

Ohne mir dabei auch nur im Geringsten blöd vorzukommen, hole ich die Kamera raus und mache eine Reihe von Fotos. Dann noch schnell eins mit dem Handy, das ich all meinen Porschefreunden schicke.

Sie teilen meine Begeisterung und einer fragt, ob der Porsche einen Namen habe.
Ich antworte: Carrera.
Nein, kommt es zurück, einen geheimen, internen Namen.
Meine Antwort: mit Vornamen heißt er Porsche und mit Nachnamen Carrera.

Das stellt ihn nicht zufrieden, er schreibt, dass ich als romantische Frau mit viel Phantasie und Intellekt die Dinge nicht auf die Funktionalität reduzieren sollte, und listet „Charly, Steven und Justin“ als mögliche Namen auf. Alternativ schlägt er vor, im Osten seien „Ronny, James, Jonathan“ beliebt.
Lass mich kurz überlegen… äh, nein!!!

Ein anderer sieht mein Nummernschild und wir stellen fest, dass wir am selben Tag Geburtstag haben.
Meinen Porschebruder und mich trennen auch nur wenige Tage. Die Kinder dieser Zeit sind offenbar verwandte Seelen…

Ein ganz besonders reizendes Kompliment bekommt mein Porsche allerdings etwas später von einem noch sehr jungen Porschefreund: „Mir gefällt der POPO von deinem Auto sehr gut.“

Seufz!