König Rio rutscht ins neue Jahr

Den Elfer sicher in der Garage,
den Körper festlich in schwarz und funkelnd verhüllt, habe ich mich gestern auf den Weg nach Wuppertal zur Sylvesterparty gemacht.
Es war sehr nett und ich habe mich bestens amüsiert.

Irgendwann wunderte sich einer der Mitfeiernden über eine Textzeile in einem Lied, in dem von „König Rio“ die Rede war.
Rio Reiser und „König von Deutschland“ sind Selbstverständlichkeiten für meine Generation.
Die jungen Menschen am Tisch hatten davon noch nie etwas gehört.
Als ich meinen charmanten Tischherren nach seinem Geburtsjahr fragte, habe ich mich kurz alt gefühlt: 1990, das Jahr  in dem ich Abitur gemacht habe…

Heute bin ich bei strahlendem Sonnenschein erwacht und nachdem ich 10 Stunden nicht in Wuppertal war, wurde es auch schon wieder Zeit, zum Neujahrsessen mit den Jungs aufzubrechen.
Natürlich im Porsche.

Leider waren nicht alle auf der Straße so guter Laune.
Als ich versuchte, die Spur zu wechseln, um auf die Autobahn zu kommen, machten die Muffelköppe neben mir die Lücken dicht.
Wären doch alle Probleme im Leben so leicht zu lösen…

Im Porsche kann man mit einem lässigen Gasstoß an der schlechte-Laune-Kolonne vorbeiziehen und sich weiter vorne an der Spitze einfädeln .
Ich glaube dafür hat der liebe Gott die Pferdestärken erfunden.

Mögen wir alle in diesem, noch jungen Jahr keine schwereren Herausforderungen zu bewältigen haben, als solche.
In diesem Sinne: Frohes Neues!

Böses Mädchen

Freitagabend.
Drei Tage Dienstreise liegen hinter mir.
Ich hatte geplant, den Koffer auszupacken, die Wäsche zu machen und mich auszuruhen.

Irgendwie sticht mich der Hafer und natürlich erklärt sich einer der Jungs bereit, die Klassenarbeiten an einem der nächsten Tage zuende zu korrigieren und sich stattdessen auf ein paar Drinks zu treffen.

Ruhe und Haushalt sind vergessen, ich setze den Porsche aus der Garage.
Die Sonne scheint und die Musik im Radio ist gut.
Ich bin bester Stimmung und fahre nur gelinde ungeduldig mein Öl warm, den Feierabend genießend.

Im Tunnel kommt von rechts ein weiterer Carrera S, dem nur das 4 fehlt.
Sekundenbruchteile und wir haben uns beide gesehen.
Er fängt sofort an, zu spielen.
Schießt hinter mich, zieht neben mich, wieder hinter mich. Viel zu nah.

Noch kann ich kein Gas geben, das Öl hätte die Temperatur, aber der dichte Verkehr aus der Stadt raus erlaubt keine Beschleunigung.
Hinter mir zappelt er weiter. Ein Mann, mit einem Jungen auf dem Beifahrersitz.

Jetzt ist auch noch ein Cayenne vor mir. Kurze Zeit fahren wir Kolonne, dann zieht der Cayenne nach rechts und lässt mich passieren.
Der Carrera immer noch schwänzelnd an meinem Heck.

Die Bahn ist fei und ich trete das Gas bis zum Anschlag durch, mein Porsche fliegt davon. Von den beiden ist nichts mehr zu sehen.
Doch, ganz hinten zieht der Vater rüber, Richtung A3.

Als mein Blick auf den Tacho fällt, erschrecke ich. Mit über 200 fahre ich auf der Autobahn, an einer Stelle, an der 120 erlaubt wären.

Wie konnte mir das denn passieren?
Ich brauche meinen Führerschein!
Beruflich auch!!

Ich nehme das Tempo deutlich zurück, erreiche meine Ausfahrt und verlasse die Autobahn.
Von der Gegenseite blinkt eine Lichthupe.
Mir gelingt es gerade noch, das Tempo vor dem mobilen Blitzer auf die geforderten 80 abzusenken.

Hätte der Blitzer nur wenige Kilometer weiter vorne gestanden, ich wäre erledigt gewesen.
Was war da im Tunnel nur geschehen?
Kaum war der andere da, war mir völlig klar, dass er hinter mir bleiben soll.

Sonst bin ich gar nicht so. Ich bin eine recht abgeklärte Fahrerin. Rennen sind mir eher fremd.
Eigentlich…

Offenbar war ich kurze Zeit nicht Herrin meiner Sinne. Der andere hat aber auch sofort angefangen. Das ging in dem Moment los, in dem wir uns im Tunnel entdeckt hatten.
Ein Blick, und das Spiel war in vollem Gange.

Was war das bloß?
Das darf sich auf keinen Fall wiederholen.
Ein böses Mädchen, ganz klar vom Teufel besessen…