Das falsche Auto

Ich bin auf Dienstreise in der Eifel.
Der Kofferraum der C-Klasse war bis oben hin gefüllt.
Salat-, Kürbis-, Zucchinipflänzchen und Saatkartoffeln für den Eifelgarten.
Dazu mein Dienstreisekram.

Keine Chance, nicht den Kombi zu nehmen.
Schade, ich hätte Lust auf den Porsche gehabt.
Momentan blüht hier der Ginster, mein Nick-Namensgeber.
Die Straßen sind leer, die Natur überrascht mich auch noch nach so vielen Eifeljahren immer wieder mit ihrer Schönheit, und ich würde gerne einfach fahren.

Aber das Geschäft muss laufen und stattdessen lenke ich das Vernunftsauto auf den Hotelparkplatz.
Einer meiner Kunden ist bereits da.
„Guten Morgen! Das ist aber das falsche Auto!“ begrüßt er mich fröhlich.

Er selbst ist auch Autoliebhaber und lässt gerade seinen japanischen Sportwagen tunen.
Ich bin verblüfft, wie wenig egal meine schwarze Schönheit meinen Kunden ist.
Am Montag sagte noch die Geschäftsführerin, bei der ich um einen sicheren Parkplatz gebeten hatte, am Telefon: „Wir haben sie wegfahren sehen. Das ist aber wirklich ein toller Wagen.“

Stimmt. :-)))

 

Porsche-Balsam

Den dritten Tag in Reihe habe ich zu lange und intensiv gearbeitet.
Meine Freizeit verbringe ich alleine.
Zum einen bin ich nicht in der Nähe meiner Freunde, und zum anderen bin ich auch zu müde, um nach Feierabend noch zu sprechen.
Der Mann, für den ich eine Ausnahme gemacht hätte, musste passend zu meiner Arbeitsbelastung demonstrieren, wie eindrucksvoll bescheuert er sein kann.

Das fordert seinen Tribut. Im Job läuft es prima, privat fühle ich mich aber einsam und traurig.

Um 20.30 Uhr mache ich Feierabend und fahre in Adenau los.
Da Rock am Ring seine Schatten vorauswirft, wähle ich nicht die gewohnte Strecke, sondern fahre einen Weg, den ich heute zum ersten Mal nehme.

Im 6. Jahr in der Eifel bin ich eigentlich verhältnismäßig hartgesotten, was landschaftliche Schönheit angeht.
Aber diese Strecke ist absolut atemberaubend!

Mit Leichtigkeit nimmt der Porsche den steilen Anstieg aus dem Ort. Ich habe beide Fenster weit geöffnet und der warme Abendwind weht würzigen Heuduft zu mir hinein.
Hier wird momentan überall gemäht.

Reizvolle Kurven schlängeln sich durch den Wald, die Strecke ist ganz leer. Nur einmal begegnet mir ein Mann, der sehr glücklich aussieht, in seinem offenen alten Mercedes.

Goldenes Abendsonnenlicht und safte grüne Berge.
Ein Traum.
Im Porsche eine Frau, deren trauriges Herz auf dieser schönen Heimfahrt wieder ein kleines Stück leichter wird.

Der Ginster blüht in sattem Gelb, und das lässt mich leise lächeln.
Ginster ist mein Nick, weil es den hier viel gibt.

Ich bin so froh, dass ich den Porsche für diese Dienstreise gewählt habe. Er ist zwar derartig dreckig geworden, dass ich die Wäsche nicht länger werde vor mir herschieben können, aber ihn zu fahren ist Balsam für die Seele.

Im Moment sitze ich vor dem Haus, er steht neben mir und ich glaube wirklich, dass dieses Auto mich in den letzten Tagen davon abhält, mich richtig mies zu fühlen.

Es trägt tatsächlich, dieses gekaufte Stück Glück.