Samba Pa Ti

Gestern war Porschewetter.
Es war mild und trocken und auf der Party fragte der Gastgeber „Bist Du mit dem Porsche hier?“
Am Ende des Abends brachten mich die Jungs gemeinsam zum Auto.

Auf dem Rückweg lief im Radio Santana.
Ein Stück aus dem Jahr 1970, dem Jahr in dem ich im Februar gezeugt wurde.
Es lief wohl öfter bei meinem Vater im Auto, denn es erinnerte mich an seinen Porsche.
Mein Vater weiß nicht, dass ich inzwischen selber einen Porsche fahre.

In Sachen Vaterschaft war er leider ein ganz schöner Versager.
Sein Bundesverdienstkreuz hat er für andere Leistungen bekommen.
Mir persönlich wäre es anders herum lieber gewesen, aber an der Entscheidung war ich nicht beteiligt.

Als er so alt war wie ich jetzt bin, war er schon weg.
Das hat mich gelehrt, die wichtigen Dinge selber an den Start zu bringen.
Darauf, dass Männer bleiben, kann Frau sich nicht verlassen.
Im Gegensatz zu den ganzen Männern hat sich Herr Santana auch nach 45 Jahren noch als porschetauglich erwiesen.

Aber noch bin ich 44, wenn auch nicht mehr sonderlich lange, der Geburtagsbrief vom PZ lag heute schon im Kasten.

Motoröl ins PZ mitbringen?

So hieß mal die Überschrift zu einer langen Diskussion im pff.
Mir war anfangs gar nicht klar, warum man Öl ins Porschezentrum mitbringen soll.
Irgendwann habe ich kapiert, dass das Betreten der Porschepaläste seinen Preis hat.
Mehrere Porschefreunde sagten, dass sie ihre älteren Modelle nicht mehr ins PZ zur Inspektion bringen.

Nun stand meine Inspektion an, und mit ihr die Entscheidung, ob mein ja inzwischen nicht mehr ganz so neuer 997er (98.999 Kilometer hat er auf der Uhr) das PZ braucht, oder nicht.
Eine Insepktion ist vermutlich keine Raketentechnik und ich habe, entgegen meiner sonstigen Hysterie, die Entscheidung für meine kleine Werkstatt in der Nachbarschaft getroffen.

Der Inhaber hatte selber einen Elfer und einer der Mitarbeiter liebt Porsches.
392,64 Euro habe ich bezahlt, und die Schätze haben ihn mir sogar wieder vor das Haus gestellt.
Gut, als ich ihn abgegeben habe, habe ich unter Wedelm beider Hände in eindringlichem Tonfall auf die Empfindlichkeit des Leders hingewiesen.
Mehrfach…

Und ich habe darauf bestanden, dass der Schlüssel die gesamte Zeit über am Körper des Mechanikers bleiben muss und nicht bei den anderen, oft nur lax beaufsichtigten Schlüsseln im Büro liegen darf.
Aber ansonsten war ich wirklich gefasst.

Es gab dann noch eine winzige Schikane von Porsche.
Die Service-Anzeige verschwindet wohl nur durch Anschließen der Nabelschnur.
Solche Kundenbindungsstrategien mißbillige ich.
Durch intensives Beten oder wie auch immer haben die Jungs das aber auch beseitigt.

Wenn ich also den diskutierenden Herren im P(u)ff einen Rat geben kann, dann den,  kein Öl ins PZ zu schleppen, Inspektion können auch andere.
Und vermutlich würde die zusammenbrechende Kalkulation durch mitgebrachtes Öl einem ohnehin an anderer Stelle aufs Butterbrot kommen, viele Porschekäufer mögen den Luxusaspekt der Marke ja durchaus auch.

Porsche kaufen?

Schon eine Weile schickt der Porschebruder begeistert Bilder.
Er ist schwanger.
Mit einem GT4.
Während der Porsche-Schwangerschaft, auch Konfiguration genannt, widmet der Schwangere sein gesamtes Leben und Streben der Entscheidungsfindung.

Über Tage, ja Wochen quält er sich mit der Frage ob Rot wirklich optimal ist.
Seine Herzfrequenz steigt ins Unermeßliche, er ißt und schläft kaum noch, das Interesse an körperlicher Liebe erlahmt.
Mit flackerndem Blick und zitternder Hand sitzt er vor dem Rechner und konfiguriert.

Dann wird er für einen Moment ganz ruhig.
Er ruft im PZ an und sagt, man solle den Vertrag fertig machen.
Direkt danach überkommt ihn die innere Unsicherheit stärker als je zuvor.
Ist das Wahnsinn??

Er greift zum Handy und schreibt: „Bin ich gaga? Red mir gut zu, hab Angst vor der eigenen Courage“.
Grinsend lese ich. Das Gefühl kennen wir alle.
Dieses Oh-Mein-Gott-ich-kaufe-einen-Porsche!-Gefühl.

Das ist wenig triumphal, weil beim normalen Menschen immer auch das Bewußtsein für die Höhe der Investition mitschwingt.
Wenn etwas Großes passiert, und das ist ein Porschekauf immer, dürfen die Handflächen feucht werden.

Wer beim Porschekauf cool bleibt, ist uncool.

Abgesehen davon, dass ich mir Sorgen mache, weil der Bruder ohnehin so ein Wilder ist, bin ich ganz sicher, dass er das Richtige tut.
Er arbeitet oft mehr als gut für ihn ist.
Er liebt, pflegt und fährt seine Autos mit einer Hingabe, dass es eine Wonne ist.

Bro, ist alles gut!
Das sind nur Porsche-Wehen.
Danach kommt das Glück.
Ich wär gern am Abholtag dabei…

Der Tag, an dem ich meinen ersten Porsche abgeholt habe

Gestern vor einem Jahr war es endlich so weit.
Über zwanzig Tage lagen zwischen der Unterzeichnung des Kaufvertrags und dem Abholtag.
Seine Kofferraumhaube wurde wegen Steinschlag-Macken (eine Pest beim Porsche!!) neu lackiert, zwischenzeitlich hatten wir Schneeglätte und ich war einige Tage in London.

Die Zeit erschien mir un-end-lich lang!
Ich vertrieb sie mir im PFF, wo „Frau“ plus „Carrera“ offenbar die Phantasien der Porschefahrergemeinde ordentlich zum Brodeln brachte.
Dann endlich, endlich kam der Tag der Abholung.

Mein Freund Marius war so nett, den Fahrdienst zum PZ zu übernehmen.
Ich hatte die Nacht superschlecht geschlafen.
Im PZ gab es an dem Tag Frühstück für die Kunden und ich bekam meinen wunderschönen, glänzend aufbereiteten Traumwagen.

Meine erste Fahrt ging gleich von Dortmund an den Nürburgring.
So richtig konnte ich sie nicht genießen, die Nerven lagen einfach zu blank.
Am Brünnchen war ich mit dem Dr. (damals noch ein Bekannter) zur VLN verabredet.
Natürlich hatte ich mich zur Porscheabholung schick gemacht.

So stakste ich in knallpinkem Mantel und unpassendem Schuhwerk durch den Eifelwald.
Ein Gutes hatte mein Aufzug, der Dr. hatte nicht die geringsten Schwierigkeiten, mich in der Menge der vernünftig gekleideten Männer auszumachen…

Als ich dann durch meinen kleinen Ort fuhr, dauerte es nicht länger, als man braucht, um die Haupstraße den Berg zu meinem Haus hoch zu fahren, da hatten den Carrera und mich schon zehn Einwohner (und damit mehr als 1% der Gesamtbevölkerung) neugierig angestarrt.
Es ist der einzige Porsche im Ort.

Die ersten großartigen Fahrten kamen später, als ich mich etwas an ihn und seinen Schub gewöhnt hatte, aber sein Reiz hält an, er ist eine absolute Sexbombe und hat die schönsten Kurven der Welt.
Hach!

Parkettsicher

Als ich am Freitag meinen Schlüssel zur Reparatur wegbrachte, bin ich im Porschezentrum einem kleinen Jungen begegnet, der mir noch im Kopf herum spukt.
Zuerst sah ich seinen Vater.
Das Haar schon deutlich grau meliert, elegant gekleidet, attraktiv.

Später folgten die Gattin/Partnerin und der für sein Alter deutlich zu junge Sohn.
Der Junge war fröhlich und fragte den Vater, welchen Porsche sie abholen würden, er war vielleicht vier oder fünf Jahre alt und sein Anblick war beunruhigend.
Er sah aus, wie ein sehr kleiner, dünner Erwachsener.

Der Junge trug einen Schal im Burberry House Check, modisch um sein kurzes Kinderhälschen drapiert und war auch sonst wie ein Erwachsener gekleidet.
Ich fürchte, ich habe ihn angestarrt.
Er sah in seiner Verkleidung nicht niedlich aus, sondern befremdlich.

Wie ein Accessoire, passend zu Papas neuem Cayenne und der sportlich eleganten Mutter.
Was er eines Tages sicher nicht haben wird, ist Scheu oder Befangenheit, wenn er das erste Mal alleine ein PZ betreten wird.

Ich erinnere mich, dass ich öfter einmal gelesen habe, dass erwachsene Männer leicht schüchtern sind, wenn sie sich dort erstmalig umsehen.
Mir ging es damals nicht so, ich war eher aufgeregt, vor meiner ersten Probefahrt, ansonsten ist für mich Autohaus gleich Autohaus.

Ich wünsche dem Jungen ein tolles Leben mit vielen glücklichen Automomenten, parkettsicher in der Welt der schönen Sportwagen ist er schon heute.

Peinlich.

Nachdem der gestrige Abend denkbar bescheiden verlaufen ist,
brauche ich heute Erbauung.
Also nur schnell telefonisch noch ein Gespräch mit einem Kunden erledigen und ab in den Porsche.

Der kaputte Schlüssel braucht einen neuen Bart und ins PZ fahre ich ja immer gern…
Für den Schlüssel wollte ich nicht bis nach Dortmund und bin ins Düsseldorfer Porschezentrum gefahren.
Bart bestellt, nach dem neuen Targa geguckt (kommt erst im Mai…) und mit den Verkäufern gequatscht.

Dann zurück in den schwarzen Prinzen und runter vom Parkplatz.
In Gedanken noch beim Turbo den  ich gesehen hatte, Laune besser, Musik prima.
Und Gas!

Das PZ liegt am Düsseldorfer Flughafen zwischen lauter Bürogebäuden.
Wenn die Bürohengste einmal alle in ihrem Arbeit-Kabüffchen verschwunden sind, sind die Straßen leer und schön kurvig…
Und da stellen die doch tatsächlich  150 Meter hinter der Parkplatzausfahrt von Porsche nen Blitzer auf, um Tempo 30 zu kontrollieren?!

Düsseldorf, mach das an Schulen, Kindergärten und von mir aus in Wohngebieten.
Aber so eine kleinkarierte Abzocke hast Du doch nicht nötig.
Meine Geburtstatdt ist peinlich…

Der Kunde und der Traum-11er

Ich sitze mit meinen Kunden beim Frühstück und dann fällt er.
Der Satz: „Ich habe immer davon geträumt, einen Elfer zu fahren.“
Ach, denke ich, dem Mann kann geholfen werden.
Morgen Nachmittag wollte ich mir ohnehin das örtliche PZ anschauen.

Also sage ich: „Dann kommen Sie doch morgen Nachmittag mit und machen eine Probefahrt.“
Völlig verblüfft schaut der Kunde mich an.
Ich erkläre, dass ich ins PZ wolle und gerne für ihn eine Probefahrt organisiere.

Er scheint nicht ganz sicher zu sein, ob ich es ernst meine.
Natürlich meine ich es ernst.
Ein Anruf, und der Geschäftsführer vereinbart einen Termin mit uns für den morgigen Nachmittag.

Die erste Fahrt mit einem Porsche, vergisst man nie.

Hach, das weckt Erinnerungen.
Meine allererste war gar nicht so toll wie erwartet, aber dann…oho!!
Damals hatte ich jemanden mitgenommen, weil ich ehrlich gesagt, ganz schön Respekt vor einem Sportwagen hatte.
Ich hab mich erst gar nicht getraut, selber zu fahren.
Völlig unbegründet, die fahren sich ja nun wirklich nicht schwer, aber ich bin nun mal ein Schisser.

Aber wenn man dann im richtigen Porsche sitzt, dann kann/will man nicht mehr ohne.
Über Monate konnte ich dieses Gefühl nicht vergessen.
Es zog sich bei mir über ein Jahr lang hin, bis ich ihn endlich hatte.
Aber für mich ist es pures Gefühl, ihn zu fahren.

Ich bin sehr gespannt, was mein Kunde morgen sagen wird!