Carpe Nachmittag!

Den ganzen Vormittag war ich niedergeschlagen.
Porschefreund Jim ermahnt mich, nicht rumzujammern wegen des  „Mannes mit dem alten Auto“, wie er einen gewissen Herren nennt.
Leichter gesagt, als getan.

Irgendwann raffe ich mich auf und fahre zum Porschezentrum, um den reparierten Schlüssel abzuholen.
Und die Porschemagie arbeitet für mich.
Nach weniger als einem Kilometer fühle ich mich etwas besser.

Als die Schlüsselsache erledigt ist, bin ich so happy, dass ich den Carrera noch nicht in die Garage fahren will.
Der Schreibtisch erlaubt eine Ausfahrt und aus psychologischer Sicht ist sie absolut lebensrettend für Fräulein Traurig.

Mein Öl ist warm und auf den Landstraßen absolviere ich überflüssige Sprints.
Nur weil es sich so gut anfühlt…

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Immer den Rhein entlang.
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Bis ganz nah ans Wasser.
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Pole position auf der Fähre mit Blick auf die Ruderer.

Hilft ein Porsche bei Herzenskummer?
Ein bisschen schon.
Wenn alles noch so frisch ist, sind schon zwei Stunden, in denen man etwas anderes fühlt als dieses Scheißgefühl, gut.

Parkettsicher

Als ich am Freitag meinen Schlüssel zur Reparatur wegbrachte, bin ich im Porschezentrum einem kleinen Jungen begegnet, der mir noch im Kopf herum spukt.
Zuerst sah ich seinen Vater.
Das Haar schon deutlich grau meliert, elegant gekleidet, attraktiv.

Später folgten die Gattin/Partnerin und der für sein Alter deutlich zu junge Sohn.
Der Junge war fröhlich und fragte den Vater, welchen Porsche sie abholen würden, er war vielleicht vier oder fünf Jahre alt und sein Anblick war beunruhigend.
Er sah aus, wie ein sehr kleiner, dünner Erwachsener.

Der Junge trug einen Schal im Burberry House Check, modisch um sein kurzes Kinderhälschen drapiert und war auch sonst wie ein Erwachsener gekleidet.
Ich fürchte, ich habe ihn angestarrt.
Er sah in seiner Verkleidung nicht niedlich aus, sondern befremdlich.

Wie ein Accessoire, passend zu Papas neuem Cayenne und der sportlich eleganten Mutter.
Was er eines Tages sicher nicht haben wird, ist Scheu oder Befangenheit, wenn er das erste Mal alleine ein PZ betreten wird.

Ich erinnere mich, dass ich öfter einmal gelesen habe, dass erwachsene Männer leicht schüchtern sind, wenn sie sich dort erstmalig umsehen.
Mir ging es damals nicht so, ich war eher aufgeregt, vor meiner ersten Probefahrt, ansonsten ist für mich Autohaus gleich Autohaus.

Ich wünsche dem Jungen ein tolles Leben mit vielen glücklichen Automomenten, parkettsicher in der Welt der schönen Sportwagen ist er schon heute.

Probefahrt im Carrera Cab

Nach der Arbeit sind mein Kunde und ich aufgebrochen, ins PZ Erfurt.
Herr Thiel, der Geschäftsführer, nahm uns in Empfang und begrüßte uns freundlich.
Wegen meiner noch immer nicht vorhandenen Winterreifen sprach ich mit einem seiner Mitarbeiter, der mir sehr interessante, und bisher von keinem anderen Berater erwähnte Infos zum Thema RDK gab.

Unser Fahrzeug für die Probefahrt war ein wunderschönes 997er Cab.
Macadamiametallic mit sandbeigen Sitzen.
Leider hatten wir jahreszeitlich bedingt kein Wetter zum offen Fahren aber das Fahrzeug ist ein Traum.

Normalerweise sitze ich im 11er ja nie auf dem Beifahrersitz, aber selbst das macht Spaß.
Der Schub, der fette Sound…
auch mein Kunde begann begeisterte Geräusche zu machen, als beim ersten Gasgeben der Carrera seine Stimme erhob und losschoß.

Die Straßen waren zur Rushhour leider voll und viel zu schnell waren wir wieder zurück beim Porschezentrum.
Ich habe noch eine Reihe von Fotos für meinen Kunden von ihm und dem Traumwagen gemacht und sein schelmisch-verliebstes Grinsen, wie er aus dem Fenster auf der Fahrerseite guckt, spricht Bände…

Hooked!
Hahaha. Jeder Porschefahrer kennt das.

Was mir sehr gut gefallen hat, war das PZ.
Kein Zirkus, bis wir die Porbefahrt machen konnten, zugewandte, kompetente, unaufdringliche Beratung.
Unpretentiös charmant. Da könnte sich das eine oder andere Porschezentrum ruhig eine Scheibe von abschneiden!

Und bei einem „ersten Mal“ dabei zu sein, ist einfach klasse! 🙂

Der Schrecken des Porschezentrums

Vermutlich bin ich der Schrecken des Porschezentrums.
Eine völlig überbehütende, super wachsame, mit Argusaugen auf ihren Liebling achtende Porschebesitzerin, die dann auch noch mit in die Werkstatt will und fragt, ob sie Fotos machen darf.
Und das an einem Montag…

Das Team des PZ Dortmund hat diese Heimsuchung mit Bravour gemeistert.
Mein Verkäufer stimmte dem Austausch meiner Türdichtung auf Kulanz zu, das hätte er nicht tun müssen. Es fehlte ein ganz kleines Stück, die Tür schloß dennoch dicht.
Die Meister der Werkstatt ließen mich zusehen und beantworteten alle meine Fragen mit Engelsgeduld.

Als ich sah, wie in der engen Werkstatt die Porsches zielsicher rangiert werden, stockte mir der Atem. Nur einmal, als sich ein anderer Porsche sehr nah an meinem durch die Toreinfahrt bewegt, wurde mir kurz bang ums Herz, aber die Mitarbeiter machen das mit größerer Routine, als ich.

Technisch völlig unbewandert ließ ich interessiert den Blick schweifen und versuchte möglichst wenig im Weg zu stehen.

Als ich angetan ein Reinigungstuch für das Leder kommentierte, bekam ich sogar eins für zuhause mit.

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Herr Pallentin am Werk

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Alles schön mit Schutzfolie abgeklebt, sehr beruhigend…

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Das Baby an der Nabelschnur.

Als ich ihn dann frisch gewaschen zurück bekam, war ich ausgesprochen happy.

Danke an Frau Trienes, die mich während aller Wartezeiten immer nett betreut, an Frau Josephs, die mich mit einem Ersatzporsche versorgte, an meinen Verkäufer Herrn Wölfle, der schon oft Nerven bewiesen hat, an Herrn Will, der mit mir zusammen das Dichtungsproblem entdeckte, seinen Kollegen Herrn Keßler, der mich heute aushalten musste, an Herrn Scheffel, der nach meinem Spiegelproblem sah und natürlich an Herrn Pallentin, der nicht nur die neue Dichtung einbaute, sondern auch noch gutmütig als Blogmodell arbeitete!

Dem PZ-Besitzer sei gesagt, seine Truppe arbeitet mit Hingabe.
Voll die Lobhudelei, aber die haben sie sich verdient, ich bin sicher keine leichte Kundin…

Mein erstes Mal

Mein erstes Mal  bin ich kurz nach meiner Geburt im Porsche gefahren. Als Beifahrerin von Papa.

41 Jahre später, im klassischen Alter der midlife crisis, tat ich das, was viele Männer auch tun, in diesem heiklen Lebensabschnitt.

Nein, ich beschloss nicht, eine Affäre mit einer 20 Jahre jüngeren Frau zu beginnen!

Ich kaufte einen Porsche.

Vor den Kauf hat der liebe Gott die Probefahrt gesetzt. Meine Entscheidung war auf ein Porschezentrum bei mir in der Nähe gefallen. Ein Anruf, mit der Bitte um einen Probefahrttermin, führte nicht zum gewünschten Ergebnis. Ein erboster Anruf beim Verkaufschef mit dem Hinweis, ich sei kurz davor, den Spaß am Autokauf zu verlieren, brachte schließlich den angestrebten Termin. Vielleicht ein frühes Zeichen, dass es nicht immer leicht sein würde, in der Porschewelt zu leben…

Dann saß ich drin. Im Carrera mit 345 PS. Zuerst nur auf dem Beifahrersitz, ich Memme. Und schon da hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich mir einen Sportwagen anders vorgestellt hatte. Schneller, spritziger… als ich ihn dann selber fuhr, bestätigte sich dieses unbefriedigende Gefühl. Zur großen Überraschung des Verkäufers stand ich nach einer halben Stunde wieder vor ihm, mit den Worten: „Der macht mich irgendwie nicht glücklich, haben sie einen anderen?“

Er hatte. Einen Carrera 4 GTS. Schon beim Verlassen des Parkplatzes stellte sich das Gefühl ein, auf das ich gewartet hatte. „Ja, so muss es sein!“

Die Preise für den GTS sind und blieben hoch, alle Versuche, einen kleineren Motor zu fahren, endeten unbefriedigt. Geworden ist es, fast ein Jahr später, schließlich ein Carrera 4S, mit 385 PS. Ein Kompromiss zwischen meinem need for speed und meiner Investitionsbereitschaft.

Zwei endlos lange Wochen lagen zwischen dem zittrigen Unterschreiben meines ersten Porschekaufvertrags und dem Tag, an dem ich ihn abholen konnte. Die Motorhaube sollte wegen Steinschlägen noch neu lackiert werden und ich hatte einen Urlaub geplant.

Um mir die Zeit zu vertreiben, war ich viel im pff unterwegs. Einem Forum, in dem sich Porschefahrer austauschen. In dieser Zeit kam mir die Idee für dieses Blog. Unglaubliche Dinge geschahen. Unter anderem wurde ich für einen Mann gehalten. Doch davon später mehr…