Der Dienstporsche

Für meinen nächsten Auftrag wechsle ich meinen Dienstsitz.
Aus einer Reihe von Gründen habe ich mich entschlossen, die nächsten Tage den 11er zu fahren.

Auf so eine Dienstreise schleppe ich immer eine Menge mit. Heute kommt noch dazu, dass ich einige Haushaltsgegenstände von A wieder nach B transportieren will. Wenn das mal gut geht, der Kofferraum  ist doch so klein…

Es muss aber der Porsche sein, ich bin müde und die Woche wird arbeitsreich, da will ich nebenher meinen Spaß.

Es kostet mich etwas Packkunst, aber zu meiner ultimativen Erleichterung passt mein Lieblingskoffer für alle Dienstreisen problemlos in den Kofferraum meiner schwarzen Schönheit. Super!

Noch etwas Sprit nachfüllen, und los geht es.
Kaum auf der Bahn und schon der erste Stau.
Was aber schlimmer ist:
heute ist ein ungünstiger Tag zum Porschefahren. In NRW ist „Blitzmarathon“. Überalll wird die Geschwindigkeit kontrolliert und ich brauche meinen Führerschein.

Die Idioten in Köln schaffen es mal wieder, dem Fass den Boden auszuschlagen. Tempo 60 auf der A1. Ich gebe mich grauenhaften Gewaltphantasien hin und halte mich stur an die 60.

Mein Telefon klingelt, und bei der Schleicherei ist es kein Problem, den Anruf entgegen zu nehmen.
Mein Porschebruder ruft aus seinem Porsche an.
Ich höre seinen Motor schreien, beim Beschleunigen, und seine euphorischen Kommentare im Hintergrund. Grinsend höre ich ihm zu.
Er fragt, warum mein Auto so leise sei…

Nach einer Weile schickt er noch eine Nachricht: „So viel in einer Stunde gibts nur beim Fahren oder beim Sex.“

Endlich liegt Scheißköln hinter mir. Es läuft eine Communards-CD und Jimmys Lamento klingt aus dem Soundsystem. Ich kenne den Text seit fast 30 Jahren auswendig.
Laut singend beklagen wir Jimmys verlorene Liebe.

Als ich das Gaspedal runterdrücke und mein eigener Motor endlich anfängt, seine kraftvolle Stimme zu erheben, denke ich: „Vergiss Sex, Bruder!“

Ich scheuche die müden Familienväter auf dem Rückweg von der Arbeit von der linken Spur und bin so glücklich, wie seit langem nicht mehr.
Es war richtig, den Porsche für diese Fahrt zu nehmen.
Ein solches Gefühl kann einem kein Mensch geben. Das kann nur ein (Dienst)Porsche.

Hohe Acht 003

Kontrastprogramm

Den Tag über habe ich mich mit wichtigen, aber letzlich unerfreulichen Themen befasst. Wie unerfreulich, merke ich erst ein paar Stunden später.

Es ging um Aggressionen und Gewalt.
Kurz nachdem ich nach Hause komme, bringt mir Dr. Boxster etwas vorbei, und weil das Wetter schön ist, beschließen wir, eine Tour zu machen.

Anfangs sitze ich noch mit einem leicht zerrissenen Gefühl im Auto. Nach einigen Kilometern merke ich dann, wie das Leben sich wieder leichter anfühlt.

Die Sonne scheint, und als wir über Land fahren, habe ich das Gefühl, das hohe Gras an den Feldrändern fast mit der Hand greifen zu können.
Es sieht wunderbar aus, wenn der Wind die Halme bewegt, sie gleichförmig wogen und dabei farblich leicht changieren.

Weil Dr. Boxster weiß, wie gerne ich auf den Touren Fähre fahre, nehmen wir auf dem Rückweg das Schiff über den Rhein.
Vielleicht sind es frühe Jugenderinnerungen, aber ich finde das Übersetzen immer großartig.

Das Licht gegen Abend erinnert mich an das Licht im Sommer am Meer.

Genau wie wir die Hälse recken, wenn andere Porsches an uns vorbei fahren, kassieren wir von den Entgegenkommenden auch eine Menge Blicke.
Ein Porsche ist vermutlich nie ein Auto, das man unauffällig bewegt.

Zum Glück hat der Boxsterbesitzer ein deutlich entspannteres Verhältnis zu seinem Fahrzeug als ich und das ermöglicht uns das Parken in der Innenstadt mit Besuch beim Türken.
Satt und wohlbalanciert steige ich an diesem Abend aus dem Auto.

Morgen ist allerdings die schwarze Schönheit wieder dran. Ich freue mich jetzt schon. Jeder Porsche zu seiner Zeit.

 

Back on Track

Sonntag. Mir geht es endlich wieder besser.

Den Tag über werde ich einen Workshop haben. Die Strecke dorthin ist zwar nicht sonderlich weit, aber ich werde sie auf jeden Fall im Porsche fahren.

Schöne, kurvige Landstraßen…

Schon der Gedanke daran lässt mein Herz hüpfen.

Als ich die Tasche in die Garage bringe, umfängt mich kühler Benzingeruch.

Im Auto dann warmes Leder.

Ich bin ganz sicher, dass die Ingenieure bei Porsche es extra so eingerichtet haben, dass der Motor beim Start einmal so vernehmlich hochdreht.
Das ist der Moment, in dem die Porschebesitzerin daran erinnert wird, warum sie dieses Auto so dringend braucht.

Das und die erste freie Strecke, in der die Beschleunigung den Köper unmißverständlich in den Sitz drückt.

Its good, to be back.

Driften. Er will driften!

Samstagmorgen. Ich liege noch im Bett und die Welt ist in Ordnung.

Mein Bruder im Geiste und Mitporschebesitzer schickt seinen Morgengruß aus dem Süden und verkündet, er wolle heute driften gehen. Er macht dauernd irgenwelche gefährlichen Sachen und rast mit irrem Tempo durch die Gegend.

Auf einmal bin ich wach, sehr wach.

Doch wohl nicht mit dem Porsche!
Ich kenne kaum einen Menschen, der so pingellig mit seinem Auto ist. Er poliert und bezieht ihn mit Steinschlagfolien und was nicht alles.

Doch, klar mit dem Porsche.
Und dann kommt, was kommen musste.
Das unglaubwürdigste Argument der Welt.
Ich habe es bisher immer nur aus dem Mund von Männern gehört: man müsse doch sein Auto im Grenzbereich kennen, damit man es in Gefahrensituationen beherrschen kann.

Bullshit.
Damit man im Stress einer Gefahrensituation wirklich die richtige Reaktion zeigt, müsste man so viel Grenzbereichssituationen üben, und zwar laufend, dass man seine Berufstätigkeit an den Nagel hängen könnte.
Es irgendwann mal an einem Wochenende zu tun, und sich dabei wild und lebendig zu fühlen, reicht schlicht nicht aus.
Denn die Gefahr kommt ja nicht unmittelbar danach. Sondern hoffentlich nie oder erst viel später.

Und überhaupt das Wort „Grenzbereich“!
Da kriegen die Jungs schon leuchtende Augen. Grenzbereich ist cool, da ist man ein echter Kerl!
Ich will da gar nicht hin.
Mein Porsche und mein Leben sind mir lieb und teuer und meine Coolness beweise ich weder mir, noch der Welt  im Auto.

Ich besitze einen Motorradführerschein, und um diesen zu erwerben, übt man Bremsmannöver immer arg nah am Blockieren der Bremsen. Beim Motorrad macht es Sinn, dort liegt die maximale Bremskraft kurz vor dem Punkt, an dem die Bremse blockiert. Und man kommt im Alltag diesem Punkt oft auch nahe.
Das ist beim Porsche aber anders.

Was ist also los mit all den Männern, die auf beregneten Plätzen ihre Autos schnell im Kreis bewegen, oder versuchen möglichst flott um Plastikpinöppel zu kurven?
Ist deren Porschefahrerleben wirklich so viel riskanter als meins?

Natürlich nicht.

Sicher macht es Spaß, seine Fahrtechnik zu schulen. Und es macht stolz, sein Fahrzeug gut zu beherrschen. Aber dabei geht es um etwas völlig anderes als um die Vorbereitung auf den echten Straßenverkehr.

Diese Herren sind „sensation seeker“. So werden Menschen in der Psychologie bezeichnet, die immer nach neuen Reizen suchen. Und zu 70% ist dieser Persönlichkeitszug angeboren.
Sensation seeker suchen körperlich riskante Aktivitäten, mögen einen unkonventionellen Lebensstil, streben nach sozialen Stimulationen und sind anfällig für Langeweile.

Nicht überraschend, dass mein geliebter Seelenbruder auf seinem Whatsapp-Profilfoto gerade mit einer Crossmaschine durch die Luft fliegt.

Ganz fremd ist mir ein solches Persönlichkeitsprofil nicht, aber meine Ängstlichkeit schiebt einen dicken Riegel vor körperlich riskante Aktivitäten.

Da mein mir manchmal so fremder Bruder im Geiste sich durch all meine Einwände nicht davon abbringen lässt, verbleiben wir so, dass er sich meldet, wenn er mit dem Driften fertig ist, so dass ich aufhören kann, mir Sorgen zu machen.

Wie das seine Frau aushält, ist mir absolut schleierhaft. Klar, sie kennt ihn nicht anders und hat ihn so geheiratet, aber mich würde ein so wilder Mann in den Wahnsinn treiben.

Jetzt pass verdammt nochmal auf Dich und den Porsche auf, Bruder!

 

 

 

Krank trotz Porsche

Es hat mich erwischt, ich habe eine dicke Erkältung.

Mit warmen Socken liege ich bis zum Hals zugedeckt auf der Couch und verbrauche unvorstellbare Mengen von Taschentüchern.

Da ich dringend noch Dinge wegarbeiten muss, lese ich Fachliteratur und habe mein Laptop auf dem Schoß.

Nur 7 Meter entfernt ist die Garage. Mein Blick fällt auf die Wand hinter der die schwarze Schönheit auf mich wartet.
Es wäre fahrlässig, sich in meinem Zustand hinter das Steuer eines Sportwagens zu setzen.

Seit vorgestern geht das jetzt schon so.

Boshafte Porschefreunde weisen darauf hin, dass ich wohl zu viel Zeit im offenen Boxster verbracht habe. Einer erklärt, dass er schon wisse, warum er keinen offenen Wagen fahre.
Dabei geht die Erkältungswelle im Moment rum und es schniefen auch Bekannte, die nachweislich nicht in offenen Porsches durch die Gegend gefahren sind.

Andere fragen, ob mein ärztlicher Freund denn keine Hausbesuche mache. Ich weise darauf hin, dass er, wie jeder Erwerbstätige um diese Zeit, seiner Arbeit nachgeht. Außerdem erledigt sich ein Schnupfen auch ohne Arzt.

Schlimmer als die Häme meiner Zeitgenossen trifft mich meine Fahruntauglichkeit.
Es ist das erste Mal, dass ich krank bin, seit ich den Porsche habe.

Krank ist immer blöd, aber wenn nur wenige Meter entfernt der Traumwagen wartet, wird es zur Plage.

Schnupfen 001

PS: Ich muss diesen Post auf Wunsch eines ganz besonderen Herren korrigieren:
Es war nicht irgendeiner, der sagte, er wisse schon, warum er keinen offenen Wagen fahre. Es war mein Bruder im Geiste.
So Bro, das war nur für Dich :-*

Not stripping for you, Porsche Deutschland GmbH!

Ich habe wieder Post von Porsche bekommen.

Dieses Mal ist es ein Anschreiben, das der geneigten Leserin erläutert, die anspruchsvolle Kundschaft von Porsche würde eine permanente Leistungsüberprüfung erfordern und darum ginge es in dem beiligenden Fragebogen.

Liebe Porsche Deutschland GmbH,
gibt es wirklich Menschen, die dumm genug sind, dies zu glauben, obwohl sie klug genug sind, genügend Geld für einen Porsche zu verdienen?

Natürlich finden sich im Fragebogen Fragen zur Zufriedenheit mit Auto, Kaufabwicklung und PZ.
Aber Porsche will neben zig anderen Dingen auch wissen, was ich beruflich mache, wie ich mein Auto finanziert habe, welche Autos ich noch so fahre, ob ich Kinder habe, ein internetfähiges Mobiltelefon, ein Tablet, welchen Sport ich treibe, was ich in meiner Freizeit mache, welche Zeitungen ich lese und was ich im Monat verdiene.

GEHTS NOCH?!

Die Krönung ist dann die Frage, ob ich single oder zusammenlebend bin. Wollen die mir demnächst auch den passenden Mann verkaufen?
Einen der sich gut macht, auf dem Beifahrersitz meines 11ers?
Vielleicht einen, der schicke Shirts aus der Porsche-Kollektion trägt?

Dem Fragebogen liegt auch noch eine Einwilligung zur Datenverwendung bei, die man unterschreiben soll.

Ihr verkauft tolle Autos und ich liebe meinen Porsche, aber hochverehrte Porsche Deutschland GmbH, das ist noch kein Grund, warum ich für Euch einen Datenstriptease mache.
Gerne hätte ich Euch Rückmeldung zu autobezogenen Fragen gegeben, oder zum Service im PZ. Aber Ihr konntet den Hals nicht voll kriegen und deshalb gibt es jetzt leider gar nix von mir!
In Zukunft erwarte ich etwas mehr Respekt vor der Intelligenz Eurer Kundschaft!

019

Die Feste feiern, wie sie fallen

Noch so ein schöner, sonniger Tag in diesem Frühling, in dem sich ganz Deutschland so sehr nach solchen Tagen sehnt.

Und morgen soll es schon wieder vorbei sein.
Die Wettervorhersage kündigt für den kommenden Feiertag und das Wochenende viele Schauer an.

Nachdem wir unser Tagewerk beendet haben, das auf unterschiedliche Art darin besteht, dass wir uns um andere Leute kümmern, brechen der Boxsterbesitzer und ich spontan zu einer neuen Tour auf.

Eine Viertelstunde nachdem der letzte von uns Feierabend hat, sind wir auch schon unterwegs.

Ich bin beruflich 250 Kilometer gefahren, immer mit leichtem Zeitdruck, da ist es wunderbar, auf den Beifahrersitz zu wechseln.
Nur ganz kurz, zwischendruch, hätte ich auch Lust, selber zu fahren.

Ich habe keine Ahnung, wie es dem Mann am Steuer geht, aber bei mir klappt es auch heute wieder. Wir fahren, und alles ist gut.

Unser Ziel ist ein Park, ein Ort, den ich seit dem Kindergartenalter kenne und mag.

An solchen Abenden scheint es, als läge alles Schlechte weit in der Vergangenheit und man wünscht sich, sie würden nie enden.

Dieses Gefühl kenne ich aus meiner Jugend.
Momente so intensiv zu genießen, so viel im Auto unterwegs zu sein, einträchtig die Fahrt und die Musik zu genießen, gar nicht viel zu reden, höchstens ab und zu einen Scherz oder den Hinweis darauf, wie schön der Himmel in der zunehmenden Dämmerung aussieht.

Eine Sünde, eine solche Gelegenheit nicht zu nutzen. Man muss die Fahrten, die das Leben einem ermöglicht, machen.

Manche macht man alleine, mit seinem Porsche. Auch die haben ihre ganz eigene Qualität.

Glück zu teilen, gemeinsam im Hedonismus zu baden, jemanden zu haben, der dieselben Dinge genießt, das ist etwas, das vermutlich nicht alle Menschen haben, in deren Garagen ein Porsche steht.
Counting my blessings…

Fluchtwagen

Irgendwann hat mein Porschefreund mal gescherzt, ich würde den Porsche als Fluchtfahrzeug benutzen, um von hier weg, bevorzugt in die Eifel zu kommen.
Er hat völlig recht. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich zwei Wohnsitze habe. Der Gedanke, abhauen zu können, wann immer ich will, behagt mir sehr.

Mich schauderts, wenn ich an meinen Inselkoller nach 1 Woche Sylt denke…
Heute war wieder so ein Tag.
Eigentlich hätten die Sektgläser von gestern Abend noch gespült werden müssen, und auf dem Schreibtisch wartet Arbeit.
Aber ich muss ganz dringend weg.
Klar, ich werde für diesen Ausflug mit Arbeit am Wochenende zahlen müssen, aber der Preis stimmt.

Schnell zur Tanke und dann los.
Ich will fahren. Ich will Porsche. Ich will weg.

Schon unterwegs wird mein Herz leichter. Hohe Acht 001
endlich mal kein Dauerregen und der Himmel ist wunderschön.

Auf dem Weg zu meinem Ziel komme ich an den Wiesen vorbei, die letztes  Wochenende noch voller Zelte vom 24h-Rennen standen.
Arbeiter sammeln Müll zusammen.
Einer hat gerade einen Sombrero in der Hand.
Kopfschüttelnd fahre ich weiter.
Leichte Paranoia überfällt mich, als ich den Porsche recht einsam parke. Hohe Acht 039

Aber unerschüttert breche ich auf.
Ich will auf die Hohe Acht, die höchste Erhebung der Eifel.
Sie ist vulkanischen Ursprungs und der erkaltete Basalt formt eine spektakuläre Landschaft. Hohe Acht 057
Nach einem Kilometer Aufstieg habe ich den Aussichtsturm erreicht.
Niemand ist hier, an diesem Freitagvormittag.
Hohe Acht 058
Oben auf der Plattform überkommt mich heftig die Höhenangst, aber am Fuße des Turms kann ich es gut aushalten.
Ich stehe ganz allein auf dem Dach der Eifel im Sonnenschein und merke, wie ich heil werde.
Der Rest der Menschheit ist weit weg, irgendwo da unten.
Ich setze mich in die Sonne und werde innerlich ruhig und zufrieden.

Ganz von Ferne hört man unten auf der Nordschleife, wie Motoren aggressiv beschleunigt werden.
Nach einer Weile schlägt das Wetter um, aber ich wandere unverdrossen durch den Wald.
Wenn ich an Nadelbäumen vorbei komme riecht es ganz süß und würzig.
Nach vier Stunden gleichförmiger Bewegung habe ich Hunger und bin bester Stimmung.

Der Porsche steht zum Glück noch da, und erleichtert sinke ich ins Leder.
Es geht nach Adenau, zu einem verspäteten Mittagessen.
Die Strecke ist sehr schön und im Radio läuft „I´ve had the time of my life“.
Passt mal wieder.

Ich finde einen Parkplatz und krame nach der Parkscheibe.
Im Porsche habe ich sie noch nie gebraucht.
Und natürlich ist auch keine drin.
Als ich gerade resigniert aussteige, kommen drei Engländer an mir vorbei.
Einer kommentiert mein Auto: „Beauuuuuuuuuuuutiful!“
Stolz grinse ich: „Thanks.“

Ja, mein Fluchtwagen ist eine absolute Schönheit.

Der Tag vor den 24 Stunden

Morgens hole ich noch schnell mein Handy-Ladekabel aus dem Porsche.
Er bleibt in der Garage.
Obwohl er ein Allradmodell ist, fällt mir nicht im Traum ein, ihn auf matschigen Wiesen zu parken.
Er riecht so gut…! Und sein prachtvolles Heck ist heute Morgen besonders sexy. Aber akute Porscheparanoia lässt mich schnell die sichere, trockene Grarage wieder schließen.

Ich bin gerne am Tag vor dem großen Rummel unterwegs, also fahre ich einen Tag vor Beginn des 24h-Rennens an den Ring.

Von der A1 fahre ich Kolonne mit lauter Männern Richtung Ring.

Als ich mein Auto parke und aussteige, kräht mir der Einweiser entgegen: „Die Frau parkt besser, wie 100 Männer!“

Ich schmunzle und denke mir, „Wenn Du wüsstest, ich kann auch anders…“
und erinnere mich an einige Manöver, die ihm mit Sicherheit die Lachtränen in die Augen getrieben hätten…

Obwohl ich früh dran bin, muss ich schon ein ganzes Stück von meiner Parkwiese bis zum Gelände laufen. Es geht vorbei an eingezäuntem Eifelwald. Der vertraute saubere Waldgeruch steigt in meine Nase.
Im Hintergrund hört man schon die Motoren von der Grand Prix Strecke.
Was für ein Kontrast.

Das Merchandising läuft auch Hochtouren.
In Lack gekleidete Asiatinnen laufen durch die Gegend.
Es gibt eine Wand mit einem Rennauto darauf. Wo der Kopf des Fahrers ist, ist eine Aussparung, durch die man seinen eigenen Kopf stecken kann.
Männer sammeln eifrig Poster, Schlüsselbänder, Gummiebärchen und Fähnchen.
24hSamstag 010

Nein, ich möchte keinen Nürburgring-Grill beim Preisausschreiben gewinnen. Vielen Dank.

Die Camper erkennt man daran, dass ihre Hosen bis zum Knie schlammig sind. Die Böden sind feucht nach dem vielen Regen. Offenbar sind Camouflagehosen und T-shirts mit martialischen Aufdrucken in dieser Szene en vouge.

Gute fünf Stunden laufe ich über das Gelände und fotografiere fröhlich vor mich hin. Es ist zwar schon einiges los, aber noch kein nerviges Gedränge.

24hSamstag 012
Ich mag die Flügeltürer und ihren Sound.

24hSamstag 033
Hinten auf dem Lkw von BMW…

24hSamstag 02424hSamstag 423
Die fahren im ADAC 24h-Classic

24hSamstag 126
Alle Tribünen sind endlich mal wieder offen, man kann hin und her spazieren und fotografieren.

24hSamstag 220
So sexy…

24hSamstag 298
Ich mag die Farben.

Dann fahre ich zurück in die normale Eifel. Hier liebt man sein Auto und fährt schnell, aber es gibt noch andere Themen außer dem heiligen Blech.
Die Kurven machen Spaß und 20 Kilometer vom Ring entfernt sind die Straßen wunderbar leer.
Ich habe noch Lust zu fahren und kehre bei meiner Lieblingsbäckerei-Fachverkäuferin ein. Abends gehe ich auf eine Lesung und werde zur Abwechslung selbst mal fotografiert.

Dann geht es früh ins Bett, denn morgen geht es ja weiter.

Brainwashed

Der mittlere von 3 Terminen fällt heute aus.

Zeit, die es sinnvoll zu füllen gilt.

Ich entscheide mich für Fahrzeugpflege.
Der Kombi ist noch dreckiger als der Porsche, und normalerweise wäre ich jetzt zur Waschstraße gefahren.

Aber ich bin einer Gehirnwäsche im Porschforum unterzogen worden.
Der edle Porschelack gehört per Hand gereinigt!
Es gibt dafür sogar Anleitungen. Wenn das so eine Wissenschaft ist, will ich keine grauenvollen Anfängerfehler am 11er machen und beschließe am Kombi zu üben.

Die Anleitung, die mir ein Freund hat zukommen lassen, ist voller Banalitäten, die jedem selbstputzenden Hausbesitzer nur ein müdes Lächeln abringen können. Man putze von oben nach unten… ach, echt?

Auf dem Weg zum Waschboxbetreiber überlege ich, wann ich wohl zum letzen Mal ein Fahzeug mit der Hand gereinig habe.
War es das Fahrrad, als Kind…?
Nein, das Motorrad, das ich als Studentin fuhr, fällt mir ein.

Auch schon 17 Jahre her…

Während ich den Kombi in die Waschbox setze, fährt der Zwilling von meinem Porsche an mir vorbei. Ein schwarzer Carrera 4S.

Und biegt in die Waschstraße ein!!!

Jetzt komme ich mir völlig bescheuert vor.
Dennnoch fange ich an, das Auto erst vorzureinigen, fülle dann einen Eimer mit Wasser und Autoshampoo (Marke 0815, ich soll verdammt sein, wenn ich anfange bei den teuren Brüdern aus dem Nachbarland einzukaufen).
Es schäumt wie irre.
Gut so, Kapillarwirkung!

Mit dem Mikrofaserwuschel wird von oben nach unten geschäumt.

Ich stoße mir den Kopf am Seitenspiegel, pople das Wuschelding in meine Felgen und frage mich, ob es weise ist, wertvolle Lebenszeit auf diese Weise zu verbringen.

Aber ich bin brainwashed und mache weiter. Klarspülen und abtrocknen (hierfür habe ich ein superweiches Riesentuch aus meinem Mikrofaserfundus mit, es ist altrosa).
Ok, fertig.

Innenraum noch leicht staubig, nix ist poliert oder gewachst, die tiefer liegenden Schrauben an den Felgen sind nicht völlig sauber und auch meine Reifen glänzen nicht wie Speckschwarten.

Dafür sind Flusen vom Abtrocknen auf dem Auto.

Ich fahre zurück, auch meine Arbeitsstätte hat noch etwas Aufmerksamkeit nötig.

Ich stelle das Auto ab, und zehn Minuten später fängt es an zu regnen. Das dürfte die Flusen erledigen. Das frischgewaschene Aussehen allerdings auch.

Warum in aller Welt wollen wir Dinge, die so leicht dreckig werden wie Autos, besonders Felgen, makellos sauber haben?

Haben wir sonst keine Probleme? Warum lesen wir in der Zeit nicht ein gutes Buch, pflanzen einen Baum und entschädigen die Welt so für unsere PS-Sünden oder tun eine gute Tat?

Hin und her gerissen zwischen Autofetischismus und gesundem Menschenverstand beschließe ich, das Thema vorerst zu verdrängen.

Bald ist der heilige Porsche dran, Fortsetzung folgt…

Porsche Sports Cup2013 319
Echte Rennwagen werden nicht lackschonend gepflegt…