Dafür brauchst Du keinen Mann, Mädchen

Mit dem Satz hat mich 2012 meine Eifler Freundin aufgefordert, ruhig alleine zum Nürburgring zu fahren und mir dort alles anzusehen.
Heute Abend hatte ich großes Glück, wieder so ein „Dafür brauchst Du keinen Mann-Erlebnis“ zu haben.

Emotional recht wacklig auf den Beinen bin ich in den Porsche gestiegen,
in der Hoffnung, er könnte mein Herz leichter machen.
Leider hat man keine Garantie, dass sowas immer klappt.

Im Radio sang Brings: „Do häs jedach et Lääve hät ne Sinn
Alles weed jod, alles haut hin
Un häs do dann di Liehrgeld berappe müsse“
(Für die Nicht-Rheinländer: „Da hast Du gedacht, das Leben hätte einen Sinn. Alles würde gut, alles haut hin und hast dann Lehrgeld berappen müssen.“)
Passte mal wieder…

Aber es wurde unverhofft eine wunderschöne Tour!
DSCF1807
Mein Traumauto vor tollem Haus,
leider gehört nur das Auto mir,
den Rest habe ich mir fürs Foto geliehen.

Weiter gings am Rhein entlang,
da geht einer Rheinländerin ja ohnehin das Herz leicht auf.
Und plötzlich war ich an der Fähre, die ich mit dem Dr. so oft genommen hatte. Nur aus der anderen Richtung.

Ich wusste überhaupt nicht, ob um diese Zeit noch eine Fähre gehen würde, aber dachte, wenn nicht, guckst Du eben etwas aufs Wasser und drehst dann wieder um.
Aber der Zufall wollte es so, dass die Fähre am Anleger stand, kurz vor dem Ablegen.
DSCF1814
Also nicht lange zögern, und rauf mit dem Prinzen aufs Schiff!

Um diese Zeit war wenig los, und die Überfahrt im Abendlicht Balsam für meine gepeinigte Seele.
Wenn ich mit dem Dr. auf der Fähre war, hab ich irrigerweise oft gedacht, dass würde ich mich mit dem schwarzen Prinzen nicht trauen,
aber da gibt es nix zu trauen, das war Stuss, es war einfach nur schön.

Nach dieser Tour hab ich wieder etwas Wind unter den Flügeln.
Vielleicht hält das Leben ja doch noch gute Zeiten für mich auf Lager?!

Sommersonne

Besorgte Nachfragen mehren sich.
Mein Blog sei so düster geworden.

Zu düster solls nicht sein, von daher kommen sonnige Momente.
Der Dr. hat nach seiner Nachtschicht ausgeschlafen und ich bin mit dem Tagewerk fertig.
Die Meteorologen kündigen zum Wochenende einen Wetterumschwung an, von daher gibt es keine Alternative zur Boxstertour.
Solche Abende nicht zu nutzen, wäre eine Sünde.

Außerdem schulde ich dem Dr. einen Burger.
In meinem Flur hat ein toter Vogel (sorry, einzige düstere Stelle, versprochen!) gelegen und den hat er heldenhaft entfernt.

Auf bewährtem Weg geht es auf die Fähre.
Der Boxster, der Dr. und ich genießen die kurze Überfahrt.
Der Fluss schaukelt uns wohlig, es ist ganz warm in der Sonne und man kann das Wasser riechen.

Jemanden für solche Fahrten zu haben, ist das Gegenteil von düster.
Jemanden zu haben, den man anrufen kann, wenn furchtbare Dinge aus dem Flur geräumt werden müssen, ist vermutlich – neben dem Porschebesitzertum – eines der großen Glücke im Leben. 🙂

Provence-Porsche

Ein heißer Sommertag liegt hinter uns, und es ist noch immer sehr warm als der Dr. und ich zu einer unserer legendären Feierabendtouren aufbrechen.
Der Fahrtwind macht die Temperatur sehr angenehm und ich darf entscheiden, ob Niederrhein oder Bergisches Land unser Ziel sein sollen.

Ich entscheide  mich für den Sprung auf die andere Rheinseite.
Dann können wir die Fähre nehmen, was besonders bei diesem Wetter immer wie ein Miniurlaub ist.

Auf dem Weg zum Rhein führen wir eine dieser Unterhaltungen, die man sich in seiner Phantasie ausmalen würde, wenn man sich vorstellt, dass zwei Personen unserer Professionen in einem Auto sitzen: wie immunsuppressiv wirkt Stress?
Dann lache ich über uns und wir wechseln das Thema.
Pro Stunde reden wir vermutlich ca. 15 mal über Autos.
Für jeden Beifahrer wären wir ziemlich unerträglich, aber im Boxster ist ja kein Platz für Dritte.

In Wuppertal halten wir am Akzenta und ich kaufe drei Lavendelpflanzen, die wir im Auto lassen, während wir eine Schwebebahntour machen.
Als wir zurück kommen, ist es dunkel, und der Boxster steht schon ziemlich alleine auf dem Parkplatz.
Dafür duftet er intensiv nach Lavendel und auch als wir für die Rückfahrt offen fahren, umweht uns der Duft auf der Heimfahrt.

Es ist noch immer sehr warm und der Abend ist einer dieser langen, warmen Sommerabende, die so völlig anders sind, als die im Winter.
Als ich mich vom Dr. verabschiede, muss ich an den Spruch denken:
Lebenskünstler ist, wer den Sommer so lebt, dass er ihn im Winter noch wärmt.
Ich glaube, das tun wir an solchen Abenden.

Kontrastprogramm

Den Tag über habe ich mich mit wichtigen, aber letzlich unerfreulichen Themen befasst. Wie unerfreulich, merke ich erst ein paar Stunden später.

Es ging um Aggressionen und Gewalt.
Kurz nachdem ich nach Hause komme, bringt mir Dr. Boxster etwas vorbei, und weil das Wetter schön ist, beschließen wir, eine Tour zu machen.

Anfangs sitze ich noch mit einem leicht zerrissenen Gefühl im Auto. Nach einigen Kilometern merke ich dann, wie das Leben sich wieder leichter anfühlt.

Die Sonne scheint, und als wir über Land fahren, habe ich das Gefühl, das hohe Gras an den Feldrändern fast mit der Hand greifen zu können.
Es sieht wunderbar aus, wenn der Wind die Halme bewegt, sie gleichförmig wogen und dabei farblich leicht changieren.

Weil Dr. Boxster weiß, wie gerne ich auf den Touren Fähre fahre, nehmen wir auf dem Rückweg das Schiff über den Rhein.
Vielleicht sind es frühe Jugenderinnerungen, aber ich finde das Übersetzen immer großartig.

Das Licht gegen Abend erinnert mich an das Licht im Sommer am Meer.

Genau wie wir die Hälse recken, wenn andere Porsches an uns vorbei fahren, kassieren wir von den Entgegenkommenden auch eine Menge Blicke.
Ein Porsche ist vermutlich nie ein Auto, das man unauffällig bewegt.

Zum Glück hat der Boxsterbesitzer ein deutlich entspannteres Verhältnis zu seinem Fahrzeug als ich und das ermöglicht uns das Parken in der Innenstadt mit Besuch beim Türken.
Satt und wohlbalanciert steige ich an diesem Abend aus dem Auto.

Morgen ist allerdings die schwarze Schönheit wieder dran. Ich freue mich jetzt schon. Jeder Porsche zu seiner Zeit.