Geblitzt – freie Fahrt für freie Bürger…

Brückentag.
Das verlangt nach einer Porschetour.
Ich fülle den Tank, und noch bevor ich den blöden Tunnel auf der A1 erreicht habe, blitzt es plötzlich.

Mist!
Ich muss doch so vorsichtig sein, weil sie mich in den letzten vier Wochen schon einmal…
Entnervt fahre ich im Tunnel die vorgeschriebenen 60 Kmh.
Es fühlt sich völlig absurd an.
Immerhin fahre ich über eine hervorragend ausgebaute 3-spurige Autobahn.
Mit 60…

Weitere Vergehen kosten mich den Führerschein, daher reiße ich mich unglaublich zusammen.
Im Rentnertempo schaukle ich den Porsche in die Eifel.
Sobald ich von der Autobahn runter bin, fahre ich mit scharfem Schwung auf die Nebenstrecke.

Aaaah, endlich wieder freie Fahrt!
Bewusst wähle ich Strecken zwischen winzigen Orten, auf denen es sich nicht lohnen würde, Radarfallen zu installieren.
Die Jahre in der Eifel zahlen sich aus, denn ich kenne auch Straßen, die den normalen Wochenend-Touristen verborgen bleiben.
Hier können der schwarze Prinz und ich Spaß haben.

Zum Teil sind die Strecken so schmal, dass zwei Fahrzeuge sich mit maximal 30 kmh begegnen können, weil nur wenige Zentimeter die Seitenspiegel trennen.
Es geht in vielen Kurven bergauf und bergab.
Super.
Selbst mit dem Tempo aus dem Tunnel hat man in den engen Kehren hier ordenltich zu tun, als Fahrer.

Um mich herum eine wunderbare herbstliche Kulisse
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An meiner Lieblingstanke wird nachgetankt, offenbar benötigt der 11er beim Sträßchen-Heizen ganz schön viel Sprit, und weiter geht es.
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Haltestelle

Ich fahre und fahre.
Dann bin ich müde und halte in Blankenheim, um mich noch mit dem guten Brot von Milz zu versorgen.
Dort treffe ich meinen langhaarigen Bekannten wieder.
Irgendwie treffen wir uns immer beim Einkaufen.

Er fragt, wo ich den Porsche geparkt habe.
Irgendwie fragen immer alle nach dem Porsche.
Dann fahre ich wieder zurück, gaaaaaanz langsam.

Nach sechs Stunden im Porsche bin ich müde, der Tank ist leer und das Herz ist voll.

Gefangen

Ich sitze im Porsche und quäle mich die A1 hoch.
Der Zustand der Autobahn in Höhe von Köln spottet mal wieder jeder Beschreibung.
Der Verkehr kriecht auch außerhalb der Rush hour mit maximal 40 kmh dahin.

Mein Blick fällt nach rechts, auf gleicher Höhe von meinem Porsche befördert das Land Rheinland-Pfalz in einem grünen Bus Gefangene.
Die Fenster sind bis auf einen Schlitz verkleidet.
Jeder Sitzplatz hat ein eigenes Stück Schlitz.

Aus allen sehen Männergesichter zu mir herüber.
Der hübsche Porsche scheint willkommene Abwechslung zu sein.
Hab ich es gut, denke ich.
Und gleichzeitig bin auch ich gefangen.

Meine Gedanken laufen im Kreis.
Gestern Abend hat ein Freund Dinge getan, die mir nachhängen und dies noch lange tun werden.
So quälen sich der grüne Bus und der schwarze Porsche die A1 hinauf.
Zwei Gefangenentransporte.

 

Der Dienstporsche

Für meinen nächsten Auftrag wechsle ich meinen Dienstsitz.
Aus einer Reihe von Gründen habe ich mich entschlossen, die nächsten Tage den 11er zu fahren.

Auf so eine Dienstreise schleppe ich immer eine Menge mit. Heute kommt noch dazu, dass ich einige Haushaltsgegenstände von A wieder nach B transportieren will. Wenn das mal gut geht, der Kofferraum  ist doch so klein…

Es muss aber der Porsche sein, ich bin müde und die Woche wird arbeitsreich, da will ich nebenher meinen Spaß.

Es kostet mich etwas Packkunst, aber zu meiner ultimativen Erleichterung passt mein Lieblingskoffer für alle Dienstreisen problemlos in den Kofferraum meiner schwarzen Schönheit. Super!

Noch etwas Sprit nachfüllen, und los geht es.
Kaum auf der Bahn und schon der erste Stau.
Was aber schlimmer ist:
heute ist ein ungünstiger Tag zum Porschefahren. In NRW ist „Blitzmarathon“. Überalll wird die Geschwindigkeit kontrolliert und ich brauche meinen Führerschein.

Die Idioten in Köln schaffen es mal wieder, dem Fass den Boden auszuschlagen. Tempo 60 auf der A1. Ich gebe mich grauenhaften Gewaltphantasien hin und halte mich stur an die 60.

Mein Telefon klingelt, und bei der Schleicherei ist es kein Problem, den Anruf entgegen zu nehmen.
Mein Porschebruder ruft aus seinem Porsche an.
Ich höre seinen Motor schreien, beim Beschleunigen, und seine euphorischen Kommentare im Hintergrund. Grinsend höre ich ihm zu.
Er fragt, warum mein Auto so leise sei…

Nach einer Weile schickt er noch eine Nachricht: „So viel in einer Stunde gibts nur beim Fahren oder beim Sex.“

Endlich liegt Scheißköln hinter mir. Es läuft eine Communards-CD und Jimmys Lamento klingt aus dem Soundsystem. Ich kenne den Text seit fast 30 Jahren auswendig.
Laut singend beklagen wir Jimmys verlorene Liebe.

Als ich das Gaspedal runterdrücke und mein eigener Motor endlich anfängt, seine kraftvolle Stimme zu erheben, denke ich: „Vergiss Sex, Bruder!“

Ich scheuche die müden Familienväter auf dem Rückweg von der Arbeit von der linken Spur und bin so glücklich, wie seit langem nicht mehr.
Es war richtig, den Porsche für diese Fahrt zu nehmen.
Ein solches Gefühl kann einem kein Mensch geben. Das kann nur ein (Dienst)Porsche.

Hohe Acht 003

Schöner Weinen

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich viel im Auto geweint. Damals war meine Welt zusammen gebrochen und ich habe sowohl die A46, als auch die A1 oft ziemlich tränenüberströmt befahren.

Das war noch in meinem treuen, alten Kombi.

Heute Morgen lag ein Brief in der Post, der die verheilt geglaubten Wunden dieser Zeit wieder geöffnet hat.

Heute weine ich im Porsche.

Schöner Weinen.