Carpe Nachmittag!

Den ganzen Vormittag war ich niedergeschlagen.
Porschefreund Jim ermahnt mich, nicht rumzujammern wegen des  „Mannes mit dem alten Auto“, wie er einen gewissen Herren nennt.
Leichter gesagt, als getan.

Irgendwann raffe ich mich auf und fahre zum Porschezentrum, um den reparierten Schlüssel abzuholen.
Und die Porschemagie arbeitet für mich.
Nach weniger als einem Kilometer fühle ich mich etwas besser.

Als die Schlüsselsache erledigt ist, bin ich so happy, dass ich den Carrera noch nicht in die Garage fahren will.
Der Schreibtisch erlaubt eine Ausfahrt und aus psychologischer Sicht ist sie absolut lebensrettend für Fräulein Traurig.

Mein Öl ist warm und auf den Landstraßen absolviere ich überflüssige Sprints.
Nur weil es sich so gut anfühlt…

DSCF1825
Immer den Rhein entlang.
DSCF1844
Bis ganz nah ans Wasser.
DSCF1860
Pole position auf der Fähre mit Blick auf die Ruderer.

Hilft ein Porsche bei Herzenskummer?
Ein bisschen schon.
Wenn alles noch so frisch ist, sind schon zwei Stunden, in denen man etwas anderes fühlt als dieses Scheißgefühl, gut.

Dafür brauchst Du keinen Mann, Mädchen

Mit dem Satz hat mich 2012 meine Eifler Freundin aufgefordert, ruhig alleine zum Nürburgring zu fahren und mir dort alles anzusehen.
Heute Abend hatte ich großes Glück, wieder so ein „Dafür brauchst Du keinen Mann-Erlebnis“ zu haben.

Emotional recht wacklig auf den Beinen bin ich in den Porsche gestiegen,
in der Hoffnung, er könnte mein Herz leichter machen.
Leider hat man keine Garantie, dass sowas immer klappt.

Im Radio sang Brings: „Do häs jedach et Lääve hät ne Sinn
Alles weed jod, alles haut hin
Un häs do dann di Liehrgeld berappe müsse“
(Für die Nicht-Rheinländer: „Da hast Du gedacht, das Leben hätte einen Sinn. Alles würde gut, alles haut hin und hast dann Lehrgeld berappen müssen.“)
Passte mal wieder…

Aber es wurde unverhofft eine wunderschöne Tour!
DSCF1807
Mein Traumauto vor tollem Haus,
leider gehört nur das Auto mir,
den Rest habe ich mir fürs Foto geliehen.

Weiter gings am Rhein entlang,
da geht einer Rheinländerin ja ohnehin das Herz leicht auf.
Und plötzlich war ich an der Fähre, die ich mit dem Dr. so oft genommen hatte. Nur aus der anderen Richtung.

Ich wusste überhaupt nicht, ob um diese Zeit noch eine Fähre gehen würde, aber dachte, wenn nicht, guckst Du eben etwas aufs Wasser und drehst dann wieder um.
Aber der Zufall wollte es so, dass die Fähre am Anleger stand, kurz vor dem Ablegen.
DSCF1814
Also nicht lange zögern, und rauf mit dem Prinzen aufs Schiff!

Um diese Zeit war wenig los, und die Überfahrt im Abendlicht Balsam für meine gepeinigte Seele.
Wenn ich mit dem Dr. auf der Fähre war, hab ich irrigerweise oft gedacht, dass würde ich mich mit dem schwarzen Prinzen nicht trauen,
aber da gibt es nix zu trauen, das war Stuss, es war einfach nur schön.

Nach dieser Tour hab ich wieder etwas Wind unter den Flügeln.
Vielleicht hält das Leben ja doch noch gute Zeiten für mich auf Lager?!

Eye candy für die Dame

Nachdem die Hühnerthematik in den Kommentaren des letzten Posts die Gemüter so sehr bewegt hat, kommt heute mal etwas nur für meine Leserinnen (und die wenigen schwulen Leser, die sich für Autos interessieren…)!

DSCF9461
Hahn räkelt sich in offener Autotür

DSCF8790
Hahn in einem Outfit, das uns alle daran erinnert, dass Frau nicht häufig genug an Rennstrecken sein kann…
DSCF9562
Hahn zeigt auf Renntruck sitzend, dass das Steuern von Rennwagen offenbar gut den Flügel trainiert.
DSCF8810
Hahn, der vermutlich auch meine Felgenprobleme in den Griff kriegen würde…
OGP 005
Hahn neben geilem Auto.
10.8 212
Hahn, für den im Hühnerbusiness suboptimal gelaufen ist.

Enjoy Mädels!

Ampelflirt

Heute habe ich zuviel im Auto gesessen.
Wer kennt solche Tage nicht?
Da ist einer müden Frau jede nette Begegnung recht.
Der junge Mann saß in dem Bus, der neben mir her fuhr.

Er hatte brauen Haare und große braune Augen.
Ich trugt mein oranges OGP-Sweatshirt mit den vielen Autoaufnähern drauf.
Er grüßte mich mit einem Victory-Zeichen und strahlte herunter.
Mit dieser speziellen Begeisterung, wie sie nur sehr junge Männer an den Tag legen.

Ich schickte ihm ein Lächeln in den Bus.
Darauf öffnete er seine Hand und winkte mir zu.
Es war eine kleine Patsche-Hand, die er fröhlich schwenkte.
Die Ampel sprang um und mit einem Augenzwinkern gab ich Gas.

Der Schulbus fiel zurück,
das heitere Gefühl,
das der ca. 10 Jahre alter Flirt-Gott herüber gesandt hatte, blieb.

Missing my baby

Ich weiß nicht, wie oft der Dr. heute schon den Satz:“ Ich vermisse meinen Porsche“ gehört hat.
Ein fieses Gefühl, so ein Ziehen der Sehnsucht in der Brust…seufz.
Nachmittags liegt der Dr. ganzkörpergelähmt auf der Couch und ich ziehe mit dem
Boxster los.

Am Hof meines Nachbarn halte ich an und frage den alten Bauern, ob er Lust auf eine Tour hat. Er sagt, er könne leider nicht und gibt später zu, dass er wegen meiner „rasanten“ Fahrweise doch Bedenken habe, zu mir in den Porsche zu steigen…
Empörend. Also sind der Boxster und ich alleine.

Im Radio läuft „50 ways to say good bye“ von Train.
Ich liebe dieses Lied, der Text ist SO witzig.
Das Dach ist offen, ich prügle den Boxster durch die Kurven und singe so laut mit, dass die Kühe auf ihrer Wiese irritiert zu der Irren im Auto herüber sehen.

Natürlich braucht meine arme Seele einen Umweg.
Ich fahre die schöne Kurvenstrecke von „The long way home“.
Langsam wird meine Porsche-entzügige Pein kleiner.
„She´ll think I´m superman. Not super minivan“ hahaha, großartig!

Nach der Fahrt fühle ich mich wie nach gutem Sex.
Besser als vorher, aber es ist auch völlig klar, dass ich schon bald eine Wiederholung wollen werde.
Im Idealfall allerdings mit dem Richtigen.
Dem schwarzen Porsche-Prinzen, der so weit von mir weg in meiner Garage auf mich wartet.

Der neue Knopf

Diesen Post widme ich meinem Porschefreund Jürgen.
Jürgen hat wiederholt meinen Porsche verspottet, weil er angeblich zu wenig Knöpfe habe.
Ihm fehlten bei der Betrachtung diverse „Mein Porsche kann auch schneller, härter, lauter-Knöpfe“.
Da mein Auspuff von hinten wie ein Sportauspuff wirkte, wurde ich verspottet, ich hätte wohl einen Poser-Auspuff. Ohne Knopf, der ihn lauter macht.

Gestern habe ich einen Knopf entdeckt. Rund, neben dem Hebel zum Öffnen des Kofferraums. Beschriftet mit 0/1.
Er stand auf 1.

Schnell entwickelte ein anderer Forums-Bekannter die Hypothese, dies könne der nachträglich eingebaute Knopf zum Lautermachen des Auspuffs sein.

Heute bin ich dann in die Garage.
Der Boxster Dr. musste sich neben das  Autos stellen und ich hab den Knopf gedrückt.
Seine Diagnose: „Klingt irgendwie kerniger.“
Mein Eindruck: „Klingt irgendwie prolliger.“

Ok, jetzt ist das Rätsel also gelöst. Ich habe an komischer Stelle einen Knopf, der dafür sorgt, dass, wenn man ihn auf 0 stellt, mein Auto wie sein eigener Macho-Bruder klingt.

In meinen Unterlagen steht davon nichts.

Bei der nächsten Fahrt werde ich damit angemessen die Nachbarschaft nerven.
Danach werde ich entscheiden, ob es mir gefällt, oder ob ich ihn zukünftig lieber wieder kastriert fahren werde.

Look poor think rich

Mein Freund Bastian und ich laufen durch Wuppertal. Vohwinkel. Kein wohlhabender Stadtteil.
Überrascht sehe ich einen schicken Porsche in einer Seitenstraße parken.
Kurz darauf die Erklärung: er parkt unter einem Praxisschild.

Name des Arztes und Buchstaben auf dem Nummernschild stimmen überein.
Mensch, denke ich, es gibt Berufsgruppen, die ihren Porsche ganz offen fahren.

Ich hingegen überlege mir immer recht genau, zu welchen Terminen ich welches Auto nehme.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich diese: „Sie fahren einen Porsche? Müssen Sie aber gut verdienen!“ Sprüche nicht mehr hören kann.

Es geht die Leute überhaupt nichts an, ob gut ich verdiene, und ob ich den Porsche von meinem Verdienst bezahlt habe, oder nicht.

Mit solchen Gedanken scheint der wuppertaler Arzt sich nicht zu plagen.
Gönnt man es Ärzten mehr?
Bin ich alleine mit solchen Effekten?
Sagt man das eher zu einer Frau, als zu einem Mann?

Manchmal komme ich mir schon vor, wie der Chef der Treberhilfe…

2013-06-01_20 11 13

Mein erster ChristophOrus

Er liegt im Postkasten und gespannt öffne ich das eingeschweißte Magazin.
Im Begleitschreiben steht, er präsentiere sich als ein „beachtenswertes Stück aufregender Reiseliteratur“.
Ok, Porsche scheint recht eingenommen, von seinem Magazin.

Auch für mich ist es Reiselektüre, denn ich werde meinen Christophorus mit auf Dienstreise nehmen.

Der Untertitel ist „Performance, Passion, Porsche“.
Hmmmmm. Alliterationen, besonders als Dreierform, sind beliebte rhetorische Stilmittel, aber diese finde ich doch etwas auf Rhetorikkurs-Anfänger-Niveau. Wozu auch noch der Anglizismus? Irgendwie etwas zu tief in den Farbkasten der Sprache gegriffen.

Weiter unten, ein Satz, der vermutlich das Herz eines jeden Porschefahrers höher schlagen lässt: „In jedem Porsche steckt rein Rennwagen“.
Ja, denkt man, in meinem auf jeden Fall!
Wenn ich allerdings an so einige andere Modelle denke, aber lassen wir das…

Zu meiner Verblüffung fällt mir Werbung entgegen. Das war der Grund, weshalb ich meine Papiertageszeitung auf e-Paper umgestellt habe… jetzt also kommt der Werbungsstapel aus dem Christophorus.

Kreuzfahrt und Herrenkleidung. Äh, nein.

Innen jede Menge Werbung für Herren-Armbanduhren. Da scheint es eine Fetisch-Kombination zu geben. Wer teure Autos mag, scheint auch Interesse an schönen Uhren zu haben.
Offenbar haben die Anzeigenverkäufer von Porsche den Werbekunden auch mitgeteilt, dass es nicht lohnt, Damenuhren im Magazin zu bewerben, denn die Fetisch-Kombi zieht wohl nur beim männlichen Geschlecht. (Die Uhr an meinem linken Arm hat ca. 60 Euro gekostet, da ist nix zu holen…)
Außerdem versucht Walter Röhrl Lederjacken an den Mann zu bringen. Offenbar bin ich echt eine Exotin in der Porscheszene. Kaum Werbung für die Frau… dafür aber für Swizöl. (Und wieder nix zu holen bei mir…)

Nette Berichte, leichte Kost für den Nachttisch, auf Dienstreise.

Auf der A3 fahren ein Carrera Cab und ein Turbo vor mir her.
Natürlich betrachte ich sie mit Freude und Interesse. Nicht mehr jedoch mit der schmerzhaften Sehnsucht aus porschelosen Zeiten.
Zufrienden denke ich an meinen Schatz, der zuhause auf mich wartet.

Als ich beim Tagungshaus vorfahre, kommentiert der Rezeptionsmitarbeiter mein schickes Auto. Er kannte aus den 13 Vorjahren den alten, abgekämpften Kombi.
Grinsend sage ich, dass mein richtig schickes Auto zuhause stehe.
Er meint, dieser hier sei doch schon nicht schlecht. Als ich ihm verrate, was das andere für eins ist, sagt er lachend, „Ok, diese Runde haben Sie gewonnen.“

Von unterwegs höre ich meine Mailbox ab, die Mitarbeiterin eines Kunden hat eine Nachricht hinterlassen. Sie freue sich, mich bald zu sehen, und vor allem wolle sie alles über den neuen Porsche hören.
Die Kunden, die jahrelang meine sehnsuchtsvollen Schwärmereien gehört haben, freuen sich mit.

Mein Carrera ist ein rollendes Glücksschweinchen. Performance, Passion, Happiness.

Porsche-Balsam

Den dritten Tag in Reihe habe ich zu lange und intensiv gearbeitet.
Meine Freizeit verbringe ich alleine.
Zum einen bin ich nicht in der Nähe meiner Freunde, und zum anderen bin ich auch zu müde, um nach Feierabend noch zu sprechen.
Der Mann, für den ich eine Ausnahme gemacht hätte, musste passend zu meiner Arbeitsbelastung demonstrieren, wie eindrucksvoll bescheuert er sein kann.

Das fordert seinen Tribut. Im Job läuft es prima, privat fühle ich mich aber einsam und traurig.

Um 20.30 Uhr mache ich Feierabend und fahre in Adenau los.
Da Rock am Ring seine Schatten vorauswirft, wähle ich nicht die gewohnte Strecke, sondern fahre einen Weg, den ich heute zum ersten Mal nehme.

Im 6. Jahr in der Eifel bin ich eigentlich verhältnismäßig hartgesotten, was landschaftliche Schönheit angeht.
Aber diese Strecke ist absolut atemberaubend!

Mit Leichtigkeit nimmt der Porsche den steilen Anstieg aus dem Ort. Ich habe beide Fenster weit geöffnet und der warme Abendwind weht würzigen Heuduft zu mir hinein.
Hier wird momentan überall gemäht.

Reizvolle Kurven schlängeln sich durch den Wald, die Strecke ist ganz leer. Nur einmal begegnet mir ein Mann, der sehr glücklich aussieht, in seinem offenen alten Mercedes.

Goldenes Abendsonnenlicht und safte grüne Berge.
Ein Traum.
Im Porsche eine Frau, deren trauriges Herz auf dieser schönen Heimfahrt wieder ein kleines Stück leichter wird.

Der Ginster blüht in sattem Gelb, und das lässt mich leise lächeln.
Ginster ist mein Nick, weil es den hier viel gibt.

Ich bin so froh, dass ich den Porsche für diese Dienstreise gewählt habe. Er ist zwar derartig dreckig geworden, dass ich die Wäsche nicht länger werde vor mir herschieben können, aber ihn zu fahren ist Balsam für die Seele.

Im Moment sitze ich vor dem Haus, er steht neben mir und ich glaube wirklich, dass dieses Auto mich in den letzten Tagen davon abhält, mich richtig mies zu fühlen.

Es trägt tatsächlich, dieses gekaufte Stück Glück.

Der Dienstporsche

Für meinen nächsten Auftrag wechsle ich meinen Dienstsitz.
Aus einer Reihe von Gründen habe ich mich entschlossen, die nächsten Tage den 11er zu fahren.

Auf so eine Dienstreise schleppe ich immer eine Menge mit. Heute kommt noch dazu, dass ich einige Haushaltsgegenstände von A wieder nach B transportieren will. Wenn das mal gut geht, der Kofferraum  ist doch so klein…

Es muss aber der Porsche sein, ich bin müde und die Woche wird arbeitsreich, da will ich nebenher meinen Spaß.

Es kostet mich etwas Packkunst, aber zu meiner ultimativen Erleichterung passt mein Lieblingskoffer für alle Dienstreisen problemlos in den Kofferraum meiner schwarzen Schönheit. Super!

Noch etwas Sprit nachfüllen, und los geht es.
Kaum auf der Bahn und schon der erste Stau.
Was aber schlimmer ist:
heute ist ein ungünstiger Tag zum Porschefahren. In NRW ist „Blitzmarathon“. Überalll wird die Geschwindigkeit kontrolliert und ich brauche meinen Führerschein.

Die Idioten in Köln schaffen es mal wieder, dem Fass den Boden auszuschlagen. Tempo 60 auf der A1. Ich gebe mich grauenhaften Gewaltphantasien hin und halte mich stur an die 60.

Mein Telefon klingelt, und bei der Schleicherei ist es kein Problem, den Anruf entgegen zu nehmen.
Mein Porschebruder ruft aus seinem Porsche an.
Ich höre seinen Motor schreien, beim Beschleunigen, und seine euphorischen Kommentare im Hintergrund. Grinsend höre ich ihm zu.
Er fragt, warum mein Auto so leise sei…

Nach einer Weile schickt er noch eine Nachricht: „So viel in einer Stunde gibts nur beim Fahren oder beim Sex.“

Endlich liegt Scheißköln hinter mir. Es läuft eine Communards-CD und Jimmys Lamento klingt aus dem Soundsystem. Ich kenne den Text seit fast 30 Jahren auswendig.
Laut singend beklagen wir Jimmys verlorene Liebe.

Als ich das Gaspedal runterdrücke und mein eigener Motor endlich anfängt, seine kraftvolle Stimme zu erheben, denke ich: „Vergiss Sex, Bruder!“

Ich scheuche die müden Familienväter auf dem Rückweg von der Arbeit von der linken Spur und bin so glücklich, wie seit langem nicht mehr.
Es war richtig, den Porsche für diese Fahrt zu nehmen.
Ein solches Gefühl kann einem kein Mensch geben. Das kann nur ein (Dienst)Porsche.

Hohe Acht 003