Coming of Age

Jeden Morgen, früh, es war noch dunkel, saßen sie zusammen am Frühstückstisch.
Ich lief mit den Hunden auf der Pipirunde an ihrem Haus vorbei, und sie saßen dort zusammen.
Ich im Dunklen, die beiden im Licht.
Ich alleine, das Paar in Zweisamkeit.

Oft wäre ich am liebsten über ihrem Jägerzaun weinend zusammengebrochen.
Ich fühlte mich so alleine und hoffnungslos.
Aber irgendwie lässt Frau sich dann doch nicht in den Vorgarten anderer Leute fallen.

Stattdessen geht man weiter.
Jeden gottverdammten Morgen.
Und irgendwann wird es Frühling, die Tage werden länger und es wird früher hell.
Im Esszimemmer der beiden brennt kein Licht mehr, und stoisch dreht man weiter seine Runde.

Nun ist es wieder Winter und die beiden frühstücken wieder.
Aber ich kann ganz entspannt an ihnen vorbei gehen.
Letzten Sonntag war ich bei einer Veranstaltung, in deren Verlauf die Teilnehmenden aufgefordert wurden, eine Partnerübung zu machen.

Als die Leiterin mich ansprach, hörte ich mich sagen:
„Ich mag im Moment keinen Partner haben.“
Mich das sagen zu hören, hat mich ausgesprochen überrascht.
Und erfreut.

War ich das?
Hab ich das tatsächlich gesagt?
Ja.
Und ich habe es sogar ernst gemeint.
Ich war mir selbst genug.

Wow.
Vielleicht werde ich jetzt, wer ich bin.
Eine Frau, die glücklich ist, mit ihren liebevollen Hunden ein freies Leben zu führen.
Ein Rudel Möpse und ein Porsche, verschroben, wirre Haare, wilder Blick…

Ach, und der Kalender?
Der darf nicht mehr mitspielen.

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