Die Sünderin

Es wird immer schlimmer mit mir. Es ist Samstagabend und ich sitze mit meinen Freunden in der Bar. Sie wollen die Location wechseln, ich verabschiede mich und fahre zurück. Ich habe noch etwas vor.

Ich werde heute mal so richtig meinen Führerschein riskieren.

Vier Tage Dienstreise und soziale Verpflichtungen heute haben mich von ihm getrennt, aber jetzt will ich Porsche fahren.

Die Sonne geht schon unter und ich wähle eine der leereren Autobahnen in Richtung Holland.

Kurz vor Mönchengladbach zieht eine SUV-Pestbeule links rüber, noch ein letztes Mal stark abbremsen, dann ist die Bahn frei.

Ich lasse die Nadeln im Amaturenbrett nach rechts schwingen und genieße die Beschleunigung.

Es fühlt sich fast surreal an, wie sich die Wahrnehmung verändert, wenn man ungestört schnell fahren kann.

Irgendwann höre ich mich laut lachen vor Glück, als er noch einmal mehr richtig Schub gibt.

Viel zu schnell habe ich die Grenze erreicht. Jetzt bloß runter vom Gas und nach 50 Metern Niederlande mit einem Schwenk zurück nach NRW.

Nach zehn weiteren Minuten, in denen wir inzwischen durch solide Dunkelheit zurück in Richtung Kaarst jagen, schwingt leider auch die Tankanzeige im Uhrzeigersinn weiter nach rechts. Die Autobahn wird wieder voller und ich reduziere den Druck aufs Gas.

Was für ein Fahrgefühl! Was für ein Gefühl!!!

Ich habe in meinem Leben eine Reihe von Sünden begangen, zu denen sich Menschen hinreißen lassen, um sich intensiv gut zu fühlen.

Aber keine hat mich jemals so gekickt.

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