Heine, die Dire Straits und ich

Ich bin auf der Rückfahrt von Wuppertal.
Nach langer Zeit hatte ich die Jungs endlich mal wieder gesehen.
Es läuft nur Mist im Radio, und ich schalte auf CD um.
Ich hatte vergessen, dass ich diese CD noch geladen hatte.

„Communique“
Die habe ich damals vor ca. einem Jahr immer auf den Probefahrten in den Porsches gehört.

Diese CD erinnert  mich daran, wie schlecht es mir ging, als ich mich entschied, vielleicht einen Porsche zu kaufen.
Ich war in so schlimmer Verfassung gewesen, dass ich fast nicht überlebt hätte.

Diese Zeit lag hinter mir, aber ich war noch ziemlich schlecht dran, als ich diese Fahrten machte.
Heinrich Heine hat ein solches Überleben so treffend beschrieben:
„Anfangs wollt‘ ich fast verzagen,
Und ich glaubt‘, ich trüg es nie,
Und ich hab es doch getragen,
Aber frag mich nur nicht: wie?“

Ich war völlig überwältigt, vom dem Gefühl, den 11er zu fahren.
Er machte mir ein bißchen Angst und gleichzeitig passte er zu mir wie ein gut sitzender Handschuh auf eine Hand.

Das Fahren war leicht und intensiv zugleich.
Weit entfernt von guter Verfassung hatte ich auf diesen Fahrten das erste Mal wieder ein Gefühl von Lebendigkeit und Faszination.

Im letzten Licht es Sommerabends fahre ich die mir so vertraute Autobahn.
Das Porschefahren hat sich inzwischen verändert. Das Leben auch.
Aus den Boxen dringt die Erinnerung:

„On the night when the lazy wind is a-wailing
Around the Cutty Sark
Yeah the single handed sailor goes sailing
Sailing away in the dark“

Pizza , Porsche, VLN

Heute Morgen dachte ich, dass es jetzt autotechnisch etwas ruhiger wird.
Die großen Veranstaltungen sind vorbei, gut, morgen ist VLN, da muss ich natürlich hin, aber irgendwie dachte ich, der Tag würde ereignislos autofrei…

Bis mein Porschefreund Andreas sich meldet und schreibt, dass er heute frei habe.
Er hat furchtbar viel gearbeitet in den letzten Tagen, aber die Aussicht auf eine Rennsportpizza, Porsche-cruisen zum Ring und einen Boxenspaziergang im Vorfeld der VLN macht müde Männer munter.

Bald rollt sein hübscher 11er vor mein Haus und wir wechseln in meinen schwarzen.
Auf der gesamten Fahrt schimpft Andreas, dessen Auto in einer Schweiz-Putz-Werbung die Hauptrolle verdient hätte, wie schmutzig mein Porsche sei.
Aber der wird hier ja auch dauernd bewegt…

Die Sonne strahlt und nach der Pizza geht es in die Boxengasse.
Schwer beladen mit Fotoausrüstung verbringen wir zwei hochvergnügliche Stunden.
Es ist unglaublich voll, ein Gewimmel aus Autos, Mechanikern, Besuchern, und wie durch ein Wunder klappt es trotzdem reibungslos und ohne Katastrophen.
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Ein hübscher Kremer bei der technischen Abnahme. In den Scheinwerfern sehr sympathische Aufkleber,  DSCF9407
derselbe „Save the ring“ fährt jetzt auf meinem alten Kombi wahrscheinlich durch Afrika…

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Intensive Einsamkeit vor dem Start.

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Hmmmmm……..!
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Hoch konzentriert.
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Der Wochenspiegelporsche…
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…hat Durst.
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Nicht kalt heute der Asphalt.
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Zwei junge Haribo-Fahrer
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Stefan, Eric, Roy, diese Damen posieren nur für Euch 🙂
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Und dieser Flügeltürer erfreut dafür mein Herz…

Hach, das wäre ein Fehler gewesen, heute autofrei zu machen!
An dieser Stelle muss ich noch erwähnen, dass es nur Andreas Kleingeld zu verdanken ist, dass wir unser Parkticket bezahlen konnten.
In meinem Portemonnaie waren noch exakt 4 Cent klein…
Ein Supernachmittag!

68-er Fahrgemeinschaft

Nach einem kurzen Intermezzo im Alltag geht es heute zurück in die Eifel.
Ich habe noch eine Woche Ferien.
Während der 11er seinen Weg über die Autobahn fast von allein findet, fühle ich mich etwas beklommen.

Die Eifel kann ganz schön einsam sein.
Ohne automobile Großveranstaltungen ist man hier sehr darauf angewiesen, sich selbst
zu genügen.
Am Ende der Autobahn hebt sich meine Stimmung schon wieder.
Das geht mir verblüffend häufig so.

Wenn sich der Blick weitet, oben auf dem Berg, kehrt die Zuversicht zurück.
Ich halte an, um noch einige Lebensmittel zu besorgen.
Auf dem Supermarktparkplatz sehe ich eine bekannte Gestalt.
Es ist ein Mann, der graues, schulterlanges Haar mit langem Bart kombiniert.

Auch outfittechnisch lässt seine Stylingwahl nur eine Interpretation zu: Alt-68er.
Im Juni habe ich ihn kennengelernt.
Er stand mit Daumen nach oben am Ortsausgang, zu seinen Füßen drei Einkaufstaschen.

Damals war ich in der C-Klasse unterwegs und hatte ihn mitgenommen bis zu dem Ort, in dem er  wohnt.
Ohne Auto in der Eifel zu wohnen ist eine stramme Leistung.
Locker kommt man auf 10 Kilometer Wegstrecke bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit.

Wir plauderten und er erzählte, dass er wie ich im Bergischen Land aufgewachsen ist.
Er ist ein gebildeter Mann und angenehmer Gesprächspartner.
Ein Philosoph, der äußerst subversive Texte publiziert.

Er freut sich, mich wieder zu sehen und ich biete ihm an, ihn wieder mitzunehmen.
Dieser Mann und der schwarze Elfer sind eine ungewöhnliche Kombination.
Obwohl es für eine Porschebesitzerin vermutlich Augenwischerei ist, finde ich es ökologisch sinnvoll, sich für Einkaufsfahrten auf dem Land Autos zu teilen.

Irgendwie gelingt es uns, mein Gepäck und die ganzen Einkäufe im Carrera unterzubringen.
Am steilsten Berg feuert er mich an, zu zeigen, was der Porsche kann, und es gefällt ihm.
Als wir bei seinem Ort ankommen, halte ich an, und er beugt sich vorne über den Kofferraum, um seine Stoffeinkaufstaschen aus dem Auto zu holen.

Während ich grinse, weil es aussieht, als würde einer der Herren von ZZ Top sich über meinen Kofferraum beugen,
wird mir klar, diese Woche wird gut.

11er im Sternenregen

Heute ist der Tag, an dem ich endlich den schwarzen Prinzen aus der Garage holen kann.
Auf der kurzen Strecke zur Tanke merke ich, dass mein Porschebesitzertum offenbar in eine neue Phase eingetreten ist.
Ich fahre ihn irgendwie routinierter, selbstverständlicher.

Als ich in der Eifel ankomme und ihn rückwärts neben das Haus in die Einfahrt setze, läuft eines meiner Lieblingslieder von Billy Joel im Radio.
„She can kill with a smile, she can wound with her eyes“ Schön wäre es…
Ich bleibe im Auto sitzen, höre zu, und sehe in die Ferne.

Aus den Tälern steigt der letzte Regenschauer in Form von Nebel auf, ein Anblick, den ich sehr mag.
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Weil ein erneuter Schauer meine Wanderpläne unattraktiver erscheinen lässt, verziehe ich mich mit dem Christophorus auf die Couch und betrachte den hübschen Hintern des Spyders.

Dazu gibt es eine Tasse starken Kaffee, denn ich will heute lange wach bleiben.

In dieser Nacht soll es besonders viele Sternschnuppen geben.
Ich habe vor, wenn der Himmel klar ist, im Porsche zu sitzen, Musik zu hören, die Schnuppen fallen zu sehen.
Früher habe ich mir immer etwas gewünscht, wenn ich eine Sternschnuppe gesehen habe.

Die Zeiten sind vorbei.
Zuviele gewünschte Dinge haben sich erledigt, dafür sind andere Wünsche auch ohne Sternschnuppe in Erfüllung gegangen.
Gott, das klingt, als wäre ich alt.
Aber mit 42 ist man eben auch nicht mehr wirklich jung.
Sternschnuppen sehe ich trotzdem gerne.

Vielleicht wünsche ich mir spontan ja doch noch etwas.
Einen Carrera RS 2.7 zum Beispiel… 😉

Targa Love

Ich bin verliebt.
Schon vor Jahren fand ich diesen Targa toll.
Er gehört jemanden, mit dem ich beruflich zu tun habe, und schon damals stand ich oft bewundernd auf dem Plarkplatz neben ihm.
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Er ist von 1981 und riecht genau wie die Porsches meiner Kindheit.
Seufz.
Letztes Jahr durfte ich schon einmal mitfahren, damals mit frisch verletztem Sprunggelenk in Schiene und daher auf dem Beifahrersitz.

Der Lack ist nicht die Originalfarbe, aber er passt super zu seinem Besitzer, einem jungen Mann, und erfreut  mit seinem leuchtenden Hellblau das Herz.
Heute war ich bei den beiden eingeladen.
Natürlich wollte ich den Targa besuchen. Er parkt in einer Scheune, mit genügend Platz für weitere Fahrzeuge und sein Besitzer hat noch zwei andere Porsches.

So eine Parkscheune ist der Traum eines jeden Städters mit Porschesammlung.
Mein Gastgeber ist ein Manager mit Nerven aus Stahl, anders ist es nicht zu erklären, dass er mir anbietet, den hellblauen Schatz zu fahren.
Anfangs bin ich verblüfft von der schwergängigen Lenkung und kämpfe mit der Schaltung.

Aber was für ein Fahrgefühl!
Und der Sound. Super!
Er fährt sich vollkommen anders, als mein moderner 11er.
Wir fahren mit offenem Dach über wunderschöne Landstraßen in der Vulkaneifel, die Sonne scheint und der Targa fährt sich spritzig und kein bißchen müde.

Ja, man hat mehr zu tun als Fahrer, aber es ist auch irgendwie ein ehrlicheres Porschefahren.
Seine Front ist noch deutlich gewölbter als bei den jüngeren Modellen und es macht unglaublich Spaß, ihn zu fahren.
Die Pedale sind ungewohnt und da ich weder Auto noch Strecke kenne, fahre ich sehr vorsichtig.

Natürlich ist es um mich geschehen.
Am liebsten würde ich nie wieder aussteigen.
Jetzt will ich auch einen.
So einen alten, charmanten, flotten, ehrlichen Sportwagen.
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Fremde Federn

Ich habe mich heute mit fremden Federn geschmückt.
Genauer gesagt, mit dem Überholprestige eines Panamera.
Neeeeein! Ich war natürlich nicht mit dem 11er unterwegs!!

Mein Kombi ist ein Wölflein im Schafspelz. Er hat zwar etwas über 200 PS, aber für einen C-Klasse-Kombi macht eben niemand Platz.
Ganz im Gegenteil. Ich fuhr auf der A1 Richtung Süden und quälte mich hinter holländischen Wohnmobilen, die mit gefühlt 15 kmh am Berg Lkws überholten.

Es war trotz Klimaanlage heiß und ich war in den letzten Tagen zu viel auf den Autobahnen  unterwegs.
Ich wollte ankommen. In der Kühle, am See.

Von hinten kam, gut wahrnehmbar mit Porschewappen, ein Panamera aus dem hohen Norden angezischt.
Super, dachte ich, dranhängen und durch.
Und genau das hat geklappt.

Nicht auf Dauer, dafür hat mein Motor dann doch nicht genügend Power, aber zumindest für die letzen Berge auf meiner Strecke.
Eigendlich mag ich diesen Porsche nicht, aber heute war ich ihm ausgesprochen dankbar.

Mein eigener fehlt mir sehr. Leider hatte ich so viel Plunder mitzuschleppen, dass er in der Garage bleiben musste.
Morgen und übermorgen bekomme ich aber zwei Porsches zu Besuch, die mir die Zeit bis zum Wiedersehen verkürzen werden.

Oder auch mein Herz noch schwerer werden lassen, wer weiß…
Wenn ich an ihn denke, habe ich so ein Ziehen in der Brust,
Diagnose: Sehnsucht.

 

Ziemlich misogyn…

Mir flattert per whatsapp ein Foto einer Porschewerbung ins Haus.
Zum 50. Jubiläum des 911 hat Porsche eine Postkarte bedruckt.
Vorne ein alter und ein neuer 11er. Darüber folgender Spruch:
„Wovon haben Männer eigentlich vor 1963 geträumt?“

Mein Freund Alex schickt hat sie irgendwo entdeckt und an mich gedacht:
„For u Anne!“
Marius kommentiert nur wenige Minuten später:
„Ziemlich misogyn…“

Und er hat recht.
Noch heute tut Porsche laufend so, als sei die Porschewelt männlich.
Und zwar ausschließlich.
Diese PR-Menschen werden aber auch mit meinem Geld und dem der anderen Porschekäuferinnen bezahlt.

Natürlich ist es nett, zu glauben, Frau sei etwas Besonderes unter den Porschisti.
Das tut jedem Menschen gut. Keiner will gerne ein kleines Licht in der Masse sein.
Wer aber Besonderheit ausschließlich aufgrund seines Geschlechts erlangt, kann sich darauf denkbar wenig einbilden.

Ich will keine Exotin sein, nur weil ich Autos liebe.
Das erinnert mich immer an die braunhäutigen Prostituierten, die in der Eifel auf den Feldwegen auf in abgewrackten Wohnwagen auf Freier warten.
Toll, total exotisch, diese Frauen…

Ebenso wie Autos liebe ich Make-up.
Und als meine Freunde Bastian und Micha das erste Mal mein Haus ansahen, war deren Kommentar zu meinem Schlafzimmer: „Voll das Mädchenzimmer!“.
Weiblichkeit und Autoliebe schließen sich nicht aus.

Könnte das bei Porsche im Marketing vielleicht endlich mal jemand merken?

This post is for you Mari, schön, dass es Männer wie Dich gibt!  :-***

Mal wieder auf der Flucht

Mein Nachbar hat wieder die Schwarzarbeiter im Garten.
Sie kommen nach Feierabend, zeitgleich mit meinem Ruhebedürfnis und werfen die Kreissäge an. Oder die Flex, oder den Betonmischer.

Mein Nachbar arbeitet bei der Stadt, da darf man das sicher, das mit der Steuerhinterziehung.
Freundschafsdienst von den Kollegen aus dem Finanzamt, oder so.

Das war letzten Sommer genau so. Abend, warm, draußen sitzen geht nicht.
Dafür hat er aber jetzt eine töfte Wellnesslandschaft mit riesigem überdachten Pool und original Jacuzzi.

Ich schließe die Tür zum Garten und murmele ein paar böse Flüche.
Dann greife ich mir den Porscheschlüssel und lasse den Wellnessblödmann und die Siedlung, in der ich wohne hinter mir.

Ich muss grinsend an meinen Porschefreund denken. Der hat meinen Porsche ja schon einmal als meinen Fluchtwagen bezeichnet.
Mein Porschefreund ist klug.
Er ist tatsächlich oft mein Fluchtwagen.
Vor allen Härten des Lebens.

Non est ad astra mollis e terris via.
Aber ein Porsche verkürzt den Weg, höhö.

Nach wenigen hundert Metern ist meine Stimmung saniert. Ich fahre über Land, typische niederrheinische Landschaft. Links Kartoffelacker, rechts Zuckerrüben.
Eine entspannte Tour, Balsam für ramponierte Nerven.

Ein Fasanenmädchen steht mitten auf der Straße, ich bremse den 11er ab und schalte für den Biker hinter mir das Warnblinklicht an.
Dann hebt sie ab und wir können durch.

Per Handy meldet der Dr. Feierabend im Krankenhaus.
Meine Frage, ob er noch Lust habe zu fahren, beantwortet er erwartungsgemäß mit ja.
Ich glaube, wenn dieser Mann einmal keine Lust zum Porschefahren hat, muss man mit seinem baldigen Ableben rechnen.

Wir verabreden uns bei mir, ich stelle die schwarze Schönheit knisternd in die Garage.
Ein letzter liebevoller Blick und dann senkt sich das Tor.
Kurz darauf rollt der Boxster in die Straße und ich erkläre, dass ich noch Lust habe, zu fahren.
Der gutmütige Doktor wechselt auf den Beifahrersitz, ich belohne ihn mit einem Stück Kuchen, den ich heute gebacken habe.

Es gelingt mir, den Boxster zurück zu setzen, ohne ihn abzuwürgen und nach einer Weile finde ich den Schleifpunkt, der ungewöhnlich weit hinten liegt, immer leichter.
Wir gehen ein Stück spazieren (ein sicheres Zeichen, dass man alt wird, dieses abendliche Spazierengeh-Bedürfnis, schlimm, schlimm…)

Dann fährt er zurück und wir verabschieden uns zügig, weil beide müde sind.
Abende mit Porsche sind irgendwie immer gute Abende.

Tatsächlich Liebe

Vermutlich gibt es kaum Porschefahrer, die so ganz leidenschaftslos mit ihren Fahrzeugen umgehen.

Meinen Lesern wird vermutlich auch eine gewisse Besessenheit meinerseits in Bezug auf den schönsten Porsche der Welt nicht entgangen sein.

Was aber am heutigen Morgen beim Öffnen des Garagentores passierte, hat selbst mich überrascht…

Das Tor ging hoch, ich sah ihn und spürte: Liebe.
Es war ungelogen das Gefühl, das man, wenn man frisch verliebt ist, im Magen hat, wenn man seinen Schatz sieht.

So ein wonniges Durchrieseln, ein wohliges Erschaudern, tendenziell so etwas wie ein kleiner Wiedersehens-Freude-Orgasmus.

Ja, vermutlich ist es völlig krank, so etwas für ein Auto zu spüren….aber wo die Liebe hinfällt…

Gut, es ist also nicht weniger als echte Liebe. Daher suche ich später auch auf dem gefährlichen Parkdeck einen Porsche-Paranoia-tauglichen Parkplatz.

BildWenn Schatz sicher steht, laufe und schleppe ich gerne ein Stückchen weiter.

In Dortmund steht vor einem Geschäft dieser wunderbare Porsche
Türdich 005
3 Fahrten ein Euro. Gar nicht viel für einen echten 11er!
Türdich 007

Nachmittags beeindruckt mich ein GTS.
Ein Objekt meiner Begierde.
Schick, schnell, schwarz.

Leider lebt es beim falschen Besitzer, dieser hatte in einem einzigen Fenster ein Miniatur-Schalke-Trikot, einen kleinen Plüschbären, ein Arztschild und zwei Plüsch-Würfel aufgehängt.
In einem schwarzen GTS!!

Das kann man doch nicht machen!
Solche bemitleidenswerten Fahrzeuge gehören enteignet.
Dann wird für sie ein neues, besseres Zuhause gesucht.
Das Fenster wird zu allererst abdekoriert und dann darf der Porsche ein würdevolles Rest-Autoleben bei seiner neuen Mutter im SOS-Porschedorf verbringen.

Mein neuestes Projekt 😉

Fahrgefühl

Nach zu kurzer Nacht stehe ich gut gelaunt im Bad und trockene mich nach dem Duschen ab.
Natürlich dudelt das Radio, und die ersten wohlbekannten Akkorde von „Verdammp lang her“ erklingen.

Das läuft nicht mehr oft im Radio.

„Nicht resigniert, nur reichlich desillusioniert…“ Wolfgang und ich singen zusammen, während ich mich fertigmache.

Ich werte das Lied als Zeichen. Meine letzte Tour im Porsche ist auch schon wieder viel zu lange her. Damit ist die Wahl des Autos für den heutigen Tag getroffen.

Der Alltag war wieder tüchtig nervig und das Leben ist einfach viel zu kurz, um nicht Porsche zu fahren.
Beschwingt trete ich meine Fahrt an.
Noch ahne ich nicht, dass es nicht das normale Glücksfahrgefühl sein wird, das mich erwartet.

Wenn ich meinen Kombi fahre, denke ich nicht über das Fahren nach. Ich nehme das gar nicht wahr. Meine Gedanken sind bei Terminen, oder anderen Themen, die mich beschäftigen.

Das war beim Porsche immer anders.
Bisher war jede Fahrt davon geprägt, sehr bewusst das Auto zu genießen. Ich fuhr und tat nichts anderes, außer mich vielleicht an der Musik zu erfreuen, die wärend der Fahrten lief.

Heute auf der Autobahn meldet mein Handy eine E-mail.
Ich mache den Fehler, sie während der Fahrt zu lesen.
Ja, ich weiß, eine ganz blöde Idee, aus vielerlei Gründen.

Mir verschlägt es den Atem und für die nächsten Stunden gibt es ausschließlich das Thema dieser Nachricht, die keine gute Nachricht war.

Keine Fahrfreude mehr, das Fahren geschieht nebenbei, wie im Kombi. Der Kopf ist mit anderen Themen voll, der Magen rebelliert.

Selbst abends, als ich wieder zurückfahre, ist kein Platz für Porschefreude. Das einzige Mal, dass ich überhaupt an ihn denke, ist in dem Moment, in dem ich meine Tränen zurückdränge, damit sie keine Flecken auf das Leder der Sitze machen.

Dieses Nebenbeifahren im Traumauto ist ein übles Zeichen.
Ein Fahrgefühl, wie ich es nicht noch einmal erleben möchte.

Nachdem ich den 11er in die Garage gesetzt habe, brauche ich die gesamte Weisheit, die ich in meinen 42 Lebensjahren ansammeln konnte, um mir klar zu machen, dass auch dieses Thema irgendwann ein Ende haben wird und der Fahrspaß zurückkehren wird.