Porschebadetag

Der Rasen müsste gemäht werden, die Hecke geschnitten, die Wäsche gewaschen…
Aber der Porsche ist so dreckig, der Rest muss warten.

Dr. Boxster lässt sich überreden, gemeinsam zur Waschanlage zu fahren.
Ich packe das babyweiche Waschdings, seine Brüder, die Eimerkollektion, die Reiniger und los geht es.

Eifelwork 014

Der 11er kommt zuerst dran.
Ich mache mich an den oberen Teil, der Dr. übernimmt die Felgen.
Seifend arbeite ich mich um das Auto herum und erreiche die Front. Alles voller blutiger, zermatschter Insekten.
Wi-der-lich!!!
Mutig versuche ich sie wegzukriegen, aber mir wird schlecht. Absolut ekelhaft.

Ich jammere, der Doktor, von berufswegen unerschütterlich, übernimmt. Mir ist noch immer schlecht. Sein Therapievorschlag: eine Weile Pause machen und weiteratmen.
Ich weigere mich, noch einmal mein Waschdings mit der blutverschmierten Front meines Porsches in Kontakt zu bringen.
Also, er das Massengrab, ich die Felgen.

Eine junge Dame fragt, ob sie die Waschbox haben kann, wenn wir fertig sind.
Ich verneine, mit dem Hinweis, dass wir noch ein zweites Auto waschen wollen.
Sie ist ganz überrascht, ich erkläre: „Zwei Personen, zwei Autos“, während Dr. Standesdünkel korrigiert „Zwei Porsches“.

Zum Glück waren wir früh dran, die Waschstraßenkunden bilden inzwischen eine lange Schlange vor der Einfahrt und vertreiben sich die Zeit damit, die Porschebadeaktion zu beobachten.

Der Boxster ist viel schneller fertig und seine Felgen sind viel pflegeleichter. Sauber fahren wir wieder vom Hof.

Nachdem ich mich wegen der Insekten beinahe in die Waschbox übergeben habe, kann noch viel weniger verstehen, warum Leute ihr Fahrzeug freiwillig von Hand waschen.

Ich bin zu vielen Opfern bereit, für mein heiliges Blech, aber da stoße ich doch gehörig an meine Grenzen…

 

 

 

 

Erektionsschwäche

Meine Lichthupe benutze ich öfter.

Die Zeit, in der ich meine Ungeduld hinter einem zu langsamen Vordermann zügeln kann, ist in aller Regel eher kurz.
Dann rücke ich näher. Und wenn das nicht wirkt, kommt der Mittelfinger zum Einsatz.
Nein, nicht zum Vordermann. Am Hebel.

Bisher habe ich die richtige Hupe noch nie benutzt.

Heute fahre ich frohen Mutes in den Feierabend, da kommt mir auf der Landstraße ein Kleinwagen entgegen.
Auf meiner Fahrbahnseite.
Der Schwachmat hatte angesetzt, gleich eine ganze Kolonne zu überholen.

Synchron bewegen sich mein rechter Fuß und die rechte Hand nach links.
Der Fuß wechselt schwungvoll auf die Bremse und die Hand zeitgleich auf die Hupe.
Oh Gott!
Was war das denn?
„Pääääääp.“
War das meine Hupe??

Der Ärger über den Irren lenkt mich für eine Weile ab.
Auf der Autobahn zieht dann völlig unvermittelt der nächste Wahnsinnige noch kurz vor einem Lkw links rüber.
Genau vor mein sich rasch von hinten näherndes Auto.
Wieder die synchrone Bewegung.

Und wieder:
„Päääääp“.

Scheiße, denke ich. Das darf doch wohl nicht wahr sein.
Wie können die denn einem 11er eine solche Hupe einbauen?!

Alles an ihm klingt satt und kraftvoll. Der Motor ohnehin, aber auch die Türen.
Alles sehr befriedigend.
Und dann gehen die hin, und bauen so einen albernen Hupton in solch eine Sexbombe?
Warum???

Diese Hupe klingt zu hoch, zu schwächlich, zu harmlos.
Eine hupende Erektionsschwäche.
Ein Ton, wie ein feuchtwarmer, schlaffer Händedruck.

Mein Carrera ist vom Teufel bessen.
Gibt es eine Rettung?
Kann man Hupen tunen?
Hiiiiilfeeeeee!

Porsche-Balsam

Den dritten Tag in Reihe habe ich zu lange und intensiv gearbeitet.
Meine Freizeit verbringe ich alleine.
Zum einen bin ich nicht in der Nähe meiner Freunde, und zum anderen bin ich auch zu müde, um nach Feierabend noch zu sprechen.
Der Mann, für den ich eine Ausnahme gemacht hätte, musste passend zu meiner Arbeitsbelastung demonstrieren, wie eindrucksvoll bescheuert er sein kann.

Das fordert seinen Tribut. Im Job läuft es prima, privat fühle ich mich aber einsam und traurig.

Um 20.30 Uhr mache ich Feierabend und fahre in Adenau los.
Da Rock am Ring seine Schatten vorauswirft, wähle ich nicht die gewohnte Strecke, sondern fahre einen Weg, den ich heute zum ersten Mal nehme.

Im 6. Jahr in der Eifel bin ich eigentlich verhältnismäßig hartgesotten, was landschaftliche Schönheit angeht.
Aber diese Strecke ist absolut atemberaubend!

Mit Leichtigkeit nimmt der Porsche den steilen Anstieg aus dem Ort. Ich habe beide Fenster weit geöffnet und der warme Abendwind weht würzigen Heuduft zu mir hinein.
Hier wird momentan überall gemäht.

Reizvolle Kurven schlängeln sich durch den Wald, die Strecke ist ganz leer. Nur einmal begegnet mir ein Mann, der sehr glücklich aussieht, in seinem offenen alten Mercedes.

Goldenes Abendsonnenlicht und safte grüne Berge.
Ein Traum.
Im Porsche eine Frau, deren trauriges Herz auf dieser schönen Heimfahrt wieder ein kleines Stück leichter wird.

Der Ginster blüht in sattem Gelb, und das lässt mich leise lächeln.
Ginster ist mein Nick, weil es den hier viel gibt.

Ich bin so froh, dass ich den Porsche für diese Dienstreise gewählt habe. Er ist zwar derartig dreckig geworden, dass ich die Wäsche nicht länger werde vor mir herschieben können, aber ihn zu fahren ist Balsam für die Seele.

Im Moment sitze ich vor dem Haus, er steht neben mir und ich glaube wirklich, dass dieses Auto mich in den letzten Tagen davon abhält, mich richtig mies zu fühlen.

Es trägt tatsächlich, dieses gekaufte Stück Glück.

Wie heißt Dein Porsche?

In der Mittagspause gehe ich hinaus auf den Hotelparkplatz.

Hi
Die schwarze Schönheit steht vor einer Bruchsteinmauer und sieht einfach überwältigend gut aus.

Ohne mir dabei auch nur im Geringsten blöd vorzukommen, hole ich die Kamera raus und mache eine Reihe von Fotos. Dann noch schnell eins mit dem Handy, das ich all meinen Porschefreunden schicke.

Sie teilen meine Begeisterung und einer fragt, ob der Porsche einen Namen habe.
Ich antworte: Carrera.
Nein, kommt es zurück, einen geheimen, internen Namen.
Meine Antwort: mit Vornamen heißt er Porsche und mit Nachnamen Carrera.

Das stellt ihn nicht zufrieden, er schreibt, dass ich als romantische Frau mit viel Phantasie und Intellekt die Dinge nicht auf die Funktionalität reduzieren sollte, und listet „Charly, Steven und Justin“ als mögliche Namen auf. Alternativ schlägt er vor, im Osten seien „Ronny, James, Jonathan“ beliebt.
Lass mich kurz überlegen… äh, nein!!!

Ein anderer sieht mein Nummernschild und wir stellen fest, dass wir am selben Tag Geburtstag haben.
Meinen Porschebruder und mich trennen auch nur wenige Tage. Die Kinder dieser Zeit sind offenbar verwandte Seelen…

Ein ganz besonders reizendes Kompliment bekommt mein Porsche allerdings etwas später von einem noch sehr jungen Porschefreund: „Mir gefällt der POPO von deinem Auto sehr gut.“

Seufz!

Der Dienstporsche

Für meinen nächsten Auftrag wechsle ich meinen Dienstsitz.
Aus einer Reihe von Gründen habe ich mich entschlossen, die nächsten Tage den 11er zu fahren.

Auf so eine Dienstreise schleppe ich immer eine Menge mit. Heute kommt noch dazu, dass ich einige Haushaltsgegenstände von A wieder nach B transportieren will. Wenn das mal gut geht, der Kofferraum  ist doch so klein…

Es muss aber der Porsche sein, ich bin müde und die Woche wird arbeitsreich, da will ich nebenher meinen Spaß.

Es kostet mich etwas Packkunst, aber zu meiner ultimativen Erleichterung passt mein Lieblingskoffer für alle Dienstreisen problemlos in den Kofferraum meiner schwarzen Schönheit. Super!

Noch etwas Sprit nachfüllen, und los geht es.
Kaum auf der Bahn und schon der erste Stau.
Was aber schlimmer ist:
heute ist ein ungünstiger Tag zum Porschefahren. In NRW ist „Blitzmarathon“. Überalll wird die Geschwindigkeit kontrolliert und ich brauche meinen Führerschein.

Die Idioten in Köln schaffen es mal wieder, dem Fass den Boden auszuschlagen. Tempo 60 auf der A1. Ich gebe mich grauenhaften Gewaltphantasien hin und halte mich stur an die 60.

Mein Telefon klingelt, und bei der Schleicherei ist es kein Problem, den Anruf entgegen zu nehmen.
Mein Porschebruder ruft aus seinem Porsche an.
Ich höre seinen Motor schreien, beim Beschleunigen, und seine euphorischen Kommentare im Hintergrund. Grinsend höre ich ihm zu.
Er fragt, warum mein Auto so leise sei…

Nach einer Weile schickt er noch eine Nachricht: „So viel in einer Stunde gibts nur beim Fahren oder beim Sex.“

Endlich liegt Scheißköln hinter mir. Es läuft eine Communards-CD und Jimmys Lamento klingt aus dem Soundsystem. Ich kenne den Text seit fast 30 Jahren auswendig.
Laut singend beklagen wir Jimmys verlorene Liebe.

Als ich das Gaspedal runterdrücke und mein eigener Motor endlich anfängt, seine kraftvolle Stimme zu erheben, denke ich: „Vergiss Sex, Bruder!“

Ich scheuche die müden Familienväter auf dem Rückweg von der Arbeit von der linken Spur und bin so glücklich, wie seit langem nicht mehr.
Es war richtig, den Porsche für diese Fahrt zu nehmen.
Ein solches Gefühl kann einem kein Mensch geben. Das kann nur ein (Dienst)Porsche.

Hohe Acht 003

Kontrastprogramm

Den Tag über habe ich mich mit wichtigen, aber letzlich unerfreulichen Themen befasst. Wie unerfreulich, merke ich erst ein paar Stunden später.

Es ging um Aggressionen und Gewalt.
Kurz nachdem ich nach Hause komme, bringt mir Dr. Boxster etwas vorbei, und weil das Wetter schön ist, beschließen wir, eine Tour zu machen.

Anfangs sitze ich noch mit einem leicht zerrissenen Gefühl im Auto. Nach einigen Kilometern merke ich dann, wie das Leben sich wieder leichter anfühlt.

Die Sonne scheint, und als wir über Land fahren, habe ich das Gefühl, das hohe Gras an den Feldrändern fast mit der Hand greifen zu können.
Es sieht wunderbar aus, wenn der Wind die Halme bewegt, sie gleichförmig wogen und dabei farblich leicht changieren.

Weil Dr. Boxster weiß, wie gerne ich auf den Touren Fähre fahre, nehmen wir auf dem Rückweg das Schiff über den Rhein.
Vielleicht sind es frühe Jugenderinnerungen, aber ich finde das Übersetzen immer großartig.

Das Licht gegen Abend erinnert mich an das Licht im Sommer am Meer.

Genau wie wir die Hälse recken, wenn andere Porsches an uns vorbei fahren, kassieren wir von den Entgegenkommenden auch eine Menge Blicke.
Ein Porsche ist vermutlich nie ein Auto, das man unauffällig bewegt.

Zum Glück hat der Boxsterbesitzer ein deutlich entspannteres Verhältnis zu seinem Fahrzeug als ich und das ermöglicht uns das Parken in der Innenstadt mit Besuch beim Türken.
Satt und wohlbalanciert steige ich an diesem Abend aus dem Auto.

Morgen ist allerdings die schwarze Schönheit wieder dran. Ich freue mich jetzt schon. Jeder Porsche zu seiner Zeit.

 

Back on Track

Sonntag. Mir geht es endlich wieder besser.

Den Tag über werde ich einen Workshop haben. Die Strecke dorthin ist zwar nicht sonderlich weit, aber ich werde sie auf jeden Fall im Porsche fahren.

Schöne, kurvige Landstraßen…

Schon der Gedanke daran lässt mein Herz hüpfen.

Als ich die Tasche in die Garage bringe, umfängt mich kühler Benzingeruch.

Im Auto dann warmes Leder.

Ich bin ganz sicher, dass die Ingenieure bei Porsche es extra so eingerichtet haben, dass der Motor beim Start einmal so vernehmlich hochdreht.
Das ist der Moment, in dem die Porschebesitzerin daran erinnert wird, warum sie dieses Auto so dringend braucht.

Das und die erste freie Strecke, in der die Beschleunigung den Köper unmißverständlich in den Sitz drückt.

Its good, to be back.

Driften. Er will driften!

Samstagmorgen. Ich liege noch im Bett und die Welt ist in Ordnung.

Mein Bruder im Geiste und Mitporschebesitzer schickt seinen Morgengruß aus dem Süden und verkündet, er wolle heute driften gehen. Er macht dauernd irgenwelche gefährlichen Sachen und rast mit irrem Tempo durch die Gegend.

Auf einmal bin ich wach, sehr wach.

Doch wohl nicht mit dem Porsche!
Ich kenne kaum einen Menschen, der so pingellig mit seinem Auto ist. Er poliert und bezieht ihn mit Steinschlagfolien und was nicht alles.

Doch, klar mit dem Porsche.
Und dann kommt, was kommen musste.
Das unglaubwürdigste Argument der Welt.
Ich habe es bisher immer nur aus dem Mund von Männern gehört: man müsse doch sein Auto im Grenzbereich kennen, damit man es in Gefahrensituationen beherrschen kann.

Bullshit.
Damit man im Stress einer Gefahrensituation wirklich die richtige Reaktion zeigt, müsste man so viel Grenzbereichssituationen üben, und zwar laufend, dass man seine Berufstätigkeit an den Nagel hängen könnte.
Es irgendwann mal an einem Wochenende zu tun, und sich dabei wild und lebendig zu fühlen, reicht schlicht nicht aus.
Denn die Gefahr kommt ja nicht unmittelbar danach. Sondern hoffentlich nie oder erst viel später.

Und überhaupt das Wort „Grenzbereich“!
Da kriegen die Jungs schon leuchtende Augen. Grenzbereich ist cool, da ist man ein echter Kerl!
Ich will da gar nicht hin.
Mein Porsche und mein Leben sind mir lieb und teuer und meine Coolness beweise ich weder mir, noch der Welt  im Auto.

Ich besitze einen Motorradführerschein, und um diesen zu erwerben, übt man Bremsmannöver immer arg nah am Blockieren der Bremsen. Beim Motorrad macht es Sinn, dort liegt die maximale Bremskraft kurz vor dem Punkt, an dem die Bremse blockiert. Und man kommt im Alltag diesem Punkt oft auch nahe.
Das ist beim Porsche aber anders.

Was ist also los mit all den Männern, die auf beregneten Plätzen ihre Autos schnell im Kreis bewegen, oder versuchen möglichst flott um Plastikpinöppel zu kurven?
Ist deren Porschefahrerleben wirklich so viel riskanter als meins?

Natürlich nicht.

Sicher macht es Spaß, seine Fahrtechnik zu schulen. Und es macht stolz, sein Fahrzeug gut zu beherrschen. Aber dabei geht es um etwas völlig anderes als um die Vorbereitung auf den echten Straßenverkehr.

Diese Herren sind „sensation seeker“. So werden Menschen in der Psychologie bezeichnet, die immer nach neuen Reizen suchen. Und zu 70% ist dieser Persönlichkeitszug angeboren.
Sensation seeker suchen körperlich riskante Aktivitäten, mögen einen unkonventionellen Lebensstil, streben nach sozialen Stimulationen und sind anfällig für Langeweile.

Nicht überraschend, dass mein geliebter Seelenbruder auf seinem Whatsapp-Profilfoto gerade mit einer Crossmaschine durch die Luft fliegt.

Ganz fremd ist mir ein solches Persönlichkeitsprofil nicht, aber meine Ängstlichkeit schiebt einen dicken Riegel vor körperlich riskante Aktivitäten.

Da mein mir manchmal so fremder Bruder im Geiste sich durch all meine Einwände nicht davon abbringen lässt, verbleiben wir so, dass er sich meldet, wenn er mit dem Driften fertig ist, so dass ich aufhören kann, mir Sorgen zu machen.

Wie das seine Frau aushält, ist mir absolut schleierhaft. Klar, sie kennt ihn nicht anders und hat ihn so geheiratet, aber mich würde ein so wilder Mann in den Wahnsinn treiben.

Jetzt pass verdammt nochmal auf Dich und den Porsche auf, Bruder!