Der Gottesbeweis- oder: Pipi machen mit Hells Angels

Ich hab ihn tatsächlich genommen.
Den Porsche, für die Reise in den Harz.
Es hat mich überrascht, dass man nach vier Stunden Fahrt so erholt aus einem Sportwagen steigt.
Die Sitze sind wirklich gut.

Die Fahrt begann schon einen halben Kilometer von zuhause mit einem grinsenden Elferfahrer, der mir entgegen kam.
Im Radio hörte ich dann die Stimme meines Freundes Bastian.
Schön, er hatte Sendung, und ich konnte mit ihm fahren.

Nach der ersten Stunde meldet sich die Blase, der Frühstückskaffee will raus.
Also Boxenstopp.
Leicht besorgt lasse ich den Porsche stehen, und eile in die Raststätte.
Neben mir ein Auto mit Herrn im Hells Angels-T-shirt.

Tragen die nicht eigentlich Westen?
Und fahren Motorrad??
Ansonsten hatte er sich aber viel Mühe gegeben, mit der martialischen Erscheinung.
Gaaaanz kurze Haare, Bart und großen Ring im Ohr.

Für 70 Cent teuer Pipimachen und weiter ging es gen Osten.
Je näher ich dem Ziel kam, desto größer wurden meine Parksorgen.
Der Parkplatz hier ist so weit weg von den Gebäuden.
Aber dann geschah mein persönliches Parkwunder!

Ich hatte wenig Hoffnung, dass man mich auf dem Klostergelände parken lässt, wo wir momentan tagen.
Kloster und Luxus-Schlitten passt nicht so richtig.
Oder vielleicht doch?

Bei meiner Ankunft traf ich eine Dame aus der Hauswirtschaft.
Sie fragte ich, ob es denn vielleicht irgendeine Möglichkeit gäbe…
Und was tut diese wunderbare Frau?
Zeigt auf ihren schmucken BMW, der einen (vermutlich den einzigen) Parkplatz auf dem Gelände hat.

Sagt, sie könnte es völlig verstehen, dass ich mir Sorgen mache.
Sie hätte auch Spaß an einem Porsche und ich dürfe für die Dauer meines Aufenthaltes ihren Platz haben, sie würde dann anderswo parken!
Es gibt einen Gott!

Und der ist eine autobegeisterte Frau :-))))

 

 

 

Carrera macht müde Männer munter

Ich war  mit dem Porsche beim Kunden und auf dem Heimweg mussten noch Lebensmittel beschafft werden.
Also beim Supermarkt auf dem hintersten, einsamsten Parkplatz parken, damit mir bloß keiner seine Tür in die Seite haut.
Dann gefühlte 2 Kilometer zum Eingang laufen und schon kann es los gehen.

Der Einkaufswagen füllt sich, es gibt Gartensachen im Angebot.
Leichte Zweifel überkommen mich, als ich an der Kasse die Einkäufe auf das Band türme.
Ob ich das wohl alles in den Kofferraum des Elfers kriege?
Vor mir ein muffeliger Mann in neongelber Arbeitshose.

Müllabfuhr oder so.
Wir kommen zugleich an unseren Autos an.
Der wackere Porsche schluckt meinen Einkaufsberg.
Er türmt seine Sachen bequem in seinen Kombi.

Ich schiebe meinen Einkaufswagen zurück zu den anderen.
Er lehnt an seinem Auto.
Raucht genüsslich eine Zigarette und lässt seinen Blick über das Prachtheck des Carreras wandern.
Irgendwie sieht er dabei aus, als rauche er die „Zigarette danach“.

Wäre er an der Kasse etwas netter gewesen, hätte er ein Grinsen bekommen.
Während der Elfer röhrend dem Ausgang zufährt, lässt er seine halbgerauchte Fluppe auf die Erde fallen und steigt in seinen Kombi.

Männer, seid nett an der Kasse, Ihr wisst nie, ob der Dame hinter Euch nicht das schönste Auto auf dem ganzen Parkplatz gehört. 😉

So gehts auch

Auf dem Parkplatz des Tagungshauses stand ein altes, kleines Auto neben mir.
Offenbar auch ein Opfer dieser Alt-Autohändler:
Die Fahrerin hat es allerdings ganz charmant gelöst, und mir damit ein Grinsen geschenkt:
Wolfsb.jpg.
Man kann aus diesen Kärtchen, wenn man sie innen im Fenster dekoriert, moderne Kunst machen, die gleichzeitig den Kärtchen-Verteilern die Sinnlosigkeit ihres Tuns verdeutlich.
Und ganz nebenbei zeigt, wie begehrt auch ein alter, abgerockter Kleinwagen sein kann 😉

„No, ham Sie denn kein Nawwi?!“

Wenn das so weiter geht, dreh ich durch!
Ich habe es heute ausschließlich mit bekloppten Frauen zu tun.
Die letzte Dienstreise des Jahres steht an.
Normalerweise fahre ich immer mit der Bahn.

Die letzten Jahre hat die Bahn versucht, mich mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus Inkompetenz und Unzuverlässigkeit in den Wahnsinn zu treiben.
Dieses Jahr fahre ich mit dem Auto.
Nach Thüringen.

Am Ort meiner Veranstaltung rufe ich an, und will beim Tagungshaus einen Parkplatz reservieren.
„Das geht bei uns nicht, wir haben nur ganz wenige Parkplätze und deshalb reservieren wir nicht!“
Diese Logik erschließt sich mir nicht, gerade deshalb wäre es doch sinnvoll.

Als ich ihr erkläre, dass ich mit Gepäck und Material für die Veranstaltung anreise und daher in Hausnähe parken möchte, wiederholt sie gebetsmühlenartig den Satz:
„Das mit dem Reservieren geht bei uns nicht.“
Auf meine Frage, wo ich denn das Auto lassen könne, teilt sie mir mit, es gäbe eine Tiefgarage auf einer Ringstraße in der Stadt, der Fußmarsch zum Ort der Veranstaltung läge bei nur 10 Minuten.
Super.
Trainiert dann auch gleich die Arme, beim Schleppen.

Ich bitte sie, mir die Adresse der Tiefgarage zu sagen.
Antwort im breitesten Thüringisch: „Jo, ham sie denn kein Nawwi?!“
Ich erkläre der Dame, das Navi brauche eine Zieladresse.

Die konnte sie mir nicht sagen, beendete aber die freundliche Beratung mit Hinweis, dass alle anderen die Tiefgarage bis jetzt auch so gefunden hätten.

Ähnlich kompetent und freundlich die Damen, die heute bei meiner Versicherung und meinem Installateuer ans Telefon gingen.
Lauter Diskussionen auf dem „Isso-Niveau“.
Wie schreibt Bastian Sick so schön?
„Isso“ ist die Kurzform für „Ich schrei sonst.“ und bedeutet sinngemäß: „Weitere Argumente fallen mir im Moment nicht ein.“

Ich schrei auch gleich.

Nachtrag:
Gerade rief der Dr. von der Arbeit an und berichtet, von Ärger mit einer blöden Kollegin.
Ich glaube, der 9.12. ist Tag der bekloppten Frau.
Wir haben beschlossen, uns nach dem ganzen Ärger heute einen schönen Abend zu machen.
Morgen gehe ich dann auf die Fahrt ohne Ziel.

Wenn Leute einem etwas mitbringen

Angst auf dem Parkplatz.
Nein, nicht, weil ich keinen sicheren Parkplatz für meine Porsche gefunden hätte.
Das war- absurd aber wahr- das Thema meines Traums letzte Nacht….

Heute früh auf dem Supermarktparkplatz wäre ich gleich zweimal beinahe überfahren worden.
Viel zu schnell fuhren Menschen viel zu nah an mir vorbei, während ich zu Fuß, ohne schützende Blechülle, von ihrem Fahrtwind angepustet wurde.

Warum sind die am Morgen schon so aggressionsbereit?
„Kriegt Euren Mist in den Griff!“ ging es mir durch den Kopf.
Schon klar, ich bin auch nicht Superwoman, auch ich bin schon gereizt gefahren, weil ich gestgresst war.

Im Beruf ging es dann weiter.
Viele Situationen, in denen es darum ging, dass Gefühle, die mit einer Situation gar nichts zu tun haben, diese dominieren.
Wenn ich davon nicht direkt betroffen bin, komme irgendwie besser damit klar.

Abends kam es leider zu einer deutlich persönlicheren Betroffenheit.
Klar, auch hier wasche ich meine Hände nicht in Unschuld.
Meine Partner haben schon oft meinen Stress abbekommen.
Oder irgendeine alte Angst.

Warum schleifen wir diesen ganzen unbewältigten Emotionskrempel überall mit hin und lassen ihn dann irgendjemandem vor die Füße krachen?
Fremden auf dem Parkplatz oder geliebten Personen auf der Couch.
Gibt es einen Weg das zu verhindern?

Wie sieht der aus?
Hochfrequente Psychotherapie im Wechsel mit buddhistischen Retreats?
Hochfrequentes Heilporschefahren im Wechsel mit oxytocinreichem Dauerkuscheln nach nervlicher Belastung?

Letzteres wäre es vermutlich für mich.
Klappt aber leider nicht immer, wenn ich es bräuchte.
Aber so kann es nicht weiter gehen.
Wir müssen unsere Arbeitsplätze, unseren Straßenverkehr und unser Zuhause zu Orten machen, an denen Lebensqualität nicht dadurch reduziert wird, dass uns irgendein Gefühl gerade in der Zange hat.

Parkplatzschlampen

Die Suchdienste verschlüsseln zunehmend mehr die Suchbegriffe, durch die Menschen auf mein Blog geraten.
Fast alle werden als „unbekannt“ angegeben.
Die Tage aber hat jemand „Parkplatzschlampen“ gesucht, was, aus welchen Gründen auch immer, nicht verborgen worden ist und war so bei mir im Blog gelandet.

Ich weiß, was Parkplätze und Schlampen sind, aber der Zusammenhang erscheint mir schleierhaft.
Ich bin vermutlich keine, wahrscheinlich war der Suchende enttäuscht.

Dafür sind mein Nachbar rechts und der Freund meiner Nachbarin links eindeutig Parkplatzschlampen.
Gut, ich muss etwas ausholen, damit diese These nachvollziehbar wird.

Ich wohne in einer kleinen Straße, in der jeder mindestens zwei Stellplätze auf seinem Grundstück hat.
Auf der Straße ist das Parken auch möglich, und man findet so nah eine Abstellmöglichkeit, dass Innenstadtbewohner Tränen des Glücks in den Augen hätten, angesichts der Leichtigkeit, mit der es sich hier parken lässt.

Dadurch, dass der Dr., samt seiner zwei Fahrzeuge umfassenden Fahzeugflotte, jetzt auch hier wohnt, und vor meinem Carport nicht geparkt werden kann, ohne dass man mich blockiert, drehen die besagten Herren völlig durch.
Das gefühlte Parkproblem…

Sie parken mich zu.
Wenn ich raus will, muss ich klingeln.
Wenn ich klingle, drücken sie mir Sprüche.

Offenbar Männer, die irgendwie unzufrieden mit dem Leben/dem eigenen Nicht-Porsche/oder was auch immer sind.
Und diesen Frust leben sie ungebremst aus.

Richtige Parkplatzschlampen!

In Saus und Braus

Der Dr. und ich sind unterwegs.
Unser beider Diagnose zum Thema „Deinen oder meinen?“ lautete angesichts der Temperaturen „Boxsterwetter!“.
Also: Dach auf und los.

Wie so häufig verläuft die Fahrt relativ schweigsam.
Dieses Mal jedoch nicht aus erschöpfungsbedingter Wortkargheit, sondern weil jede gepflegte Unterhaltung in diesem  Boxster undenkbar ist.
Wir fahren Autobahn und Verständigung funktioniert nur schreiend.

Es saust und braust und wenn schnelle Autos an uns vorbei fahren, bekommt man Druck auf den Ohren.
Ich bin wirklich nicht empfindlich, aber nach einer Stunde auf der Bahn fühle ich mich als hätte ein Orkan mir an den Trommelfellen gerissen.

Der Dr. steigt unerschüttert aus, ich möchte mich vor Erschöpfung nach dem Höllenritt am liebsten auf den Parkplatz fallen lassen.
Ich flehe ihn an, langsamer zu fahren und in Gottes Namen das Windschott seiner rollenden Boxsterruine reparieren zu lassen.

Auf dem Rückweg sagt der Dr. ich solle mal gucken, was uns gleich überholt.
Angetan schauen wir beide auf einen Trierer 550er.
Galant grüßt der Fahrer zu uns zwei Wendehälsen herüber.

Zugleich fährt auch noch ein Cayenne mit uns im Tunnel. Später folgen ein hübscher alter und ein prachtvoller neuer Porsche.
Das war tatsächlich eine Tour, im doppelten Sinne in Saus und Braus.

Heute Abend wäre ich so gerne meinen 11er gefahren.
Leise , ähm, oder nennen wir es kultiviert, wahlweise Bose oder Motor, ganz ohne Sausen.
Leider hat der Gastgeber der Party auf die ich gehe, meine Frage nach Parkmöglichkeiten mit der aussagekräftigen und von erlernter Fremd-Porsche-Paranoia zeugenden Antwort:
„Nimm nicht den Porsche“ beantwortet.

Aber morgen, morgen ist er fällig!