Glückskinder

Seit drei Wochen oder so habe ich Kopfschmerzen.
Ich schlucke morgens immer ein Schmerzmittel und fahre dann zur Arbeit.
Zum Trost nehme ich den Porsche.

Den Morgenhimmel über dem Carrera hätte ein Barockmaler nicht schöner an eine Kirchendecke malen können.
Mit Wohlgefallen fällt mein Blick durch die schräge Fronstscheibe.
Schönheit ist immer gut für die Nerven.

Zur Begrüßung fragt eine Kundin: „Ist das Ihr Porsche auf dem Parkplatz?“
Ich grinse: „Ja.“
Sie auch: “ Hab ich mir gedacht.“
Das Gespräch kommt auf Autos.
Zwei Kunden erzählen, dass sie zum Geburtstag mal ein Traumauto geliehen haben.

Sie schwärmen davon, wie toll die Fahrt war.
Ich fühle tiefe Demut.
Ich darf ihn immer fahren, den Traumwagen.
Er gehört mir.

Ich habe das immer, was andere einmal im Leben haben.
Neben all der anstrengenden Scheiße, die man im Leben so am Hals hat, sind wir Porscheeigner doch immer auch eins:
Kinder des Glücks.

Womit Sie rechnen müssen, wenn Ihre Frau einen Carrera in der Garage hat

Der Dr. sitzt mit seinem Laptop im Wohnzimmer als ich herein komme, und verkünde, ich hätte gerade ein ganz intensives Liebesgefühl verspührt.
Er macht einen Kussmund, weil er denkt, ich hätte ihn gemeint.
Meine Antwort „Oh Schatz, das tut mir jetzt leid, ich meinte den Porsche.“ kann nur ein Mann seines Formats so unerschüttert wegstecken.

Seit meiner Kindheit sammle ich im Herbst Kastanien.
Ich sammle Sie auf Asphaltflächen, wo die Autos sie nur plattfahren würden, und werfe sie an anderer Stelle auf hoffentlich fruchtbaren Boden, damit Bäume aus ihnen werden, oder die Rehe sich im langen Winter von Ihnen ernähren können.

So ein Karton mit Kastanien war noch von meiner letzten Dienstreise im Elfer.
Die Dinger haben recht viel Feuchtigkeit, deshalb wollte ich sie nicht länger auf dem Beifahrersitz stehen lassen.
Also ging ich rüber in die Garage.

Das Altweibersommer-Sonntagabend-Licht schien gedämpft durch das Fenster.
Seine perfekte Silhouette, außen der leicht benzinlastige Geruch, innen eher nach Leder.
Und da war es auf einmal.
Dieses intensive Liebesgefühl…

 

Jung und frei

Nach unendlich langer Zeit, die eigentlich nur aus Pflichterfüllung bestanden hat, sitze ich endlich wieder im  Porsche.
Ganz allein.
Ich bin dienstlich unterwegs.

Wenn der Hund dabei ist, kann ich Kurven nur sehr langsam durchfahren, weil er sonst samt Transportkorb umkippt.
Jetzt kann ich die wunderbare Straßenlage meines Carreras ausnutzen.
Schon beim Auffahren auf die Autobahn fühle mich mich jung und frei.

Das ist natürlich eine Illusion.
Ich bin mittleren Alters mit meinen fast 44 Jahren.
Und ich hab eine Menge Dinge, um die ich mich kümmern muss.
Aber bei all dem Funktionieren braucht es ein Gegengewicht.

Mein Nachbar, weit in den Siebzigern, lebt mit seiner dementen Frau auch ein Leben mit vielen Pflichten.
Und er sagte gestern über den Porsche, dass man seine Spielzeuge braucht.
Ich kann das nur bestätigen.

Nach Handwerker-Generve, Terminhetze und anderen Sorgen muss mein Geschäft nun wieder erfolgreich durch eine Hochsaison bugsiert werden.
Wenn mich dabei ein edles Stück Ingenieurskunst dabei über die Autobahnen bugsiert, ist das nur recht, wenn auch nicht billig…

Ich habs lieber schwer

Gestern war ich nach langer Zeit mal wieder mit dem Boxster unterwegs.
Zum Glück verlernt man offenbar das Schalten nicht so schnell.
Er kommt die Eifelberge angenehm flott hoch.
Aber auf der Autobahn ist es in diesem Wagen UNVORSTELLBAR laut.

Er ist schon 17, vielleicht sind die aktuellen Modelle besser gedämmt, am Dach.
Wenn der Dr. über 130 fährt, spottet der Lärm jeder Beschreibung.
Radio ist sinnlos, Unterhaltung funktioniert nur schreiend und Ohrensausen ist garantiert.
Wenn ich ihn selbst fahre, was eher auf der Landstraße der Fall ist, irritiert mich sein Motorengeräusch.

Es erinnert mich an eine elektrische Eisenbahn.
Warum hat Porsche das so gemacht?
Und er liegt irgendwie leicht auf der Straße.
Ein Wägelchen.

Mein Carrera ist wie ein klebendes, schweres Brett.
Ich mag das Gefühl, wenn Autos sich schwer anfühlen.
Das hat etwas Kraftvolles, beruhigend Stabiles und in Kombination mit der Beschleunigung äußerst Befriedigendes.

Hmmmmmmm!

Bondage Pug Porsche

Morgen kommt Besuch, und ich muss dringend aufräumen.
Aus der Garage lockt der Porsche.
Und was macht die schlechte Hausfrau?
Schwingt sich in den Elfer und macht eine Tour.

Natürlich nicht alleine. Der Hund kommt mit.
Auf der Hinfahrt bereue ich diese Entscheidung noch nicht.
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(Während der Fahrt ist die Tasche natürlich geschlossen.)

Es geht an den Rhein.
Ich parke in einem wunderschönen Viertel.
Geschmackvolle Bungalows auf riesigen Grundstücken, die bis an den Fluss reichen.
Wir nehmen einen schmalen Weg, der zwischen Gärten und Strom entlangführt.

In einem der gepflegten Gärten ist eine zauberhafte Tafel mit silbernen Leuchtern für eine Gartenparty gedeckt.
Promt überkommt mich das schlechte Gewissen angesichts meines vernachlässigten Haushalts.

Nachdem ich Moses das Wasser und die Schiffe gezeigt habe, geht es zurück zum Auto.
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Auf dem Rückweg treffen wir eine ältere Dame mit Hund und kommen ins Gespräch.
Sie trägt ein elegantes Kostüm und führt einen Pudel aus und fragt:
„Ist das Frauchens schicker Porsche?“
Frauchen grinst stolz und bestätigt das.

In dieser Gegend gibt es eine ganze Reihe Cayennes.
So schön wie mein Carrera sind die natürlich alle nicht.
Trotzdem wundert es mich, dass meine schwarze Schönheit selbst hier auffällt.
Aber ganz klar, die Frau hat Autogeschmack!

Als ich Moses wieder in den Elfer bugsiere, komme ich auf eine blöde Idee.
Innen in seiner Transporttasche ist ein Band angebracht, das man am Geschirr des Hundes festmachen kann.
Bisher habe ich es noch nie benutzt.

Ich klinke das Band ein und fahre los.
Die Straße ist schmal, hinter mir fährt ein Bus.
Vom Beifahrersitz kommt anhaltendes Schnaufen und Wühlen.
Ich muss mich aufs Fahren konzentrieren und blicke nur kurz rüber.

Der Welpe liegt in komischer Position auf dem Rücken und guckt unglücklich.
Offenbar stört ihn das Band gewaltig und er hat sich bei Versuch es loszuwerden irgendwie selber gefesselt.
Na super.

Die enge Straße, der schnaufende Hund, der Bus hinter uns, keine Möglichkeit zum Anhalten.
Hund wühlt, Frauchen schwitzt.
Gefühlte sieben Jahre später endlich eine Möglichkeit rechts ran zu fahren und den Bondage-Hund zu befreien.

Wir beide sind mit den Nerven am Ende.
Mopsmutter mit Porsche ist kein einfacher Job.
Dabei ist Moses weltberühmt als porschefahrender Mops.
Googelt man Pug Porsche erscheint sein Foto ganz weit vorne.

Jetzt liegen wir beide auf der Couch.
Wenn ich mich etwas erholt habe, wird das Aufräumen nachgeholt.
Eine Frau mit derartig schickem Auto und berühmten Porsche-Mops kann ihre Gäste schließlich nicht im Chaos bewirten! 😉

 

Entweder- Oder

So kann es nicht weiter gehen.
Entweder ich habe den Hund dabei, oder ich fahre Porsche.
Weil seine Transportbox nur in den Kombi geht, musste ich den Elfer vernachlässigen.
Ich will aber alles.

Im Riesenzooladen erkläre ich mein Problem:
Ich benötige eine Tranportbox, in die der (ja nun wirklich nicht besonders große) Hund hineinpasst, und die in den Fußraum eines Carrera-Beifahrersitzes passt.
Die Verkäuferin sagt, das Problem hätten viele.

Am besten würde man Hund mit Familienauto kombinieren.
Familienauto? Würg.
Da kommen mir Bilder von so fiesen Vans, die Eltern nach der zweiten Zeugung anschaffen, mit doofen Kindernamen hinten drauf.

Ich erkläre, dass der Mops und ich noch einen Kombi hätten, aber auch Porsche fahren wollen.
Auf keinen Fall darf der Mops in Kontakt mit dem Leder oder Teppich des Autos kommen.
Ich will keine Kratzer, Hundehaare oder Hundegeruch im Porsche.

Nach gefühlten 700 Versuchen habe ich jetzt eine Hundetasche, die ganz gut in den Fußraum passt.
Leider bin ich handwerklich völlig unbegabt.
Aber das ist eine Riesenmarktlücke.

Es müsste so eine Art Hundewanne in Innenraumfarbe geben.
Die man in den Fußraum setzen kann.
Unten pipiundurchlässiger Kunststoff, oben drüber ein Gitter.
Warum stellt das keiner her?

Heute war die Stadt unglaublich voll von Porsches.
An einer Stelle waren wir drei auf zweihundert Metern.
Da will Frau doch nicht nur sehnsuchtsvoll auf die anderen gucken.
Das Leben ohne Mops im Porsche ist auf die Dauer sinnlos.

Er ist einfach ein Frauentyp

Es war einmal eine Frau, die schon immer Angst beim Autofahren hatte.
Vor 28 Jahren hat sie völlig aufgehört selber zu fahren und auch als Beifahrerin hatte sie große Not.
Ihr Mann durfte nie viel schneller als 100 Kmh fahren, was bei langen Strecken einen Quälerei sein muss.

Diese Frau ist eine Kundin von mir, und wir sind heute gemeinsam von der Dienstreise nach Hause gefahren.
Im Porsche.
Ihr war etwas mulmig beim Einstieg in den niedrigen Sportwagen.

Ich wies sie darauf hin, wie gut die Sportsitze dem Körper Halt geben, um sie zu beruhigen.
Hingerissen strich sie über die Ziernähte im Armaturenbrett.
Die Schöheit meines Elfers trotzte der Phobie.

Das war sehr schön zu erleben.

Als ich vorischtig auf 150 beschleunigte, streichelte sie gerade mit verklärtem Blick die teddy-farbene Innenverkleidung.
Sie hatte Angst, wenn der Carrera seine sexy Stimme erhob, und dennoch wollte sie, statt Musik, lieber dem Motor lauschen.

Als ihr Mann am vereinbarten Treffpunkt zu uns stieß, zeigte sie ihm begeistert den tollen Innenraum und ich erzählte ihm zwinkernd, dass seine Frau 150 Kmh ausgehalten hat.

Frauen und Elfer, eine magische Mischung.

Der Trostlorsche

Mein Dachschaden ist bis auf einige wenige Anfälle von Restschwindel Vergangenheit.
Ich kann wieder Auto fahren und habe für die Dienstreise den 997er genommen.
Privat läuft es mehr als unerfreulich und der Mist mit der Gehirnerschütterung hat mir das Wochenende verhagelt.

Und dann dreht man den Schlüssel seines Elfers.
Ein kitzeliges Glücksgefühl kommt völlig unerwartet über einen.
Eine ganz unvermittelte Freude über den geliebten Klang.
Wenn dann auf der Autobahn eine größere Lücke vor einem ist, und der Carrera so losstürmt…

Welch eine Wonne.

Mein Porschebruder fragt per whatsapp, ob ich denn den Porsche genommen hätte, für die Fahrt.
Und ich antworte, mich in der Eile während der Arbeit vertippend: „Klar, Trostlorsche muss sein.“

Und auch wenn in Zuffenhausen nicht wirklich Lorsches produziert werden,
inhaltlich stimmt das.
Ob ich ihn eines Tages nicht mehr als Trost brauchen werde?
Ob er mich dann noch genau so glücklich machen wird?
Oder ob alles ganz anders kommt, wie so oft im Leben?

Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heißt: Anne und der Trostlorsche! 🙂

 

 

 

Ich Öl-Schlampe!

Natürlich habe auch ich in der Fahrschule gelernt, dass vor langen Fahrten (und sonst auch) der Ölstand zu überprüfen ist.
Und natürlich ist mir klar, dass Ölmangel sehr viel schlimmere Schäden am Elfer verursacht, als die von mir so gefürchteten Parkmacken.

Vor meiner Abfahrt in den Harz hatte ich noch wage an den Ölstand gedacht.
Dann bin ich stattdessen noch ein Viertelstündchen mit dem Dr. kuscheln gegangen.
Heute auf der Rückfahrt telefonierte ich mit meinem Freund Bastian.
Er erzählte von einem Unfall, bei dem ein silberner Porsche schwer beschädigt worden sei und war ganz betroffen.

Ich fuhr derweil im Regen durch den Stau.
Als dieser sich gerade aufzulösen versprach, sprang die Warnleuchte an:
„Ölstand überprüfen“.
Zum Glück war ich direkt an der Raststätte Gütersloh.

Zu meiner Ehrenrettung muss an dieser Stelle angemerkt sein, dass meine C-Klasse 13 Jahre lang nie zu wenig Öl hatte.
Keine Ahnung warum, ist aber so .
Ich war also denkbar eingerostet im Ölbusiness.

Ein Öl-Messstab war im Motorraum nicht zu finden.
Es regnete in Strömen und ich hatte weder Schirm noch Jacke.
Zum Glück war mein T-shirt schwarz, sonst hätten die anwesenden Männer noch mehr geglotzt, als sie es ohnehin schon taten.

Blick in die Betriebsanleitung: Ölstandsmessung elektronisch.
Aha.
Ich folgte den hierfür notwendigen Schritten.
Es klappte nicht.

Ich rief im Porschezentrum Dortmund an.
Inzwischen war ich sehr nass.
„Alle Mitarbeiter sind im Kundengespräch. Können wir zurückrufen?“
„Nein, ich stehe hier im strömenden Regen und habe nur eine kurze Frage.“

öl

Das Netz reißt ab, während sich die Dame für einen Rückruf meine Nummer notieren will.
Entervt rufe ich bei meinem Verkäufer an, dieser stellt die Verbingung in die Werkstatt her.
Jetzt klappt die Ölstandsmessung: ein Liter soll nachgefüllt werden.
Ein hilfsbereiter Herr lief für mich durch den Regen, um zu checken, ob das Wunschöl in der Tanke vorrätig ist.
War es natürlich nicht.
Ich selbst latschte auch durch den Regen, füllte das Öl ein, und weiter ging die Reise.

Doof, dass man für seine Nachlässigkeit immer irgendwann einen unerfreulichen Preis zahlen muss.
Aber ich hätte da von selbst drauf kommen können.
Inzwischen war ich seit vier Stunden unterwegs, dank Stau, Starkregen und Öl-Mist erst bis Gütersloh gekommen und hatte kein Mittagessen gehabt.

Dann aber lief es,
im Radio kam „For the longest time“ in einer schönen Liveversion, und Billy Joels Backgroundchor und ich badeten in Harmonien, während der Carrera die Steigung vom Kemnader See Richtung Wuppertal mit Leichtigkeit überwand.

Nach 5.5 Stunden war die Rückfahrt durch die Freitagsstaus geschafft.
Ich war überraschend frisch, die Sportsitze sind sagenhaft gut, mein Körper nicht müde.
Jetzt weiß ich also, dass mein wunderbarer Porsche keinen Ölmessstab hat, wo das Öl reinkommt, und dass der Fahrlehrer recht hatte.

Ob ich das nächste Mal den Ölstand überprüfe, statt noch schnell ein letztes Kuschelründchen mit dem Dr. zu machen?
Ich kann nicht dafür gerantieren… 🙂

Carrera macht müde Männer munter

Ich war  mit dem Porsche beim Kunden und auf dem Heimweg mussten noch Lebensmittel beschafft werden.
Also beim Supermarkt auf dem hintersten, einsamsten Parkplatz parken, damit mir bloß keiner seine Tür in die Seite haut.
Dann gefühlte 2 Kilometer zum Eingang laufen und schon kann es los gehen.

Der Einkaufswagen füllt sich, es gibt Gartensachen im Angebot.
Leichte Zweifel überkommen mich, als ich an der Kasse die Einkäufe auf das Band türme.
Ob ich das wohl alles in den Kofferraum des Elfers kriege?
Vor mir ein muffeliger Mann in neongelber Arbeitshose.

Müllabfuhr oder so.
Wir kommen zugleich an unseren Autos an.
Der wackere Porsche schluckt meinen Einkaufsberg.
Er türmt seine Sachen bequem in seinen Kombi.

Ich schiebe meinen Einkaufswagen zurück zu den anderen.
Er lehnt an seinem Auto.
Raucht genüsslich eine Zigarette und lässt seinen Blick über das Prachtheck des Carreras wandern.
Irgendwie sieht er dabei aus, als rauche er die „Zigarette danach“.

Wäre er an der Kasse etwas netter gewesen, hätte er ein Grinsen bekommen.
Während der Elfer röhrend dem Ausgang zufährt, lässt er seine halbgerauchte Fluppe auf die Erde fallen und steigt in seinen Kombi.

Männer, seid nett an der Kasse, Ihr wisst nie, ob der Dame hinter Euch nicht das schönste Auto auf dem ganzen Parkplatz gehört. 😉