Benzingespräche

Nachdem ich den ganzen Vormittag im Garten geackert habe, bringe ich meinem Nachbarn seine Kabeltrommel zurück.

Er kommt gerade aus dem Stall und wir hocken uns beide mit spektakulär dreckinger Kleidung bei ihm auf den Hof.

Ein alter Mann aus dem Ort begrüßt uns im Vorbeigehen und fragt, ob mein Nachbar eine neue Hilfe auf dem Hof hat. Er spielt auf meine Latzhose an.

In dem winzigen Ort hat es ca. 15 Minuten gedauert, bis alle wussten, dass jetzt auch ein Porsche auf meinem Berg wohnt.

Mein Nachbar fragt, ob ich auf der Nordschleife fahre und berichtet, dass er selbst früher dort gerne gefahren sei. Sein Gesicht bekommt dabei den zufriedenen Ausdruck einer Katze, die gerade ein riesiges Stück Fisch geklaut hat.

Er berichtet von den Zeiten bevor die große Geldmacherei am Ring einzug gehalten hat. Es gab damals ein Café, in dem man den Zieleinlauf beobachten konnte und alles, was man investieren musste, war das Geld für eine Tasse Kaffee.
Lang vergangene Zeiten.

Dann erzählt er, dass er mal VIP-Karten für das 24 Stunden-Rennen hatte.
Voller Neid frage ich ihn, wie er daran gekommen ist. Er erzählt, dass er eine seiner Wiesen für eine Veranstaltung im Rahmen einer Oldtimer Rally zur Verfügung gestellt und dafür die Karten bekommen hatte.

Grinsend berichtet er, wie diese Karten von ihm an seine Freunde weiter gereicht wurden und so gleich mehrere junge Eifler glücklich gemacht haben. Wir plaudern über die Boxengasse während des Rennens und über in der Nacht glühende Bremsscheiben.

Nach einer Weile hebe ich meine müden Knochen aus dem Stuhl und muss leise lächeln, bei dem Gedanken, wie sich unsere Gespräche verändert haben, seit meine Motorsportleidenschaft bekannt ist, und ich das passende Auto besitze.

Für die Menschen in der Region gehört der Ring ganz selbstverständlich zum Leben. Auch wenn sie, wie mein Nachbar und ich, nicht auf den ersten Blick nach Rennzirkus aussehen. Aber von vielen wird genau diese sehr selbstverständliche Leidenschaft für schnelle Fahrzeuge als die einzig Wahre erachtet.

Zwei nach Kuhscheiße riechende Petrol heads in verdreckten Arbeitsklamotten.

Happy Birthday Blog!

Nurnichtausliebeweinen hat Geburtstag! 1 Monat! Eigentlich noch ein Blogbaby…

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Heute vor einem Monat habe ich angefangen, ein Blog darüber zu schreiben, was passiert, wenn eine Frau einen Porsche kauft.

Über die meisten von Euch, liebe Leser, weiß ich sehr wenig. Ob Ihr alle Porschebesitzer  seid? Wieviele von Euch sind Frauen? Wann lest Ihr? Zum Frühstück? Wenn die Arbeit langweilt? Abends? Auf der Couch? Am Schreibtisch? Im Bett?

Ich weiß, wo Ihr lest: die meisten von Euch in Deutschland. Aber auch in der Schweiz, Frankreich, in Amerika, Italien, England, Österreich, den Philippinen und Brasilien. Wow!

Es freut mich, dass Ihr offenbar mögt, was ich schreibe. Ich habe aber keine Ahnung, was Euch besonders gefällt…

Ihr wisst so viel mehr von mir und dem wunderschönen Porsche, als ich von Euch. Aber das ist ja immer so bei Autoren und ihren Lesern.

Heute bin ich dran, Euch zu danken! Hätte niemand jemals gelesen was ich schreibe, ich hätte längst wieder aufgehört. Es wäre mir dann zu einsam geworden, im Netz.

So weiß ich zwar kaum etwas über Euch, aber ich weiß, dass es Euch gibt und das finde ich schön!

Vatertag

Eine ganze Reihe Väter haben beschlossen, heute auszuschlafen.

Sie tun dies vor mir, auf der linken Spur der Autobahn.

Einer nach dem anderen bekommt einen Weckruf von meiner Lichthupe. Ich bin vermutlich keine geduldige Fahrerin.

Nein, ich bin nicht mit dem Porsche unterwegs. Der Kombi, in dem ich sitze, hat nur etwas über 200 PS, die Herren sind wirklich unvorstellbar langsam.

Die schnelleren Väter sehe ich nachher am Ring.

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Aus aller Welt sind sie hier. Europa überwiegt. Die Russen und die Finnen bekommen vermutlich den Preis für die längste Anreise. Well, if it´s fun…

An der Einfahrt zur Nordschleife steht eine Frau mit einem Hund an der Leine. Ein hochmotorisierter Kombi hält kurz und ein Teenagermädchen mit fester Zahnklammer ruft ihr strahlend von Papas Beifahrersitz zu: „Ist gar nicht schlimm!“ Papa gibt Gas, das Fenster schließt sich, Mutters Blick bleibt skeptisch.

Manche Väter sind zu schnell…                  Vatertag13 087

Andere steigen hoffentlich heute nicht mehr ins Auto.
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Einige sind noch gar nicht Vater, haben aber schon einmal die Dame dabei, die vielleicht eines Tages Mutti wird.Vatertag13 131

 

 

 

 

Auf dem Rückweg kommen mir gleich mehrere Porsches auf Anhängern entgegen. Der Porsche-Sports-Cup wirft seine Schatten voraus.

Eine vorfreudiges Gefühl macht sich in mir breit. Die Eifel ist eine wunderschöne Kulisse für die Rennwagen. Weiß blühende Schlehen im Wechsel mit sattgrünen Wiesen voller leuchtend gelbem Löwenzahn.

Genau heute vor einem Jahr war ich das erste Mal in meinem Leben an der Nordschleife. Der Vater, den ich damals dort hin begleitet hatte, ist lange Geschichte. Aber die schönste Rennstrecke der Welt besitzt eine Magie, die mich bis zum heutigen Tag anzieht.

 

 

 

Porschefahrerin

Gibt man im Suchportal Yahoo „Porschefahrerin“ als Suchbegriff ein, erscheinen in dieser Reihenfolge die Suchergebnisse:

1. „Porschefahrerin rammt Gemüsestand“
2. „Porschefahrerin stößt bei Wendemanöver mit Zug zusammen“
3.“75 jährige Porschefahrerin kracht in Treppe vor C&A“

Es kostet mich beachtliche Selbstkontrolle, um den Schaum vor meinem Mund nicht auf die Tastatur tropfen zu lassen.

Neuer Suchbegriff!!

„Frau und Porsche“.

Dieser Suchbegriff fördert weitere verzichtbare Dinge zu tage.
Männer, die in Foren diskutieren, ob Mann mit Porsche bessere Chancen bei Frauen hat, Frauen, die in Stringtanga und BH auf Highheels vor, neben, hinter einem Porsche stehen, Herrenwitze.

Würde ich trinken, jetzt bräuchte ich einen Schnaps.

Den Rest gibt mir dann ein Artikel, der von der „Welt“ und zig anderen Zeitungen gekauft wurde. „Immer mehr Frauen fahren Porsche“ Als Grund wird angeführt, dass es jetzt zunehmend Porsches gibt, bei denen das Treten des Kupplungspedals kein starkes Bein mehr erfordert und die Fahrzeuge aufgrund der modernen Assistenzsysteme jetzt auch von Frauen beherrschbar sind.

Und das im Jahr 2013!!!

Werte Leserschaft ich nehme an dieser Stelle Abschied. Vermutlich lässt man mich im Gefängnis nicht weiter bloggen. Sie werden aber noch von mir lesen:

1. „Porschefahrerin rammt Chauvi-Journalisten in Mittelklassewagen“
2. „Porschefahrerin bindet Macho-Fotografen mit Stringtanga hinter ihren Elfer, schleift ihn  vor Schuhgeschäft und prügelt Pfennigabsatz zwischen seine Augen.“
3. „Porschefahrerin mit schwacher Beinmuskulatur und abgeschalteten Assistenzsystemen rast auf Amokfahrt in Menschengruppe vor Presseagentur.“

A girl´s gotta do what a girl´s gotta do.

Herr Dr. ich habe Entzugserscheinungen. Retten Sie mich!

Montag im Mai. Perfektes Wetter.

Ich gehe auf Dienstreise, im Kombi. Das Tagungshaus liegt am Wald und der Parkplatz wäre eindeutig zu unsicher für den Porsche.

Jeder, aber auch wirklich jeder andere Porschebesitzer im gesamten Großraum hat sich entschieden, heute mal den Porsche zu nehmen, und mir kommt es so vor, als führe alle drei Minuten ein zuffenhausener Fabrikat an mir vorbei.

Gemein. Offensichtlich eine Verschwörung.

Zu allem Überfluss liegt das Tagungshaus in einem Villenviertel, in dem man stets zwei Porsches der Anwohner passieren muss. Mein Herz wird mit jedem Kilometer schwerer.

Als ich Feierabend habe, schicke ich einen whatsapp-Hilferuf zu meinem ärztlichen Porschefreund. Der ist bereit zur Krisenintervention und erklärt, er hätte auch Lust zu fahren.

Eine Stunde später ist er hier und ich sinke erleichtert auf den Beifahrersitz.

Los geht es, das Verdeck ist offen und der Duft der vielen blühenden Büsche und Bäume umweht uns.

Zwei Stunden fahren wir auf einer sehr schönen Strecke. Als wir die Städte hinter uns lassen wird es grün und idyllisch. Wir fahren an Weiden und Feldern entlang, gepflegte Bauerngärten dösen in der Abendsonne.

Die Fahrt war Rettung in letzter Sekunde.

Es braucht nicht viel, zum Glücklichsein. Vorausgesetzt der Porschespiegel im Herzblut sinkt nicht zu tief ab…

Willkommen im Club

Mir ist langweilig.

Das lasse ich meinen klugen Porschefreund per whatsapp wissen. Seine Antwort kommt postwendend: „Hol den Schwarzen aus der Garage, er wird sich bestimmt freuen.“

Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen? An einem so schönen Frühlingsabend muss Frau Porschefahren.

Beim Rausgehen greife ich noch schnell die Kamera, vielleicht ergibt sich ja was…

Der Porsche will an den Rhein. Willig lenke ich ihn in Richtung Strom.
Es gibt eine Stelle, an der früher eine Fähre anlegte, da könnte ich ihn schön fotografieren.

Ich bin nicht allein. Eine Gruppe junger BMW-Fahrer samt weiblicher Begleitung genießt die schöne Stelle. Und dort, wo ich fotgrafieren will, lungern zwei finstere Typen in einem abgewrackten Kleinwagen und konsumieren wer weiß was.

Also parke ich erst einmal und steige aus. Sie haben die Fenster herunter gelassen und ich beuge mich zu ihnen und frage, ob sie den Weg zum Fotografieren freimachen würden. Umgehend setzen sie ihr Auto um.

Während ich den Porsche ans Wasser fahre und die Kamera bereit mache, fragt einer der BMW-Jungs: „Ist der zu verkaufen?“

„Nein, neu.“ antworte ich. Wissendes Grinsen in der BMW Runde.

Einer von Ihnen antwortet: „Willkommen im Club!“

Ich muss innerlich lachen. Wir könnten kaum in unterschiedlicheren Clubs sein.

Er ist ca. Ende 20, sonnenbankgebräunt, hat ordentlich im Sportstudio gepumpt und zeigt dies stolz im engen Shirt. Neben ihm sein getunter weißer BMW.

Ich könnte fast seine Mutter sein, trage vom Tag noch meine schwarze Hose mit Bügelfalte und vor mir steht der schwarze 11er.

Aber es ist eine einträchtige Stimmung an diesem Abend dort am Rhein. So unterschiedlich wir auch sind, sind wir doch tatsächlich im selben Club. Autofreunde aus dem Rheinland, die das Leben, die Sonne am Fluss und ihre Autos genießen.

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Hedonistisc Adaptation

Ein wunderbarer Frühlingssonntag.

Zum ersten Mal in diesem Jahr ist es warm genug um im Garten zu frühstücken.

Der Himmel ist satt blau und der Kirschbaum steht in voller Blüte.

Ich lasse mir Zeit mit dem Frühstück und komme endlich einmal dazu, liegengebliebene Zeitungen zu lesen.

In der New York Times erklärt eine Kollegin von mir, dass jeder Mensch sein eigenes Normalmaß für Glück hat. Passiert etwas Schönes, schwingt das Glücksgefühl kurz nach oben, passiert etwas Schlechtes, schwingt es kurz nach unten. Dann jedoch kehrt es zu seinem Ausgangswert zurück.

Auch an die tollsten Dinge gewöhnt man sich, sagt die Dame. (Hedonistic adaptation… furchtbar!). Und dann machen sie nicht mehr glücklich.

Ganz offensichtlich fährt sie keinen Porsche. Der hätte sie gelehrt, dass es Autos gibt, die die Regeln der Psychologie in Frage stellen.

🙂

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Sind Porschefahrer die besseren Liebhaber??

Nein, bitte jetzt keine Angebote, das zu beweisen meine Herren!!

Böse Stimmen behaupten ja gerne, dass Sportwagen zur Kompensation aller nur denkbaren Defizite beim Mann herhalten müssen. Sei es das zu kleine Ego, oder Schlimmeres.

Was macht einen guten Liebhaber aus?

Vermutlich sind folgende Kriterien schon recht wegweisend:
1. Leidenschaftlichkeit.
2. Hingabefähigkeit
3. Ausdauer
4. Eine gewisse Ahnung, wie die technischen Zusammenhänge am Objekt der Begierde von statten gehen.

Porschefahrer sind leidenschaftliche Menschen. Sie sind zu großer Liebe und Begeisterung in der Lage und wenn sie lieben, dann intensiv. Grundsätzlich sind sie also zur Leidenschaft fähig. Und ich erlaube mir an dieser Stelle einmal den Schluß von Auto auf Fleisch und Blut.

Hingabefähigkeit ist vorhanden. Sie verwenden Geld, Zeit, Nerven, knappen Garagenstellplatz, große Teile ihrer Gedanken, und wenn es um die Pflege der Fahrzeuge geht, manchmal auch Blut, Schweiß und Tränen für ihren Schatz.

Ausdauer muss gegeben sein, von der Entwicklung des Kaufwunsches bis Eintritt in den Besitzerstand vergeht oft eine qualvoll lange Zeit. Ohne Ausdauer würde man sie nicht überleben.

Ahnung haben die mir bekannten Porschefahrer alle, oft frage ich mich, wie sie dieses verblüffende Wissen über Funktionen des Lieblings anhäufen konnten. Denn fast keiner von ihnen ist ein Professioneller.

Beste Chancen also, davon auszugehen, dass Porschefahrer die besseren Liebhaber sind.

Leicht problematisch ist, dass sie laut einem Artikel, den ich neulich las, einen gewissen Hang zur Polygamie haben. Nicht nur besitzen sie in aller Regel mindestens ein anderes Fahrzeug, sondern es soll laut Statistik so sein, dass sie überdurchschnittlich viele Seitensprünge haben. Macht ein Porsche sexy?

Ich hatte noch nie einen Porschefahrer als Liebhaber. Meine Analyse lässt die Erwartungen vergleichsweise hoch ausfallen.

Sollte jemals ein Porschefahrer diese hohen Erwartungen enttäuschen, und somit Schande über uns alle bringen, so wird er in diesem Blog öffentlich hingerichtet.

Meine werte Leserschaft kann mir gerne Themenwünsche zukommen lassen. Ich bin gespannt, ob das Thema „Sind Porschefahrerinnen die besseren Liebhaberinnen?“ diese Liste anführen wird.

Mein unheimlicher Porsche

Ein Tag folgenschwerer Unterschriften beim Notar steht an. Ich lenke meine Schritte nicht leichten Herzens zur Garage.

Der Kombi reicht heute nicht. Es gibt Tage, die schafft man nur mit Porsche.

Normalerweise fahre ich ihn nicht in die Innenstadt, sondern hüte ihn sorgsam vor Vandalismus aller Art, aber heute muss er dran glauben. Ich brauche jede Aufmunterung, die ich kriegen kann.

Noch während ich den Zündschlüssel drehe, lässt er mich das erste Mal lächeln. Es ist nicht, wie so oft, der Klang seines Motors.
Während ich mit schwerem Kopf voll Sorge und Erschöpfung das Auto aus der Garage setze, tröstet er mich mit
„Why worry? There should be laughter after pain. There should be sunshine after rain.“
In Kombination mit der schlafliedsanften Musik sind die lyrics Balsam für meine Nerven.

Wohlig schiebe ich meinen Rücken im Sitz zurecht, drücke aufs Gas und fahre Richtung Autobahn. Es ist noch so früh, dass ich ohne Stau die Stadtgrenze erreiche.

In dem Moment, als ich auf die Rheinbrücke fahre, beginnt ein neues Stück auf der CD.
Ungläubig schüttele ich meinen Kopf. Das gibt es doch gar nicht….

Perfektes Timing.

„The cause it is noble and the cause it is just. We are ready to pay with our lives if we must. Gonna ride across the river deep and wide. Ride across the river to the other side“

Woher weiß mein Porsche, wie es mir geht?

Woher weiß er, wann ich über den Rhein fahre?

Woher weiß mein Porsche, dass ich heute  eine Unterschrift auf ein Stück Papier setzen werde, die mich sehr viel ärmer macht?

Und  woher weiß er, „the cause it is nobel and the cause it is just“?

Schöner Weinen

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich viel im Auto geweint. Damals war meine Welt zusammen gebrochen und ich habe sowohl die A46, als auch die A1 oft ziemlich tränenüberströmt befahren.

Das war noch in meinem treuen, alten Kombi.

Heute Morgen lag ein Brief in der Post, der die verheilt geglaubten Wunden dieser Zeit wieder geöffnet hat.

Heute weine ich im Porsche.

Schöner Weinen.