Die rasende Oma von Köln

Endlich wieder zuhause auf der eigenen Couch!
Nach vier Stunden im Auto habe ich vorerst genug von Autobahnen, daher muss das Porschefahren warten bis morgen.
Am Wochenende mache ich sicher auch wieder eines meiner fürchterlichen Videos für Euch 🙂

Kurz vor Köln geschah es.
Ich war flott unterwegs und fuhr rechts, als ich aus dem Augenwinkel bemerkte, wie mich irgendetwas Kleines links überholte.
Mit einem Affenzahn.

Verblüfft sah ich rüber, und dann sah ich sie:
in einem auf ihre Haarfarbe perfekt abgestimmten silbernen Ford Focus saß eine winzige Oma.
Mit eindrucksvollem Tempo und rasantem Schwung schoss sie die Autobahn hinunter.

Cool.
So will ich auch sein, wenn ich alt bin!
Eine rasende Oma! 🙂

Targa Love

Ich bin verliebt.
Schon vor Jahren fand ich diesen Targa toll.
Er gehört jemanden, mit dem ich beruflich zu tun habe, und schon damals stand ich oft bewundernd auf dem Plarkplatz neben ihm.
Targa 006

Er ist von 1981 und riecht genau wie die Porsches meiner Kindheit.
Seufz.
Letztes Jahr durfte ich schon einmal mitfahren, damals mit frisch verletztem Sprunggelenk in Schiene und daher auf dem Beifahrersitz.

Der Lack ist nicht die Originalfarbe, aber er passt super zu seinem Besitzer, einem jungen Mann, und erfreut  mit seinem leuchtenden Hellblau das Herz.
Heute war ich bei den beiden eingeladen.
Natürlich wollte ich den Targa besuchen. Er parkt in einer Scheune, mit genügend Platz für weitere Fahrzeuge und sein Besitzer hat noch zwei andere Porsches.

So eine Parkscheune ist der Traum eines jeden Städters mit Porschesammlung.
Mein Gastgeber ist ein Manager mit Nerven aus Stahl, anders ist es nicht zu erklären, dass er mir anbietet, den hellblauen Schatz zu fahren.
Anfangs bin ich verblüfft von der schwergängigen Lenkung und kämpfe mit der Schaltung.

Aber was für ein Fahrgefühl!
Und der Sound. Super!
Er fährt sich vollkommen anders, als mein moderner 11er.
Wir fahren mit offenem Dach über wunderschöne Landstraßen in der Vulkaneifel, die Sonne scheint und der Targa fährt sich spritzig und kein bißchen müde.

Ja, man hat mehr zu tun als Fahrer, aber es ist auch irgendwie ein ehrlicheres Porschefahren.
Seine Front ist noch deutlich gewölbter als bei den jüngeren Modellen und es macht unglaublich Spaß, ihn zu fahren.
Die Pedale sind ungewohnt und da ich weder Auto noch Strecke kenne, fahre ich sehr vorsichtig.

Natürlich ist es um mich geschehen.
Am liebsten würde ich nie wieder aussteigen.
Jetzt will ich auch einen.
So einen alten, charmanten, flotten, ehrlichen Sportwagen.
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Der Sinn des Lebens

Sonntagabend kurz vor sieben.
Ich bin unruhig.
Ich will Porschefahren.

Den Tag über war ich in Holland, da würde nur ein Angeber den Porsche zu nehmen.
Bei den rigiden Geschwindigkeitsbeschränkungen wäre das völlig albern.

Aber jetzt.
Das Wetter ist gut, und es macht keinen Sinn, sich mit häuslichen Pflichten zu belasten.
Der Porsche ruft und ich will los.
Der Freund, der mir bei den Fliegenfenstern hilft, mahnt zur Geduld.

„Das Leben ist so sinnlos, wenn man an einem solchen Abend nicht fährt.“ nörgelt eine Stimme in mir.
Die Vernunft kontert: „Was ist mit Baum pflanzen, Sohn zeugen, etc.? Nicht so oberflächlich!“

Meinen ersten Baum hab ich schon als Teenie gepflanzt, ihm folgten eine ganze Menge weiterer und einen Sohn will ich nicht.

„Ich will Porschefahren. Ich muss auch noch den Knopf ausprobieren!!“
Ein unverzichtbares Forschungsprojekt, das keinen Aufschub duldet.
„Knopf?“ kommt es leicht gedankenabwesend von dem mit den Fenstern beschäftigten Herrn zurück.
„Ja, den Assiknopf, komm.“
Den fleißigen, tugendhaften Freund scheuche ich rüber in die Garage, wir müssen der Wissenschaft dienen, koste es, was es wolle!
So fahren wir und horchen und fahren und horchen.

Eine nette Runde durch die Nachbardörfer und schließlich ein Zwischenstopp am Rhein.
Als wir zurück zum Porsche kommen, sieht er wunderschön aus, wie er vor dem alten Obstgarten steht.

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Völlig ergriffen bleibe ich stehen, und zwinge den Freund, mir sein Mobiltelefon für ein Foto zu leihen.
Die Abendsonne scheint diffus durch die Bäume, die Rose blüht und das Leben macht sehr viel Sinn.

Mal wieder auf der Flucht

Mein Nachbar hat wieder die Schwarzarbeiter im Garten.
Sie kommen nach Feierabend, zeitgleich mit meinem Ruhebedürfnis und werfen die Kreissäge an. Oder die Flex, oder den Betonmischer.

Mein Nachbar arbeitet bei der Stadt, da darf man das sicher, das mit der Steuerhinterziehung.
Freundschafsdienst von den Kollegen aus dem Finanzamt, oder so.

Das war letzten Sommer genau so. Abend, warm, draußen sitzen geht nicht.
Dafür hat er aber jetzt eine töfte Wellnesslandschaft mit riesigem überdachten Pool und original Jacuzzi.

Ich schließe die Tür zum Garten und murmele ein paar böse Flüche.
Dann greife ich mir den Porscheschlüssel und lasse den Wellnessblödmann und die Siedlung, in der ich wohne hinter mir.

Ich muss grinsend an meinen Porschefreund denken. Der hat meinen Porsche ja schon einmal als meinen Fluchtwagen bezeichnet.
Mein Porschefreund ist klug.
Er ist tatsächlich oft mein Fluchtwagen.
Vor allen Härten des Lebens.

Non est ad astra mollis e terris via.
Aber ein Porsche verkürzt den Weg, höhö.

Nach wenigen hundert Metern ist meine Stimmung saniert. Ich fahre über Land, typische niederrheinische Landschaft. Links Kartoffelacker, rechts Zuckerrüben.
Eine entspannte Tour, Balsam für ramponierte Nerven.

Ein Fasanenmädchen steht mitten auf der Straße, ich bremse den 11er ab und schalte für den Biker hinter mir das Warnblinklicht an.
Dann hebt sie ab und wir können durch.

Per Handy meldet der Dr. Feierabend im Krankenhaus.
Meine Frage, ob er noch Lust habe zu fahren, beantwortet er erwartungsgemäß mit ja.
Ich glaube, wenn dieser Mann einmal keine Lust zum Porschefahren hat, muss man mit seinem baldigen Ableben rechnen.

Wir verabreden uns bei mir, ich stelle die schwarze Schönheit knisternd in die Garage.
Ein letzter liebevoller Blick und dann senkt sich das Tor.
Kurz darauf rollt der Boxster in die Straße und ich erkläre, dass ich noch Lust habe, zu fahren.
Der gutmütige Doktor wechselt auf den Beifahrersitz, ich belohne ihn mit einem Stück Kuchen, den ich heute gebacken habe.

Es gelingt mir, den Boxster zurück zu setzen, ohne ihn abzuwürgen und nach einer Weile finde ich den Schleifpunkt, der ungewöhnlich weit hinten liegt, immer leichter.
Wir gehen ein Stück spazieren (ein sicheres Zeichen, dass man alt wird, dieses abendliche Spazierengeh-Bedürfnis, schlimm, schlimm…)

Dann fährt er zurück und wir verabschieden uns zügig, weil beide müde sind.
Abende mit Porsche sind irgendwie immer gute Abende.

Panta rhei

Der Mensch will Sicherheit.

Und wenn etwas gut ist, wünscht er sich, es möge immer so bleiben.

Schon den Philosophen im antiken Griechenland war bewusst, dass das Leben ein konstanter Veränderungsprozess ist.

Heute Morgen hat ein Richter eine gewichtige Wende in meinem Leben rechtskräftig werden lassen.

Nein, ich muss nicht ins Gefängnis, weil ich einen schlechten deutschen Autojournalisten getötet habe…

Er kam mit dem Fahrrad zur Arbeit und musste sich vor der ersten Sitzung noch schnell umziehen.

Für ihn vermutlich ein Tag wie jeder andere. Für mich ein Tag zum Porschefahren.

Das Gute an der Veränderung ist, dass auch die miesen Dinge irgendwann ein Ende haben.

Was Heraklit nicht wissen konnte: wenn im Lebensfluss Stromschnellen sind, ist es ungeheuer tröstlich, in ein geiles Auto zu steigen.

 

Willkommen im Club

Mir ist langweilig.

Das lasse ich meinen klugen Porschefreund per whatsapp wissen. Seine Antwort kommt postwendend: „Hol den Schwarzen aus der Garage, er wird sich bestimmt freuen.“

Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen? An einem so schönen Frühlingsabend muss Frau Porschefahren.

Beim Rausgehen greife ich noch schnell die Kamera, vielleicht ergibt sich ja was…

Der Porsche will an den Rhein. Willig lenke ich ihn in Richtung Strom.
Es gibt eine Stelle, an der früher eine Fähre anlegte, da könnte ich ihn schön fotografieren.

Ich bin nicht allein. Eine Gruppe junger BMW-Fahrer samt weiblicher Begleitung genießt die schöne Stelle. Und dort, wo ich fotgrafieren will, lungern zwei finstere Typen in einem abgewrackten Kleinwagen und konsumieren wer weiß was.

Also parke ich erst einmal und steige aus. Sie haben die Fenster herunter gelassen und ich beuge mich zu ihnen und frage, ob sie den Weg zum Fotografieren freimachen würden. Umgehend setzen sie ihr Auto um.

Während ich den Porsche ans Wasser fahre und die Kamera bereit mache, fragt einer der BMW-Jungs: „Ist der zu verkaufen?“

„Nein, neu.“ antworte ich. Wissendes Grinsen in der BMW Runde.

Einer von Ihnen antwortet: „Willkommen im Club!“

Ich muss innerlich lachen. Wir könnten kaum in unterschiedlicheren Clubs sein.

Er ist ca. Ende 20, sonnenbankgebräunt, hat ordentlich im Sportstudio gepumpt und zeigt dies stolz im engen Shirt. Neben ihm sein getunter weißer BMW.

Ich könnte fast seine Mutter sein, trage vom Tag noch meine schwarze Hose mit Bügelfalte und vor mir steht der schwarze 11er.

Aber es ist eine einträchtige Stimmung an diesem Abend dort am Rhein. So unterschiedlich wir auch sind, sind wir doch tatsächlich im selben Club. Autofreunde aus dem Rheinland, die das Leben, die Sonne am Fluss und ihre Autos genießen.

Porsche Uedesheim 042_final

The great escape

Porsche ist Opium für die Frau.

Als Eskapismus bezeichnet man eine Haltung der Realität zu entfliehen. Dies ist laut Lehrbuch unter anderem durch Hinwendung zu Substanzdrogen möglich.

Meine Droge ist das Porschefahren, bevorzugt mit Musik. Kurz unterbrochen von Phasen, in denen ich nur der Musik meines Motors lausche.

In letzter Zeit esse ich oft komische Dinge, weil sie noch im Haus sind. Ans Einkaufen denke ich nicht mehr.

Dates? Nein, keinen Nerv, lieber noch etwas Spaß mit der schwarzen Schönheit. No man, no cry.

Die Buchführung? Der Haushalt? Die Gartenarbeit?

Welche Frage das Leben auch stellt, im Moment lautet die Antwort „Lieber `ne kleine Tour!“

Völlig verblüfft stellt dann die Opiumabhängige fest, dass tatsächlich der Kühlschrank bis auf Senf und Marmelade völlig leer ist. Und es halb neun am Samstagabend ist.

Egal, Frau kann auch auswärts essen gehen. Da Kurzstrecken gar nicht gut sind für den Sportwagen, darf es auch ruhig ein Dinner etwas weiter entfernt sein.

Zeit im Porsche bedeutet Zeit im faradayschen Käfig des Eskapismus.