Schützen-Porsche

Es hat alles so erfreulich angefangen.
Trotz der Wärme war ich tugendhaft zum Sport aufgebrochen.
Ausgesprochen glücklich fuhr ich in meinem Porsche zum Trainingsort, und dachte einmal mehr, wie großartig er sich fährt.

Bis zur Straßensperre lief alles prima.
Umleitung.
Ich folge der Beschilderung und schnell wird meine schlimme Vorahnung Gewissheit.

In meinem Trainingskaff war Schützenfest!
Überall Staus und Straßensperren.
Ich habe vor einigen Jahren hier gewohnt und kenne alle möglichen Schleichwege.

Nichts zu wollen.
Durch die engen Dorfstraßen quäle ich mich im Schrittempo.
(Nein, ich weigere mich, Schrittempo mit drei t zu schreiben. Schwachsinn!)

Dann kommt mir auch noch eine Kutsche mit Kaltblütern entgegen.
Zwischen der Kutsche und mir ca. 15 Zentimeter Platz.
Voller Panik fliegt meine Hand zum Assiknopf und macht den Porsche leiser.
Nicht auszudenken, wenn die Pferde hier durchgehen.
Mit Horrorvisionen von gegen den Porsche schrappenden Kutschenteilen vor meinem inneren Auge sitze ich entnervt mitten im Schützenwahnsinn.

Endlich sind die Pferde vorbei, da kommt der Verkehr auf einmal völlig zum Erliegen.
Keine Möglichkeit zu Wenden.
Am Horizont blockiert ein Polizist die Straße.
Um mich herum wanken Männer in häßlichen Phantasie-Uniformen mit hochroten Köpfen volltrunken durch die Hitze.

Ein Blödmann läuft in Schlangenlinien direkt auf meine Motorhaube zu.
Porsche in akuter Gefahr!!!
Ich löse den Gurt und bin kurz davor, aus dem Auto zu springen, und ihn mit einem kraftvollen Tritt zurück auf den Weg der Tugend zu befördern, da schwankt er von alleine wieder auf den Bürgersteig.

Inzwischen bin ich nicht mehr weit vom Nervenzusammenbruch entfernt.
Bei allernächster Gelegenheit wende ich den Porsche im Gewühl und verschwinde auf kürzestem Weg untrainiert aus dieser Hölle.

Das ländliche Wohnen im Rheinland mag viele Vorteile haben, aber das Sommerbrauchtum hier ist wirklich unerträglich.
Da trösten keine Touren durch Rübenfelder mit weitem Blick übern Niederrhein.
Da will Frau nur noch weg.

Zurück geblieben

Meine neuen Porschefreunde sind unterwegs nach Goodwood.
Seufz.
Ich bleibe zurück auf meiner Liege im heißen Garten in Deutschland.
Allerdings waren die beiden so nett, mich mit etwas Trostliteratur zu versorgen.
Goodwood Artikel 001
Großartige auf alt getrimmte Unterlagen.
Ich blättere und bin begeistert.

Da will ich auch hin.
Ich liebe England, ich liebe Royalty (Immerhin wird die Veranstaltung vom Earl of March gemacht!)
Ich liebe Autos.
Sehr schöne Programmhefte…
Goodwood Artikel 002
Furchtbarer englischer Benny Hill Humor…Goodwood Artikel 003

Die Veranstaltungen kommen auf meine Wunschliste.
Gott, ist das warm heute!
Und ich bin nach der Party gestern müüüüde.
Gleich ist auch noch Training.

Aber nicht nur das, endlich komme ich dazu, meine schwarze Schönheit aus der Garage zu holen.
Ich  fahre extra früher los, damit ich noch die Gelegenheit für einen Umweg habe.
Der muss allerdings pünktlich beendet werden, die Trainerin droht allen verspätet Eintreffenden mit Liegestützen.

Bevor ich mich mit meinen kläglichen Armmuskeln zum Gespött der Leute mache, werfe ich mich flott in meine Funktionsklamotten und mache mich auf, in Richtung Garage.
Beim Gedanken daran klopft mein England-Sehnsucht-geplagtes Herz gleich wieder etwas erfreuter.

In Saus und Braus

Der Dr. und ich sind unterwegs.
Unser beider Diagnose zum Thema „Deinen oder meinen?“ lautete angesichts der Temperaturen „Boxsterwetter!“.
Also: Dach auf und los.

Wie so häufig verläuft die Fahrt relativ schweigsam.
Dieses Mal jedoch nicht aus erschöpfungsbedingter Wortkargheit, sondern weil jede gepflegte Unterhaltung in diesem  Boxster undenkbar ist.
Wir fahren Autobahn und Verständigung funktioniert nur schreiend.

Es saust und braust und wenn schnelle Autos an uns vorbei fahren, bekommt man Druck auf den Ohren.
Ich bin wirklich nicht empfindlich, aber nach einer Stunde auf der Bahn fühle ich mich als hätte ein Orkan mir an den Trommelfellen gerissen.

Der Dr. steigt unerschüttert aus, ich möchte mich vor Erschöpfung nach dem Höllenritt am liebsten auf den Parkplatz fallen lassen.
Ich flehe ihn an, langsamer zu fahren und in Gottes Namen das Windschott seiner rollenden Boxsterruine reparieren zu lassen.

Auf dem Rückweg sagt der Dr. ich solle mal gucken, was uns gleich überholt.
Angetan schauen wir beide auf einen Trierer 550er.
Galant grüßt der Fahrer zu uns zwei Wendehälsen herüber.

Zugleich fährt auch noch ein Cayenne mit uns im Tunnel. Später folgen ein hübscher alter und ein prachtvoller neuer Porsche.
Das war tatsächlich eine Tour, im doppelten Sinne in Saus und Braus.

Heute Abend wäre ich so gerne meinen 11er gefahren.
Leise , ähm, oder nennen wir es kultiviert, wahlweise Bose oder Motor, ganz ohne Sausen.
Leider hat der Gastgeber der Party auf die ich gehe, meine Frage nach Parkmöglichkeiten mit der aussagekräftigen und von erlernter Fremd-Porsche-Paranoia zeugenden Antwort:
„Nimm nicht den Porsche“ beantwortet.

Aber morgen, morgen ist er fällig!

 

Blind Date

Schon eine Weile haben ein Bekannter aus dem Forum und ich uns hin und her geschrieben.
Wir haben eine Reihe von gemeinsamen Interessen über die Tatsache hinaus, dass wir beide Porsches lieben.

Dann kommt die Anfrage per Mail, ob ich spontan Lust habe, zu einem Treffen, abends in der Stadt.
Es ist ein wunderschöner, sonnigwarmer Abend und ich habe nichts Besonderes vor, außer mich um Haushalt und Garten zu kümmern.

Natürlich ist es ausgesporchen spannend, jemanden erstmalig zu treffen, mit dem man sich bisher nur geschrieben hat.
Ich parke am verabredeten Treffpunkt und setze mich auf eine Mauer in die Sonne.
Nach wenigen Minuten kommt der erwartete Porsche.

Die Farbe stimmt, das Modell und das Kennzeichen meldet die richtige Stadt.
Ich winke vom Mäuerchen, mein bisheriger Brieffreund und seine Partnerin winken aus dem Porsche.
Der Porsche ist ein Traumwagen, ich liebe die Farbe und sofort fällt mein Blick auf den Lack.
Er hatte geschrieben, dass er ihn mit Schweiz-Putz pflegt und der Lack sieht in der Tat gut aus.

Jetzt könnte ich stundenlang neben dem Porsche stehen und meine Gedanken um das Auto kreisen lassen, aber natürlich geht es an diesem Abend darum, die Menschen kennen zu lernen und beide sind mir auf Anhieb sehr sympathisch.

So bummeln wir in der Sonne am Rhein entlang und plaudern. Wir haben sofort eine ganze Reihe von Gesprächsthemen und es macht wirklich Spaß.
Wir finden ein Schiff, auf dessen Deck noch ein Platz frei ist, unter uns schaukelt sanft der Fluss und der Abend ist prima.

Als wir eine Reihe von Stunden später hintereinander wieder vom Parkplatz fahren, sehe ich von hinten noch einmal den tollen Carrera der beiden.
Das war das dritte Mal, dass ich mich mit wildfremden Porschebesitzern getroffen habe und alle Treffen waren immer schön.

Was für ein großartiger Nebeneffekt meines Porscheprinzen!

Viel Feind viel Ehr

Wildfremde Porschefahrer schreiben mir Unfreundlichkeiten.
Warum?
Vermutlich einfach, weil es geht.
Wer publiziert, exponiert sich und das scheint bei einigen Menschen denn Eindruck zu erwecken, man sei vogelfrei.

Es scheint ohnehin Zeitgeist zu sein, sich seiner Aggressionen an den unpassendsten Stellen zu entledigen.

Ein porschefahrender Freund wurde von einem C-Klasse-Fahrer neulich aufs Übelste genötigt, nachdem dem Mercedesfahrer ein versuchter Kavalierstart mißlungen war. Dafür konnte der arme Kerl in seinem Porsche neben ihm überhaupt nichts.

Aber zum Glück gibt es das Gegengewicht.
Die tollen Menschen, die irgendwann zu meinem großen Glück angefangen haben, mir zu schreiben.
Bei zweien hatte ich bisher das Glück, sie auch persönlich zu treffen.
Andere wohnen zu weit weg, aber es sind witzige, kluge, zum Teil seelenverwandte Schriftwechsel.

Und darauf richte ich mein Augenmerk.
Die Feindseligen mögen in ihre Porsches steigen und so lange fahren, bis sich wieder ein zufriedenes Glücksgefühl einstellt. Nach solchen Fahrten kommt man gar nicht auf die Idee, im Internet fremde Leute anzuätzen.
Ich selbst freue mich, in den kommenden Tagen auch wieder mehr Zeit zum Fahren zu haben.
Nicht, weil ich mich im Moment sonderlich feindselig fühlen würde, sondern weil es nie schadet, sich mit einer frischen Dosis Porscheglück zu versorgen.

Allen Lesern an dieser Stelle großartige, erfüllende Fahrten und möglichst friedliche Zeitgenossen, auf der Straße und im Rest des Lebens!

Ich MUSS lockerer werden

Die Porsche-Paranoia nimmt nicht ab.
So kann das nicht weiter gehen.
Ich muss wirklich lernen, gelassener mit ihm zu werden.

Gestern habe ich ihn extra nicht in eine Reihe mit anderen Autos geparkt.
Damit ich keine Tür in die Seite bekomme.
Dafür stand er unter einem Baum (da fallen Sachen runter, in meinem Falle ein Vogelschiß…).

Ich hätte fast geweint. Dank sofortiger Entfernung zuhause haben der Porsche und ich dieses Trauma überlebt.

Mein Freund Marius hat neulich schon geschimpft, dass meine Porscheleidenschaft blasphemische Ausmaße angenommen hätte.
Nur weil ich auf meinem Profilfoto einen Porscheschlüssel in gefalteten Händen halte…

Auf der anderen Seite habe ich ihn noch kein Vierteljahr, und ich habe auch keine Viertelmillionen für Schweiz-Putz ausgegeben, wie andere Besitzer.
Da kann es doch nicht so schlimm sein, oder?

Einer der Meister im PZ hat mal den Ausspruch getätigt, dass der Porsche ein Auto, wie jedes andere auch sei.
Ein solches Ausmaß an Gelassenheit erreichen vermutlich nur Menschen, die täglich mit Porsches in Hülle und Fülle hantieren.
Aber im Falle meines Porsches trifft es auch gar nicht zu. Er ist ein verwunschener Prinz.
Mein Porscheprinz.

Wie gesagt, ich bin ausgesprochen bemüht, gelassener zu werden.
Es klappt nur leider ÜBERHAUPT nicht.

Mein furchtbarer Bruder

Es ist eine Szene wie aus einem Film, sie läuft auf dem Display meines Handys.
Eine einsame, leere Landstraße mit langgezogener Kurve.

Mit hoher Geschwindigkeit nähert sich ein Auto, man hört es kreischen, es driftet durch die Kurve. Mir schnürt es beim Zusehen die Kehle zu, weil ich denke, dass es jeden Moment krachen muss.

Es ist auch ein Film.
Mein blöder Bruder-im-Geiste hat ihn mir per whatsapp geschickt.
Er fährt dieses Auto.
Und er kann das verdammt gut.

Trotzdem will ich sowas nicht sehen.
Der Gedanke, dass ihm bei einem solchen Manöver etwas zustoßen könnte, ist absolut unerträglich.

Er ist der Mann, um den es schon im Post vom 1.6. ging.
Offenbar macht er es sich zur schönen Gewohnheit, mir einmal im Monat Angst einzujagen.
Andere Männer finden toll, was er macht.
Eine ganze Reihe von Ihnen haben damals den Driftpost korrigierend kommentiert.

Ich will weder meinen Porsche mit halsbrecherischer Geschwindigkeit über die Bahn jagen, noch mit ihm unter den Wahnsinnigen auf der Nordschleife herum fahren und ich will auch nicht driften.
Ich verstehe nicht, warum Leute diesen Thrill brauchen.

Fachlich kann ich es mir erklären, aber ich kann es nicht nachfühlen. Es macht mir nur Angst.
Da hilft auch kein Benzin im Blut.
Ich bräuchte dafür deutlich enthemmendere Substanzen in meinen Adern.

Vielleicht bin ich eine einsame Ausnahme in der Porscheszene.
Die Motormemme vom Dienst.
Das passt zu meiner noch immer nicht abklingenden Porsche-Paranoia.
Aber dazu morgen mehr.

Fahr nicht so wild, Bro.!!!
Nicht immer ist es weise, alles zu tun, was man tun kann.  :-*