Fleisch und Blut

So langsam lerne ich meine virtuellen Freunde auch in der Realität kennen.
Der heutige Sonntag begann schon strahlend sonnig.
Frühstück im Garten, eine Runde im kühlen See und dann gehts ab zum Brünnchen.

Meine Haare sind noch nass vom Duschen nach dem Schwimmen und trocknen im warmen Fahrtwind in des Doktors offenen Boxster. Er setzt mich am Brünnchen ab und fährt danach weiter Richtung GP-Strecke.

Dort bin ich mit einem Porschefreund aus dem Forum verabredet, den ich schriftlich und vom Foto schon seit Monaten kenne, und jetzt sehen wir uns erstmalig in Fleisch und Blut.
Wir haben am selben Tag Geburtstag und er fährt einen GTS, um den ich ihn mächtig beneide.
Eine weiße Schönheit.

Nachdem wir eine Weile den Touristen auf der Nordschleife zugesehen haben und eine erquickliche, relaxte Zeit im Wald verbracht haben, gehen wir zurück zum Brünnchen, und sehen, wie sich fremde Männer neben seinem Auto fotografieren lassen.
Es steht neben einem weißen GT3, ein schöner Anblick.
Später, zuhause, muss ich lachen, als ich sehe, dass auch ich 70 Fotos gemacht habe.
Ist halt echt ein Hübscher.
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Der Besitzer steht auf schöne Schuhe…

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Der sexy Parkplatznachbar

Mein charmanter Begleiter teilt ritterlich seine Fritten mit mir, die mit Blick auf die schönste Rennstrecke der Welt so gut schmecken, wie die im Sommer, zu Kinderzeiten im Freibad, und dann neigt sich der schöne Nachmittag an der Norschleife auch schon seinem Ende zu.

Als ich meinen schwarzen Schatz später aus der Eifel nach Hause lenke, senkt sich die Sonne schon und die Autobahn ist wunderbar leer.
Was für ein perfektes Wochenende, auch wenn es mit einer Flucht angefangen hatte…

Der Auto

In der Eifel ist das Auto männlich.
Im eifler Platt heißt es „der Auto“.
Wer ein schönes hat, zeigt der Auto auch gerne her.

Auf dem Rückweg an den Rhein bin ich am Sonntag in Zingsheim zufällig auf einem Oldtimertreffen gewesen.

Großartige Veranstaltung! Wahre Autofreunde!
Ein kleiner Ort, der aber eine absolut charmante Veranstaltung auf die Beine gestellt hat.
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Essen, Flohmarkt Oldtimer
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Carrera mal anders…
Natürlich war echtes Eifelwetter, immer wieder gab es tüchtige Schauer und ich hatte meine liebe Mühe, das Objektiv trocken zu halten…
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Aber schöne Dinge sind auch nass schön…Olditreff Zingsheim 004
Kommentar eines Besuchers: „Ne schöne Bus!“, find ich auch.Olditreff Zingsheim 010 Olditreff Zingsheim 015 Olditreff Zingsheim 016
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Die Frauen des Ortes machen in der Eifel immer die großartigsten Kuchenbuffets zu solchen Anlässen.
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Der Kuchen wird verzehrt unter den wachsamen Augen der Tollitäten der vergangenen Jahre.
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Danach zum Trödel unter der Disko-Kugel im Saal.
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Dürfen nicht fehlen: die Hits des Jahres 2009

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Ein kurzer Besuch vom 356er
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Der süße Nachwuchs wird dafür sorgen, dass die Autofans der Eifel nicht ausgehen.

Mein allererstes Fahrerlager

Vor einem Jahr war es, ich war damals nur einmal an der Einfahrt zur Nordschleife gewesen, aber noch nie am Ring.

Ich wusste, dass an dem Wochenende eine Oldtimerveranstaltung läuft. Gerne wollte ich hin, aber eigentlich nicht alleine.

Meine Vermieterin in der Eifel ermunterte mich, doch vorbei zu fahren.
„Mädchen, dafür brauchst Du keinen Mann.“

Es war der Freitagabend des Rennwochenendes und der Frühsommerregen hatte gerade nachgelassen. Die Luft war feucht und sauber.
Also stieg ich ins Auto und fuhr zum Ring. Am Dorint habe ich geparkt, und weil es schon spät war, konnte ich ohne Eintrittskarte einfach durchs alte Fahrerlager spazieren.

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Schon hier, wunderschöne Oldtimer. Weiter ging es ins neue Fahrerlager. Hier spielte eine Band und überall entdeckte ich tolle Autos.
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Völlig fasziniert lief ich über das Areal. Ich hatte nur die Handykamera dabei und machte eifrig Fotos.
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Die Atmosphäre hat mich sofort gefangen genommen. Von Ferne hörte man noch die Musik der Band, die Stimmung war gelöst und entspannt und wunderbare Fahrzeuge in Hülle und Fülle. Ich war hooked.

Am nächsten Tag merkte ich, dass meine kleine Digitalkamera zu langsam auslöst, für bewegte Objekte.
Ich schoß meine ersten Fotos von halbierten Autos, die aus dem Bild fuhren und ahnte noch nicht, dass mich dieses Thema noch lange beschäftigen würde.

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Hingerissen sah ich dem ersten Rennen meines Lebens zu.

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Wanderte durchs Fahrerlager, vorbei an den Boxen, zu den Markentreffen.
In einer Ecke ein Porsche neben dem anderen. Ich konnte es gar nicht fassen. Entenbürzel, Fuchsfelgen, 356er, Rallyporsches, alle Farben, alle Modelle.
Himmel und Hölle zugleich, denn keiner von ihnen gehörte mir.

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Seitdem hat sich viel verändert.
Unzähliche Tage am Ring liegen hinter mir. Ich besitze eine andere Kamera und Porsches zu sehen, tut nicht mehr weh.
Klar hätte ich gerne mehrere Modelle in meiner Sammlung, aber mein Herz ist jetzt satt mit Besitzerstolz und kann sich einfach nur an dem Familientreffen erfreuen.

Fluchtwagen

Irgendwann hat mein Porschefreund mal gescherzt, ich würde den Porsche als Fluchtfahrzeug benutzen, um von hier weg, bevorzugt in die Eifel zu kommen.
Er hat völlig recht. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich zwei Wohnsitze habe. Der Gedanke, abhauen zu können, wann immer ich will, behagt mir sehr.

Mich schauderts, wenn ich an meinen Inselkoller nach 1 Woche Sylt denke…
Heute war wieder so ein Tag.
Eigentlich hätten die Sektgläser von gestern Abend noch gespült werden müssen, und auf dem Schreibtisch wartet Arbeit.
Aber ich muss ganz dringend weg.
Klar, ich werde für diesen Ausflug mit Arbeit am Wochenende zahlen müssen, aber der Preis stimmt.

Schnell zur Tanke und dann los.
Ich will fahren. Ich will Porsche. Ich will weg.

Schon unterwegs wird mein Herz leichter. Hohe Acht 001
endlich mal kein Dauerregen und der Himmel ist wunderschön.

Auf dem Weg zu meinem Ziel komme ich an den Wiesen vorbei, die letztes  Wochenende noch voller Zelte vom 24h-Rennen standen.
Arbeiter sammeln Müll zusammen.
Einer hat gerade einen Sombrero in der Hand.
Kopfschüttelnd fahre ich weiter.
Leichte Paranoia überfällt mich, als ich den Porsche recht einsam parke. Hohe Acht 039

Aber unerschüttert breche ich auf.
Ich will auf die Hohe Acht, die höchste Erhebung der Eifel.
Sie ist vulkanischen Ursprungs und der erkaltete Basalt formt eine spektakuläre Landschaft. Hohe Acht 057
Nach einem Kilometer Aufstieg habe ich den Aussichtsturm erreicht.
Niemand ist hier, an diesem Freitagvormittag.
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Oben auf der Plattform überkommt mich heftig die Höhenangst, aber am Fuße des Turms kann ich es gut aushalten.
Ich stehe ganz allein auf dem Dach der Eifel im Sonnenschein und merke, wie ich heil werde.
Der Rest der Menschheit ist weit weg, irgendwo da unten.
Ich setze mich in die Sonne und werde innerlich ruhig und zufrieden.

Ganz von Ferne hört man unten auf der Nordschleife, wie Motoren aggressiv beschleunigt werden.
Nach einer Weile schlägt das Wetter um, aber ich wandere unverdrossen durch den Wald.
Wenn ich an Nadelbäumen vorbei komme riecht es ganz süß und würzig.
Nach vier Stunden gleichförmiger Bewegung habe ich Hunger und bin bester Stimmung.

Der Porsche steht zum Glück noch da, und erleichtert sinke ich ins Leder.
Es geht nach Adenau, zu einem verspäteten Mittagessen.
Die Strecke ist sehr schön und im Radio läuft „I´ve had the time of my life“.
Passt mal wieder.

Ich finde einen Parkplatz und krame nach der Parkscheibe.
Im Porsche habe ich sie noch nie gebraucht.
Und natürlich ist auch keine drin.
Als ich gerade resigniert aussteige, kommen drei Engländer an mir vorbei.
Einer kommentiert mein Auto: „Beauuuuuuuuuuuutiful!“
Stolz grinse ich: „Thanks.“

Ja, mein Fluchtwagen ist eine absolute Schönheit.

Boxengassen-Babe

Ich hatte heute keine Termine und der Porsche wollte raus. Die Kamera auch. Zufällig bemerkte ich, dass am Ring AvD Raceweekend ist.

Frühstück? Kaffee? Geht auch mal ohne.

Arne-Shirt an und ab in die Eifel!

Schon beim Aussteigen aus dem Auto höre ich die Motoren und rieche die benzingeschwängerte Luft.

Ein erhebendes Gefühl…

Heute war es noch ruhig am Ring. Vielleicht lag es daran, dass ich das Glück hatte, an Stellen fotografieren zu dürfen, die sonst nur mit Ausweis zugänglich sind.

Stunde um Stunde vergehen, ich habe erste gute Bilder im Kasten. Der Nasenrücken wird langsam rot und mir ist schwindellig. Ach ja, das ausgefallene Frühstück lässt sich wohl doch nicht durch Inhalation von Abgasen ersetzen.

Also Boxenstopp für fotowütige Porschefahrerinnen. Es gibt Subway-lunch und den ausgefallenen Kaffee. Während ich in der Sonne sitze und den Kaffee trinke, fällt mein Blick auf mein linkes Knie. Schmuddelig. Das hatte ich in der Boxengasse beim Fotografieren wohl zu oft am Boden…

Noch schnell einige Ringdevotionalien für einen Porschefreund besorgen, dann geht es zurück ins Fahrerlager.

Der Nachmittag vergeht wie im Fluge, irgendwann bin ich wirklich kaputt und habe 747 Bilder gemacht.

Der Porsche bekommt an meiner Lieblingstanke noch seinen Durst gestillt, dann geht es zurück durchs Ahrtal.

Ich höre „You and your friend“ und bin mir ganz sicher, dass die Dire Straits diesen Song für genau so einen Tag geschrieben haben. Einen sonnigen Freitag, den man am Ring verbracht hat.

Sie wollten, dass man zu dem Lied Porsche fährt.

Durch die Eifel. Mit einem Chip voller Fotos und einem tiefen Glücksgefühl.

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The long way home

Sonntagmorgen in der Eifel.

Brötchen sind im Haus. Aber neben dem Haus wartet der Porsche.

Schnell steht der Entschluss, andere Brötchen müssen her! Also in den Nachbarort zum Bäcker. Zwei ältere Eifler werfen interessierte Blicke, als sie den Porschesound hören. Die Eifler mögen Autos.

Ein kleines, moppeliges Mädchen, furchtbar angezogen mit Leggins, ungekämmten Haaren und Hund an der Leine, geht vorbei, schaut rüber und schenkt mir und dem Porsche das schönste Lächeln der Welt.

Jetzt könnte ich eigentlich zurück fahren und die Brötchen essen. Der Porsche will noch nicht nach hause. Also mache ich einen kleinen Umweg. Auch die steilsten Berge nimmt er mit Leichtigkeit flott, die Straße ist frei und er schnurrt. Im Radio läuft Musik, die ich mag.

Am Kreisverkehr erscheint ein anderes Auto vor mir. Mist denke ich, keine freie Bahn mehr. Aber in dem kleinen Wagen sitzt ein junger Mann, der rast, wie alle jungen Männer hier. Und er kennt jede Kurve der mir unbekannten Strecke.

So zischen wir im Slalom über die Eifelhügel, er voraus, ich dicht hinterher. Das macht Spaß! Irgendwann drehe ich ab. Ich wohne ganz woanders…

Kurz bevor ich zu meinem Ort abbiegen muss, kann ich den Impuls nicht unterdrücken, noch ein Stück durchs Ahrtal zu fahren. Umweg Nummer 2. Wieder hab ich die Straße für mich, perfekte Kurven, eine nach der anderen.

Schließlich geht es den Berg hoch, am See vorbei durch eine wunderbare langgezogene Kurve. Man kann sie schnell durchfahren. Im Sommer tun die Eifeljünglinge dies mit Vorliebe und brüsten sich mit kreischenden Reifen vor den am See badenenden Kumpels und jungen Damen.

Ich bin eine Frau mittleren Alters und sehe davon ab, die Sonntagsstille mit einem anderen Geräusch als dem satten Sound meines Motors zu zerstören.

Dann komme ich in der winzigen Straße oben auf dem Berg an. Während ich frühstücke steht der Porsche knisternd neben dem Haus.

Gleich werde ich wieder raus gehen. Spazieren, zu Fuß.