Back on Track

Sonntag. Mir geht es endlich wieder besser.

Den Tag über werde ich einen Workshop haben. Die Strecke dorthin ist zwar nicht sonderlich weit, aber ich werde sie auf jeden Fall im Porsche fahren.

Schöne, kurvige Landstraßen…

Schon der Gedanke daran lässt mein Herz hüpfen.

Als ich die Tasche in die Garage bringe, umfängt mich kühler Benzingeruch.

Im Auto dann warmes Leder.

Ich bin ganz sicher, dass die Ingenieure bei Porsche es extra so eingerichtet haben, dass der Motor beim Start einmal so vernehmlich hochdreht.
Das ist der Moment, in dem die Porschebesitzerin daran erinnert wird, warum sie dieses Auto so dringend braucht.

Das und die erste freie Strecke, in der die Beschleunigung den Köper unmißverständlich in den Sitz drückt.

Its good, to be back.

Driften. Er will driften!

Samstagmorgen. Ich liege noch im Bett und die Welt ist in Ordnung.

Mein Bruder im Geiste und Mitporschebesitzer schickt seinen Morgengruß aus dem Süden und verkündet, er wolle heute driften gehen. Er macht dauernd irgenwelche gefährlichen Sachen und rast mit irrem Tempo durch die Gegend.

Auf einmal bin ich wach, sehr wach.

Doch wohl nicht mit dem Porsche!
Ich kenne kaum einen Menschen, der so pingellig mit seinem Auto ist. Er poliert und bezieht ihn mit Steinschlagfolien und was nicht alles.

Doch, klar mit dem Porsche.
Und dann kommt, was kommen musste.
Das unglaubwürdigste Argument der Welt.
Ich habe es bisher immer nur aus dem Mund von Männern gehört: man müsse doch sein Auto im Grenzbereich kennen, damit man es in Gefahrensituationen beherrschen kann.

Bullshit.
Damit man im Stress einer Gefahrensituation wirklich die richtige Reaktion zeigt, müsste man so viel Grenzbereichssituationen üben, und zwar laufend, dass man seine Berufstätigkeit an den Nagel hängen könnte.
Es irgendwann mal an einem Wochenende zu tun, und sich dabei wild und lebendig zu fühlen, reicht schlicht nicht aus.
Denn die Gefahr kommt ja nicht unmittelbar danach. Sondern hoffentlich nie oder erst viel später.

Und überhaupt das Wort „Grenzbereich“!
Da kriegen die Jungs schon leuchtende Augen. Grenzbereich ist cool, da ist man ein echter Kerl!
Ich will da gar nicht hin.
Mein Porsche und mein Leben sind mir lieb und teuer und meine Coolness beweise ich weder mir, noch der Welt  im Auto.

Ich besitze einen Motorradführerschein, und um diesen zu erwerben, übt man Bremsmannöver immer arg nah am Blockieren der Bremsen. Beim Motorrad macht es Sinn, dort liegt die maximale Bremskraft kurz vor dem Punkt, an dem die Bremse blockiert. Und man kommt im Alltag diesem Punkt oft auch nahe.
Das ist beim Porsche aber anders.

Was ist also los mit all den Männern, die auf beregneten Plätzen ihre Autos schnell im Kreis bewegen, oder versuchen möglichst flott um Plastikpinöppel zu kurven?
Ist deren Porschefahrerleben wirklich so viel riskanter als meins?

Natürlich nicht.

Sicher macht es Spaß, seine Fahrtechnik zu schulen. Und es macht stolz, sein Fahrzeug gut zu beherrschen. Aber dabei geht es um etwas völlig anderes als um die Vorbereitung auf den echten Straßenverkehr.

Diese Herren sind „sensation seeker“. So werden Menschen in der Psychologie bezeichnet, die immer nach neuen Reizen suchen. Und zu 70% ist dieser Persönlichkeitszug angeboren.
Sensation seeker suchen körperlich riskante Aktivitäten, mögen einen unkonventionellen Lebensstil, streben nach sozialen Stimulationen und sind anfällig für Langeweile.

Nicht überraschend, dass mein geliebter Seelenbruder auf seinem Whatsapp-Profilfoto gerade mit einer Crossmaschine durch die Luft fliegt.

Ganz fremd ist mir ein solches Persönlichkeitsprofil nicht, aber meine Ängstlichkeit schiebt einen dicken Riegel vor körperlich riskante Aktivitäten.

Da mein mir manchmal so fremder Bruder im Geiste sich durch all meine Einwände nicht davon abbringen lässt, verbleiben wir so, dass er sich meldet, wenn er mit dem Driften fertig ist, so dass ich aufhören kann, mir Sorgen zu machen.

Wie das seine Frau aushält, ist mir absolut schleierhaft. Klar, sie kennt ihn nicht anders und hat ihn so geheiratet, aber mich würde ein so wilder Mann in den Wahnsinn treiben.

Jetzt pass verdammt nochmal auf Dich und den Porsche auf, Bruder!

 

 

 

Not stripping for you, Porsche Deutschland GmbH!

Ich habe wieder Post von Porsche bekommen.

Dieses Mal ist es ein Anschreiben, das der geneigten Leserin erläutert, die anspruchsvolle Kundschaft von Porsche würde eine permanente Leistungsüberprüfung erfordern und darum ginge es in dem beiligenden Fragebogen.

Liebe Porsche Deutschland GmbH,
gibt es wirklich Menschen, die dumm genug sind, dies zu glauben, obwohl sie klug genug sind, genügend Geld für einen Porsche zu verdienen?

Natürlich finden sich im Fragebogen Fragen zur Zufriedenheit mit Auto, Kaufabwicklung und PZ.
Aber Porsche will neben zig anderen Dingen auch wissen, was ich beruflich mache, wie ich mein Auto finanziert habe, welche Autos ich noch so fahre, ob ich Kinder habe, ein internetfähiges Mobiltelefon, ein Tablet, welchen Sport ich treibe, was ich in meiner Freizeit mache, welche Zeitungen ich lese und was ich im Monat verdiene.

GEHTS NOCH?!

Die Krönung ist dann die Frage, ob ich single oder zusammenlebend bin. Wollen die mir demnächst auch den passenden Mann verkaufen?
Einen der sich gut macht, auf dem Beifahrersitz meines 11ers?
Vielleicht einen, der schicke Shirts aus der Porsche-Kollektion trägt?

Dem Fragebogen liegt auch noch eine Einwilligung zur Datenverwendung bei, die man unterschreiben soll.

Ihr verkauft tolle Autos und ich liebe meinen Porsche, aber hochverehrte Porsche Deutschland GmbH, das ist noch kein Grund, warum ich für Euch einen Datenstriptease mache.
Gerne hätte ich Euch Rückmeldung zu autobezogenen Fragen gegeben, oder zum Service im PZ. Aber Ihr konntet den Hals nicht voll kriegen und deshalb gibt es jetzt leider gar nix von mir!
In Zukunft erwarte ich etwas mehr Respekt vor der Intelligenz Eurer Kundschaft!

019

Die Feste feiern, wie sie fallen

Noch so ein schöner, sonniger Tag in diesem Frühling, in dem sich ganz Deutschland so sehr nach solchen Tagen sehnt.

Und morgen soll es schon wieder vorbei sein.
Die Wettervorhersage kündigt für den kommenden Feiertag und das Wochenende viele Schauer an.

Nachdem wir unser Tagewerk beendet haben, das auf unterschiedliche Art darin besteht, dass wir uns um andere Leute kümmern, brechen der Boxsterbesitzer und ich spontan zu einer neuen Tour auf.

Eine Viertelstunde nachdem der letzte von uns Feierabend hat, sind wir auch schon unterwegs.

Ich bin beruflich 250 Kilometer gefahren, immer mit leichtem Zeitdruck, da ist es wunderbar, auf den Beifahrersitz zu wechseln.
Nur ganz kurz, zwischendruch, hätte ich auch Lust, selber zu fahren.

Ich habe keine Ahnung, wie es dem Mann am Steuer geht, aber bei mir klappt es auch heute wieder. Wir fahren, und alles ist gut.

Unser Ziel ist ein Park, ein Ort, den ich seit dem Kindergartenalter kenne und mag.

An solchen Abenden scheint es, als läge alles Schlechte weit in der Vergangenheit und man wünscht sich, sie würden nie enden.

Dieses Gefühl kenne ich aus meiner Jugend.
Momente so intensiv zu genießen, so viel im Auto unterwegs zu sein, einträchtig die Fahrt und die Musik zu genießen, gar nicht viel zu reden, höchstens ab und zu einen Scherz oder den Hinweis darauf, wie schön der Himmel in der zunehmenden Dämmerung aussieht.

Eine Sünde, eine solche Gelegenheit nicht zu nutzen. Man muss die Fahrten, die das Leben einem ermöglicht, machen.

Manche macht man alleine, mit seinem Porsche. Auch die haben ihre ganz eigene Qualität.

Glück zu teilen, gemeinsam im Hedonismus zu baden, jemanden zu haben, der dieselben Dinge genießt, das ist etwas, das vermutlich nicht alle Menschen haben, in deren Garagen ein Porsche steht.
Counting my blessings…

Was hätte eine Frau gerne anders, an ihrem 11er?

Gestern Abend habe ich mit meinem Grundschulfreund Erik telefoniert.

Er ist nicht nur die Person, mit der ich am längsten in meinem Leben befreundet bin und ein wunderbarer Mann, sondern er liest auch mein Blog.

Er machte den Vorschlag, ich solle darüber schreiben, was aus Sicht einer Frau am Carrera zu verbessern sei.

Spontan kam meine Antwort: nichts!

Eine Kleinigkeit jedoch gibt es. Wenn ich während der Fahrt versuche, meinen USB-Stick in den dafür vorgesehenen Schlitz unter der Armlehne zu popeln, scheitere ich regelmäßig.

Das ginge jedem männlichen Fahrer, der nicht als Schlangenmensch arbeitet, vermutlich ähnlich.

Aber ansonsten?

Nichts.
Das Auto ist perfekt.
Und er ist für mich auch der einzig wahre Porsche. Genau so muss für mich ein Porsche sein.

Mir war sehr schnell klar, alle kleineren Motoren gehen nicht, ein Coupé muss es sein, schwarz war als Außenfarbe erst einmal gesetzt.

Ob es dabei eine Rolle spielt, dass ich eine Frau bin, weiß ich nicht.

Wir passen einfach zusammen, der schnelle schwarze 11er und ich.

 

Wann haben Sie zum letzten Mal Ihren Schatz eingecremt?

Für die meisten Porschebesitzer stellt Ihr Fahrzeug einen hohen Wert dar.

Das Porschedesign ist zeitlos gelungen und jede lackierte Oberfläche ist zweifellos schöner, wenn sie glänzt.

Leider wird ein Porsche bei der Benutzung schmutzig und bald stellt sich die Frage, wie man ihn wieder zum Glänzen bringt.

Als Neuling in der Szene lese ich interessiert die Diskussionen im Forum zum Thema „Wagenpflege“.

Schnell wird mir klar, Waschstraße ist nicht!

Darauf folgt die Einsicht, dass die Pflege von Hand, offenbar mit sündhaft teuren Pflegemitteln zu erfolgen hat.
Eindrucksvolle Summen von mehreren Hundert Euro kommen für ein Starterkit (nicht etwa für das Rundum-sorglos-Paket!!) rasch zusammen.

Beherzt schiebt der nicht ganz skrupellose Porscheneuling die Frage nach der Dekadenz, die sich ihm beim Lesen aufdrängt, bei Seite.
Ein Porsche an sich ist ein Luxusprodukt, warum die Idee nicht konsequent weiter denken und für alle den Porsche betreffenden Fragen das Portemonnaie weit aufmachen?

Innerlich dennoch nicht mehr völlig unerschüttert lese ich  weiter. Ein Pflegemittelhersteller rät dazu, das Pflegeprodukt mit der Hand aufzutragen. Das Fahrzeug quasi einzucremen.

Perplex halte ich inne.

Das machen die wirklich?

Ja, in  Deutschland gibt es reihenweise Männer (und vermutlich auch Frauen), die Ihre Fahrzeugpflege von Hand einreiben.

Da fängt es in der Psychologin doch gehörig an zu brodeln.
Neben der Frage: Ist das wirklich die optimale Art, das Produkt aufzutragen oder einfach Marketing-bullshit?,  möchte ich doch sehr gerne wissen, ob diese Menschen auch ihren Schatz aus Fleisch und Blut regelmäßig nach dem Bad eincremen.

Oder behandeln sie ihr Auto hingebungsvoller als ihre Lebenspartner?

Handelt es sich beim Autosalben vielleicht um eine Ersatzhandlung?
Sind diese Porschecremer alles Singles, die nichts lieber täten, als einen warmen, menschlichen Körper zu streicheln?
In Ermangelung eines solchen dann in die Garage gehen und das Auto liebkosen?

Fragen über Fragen.

Noch ist mein eigener Porsche zu neu, als dass ich mir selbst die Frage nach dem Starterkit stellen müsste. Aber bald wird es so weit sein.

Porschegöttin, gib mir die Gelassenheit, die Nicht-Luxuspflege zu verwenden.
Den Mut, sie mit dem Lappen aufzutragen,
und die Weisheit, Marketing von Notwendigkeit zu unterscheiden.
Amen!