Albert Schweitzer hat es auf den Punkt gebracht.

Fünfzehn Führungskräfte sahen mich erwartungsvoll an.
Ich aber hätte am liebsten meinen Kopf auf den Tisch gelegt, und laut geweint.
Der Dr. und ich hatten einen furchtbaren Streit gehabt.

Natürlich bezahlt einen aber keiner für herzzerreißendes Schluchzen.
Also hieß es Zähne zusammen beißen, und funktionieren.
Wer mir geholfen hat, an diesem Scheißtag nicht völlig die Kontrolle zu verlieren, war mein kluger, warmherziger Porschebruder.

Obwohl auch er vielbeschäftigt ist, hat er meinen verzweifelten Nachrichten den Tag über immer wieder Aufmerksamkeit geschenkt und mich getröstet.
Danke Bro, Du bist der beste Porschebruder der Welt, oder um es mit Albert Schweitzer zu sagen:

„Über alles Geistige und Intellektuelle, über Philosophie und Theologie erhaben ist die Hilfsbereitschaft von Mensch zu Mensch, die Aufgabe, Bruder zu sein.“

Dienstreise mit der Bahn

Ich bin wieder einmal auf Dienstreise.
Das Spritgeld will verdient sein.
Leider arbeite ich an einem Ort mit extrem wenig Parkplätzen.
Also reise ich mit der S-Bahn an.

Schmutzig, unzuverlässig, komisch riechende Mitfahrer, wenig Komfort… Hölle.
Ein Königreich für die Anreise im Individualverkehr.
Aber zumindest ökologisch kann ich meine Hände in Unschuld waschen.

Neulich habe ich auf einer Dienstreise Porschefreunde besucht.
So unterschiedlich wir Porschebesitzer auch sind, was uns alle verbindet, ist eine mehr oder weniger umfangreiche Sammlung von Autofotos, gerne auch aufgehängt, Motor-Klassik-Kaffeetassen, Autobüchern, Automodellen, Postern, Blechschildern…

Hierbei spielt es übrigens keine Rolle, ob es sich um einen Porschebesitzer oder eine Porschebesitzerin handelt.
Autonarren haben offenbar alle auch Auto-Accessoires.
Neulich habe ich das erste Mal Modelle in 1:8 gesehen.

Und dann gibt es da noch ein echtes Neidobjekt.
Ein Beistelltisch aus einer Felge, mit Glasplatte, von unten beleuchtet.
Der steht bei Ute und Markus und sieht super aus.

In einer Stunde geht es zurück in die S-Bahn.
Während der Arbeit läuft mein Bildschirmschoner mit Porsche-Fotos auf dem Notebook.
Wenn ich in der Ferne müde auf den Bildschirm blicke, guckt er zurück, mein wunderschöner schwarzer Prinz in der Heimat.

Das Grid-Girl und der gemeine Porschefahrer

Samstagabend.
Kurz bevor ich mich für die Party in mein kleines Schwarzes stürze, sagt der Dr., mein Porsche-Blog habe sicher mehr Erfolg, wenn ich eher wie eine Dame aus der Bekanntschaft aussehen würde.

Aus zwei Gründen bin ich mehr als verwundert:
1. Mich sieht beim Schreiben ja nun wirklich niemand. Wie ich aussehe, ist vermutlich ziemlich egal.
2. Besagte Dame ist vom Styling her Volltussi. Plastiknägel mit Glitzerdeko, so viel Haarspary im Haar, dass die Frisur wie betoniert aussieht, alles irgendwie zu bemüht. Aber in den Augen des Dr. offenbar der Prototyp einer attraktiven Frau.

Die komischen Vorlieben des Dr. kann ich mir durch seine Herkunft erklären.
Die Damen in seiner Heimat stylen sich anders als meine Peer-group.
Aber unser Gespräch hat mich schon nachdenklich gemacht.
Ist Tussi für Männer das Non plus ultra?

Offenbar nicht für alle.
In diesem Video fällt ein Grid-Girl  vor einem Porsche in Ohnmacht.
Zum Glück stürzen sofort reihenweise Männer zu ihrer Hilfe.

Der Porschefahrer hat jedoch nur eine einzige Sorge:
er empört sich auf Niederländisch, sie sei direkt auf seinem Auto in Ohnmacht gefallen, und man möge unbedingt prüfen, ob sein Wagen ok sei.
Aus moralischer Sicht fragwürdig.

Eins jedoch eint mich mit diesem Misogynisten.
Wir lieben Porsche und finden Tussis verzichtbar…

Langer Gang? Eine Frau will nicht dumm sterben…

Ich lese in Autoforen regelmäßig Dinge, die ich nicht verstehe.
Ja, ich habe Abitur und hatte auch Physik in der Schule.
Offenbar aber nicht genug.
Wenn ich versuche, mir ein Auto von innen vorzustellen, stoße ich sehr schnell an meine Grenzen.

Was sind kurze oder lange Gänge und wofür könnten die gut sein?
Frau ist ahnungslos, also richtet sie all ihre Hoffnungen auf den Mann im Haus.
Der setzt auch frohgemut an, die Frage mit den Gängen zu erläutern, merkt aber schnell, dass er erst einmal den Vortrag zu „Das Getriebe“ halten muss.

Ich bin eifrig, aber unwissend und der Dr. zündet ein Feuerwerk aus „Physik für Klasse 5“, Wikipedia-Artikeln zum Thema Kraft, Beschleunigung, Motor sowie Youtube Vorträgen zum Drehmoment und Newtonmetern.
Er rotiert Schokoladenpackungen, verdeutlicht Zahnräder mit Kerzenanzündern, die um Aschenbecher drehen und gibt alles.

Zwischendurch kann er sich nicht verkneifen,
darauf hinzuweisen, dass er das alles schon gelernt hat, als er 10 Jahre alt war.
Ich erfinde daraufhin das 8-Gang-Getriebe.
Er erklärt, dass das schon seit 100 Jahren erfunden wurde, aber nicht die Lösung ist.

Mist!
Ich mag es nicht, wenn ich Dinge erfinde, und dann erfahre, dass die schon jemand vor mir erfunden hat!
Trotzdem macht das alles großen Spaß.
In 15 Jahren bin ich dann so weit, dass ich anfange, Autos zu tunen… 🙂

Papa geht shoppen – eine Kindheit mit Porsche

Vor fast genau 43 Jahren ist mein Vater einkaufen gefahren.
Ich war zur Welt gekommen und das Kinderzimmer war noch nicht möbliert.DSCF1601
Das konnte nicht so bleiben und daher fuhr Papa zu Baby Kochs.
Im Porsche.

Da gingen natürlich nicht so richtig viel Kinderzimmermöbel rein.
Vermutlich ist es nur durch den Glücksrausch des stolzen neu-Vaters zu erklären, dass er auf eine wahnwitzige Idee kam.
Er hat damals seinen Porsche als Pfand da gelassen und sich einen der Transporter der Firma geliehen.
Scheint aber gut gegangen zu sein, der Tausch zurück hat geklappt, und drei Jahre später hat er mich dann im Porsche in den Kindergarten gefahren.

Weitere drei Jahre später saß ich auf der Rückfahrt von der Uniklinik mit frischem Gipsarm wieder in diesem Porsche.
Ich war hingefallen und mein Unterarm war gebrochen.
Mein Vater, von dem ich die Ungeduld geerbt habe, wollte nicht warten, bis der Gips ausgehärtet ist und kündigte stattdessen drakonische Strafen an, falls mein nasser Gips den Porsche berühren würde.

Das war ganz schön lieblos.
Immerhin war ich erst 6 und mein Arm tat weh.
Aber ich erinnere mich, wie schön der Schnee aussah, als ich, den Arm verzweifelt vom empfindlichen Porsche-Interieur entfernt haltend, durch die Windschutzscheibe blickte.
Papa fuhr nämlich schnell und die Flocken flogen mir nur so entgegen.

„Porsche im Schnee?!“ geht es mir heute durch den Kopf.
War der wahnsinnig?
Wahnsinnig würde uns heute auch vorkommen, ein Kind einfach so, ohne irgendwelche Kindersitze auf den Beifahrersitz zu packen.

Aber so war das in den Siebzigern.
Heute sitze ich vorne links, denn irgendwie hat mir das Gefühl Porsche immer verdammt gut gefallen…

Lektion in Demut

Nach einem sehr schönen Nachmittag mit Bastian bin ich auf dem Rückweg zum Auto.
Es ist kühl und nieselt leicht, ungemütlich.
Hustend ziehe ich mein Tuch enger um meinen Hals.
Als ich an der Deutschen Bank vorbei komme, höre ich einen zweiten Husten unter dem Dach hervorkommen.

Ein obdachloser Mann schlurft hustend zurück zu seiner Decke, die unter dem Vordach der Bank liegt.
Was für ein Kontrast.
Ich habe die letzten Stunden mit leckerem Essen im Warmen verbracht, und bin unterwegs zu meinem Porsche.

Ich werde in dieses Luxusauto steigen, es hat Ledersitze und die Musik kommt aus zig Boxen.
Dann werde ich nach hause fahren, dort wird bald auch der Mann sein, den ich liebe und der mich liebt.
Wie gut es mir geht.
Und wie leicht man vergißt, wie gut man es hat…

Heiliges Blech

Allerheiligen.
Der November beginnt grau und nass und entspricht damit den klassischen Klischee.
Der Dr. muss arbeiten und ich habe den Vormittag auf der Couch herum gelungert, bis sich mein Freund Bastian meldete, und wir uns zum Essen verabredet haben.

Wunderbar!
Gesellschaft und eine gute Möglichkeit den Porsche aus der Garage zu holen 🙂
Vorher muss die Fahrerin allerdings noch gesellschaftsfähig werden.
Raus aus den Kuschelklamotten und rein ins Bad.
Wer ist die blasse, augenschattige Frau im Spiegel?!

Heute muss die teure Gesichtscreme ran, die ich aus München mitgebracht habe…
Das Wetter kann mich mal, ich ziehe die weiße Jeans an und die Bluse, die ich damals trug, als ich den Dr. zum ersten Mal zum Kaffee getroffen habe.
Bastian betreibt sicher zur gleichen Zeit keinen solchen Aufwand, er ist einer dieser naturschönen Menschen, die immer gut aussehen.

Auf einer meiner Cremtuben steht „energy boosting“.
Da meine Gesichtsfarbe danach nicht mehr grau ist, scheint es tatsächlich zu funktionieren.
Endlich kann  es losgehen.

Das Wetter ist noch immer ungemütlich, hoffentlich bleiben die anderen alle zuhause und sind die Straßen frei.
Ich will heute ein bißchen Spaß mit der schwarzen Schönheit haben… 😉

Porsche-Marketing

Ich bin selbständig und da macht Frau sich natürlich auch Gedanken, über Wege der Kundenakquisition.
Neulich am Brünnchen konnte man eine interessante Variante der Werbung sehen:
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Da parkt ein Anwalt seinen 11er am Brünnchen und hat auf dem Kofferraumdeckel fett einen Werbeaufkleber für seine Kanzlei.
Inklusive Notfall-Mobilnummer!
Wenn die Kundschaft jemanden für Strafverteidiung und Wirtschaftsrecht benötigt, braucht man solche Servicenummern vermutlich…

Einerseits gar keine blöde Idee.
Während der Fahrer schön Rennen guckt, akquiriert der Porsche Kundschaft, nach dem Motto „Rennsport-Fan-Cash in Rennsport-Fan-Täsch“.

Aber Herr Anwalt, sowas macht man einfach nicht.
Man klebt sich doch nicht so fiese Werbeaufkleber auf einen 11er!
Das ist ein Sakrileg!

Man sollte Sie enteignen, Ihr Porsche kann dann gerne bei mir im SOS-Porschedorf leben.

151

Der Dr. sagt mir jetzt jeden Tag, wieviele Tage es noch dauert, bis zum Saisonbeginn der VLN im nächsten März.
Sollte ich bis dahin nicht zu plötzlichem Reichtum kommen, der mir Reisen in alle Welt ermöglicht, werde ich erst in 151 Tagen wieder ein Rennen sehen.

😦
Das ist ganz schön lang.
Bis dahin kann ich dann meine Wochenenden mit den Dingen anfüllen, die normale Frauen so machen.
Das muss ich erst wieder üben.

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La Dolce Vita, wie es dieser Rennsportfan-Wohnwagen zeigt, hat erstmal ein Ende.

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Der Betreiber der Frittenbude am Pflanzgarten räumt auf.
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Alle gehen zum Auto und fahren nach Hause…DSCF1596
Meine brave C-Klasse steht schon ganz alleine auf dem Parkplatz…
und dabei war es doch soooo schön:
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Es gab nette Begegnungen,
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spannende Szenen,
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Gewinner,
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des Dr. Liebling,
und ermutigende, verborgene Botschaften 🙂
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Man beachte die Nachricht im Nordschleifenstaub am Heck…

Draußen weht ein tüchtiger Herbststurm, kaum vorstellbar, dass vor wenigen Wochen noch die Zuschauer mit Sonnenbrille im Gras sitzen konnten.
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Aber in 151 Tagen ist der 21. März und mit etwas Glück ist das der Auftakt in eine tolle neue Saison.
Bis dahin wird es auch mit dem Verkauf des Nürburgrings spannend.
Falls es mit dem plötzlichen Reichtum bei mir doch noch klappt, kaufe ich ihn 😉

Tschüss, bis nächstes Jahr!

Es ist Sonntagmorgen, unglaublich früh.
Noch viel früher, weil die Uhren umgestellt wurden.
Ich sitze in der Eifel und der Tag kommt mit einem dramatischen Himmel.

Ein Sturm soll kommen, und hinter dicken schwarzen Wolken bricht das rote Morgenlicht über den Hügeln hindurch.

Gestern war das letzte VLN-Langstreckenrennen auf der Nordschleife.
Das Wetter hat glücklicherweise mitgespielt, 17 Grad und trocken.
Viele Zuschauer waren an die Strecke gekommen um noch ein letztes Mal dabei zu sein.

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Und sie hatten sich hübsch gemacht!

Am Brünnchen war ein junger Mann noch bei den Styling-Vorbereitungen
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Das Lagerfeuer hinten heizt das Wasser für den Pool. Saisonende im Luxus.

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Ich liebe den Herbst und ich liebe Rennautos. Ergo bin ich entzückt von Rennautos mit Herbstlaub-Deko an den Lufteinlässen. 🙂
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Diese zwei feiern das letzte Rennen im Außerirdischen-Kostüm.
Selbst ihre Fahrzeuge sind geheimnisvoll leise und haben nur zwei Räder!
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Diese Dame wird vielleicht im nächsten Jahr andere Schuhe für die matschigen Waldwege wählen…
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…wohingegen dieser junge Mann schon im frühsten Kindesalter verstanden hat, was man zu einem Rennen trägt!
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Für Willi. Weil es das Abschiedsrennen ist, von hinten.
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Nein, die überholen nicht. Das sieht nur so aus…
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Für den ersten Platz hat es nicht ganz gereicht. Aber für ein schönes Herbstfoto schon.

Das Rennen neigte sich seinem Ende zu.
„Tschüss, bis nächstes Jahr“ war immer öfter zu hören.
Ich fing an, schwermütige Abschiedsfotos zu machen.
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Düstere Gedanken gingen mir durch den Kopf.
Wieso sind die so sicher, sich wieder zu sehen?
In einem halben Jahr kann viel passieren.
Oder stehen die schon seit vielen Jahren immer am selben Streckenabschnitt und wissen aus Erfahrung, dass die meisten Menschen die Winterpause überleben?

Die Natur, die tüchtig Herbstblätter von den Bäumen wehte, das letzte Rennen…
ich wurde von Endzeitstimmung überwältigt.
Der Dr. und ich stehen bei Rennen selten zusammen.
Jeder sucht sich seine Stellen, um zu fotografieren, und bewegt sich frei hin und her.
Jetzt aber brauchte ich Trost.
Per Telefon fand ich heraus, dass er ganz in der Nähe war und machte mich auf den Weg.

Er war schwerer zu erschüttern.
Aus therapeutischen Zwecken wurden Kohlehydrate zur Stimmungsstabilisierung verordnet.
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Wie bei allen Ersatzbefriedigungen hilft das natürlich nur kurzzeitig.
Der Blues bleibt.
Wenn ich wieder zuhause bin, kommen noch weitere schöne Fotos.
Jetzt gehe ich hoch, und wecke den Dr.
Noch immer ist es sehr früh, aber ich kann ja schließlich nicht mit allem warten, bis nächstes Jahr.
Und für Trostnudeln ist es eindeutig zu früh am Morgen…