Mit dem Oligarchen auf der Autobahn

Heute ist der erste Advent.
Zu meiner Verblüffung stellte ich beim Aufstehen fest, dass Petrus, um uns Rheinländer in Stimmung zu versetzen, den ersten Schnee des Winters geschickt hatte.
Alles war weiß.

Ich musste in die Eifel und bei dem Wetter war klar, die C-Klasse muss ran, der Elfer bleibt in der salzfreien, schneefreien Garage.
Auf den Straßen war die übliche Mischung aus Nässe, Matsch und Salz.
Und mitten drin, zu meiner großen Fassungslosigkeit, ein 911.


Kilometerweit beschäftigte mich die Frage, warum man bei diesem Wetter seinen Porsche aus der Garage holt.
Die einzig sinnvolle Erklärung war folgende: der Fahrer ist ein russischer Oligarch und der Elfer das billigste Fahrzeug in seiner Garage.

In der Eifel hielt ich in Marmagen bei meiner Lieblingsbäckerei.
Auf dem Weg dorthin hatte ich ein Auto im Graben gesehen.
Als ich dies der Verkäuferin beim Bäcker erzählte, war deren lakonische Antwort:
„Da war er vermutlich zu langsam.“

Als ich vorbei an schneebedeckten Kiefern zurück zur Autobahn rollte, musste ich wieder an den 911er von der Hinfahrt denken.
Lieber Herr KF-WT 911,
ich hoffe, Ihr Porsche steht heile und nach gründlicher Wäsche wieder in der Garage…

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Papa geht shoppen – eine Kindheit mit Porsche

Vor fast genau 43 Jahren ist mein Vater einkaufen gefahren.
Ich war zur Welt gekommen und das Kinderzimmer war noch nicht möbliert.DSCF1601
Das konnte nicht so bleiben und daher fuhr Papa zu Baby Kochs.
Im Porsche.

Da gingen natürlich nicht so richtig viel Kinderzimmermöbel rein.
Vermutlich ist es nur durch den Glücksrausch des stolzen neu-Vaters zu erklären, dass er auf eine wahnwitzige Idee kam.
Er hat damals seinen Porsche als Pfand da gelassen und sich einen der Transporter der Firma geliehen.
Scheint aber gut gegangen zu sein, der Tausch zurück hat geklappt, und drei Jahre später hat er mich dann im Porsche in den Kindergarten gefahren.

Weitere drei Jahre später saß ich auf der Rückfahrt von der Uniklinik mit frischem Gipsarm wieder in diesem Porsche.
Ich war hingefallen und mein Unterarm war gebrochen.
Mein Vater, von dem ich die Ungeduld geerbt habe, wollte nicht warten, bis der Gips ausgehärtet ist und kündigte stattdessen drakonische Strafen an, falls mein nasser Gips den Porsche berühren würde.

Das war ganz schön lieblos.
Immerhin war ich erst 6 und mein Arm tat weh.
Aber ich erinnere mich, wie schön der Schnee aussah, als ich, den Arm verzweifelt vom empfindlichen Porsche-Interieur entfernt haltend, durch die Windschutzscheibe blickte.
Papa fuhr nämlich schnell und die Flocken flogen mir nur so entgegen.

„Porsche im Schnee?!“ geht es mir heute durch den Kopf.
War der wahnsinnig?
Wahnsinnig würde uns heute auch vorkommen, ein Kind einfach so, ohne irgendwelche Kindersitze auf den Beifahrersitz zu packen.

Aber so war das in den Siebzigern.
Heute sitze ich vorne links, denn irgendwie hat mir das Gefühl Porsche immer verdammt gut gefallen…