Nochmal Turbo

Der Dr. und ich sind heute sicher von einem Porsche 911 Turbo-Fahrer für völlig bekloppt gehalten worden.
Wir kamen vom Blumenladen und hatten einen Mops im Schlepptau.
Die Sonne schien herrlich und wir waren in unserem Viertel unterwegs.

Ich wollte bei der Post noch Briefmarken kaufen und auf dem Parkplatz der Post stand er.
Ein weißer Porsche.
Im Stillen dachte ich „Ein Turbo“.
Der Dr. sagte: „Da steht ein GTS oder ein Turbo.“

Ich sagte: „Turbo!“ während der den Wagen umrundete und anhand der Lufteinlässe die Diagnose: „Turbo!“ bestätigte.
Erst da bemerkte ich es.
Der Turbo war gar nicht leer!
Der Fahrer hatte die ganze Zeit im Wagen gesessen, während wir ihn umrundeten und über ihn sprachen.

Sehr unangenehm, er muss uns für geistig arme Auto-Nerds gehalten haben.
In der Post habe ich mich nach der Demütigung mit Porschebriefmarken getröstet.
Needless to say hatte dieser Turbo seine Föhn wo er hingehört: irgendwo unsichtbar verbaut…

Tschüss, bis nächstes Jahr!

Es ist Sonntagmorgen, unglaublich früh.
Noch viel früher, weil die Uhren umgestellt wurden.
Ich sitze in der Eifel und der Tag kommt mit einem dramatischen Himmel.

Ein Sturm soll kommen, und hinter dicken schwarzen Wolken bricht das rote Morgenlicht über den Hügeln hindurch.

Gestern war das letzte VLN-Langstreckenrennen auf der Nordschleife.
Das Wetter hat glücklicherweise mitgespielt, 17 Grad und trocken.
Viele Zuschauer waren an die Strecke gekommen um noch ein letztes Mal dabei zu sein.

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Und sie hatten sich hübsch gemacht!

Am Brünnchen war ein junger Mann noch bei den Styling-Vorbereitungen
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Das Lagerfeuer hinten heizt das Wasser für den Pool. Saisonende im Luxus.

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Ich liebe den Herbst und ich liebe Rennautos. Ergo bin ich entzückt von Rennautos mit Herbstlaub-Deko an den Lufteinlässen. 🙂
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Diese zwei feiern das letzte Rennen im Außerirdischen-Kostüm.
Selbst ihre Fahrzeuge sind geheimnisvoll leise und haben nur zwei Räder!
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Diese Dame wird vielleicht im nächsten Jahr andere Schuhe für die matschigen Waldwege wählen…
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…wohingegen dieser junge Mann schon im frühsten Kindesalter verstanden hat, was man zu einem Rennen trägt!
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Für Willi. Weil es das Abschiedsrennen ist, von hinten.
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Nein, die überholen nicht. Das sieht nur so aus…
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Für den ersten Platz hat es nicht ganz gereicht. Aber für ein schönes Herbstfoto schon.

Das Rennen neigte sich seinem Ende zu.
„Tschüss, bis nächstes Jahr“ war immer öfter zu hören.
Ich fing an, schwermütige Abschiedsfotos zu machen.
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Düstere Gedanken gingen mir durch den Kopf.
Wieso sind die so sicher, sich wieder zu sehen?
In einem halben Jahr kann viel passieren.
Oder stehen die schon seit vielen Jahren immer am selben Streckenabschnitt und wissen aus Erfahrung, dass die meisten Menschen die Winterpause überleben?

Die Natur, die tüchtig Herbstblätter von den Bäumen wehte, das letzte Rennen…
ich wurde von Endzeitstimmung überwältigt.
Der Dr. und ich stehen bei Rennen selten zusammen.
Jeder sucht sich seine Stellen, um zu fotografieren, und bewegt sich frei hin und her.
Jetzt aber brauchte ich Trost.
Per Telefon fand ich heraus, dass er ganz in der Nähe war und machte mich auf den Weg.

Er war schwerer zu erschüttern.
Aus therapeutischen Zwecken wurden Kohlehydrate zur Stimmungsstabilisierung verordnet.
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Wie bei allen Ersatzbefriedigungen hilft das natürlich nur kurzzeitig.
Der Blues bleibt.
Wenn ich wieder zuhause bin, kommen noch weitere schöne Fotos.
Jetzt gehe ich hoch, und wecke den Dr.
Noch immer ist es sehr früh, aber ich kann ja schließlich nicht mit allem warten, bis nächstes Jahr.
Und für Trostnudeln ist es eindeutig zu früh am Morgen…