Leiden im Boxster

Nichtsahnend habe ich heute den Doktor zu einer Tour aufgefordert. Die Letzte war schon wieder fast eine Woche her.

In meiner Cabriounerfahrenheit dachte ich, dass es klasse sein müsste, bei der Hitze offen zu fahren. Endlich mal nicht frösteln.

Wie krass allerdings die Sonne in einem offenen Auto sticht, hatte ich mir nicht vorstellen können.
Schattige Strecken oder flotte Fahrt mögen ja noch ganz schön sein. Aber ein Stau, auf einer Brücke…röchel.

Dr. Unerschütterlich, dem weder Kälte, noch Hitze etwas auszumachen scheinen, saß frohgemut am Steuer.
Ich jammernd daneben.

Aus dem Radio dudelte Zweiraumwohnung „36 Grad“ und meine Wangen färbten sich passend zu meinem rosa T-shirt.

Die Sonnencreme auf meinen Armen klebte, eigentlich klebte alles.
Jede Ampel ein Alptraum.

Wie wunderbar kühl doch mein Elfer mich empfing, als ich gestern in der Garage einstieg!
Lederduft, und die Möglichkeit die gewünschte Wohlfühltemperatur zu wählen…
klar, man riecht nicht den Duft der gemähten Fahrbahnränder und es weht auch kein warmer Wind.
Dafür fühlt Frau sich aber auch nicht wie langsam zu Tode gegrillt.

Der Doktor sprach tröstend auf mich ein, ich litt.
Nachdem ich aus dem Höllenmobil ausgestiegen war, dauerte es sicher eine Viertelstunde, bevor sich meine Körpertemperatur wieder aufs nordische Normalmaß eingependelt hatte.

Once again, no Boxster-Girl… ich bin nicht hart genug.

Porschebadetag

Der Rasen müsste gemäht werden, die Hecke geschnitten, die Wäsche gewaschen…
Aber der Porsche ist so dreckig, der Rest muss warten.

Dr. Boxster lässt sich überreden, gemeinsam zur Waschanlage zu fahren.
Ich packe das babyweiche Waschdings, seine Brüder, die Eimerkollektion, die Reiniger und los geht es.

Eifelwork 014

Der 11er kommt zuerst dran.
Ich mache mich an den oberen Teil, der Dr. übernimmt die Felgen.
Seifend arbeite ich mich um das Auto herum und erreiche die Front. Alles voller blutiger, zermatschter Insekten.
Wi-der-lich!!!
Mutig versuche ich sie wegzukriegen, aber mir wird schlecht. Absolut ekelhaft.

Ich jammere, der Doktor, von berufswegen unerschütterlich, übernimmt. Mir ist noch immer schlecht. Sein Therapievorschlag: eine Weile Pause machen und weiteratmen.
Ich weigere mich, noch einmal mein Waschdings mit der blutverschmierten Front meines Porsches in Kontakt zu bringen.
Also, er das Massengrab, ich die Felgen.

Eine junge Dame fragt, ob sie die Waschbox haben kann, wenn wir fertig sind.
Ich verneine, mit dem Hinweis, dass wir noch ein zweites Auto waschen wollen.
Sie ist ganz überrascht, ich erkläre: „Zwei Personen, zwei Autos“, während Dr. Standesdünkel korrigiert „Zwei Porsches“.

Zum Glück waren wir früh dran, die Waschstraßenkunden bilden inzwischen eine lange Schlange vor der Einfahrt und vertreiben sich die Zeit damit, die Porschebadeaktion zu beobachten.

Der Boxster ist viel schneller fertig und seine Felgen sind viel pflegeleichter. Sauber fahren wir wieder vom Hof.

Nachdem ich mich wegen der Insekten beinahe in die Waschbox übergeben habe, kann noch viel weniger verstehen, warum Leute ihr Fahrzeug freiwillig von Hand waschen.

Ich bin zu vielen Opfern bereit, für mein heiliges Blech, aber da stoße ich doch gehörig an meine Grenzen…

 

 

 

 

Kontrastprogramm

Den Tag über habe ich mich mit wichtigen, aber letzlich unerfreulichen Themen befasst. Wie unerfreulich, merke ich erst ein paar Stunden später.

Es ging um Aggressionen und Gewalt.
Kurz nachdem ich nach Hause komme, bringt mir Dr. Boxster etwas vorbei, und weil das Wetter schön ist, beschließen wir, eine Tour zu machen.

Anfangs sitze ich noch mit einem leicht zerrissenen Gefühl im Auto. Nach einigen Kilometern merke ich dann, wie das Leben sich wieder leichter anfühlt.

Die Sonne scheint, und als wir über Land fahren, habe ich das Gefühl, das hohe Gras an den Feldrändern fast mit der Hand greifen zu können.
Es sieht wunderbar aus, wenn der Wind die Halme bewegt, sie gleichförmig wogen und dabei farblich leicht changieren.

Weil Dr. Boxster weiß, wie gerne ich auf den Touren Fähre fahre, nehmen wir auf dem Rückweg das Schiff über den Rhein.
Vielleicht sind es frühe Jugenderinnerungen, aber ich finde das Übersetzen immer großartig.

Das Licht gegen Abend erinnert mich an das Licht im Sommer am Meer.

Genau wie wir die Hälse recken, wenn andere Porsches an uns vorbei fahren, kassieren wir von den Entgegenkommenden auch eine Menge Blicke.
Ein Porsche ist vermutlich nie ein Auto, das man unauffällig bewegt.

Zum Glück hat der Boxsterbesitzer ein deutlich entspannteres Verhältnis zu seinem Fahrzeug als ich und das ermöglicht uns das Parken in der Innenstadt mit Besuch beim Türken.
Satt und wohlbalanciert steige ich an diesem Abend aus dem Auto.

Morgen ist allerdings die schwarze Schönheit wieder dran. Ich freue mich jetzt schon. Jeder Porsche zu seiner Zeit.

 

Krank trotz Porsche

Es hat mich erwischt, ich habe eine dicke Erkältung.

Mit warmen Socken liege ich bis zum Hals zugedeckt auf der Couch und verbrauche unvorstellbare Mengen von Taschentüchern.

Da ich dringend noch Dinge wegarbeiten muss, lese ich Fachliteratur und habe mein Laptop auf dem Schoß.

Nur 7 Meter entfernt ist die Garage. Mein Blick fällt auf die Wand hinter der die schwarze Schönheit auf mich wartet.
Es wäre fahrlässig, sich in meinem Zustand hinter das Steuer eines Sportwagens zu setzen.

Seit vorgestern geht das jetzt schon so.

Boshafte Porschefreunde weisen darauf hin, dass ich wohl zu viel Zeit im offenen Boxster verbracht habe. Einer erklärt, dass er schon wisse, warum er keinen offenen Wagen fahre.
Dabei geht die Erkältungswelle im Moment rum und es schniefen auch Bekannte, die nachweislich nicht in offenen Porsches durch die Gegend gefahren sind.

Andere fragen, ob mein ärztlicher Freund denn keine Hausbesuche mache. Ich weise darauf hin, dass er, wie jeder Erwerbstätige um diese Zeit, seiner Arbeit nachgeht. Außerdem erledigt sich ein Schnupfen auch ohne Arzt.

Schlimmer als die Häme meiner Zeitgenossen trifft mich meine Fahruntauglichkeit.
Es ist das erste Mal, dass ich krank bin, seit ich den Porsche habe.

Krank ist immer blöd, aber wenn nur wenige Meter entfernt der Traumwagen wartet, wird es zur Plage.

Schnupfen 001

PS: Ich muss diesen Post auf Wunsch eines ganz besonderen Herren korrigieren:
Es war nicht irgendeiner, der sagte, er wisse schon, warum er keinen offenen Wagen fahre. Es war mein Bruder im Geiste.
So Bro, das war nur für Dich :-*

Diagnose: Boxstermangel

Der Montag beginnt damit, dass der Wecker meines Mobiltelefons mich aus dem absoluten Tiefschlaf reißt. Bis spät abends hatte ich noch mit dem Herrn telefoniert, der mich heute Abend retten wird.

Während ich völlig verwirrt versuche, mich zu erinneren, wie das verfluchte Ding ausgeht, bemerke ich, dass mein Porschefreund schon einen Guten-Morgen-Gruß geschickt hat und gutes Wetter verkündet. Sein Job als Mediziner hat ihn abgehärtet, gegen Schlafmangel.

Meine Jalousien sind noch unten, und so frage ich per whatsapp, ob es Boxsterwetter ist. Er bestätigt dies und so sind wir uns schnell einig, dass es schon viel zu lange her ist, dass wir zusammen eine Tour gemacht haben.

Also verabreden wir, dass er mich von der Arbeit abholt.

Der Tag ist anstrengend, nach vier Sitzungen bin ich ziemlich ausgelaugt. Meine leere Hülle sinkt erschöpft auf den Beifahrersitz. Er öffnet das Dach und wir fahren los. Mein Job besteht darin, meine Sonnenbrille aufzuziehen und abwechselnd der Musik und dem Motor zu lauschen.

Es dauert knapp vierhundert Meter, da stellt sich ein erstes sanftes Glücksgefühl ein. Es braucht so wenig zum glücklich sein…

Die Sonne scheint und dieser Mann kennt alle Wege. Er ist im Gegensatz zu mir nicht hier geboren, aber dennoch kennt er Strecken, die mich immer wieder verblüffen. Es geht in die Gegend, in der ich als Kind gewohnt habe und von da aus weiter ins Bergische.

Mein Blick fällt durch die Bäume in den endlich wieder blauen Himmel und ich fühle, wie  dieser Ausflug  meine Erschöpfung nach dem harten Tag mit jedem Kilometer mehr und mehr lindert.

Zur selben Zeit stellen wir Burgerhunger fest und fahren zu einem Burgerladen, den wir beide mögen.

Auf dem Rückweg schließe ich die Augen und genieße die Fahrt. Vermutlich bin ich keine besonders charmante Begleitung heute, nach solchen Tagen bin ich wortkärger als gewöhnlich.

Aber zum Glück sitzt neben mir ein Arzt, der ziemlich genau zu wissen scheint, dass eine ordentliche Dosis Boxster an einem schönen Frühlingsabend fast alle Leiden einer Frau heilt.

Mädchen-Porsche

Gemeinhin bezeichnet man in Porschefahrerkreisen den Boxster als Mädchen-Porsche.

Das stimmt so nicht. Der ultimative Mädchen-Porsche ist der 11er.

Mir war klar, dass Männer den 11er lieben. So ist es auch, Herren von 7-70 bekommen diesen interessierten Blick, wenn ein Carrera an ihnen vorbei fährt.

Womit ich nicht gerechnet hatte, kleine Mädchen LIEBEN ihn!

Gestern in Wuppertal hielt ich an, um eine ca. 8 Jahre alte Dame vor mir über den Zebrastreifen zu lassen.
Sie strahlte den Porsche an, legte den Kopf schief, zog die Nase kraus und die Schultern hoch und hüpfte verzückt auf dem Weg vor mir. Als sie uns passiert hatte, drehte sie sich noch einmal strahlend um.

Das ist jetzt schon das zweite kleine Mädchen, das ganz offenbar hingerissen ist von ihm.

Großen Mädchen macht er Gänsehaut, wenn sie ihn  fahren.

Kein Wunder, bei diesem A****

Bild

No Boxster Girl

Heute fahre ich einen Ersatz-Porsche.

Es ist ein Boxster S(981) in achatgraumetallic und er ist ganz neu. Ein hübscher Kerl. Das Porschezentrum hat ihn mir gegeben, solange mein Schatz in der Werkstatt ist.

Er soll 69.208,40 Euro kosten. Mehr, als ich für meinen gebrauchten 997 bezahlt habe.

Das Wetter ist super und ich kann offen fahren. Das macht, zumindest abseits der Autobahn, auch richtig gute Laune. So weit so gut.

Doch was sich trotz der 232 kW starken Motorisierung partout nicht einstellen will, ist das Gefühl, in einem „richtigen Porsche“ zu sitzen.

Er wirkt klein, wendig. Was ihm fehlt, ist in meinen Augen die klassische Eleganz des 11ers. Und in den Augen der anderen Autofahrer offenbar das „Überholprestige“ (fieses Wort). Wo dem 11er Platz gemacht wird, weichen die anderen für den Boxster noch lange nicht.

Zum ersten Mal bin ich einen Porsche als Schalter gefahren. Kann man machen, mir gibt es aber nix, was mir mein PDK nicht geben könnte.

Ich mag seinen Sound durchaus, aber so richtig kraftvoll beschleunigt er nicht. Wenn ich Porsche fahre, dann soll mich ein Sprint auch beeindrucken.

Für mich klappt offenbar nur der 11er. Mein Verkäufer hatte mir noch gesagt, „Der Boxster macht auch Spaß“, als ich ihn unglücklich bei der Schlüsselübergabe angesehen hatte.

Ja, Spaß vielleicht. Aber nicht glücklich.

Ich bin kein Boxster Girl.

Boxster 001

Boxster 010