Altweiber-Boxster

Für die Jahreszeit war es heute ungewöhnlich warm.
23 Grad. Mittags schicke ich dem Dr. die Nachricht ins Krankenhaus:
„Boxsterwetter!“
An solchen Herbsttagen wäre es eine Sünde, nicht das Verdeck noch einmal zu öffnen.

Nach Feierabend geht es an den Rhein.
Der Wind ist warm und weich, so dass es sich auch ohne Jacke gut aushalten lässt.
Das Laub der Bäume ist spektakulär bunt.
Auf den Straßen sind schon den ganzen Tag über offene Cabrios zu sehen.

Wir spazieren eine Weile die sandigen Buchten entlang,
wie immer haben einige Autoliebhaber die Fahrzeuge auf den Fähranleger gestellt und genießen den Blick auf Strom und Schiffe vom Fahrersitz aus.
Eine Mutter macht eine Radtour mit ihren zwei Kindern.

Auf dem Rückweg zum Porsche klettere ich ein Stück den Deich hoch, der Dr. folgt mir und küsst mich.
Das eine der Kinder hält sein Fahrrädchen neben uns an und fragt die Mauer hoch:
„Was macht Ihr da?“
Meine Antwort: „Wir Knutschen.“
Das Kind: „Duschen?“ offenbar ist ihm der Begriff „Knutschen“ noch unbekannt, vielleicht drückt auch der Fahrradhelm auf die Ohren, wer weiß.

Ganz die vernünftige Erwachsene korrigiere ich: „Nein, nicht duschen, knutschen. Das bedeutet küssen.“
Die Mutter lacht, wir lachen, dann klettern die vernünftigen Erwachsenen wieder von der Deichmauer und steigen in den offenen Porsche.

Diagnose: Boxstermangel

Der Montag beginnt damit, dass der Wecker meines Mobiltelefons mich aus dem absoluten Tiefschlaf reißt. Bis spät abends hatte ich noch mit dem Herrn telefoniert, der mich heute Abend retten wird.

Während ich völlig verwirrt versuche, mich zu erinneren, wie das verfluchte Ding ausgeht, bemerke ich, dass mein Porschefreund schon einen Guten-Morgen-Gruß geschickt hat und gutes Wetter verkündet. Sein Job als Mediziner hat ihn abgehärtet, gegen Schlafmangel.

Meine Jalousien sind noch unten, und so frage ich per whatsapp, ob es Boxsterwetter ist. Er bestätigt dies und so sind wir uns schnell einig, dass es schon viel zu lange her ist, dass wir zusammen eine Tour gemacht haben.

Also verabreden wir, dass er mich von der Arbeit abholt.

Der Tag ist anstrengend, nach vier Sitzungen bin ich ziemlich ausgelaugt. Meine leere Hülle sinkt erschöpft auf den Beifahrersitz. Er öffnet das Dach und wir fahren los. Mein Job besteht darin, meine Sonnenbrille aufzuziehen und abwechselnd der Musik und dem Motor zu lauschen.

Es dauert knapp vierhundert Meter, da stellt sich ein erstes sanftes Glücksgefühl ein. Es braucht so wenig zum glücklich sein…

Die Sonne scheint und dieser Mann kennt alle Wege. Er ist im Gegensatz zu mir nicht hier geboren, aber dennoch kennt er Strecken, die mich immer wieder verblüffen. Es geht in die Gegend, in der ich als Kind gewohnt habe und von da aus weiter ins Bergische.

Mein Blick fällt durch die Bäume in den endlich wieder blauen Himmel und ich fühle, wie  dieser Ausflug  meine Erschöpfung nach dem harten Tag mit jedem Kilometer mehr und mehr lindert.

Zur selben Zeit stellen wir Burgerhunger fest und fahren zu einem Burgerladen, den wir beide mögen.

Auf dem Rückweg schließe ich die Augen und genieße die Fahrt. Vermutlich bin ich keine besonders charmante Begleitung heute, nach solchen Tagen bin ich wortkärger als gewöhnlich.

Aber zum Glück sitzt neben mir ein Arzt, der ziemlich genau zu wissen scheint, dass eine ordentliche Dosis Boxster an einem schönen Frühlingsabend fast alle Leiden einer Frau heilt.