Auto Jansen und der Sado-Maso-Boxster

Als ich noch meine alte C-Klasse hatte, ist es mir laufend passiert.
Ich kam zum Auto und hatte so einen kleinen Zettel dran.
„Wollen Sie Ihr Auto verkaufen?“
„Bar und sofort, zu jeder Zeit!“

Als wir heute zum Boxster kamen, hatte es ihn erwischt.
Der Ich-kaufe-alte-Karren-Händler hatte ihn ins Visier genommen und ein Zettel war ans Fenster geklemmt.

Auto Jansen will den Boxster kaufen!
Auto Jansen, so lobte die Karte, kauft auch Autos mit Motorschaden und hohen Kilometerleistungen, außerdem: „Bei uns gibt es keine Reklamationen“.
Ist das gut oder schlecht?
Wenn man etwas zu reklamieren hat, ist es sicher eher von Nachteil…

Auf jeden Fall ist es undenkbar, dass sich der Dr. freiwillig von seinem Boxster trennt.
Gut, er ist schon 16 Jahre alt (der Boxster, nicht der Dr.!!)
und heute beim Beladen des Kofferraums ist dem Dr. der Deckel auf den Kopf gefallen, da die Dinger, die den Kofferraumdeckel oben halten sollen, kaputt sind.

Aber wahrer Liebe tut das keinen Abbruch.
Liebe darf auch mal weh tun.
Und außerdem ist es unanständig, seinen ersten Porsche zu verkaufen.
Sowas muss in der Familie bleiben!

Also Finger weg von unserem Mädchen-Porsche, Auto Jansen!

Tom hat sich verfahren 007

Einen Schritt voraus

Gestern hatte ich eine denkwürdige Begegnung.
Sklavisch lasse ich jedes Jahr die Winterreifen auf mein Auto ziehen.
Dabei befolge ich die O-O-Regel und gestern war es wieder so weit.
Der Porsche bekommt am Freitag schicke Winterreifen gekauft.
Gerade in der Eifel ginge es auch gar nicht ohne.

Trotz dicker Erkältung erscheine ich brav in meiner Werkstatt.
Der Chef hat dieselbe C-Klasse wie ich.
Was ich nicht wusste: er hat auch einen schwarzen Carrera S.
Den hat er allerdings gestern verkauft.

Als ich dem Mechaniker meinen Schlüsselbund reiche, gebe ich versehentlich den Porscheschlüssel statt des Mercedesschlüssels weiter.
Der Werkstattinhaber sieht das sofort (Mal wieder so ein schöner Fall von rapid recognition…) und fragt, ob ich auch einen Porsche habe.

Dann erzählt er, dass er seinen heute verkauft habe.
Er sei kaum noch gefahren und dazu sei das Auto zu schade.
Er brauche ihn auch irgendwie nicht mehr.

Wir sind uns einig, dass man zu oft den Porsche nicht nehmen kann.
Beim Gedanken an den Aldi-Parkplatz rollen wir synchron die Augen gen Himmel.
Auch meinen Porsche fahre ich seltener, als mir lieb ist.
Er soll von Kurzstrecken verschont bleiben und nicht unsicher geparkt irgendwo stehen.

Im Alltag habe ich zwar öfter ausreichend lange Strecken, aber das mit dem sicheren Parken ist ein echtes Porblem.
Der Gedanke, dass ich ihn aus diesen Gründen eines Tages auch verkaufen werde, macht mich traurig.

Heute steht zwar nur eine kürzere Strecke an,
aber ich muss krank Kundentermine wahrnehmen, und brauche ein bißchen Porsche-Liebe.
Heute nehme ich meinen schwarzen Prinzen und verjage damit düstere Gedanken an einen Verkauf.

Natürlich nicht!

Das ist die Antwort auf: „Darf ich  mal fahren?“
Das ist auch die Antwort auf: „Darf der Dr. Deinen Porsche fahren?“

Das ist eine Familientradition.
Meine Mutter hat während meiner Kindheit immer moniert, dass sie die Porsches meines Vaters nicht fahren durfte.
Dabei war sie sicher die besonnenere Fahrerin in der Ehe…

Ich mag es noch nicht mal, wenn jemand meine C-Klasse fährt.
Nein, ich bin kein Kontrollfreak!
Im Flugzeug fühle ich ich völlig sicher und als Beifahrerin auch meistens.

Es fühlt sich nur irgendwie falsch an, wenn jemand anderes anders fährt, solange es in meinem Auto ist.
Das klingt wahrscheinlich bescheuert.
Aber es ist die ganze Zeit beunruhigend.

Und bei dem Gedanken, dass jemand meinen Porsche…
…da kriege ich einen sofortigen Atemstillstand!
In meiner Familie ist das nun mal so.
Das liegt in den Genen, da kann man gar nix machen 😉

Fremde Federn

Ich habe mich heute mit fremden Federn geschmückt.
Genauer gesagt, mit dem Überholprestige eines Panamera.
Neeeeein! Ich war natürlich nicht mit dem 11er unterwegs!!

Mein Kombi ist ein Wölflein im Schafspelz. Er hat zwar etwas über 200 PS, aber für einen C-Klasse-Kombi macht eben niemand Platz.
Ganz im Gegenteil. Ich fuhr auf der A1 Richtung Süden und quälte mich hinter holländischen Wohnmobilen, die mit gefühlt 15 kmh am Berg Lkws überholten.

Es war trotz Klimaanlage heiß und ich war in den letzten Tagen zu viel auf den Autobahnen  unterwegs.
Ich wollte ankommen. In der Kühle, am See.

Von hinten kam, gut wahrnehmbar mit Porschewappen, ein Panamera aus dem hohen Norden angezischt.
Super, dachte ich, dranhängen und durch.
Und genau das hat geklappt.

Nicht auf Dauer, dafür hat mein Motor dann doch nicht genügend Power, aber zumindest für die letzen Berge auf meiner Strecke.
Eigendlich mag ich diesen Porsche nicht, aber heute war ich ihm ausgesprochen dankbar.

Mein eigener fehlt mir sehr. Leider hatte ich so viel Plunder mitzuschleppen, dass er in der Garage bleiben musste.
Morgen und übermorgen bekomme ich aber zwei Porsches zu Besuch, die mir die Zeit bis zum Wiedersehen verkürzen werden.

Oder auch mein Herz noch schwerer werden lassen, wer weiß…
Wenn ich an ihn denke, habe ich so ein Ziehen in der Brust,
Diagnose: Sehnsucht.