Einen Schritt voraus

Gestern hatte ich eine denkwürdige Begegnung.
Sklavisch lasse ich jedes Jahr die Winterreifen auf mein Auto ziehen.
Dabei befolge ich die O-O-Regel und gestern war es wieder so weit.
Der Porsche bekommt am Freitag schicke Winterreifen gekauft.
Gerade in der Eifel ginge es auch gar nicht ohne.

Trotz dicker Erkältung erscheine ich brav in meiner Werkstatt.
Der Chef hat dieselbe C-Klasse wie ich.
Was ich nicht wusste: er hat auch einen schwarzen Carrera S.
Den hat er allerdings gestern verkauft.

Als ich dem Mechaniker meinen Schlüsselbund reiche, gebe ich versehentlich den Porscheschlüssel statt des Mercedesschlüssels weiter.
Der Werkstattinhaber sieht das sofort (Mal wieder so ein schöner Fall von rapid recognition…) und fragt, ob ich auch einen Porsche habe.

Dann erzählt er, dass er seinen heute verkauft habe.
Er sei kaum noch gefahren und dazu sei das Auto zu schade.
Er brauche ihn auch irgendwie nicht mehr.

Wir sind uns einig, dass man zu oft den Porsche nicht nehmen kann.
Beim Gedanken an den Aldi-Parkplatz rollen wir synchron die Augen gen Himmel.
Auch meinen Porsche fahre ich seltener, als mir lieb ist.
Er soll von Kurzstrecken verschont bleiben und nicht unsicher geparkt irgendwo stehen.

Im Alltag habe ich zwar öfter ausreichend lange Strecken, aber das mit dem sicheren Parken ist ein echtes Porblem.
Der Gedanke, dass ich ihn aus diesen Gründen eines Tages auch verkaufen werde, macht mich traurig.

Heute steht zwar nur eine kürzere Strecke an,
aber ich muss krank Kundentermine wahrnehmen, und brauche ein bißchen Porsche-Liebe.
Heute nehme ich meinen schwarzen Prinzen und verjage damit düstere Gedanken an einen Verkauf.