Mein wunderschöner, bissiger Porsche und ich

Ein sonniger Frühlingsabend.
Der Porsche ruft aus der Garage, dass er dringend aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden möchte.
Natürlich konstruiert mein Kopf, dass dringend etwas besorgt werden müsse, und ich lasse ihn raus.

Der Dr. ist gerade erst nach Hause gekommen und will nicht mit.
Als er den Motor des Elfers hört, kommt er an die Haustür, um mir zu winken.
Er steht in der Tür, schenkt mir sein reizendes Lächeln.
Es erinnert mich an unsere Anfangszeit, als unsere Porschefreude uns so verband.
Ich winke aus dem Elferfenster zurück und fahre los.

Er ist bissig, mein Motor, sehr befriedigend.
Auf dem Parkdeck fahre ich in die hinterste Ecke.
Eigentlich will ich schon in den Einkaufstempel, aber der Porsche ist einfach zu schön.
Ich hole das Handy aus der Handtasche und fange an, Fotos zu machen.
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Er sieht aber auch zu gut aus, wie er im Abendlicht da steht.
So hocke ich auf dem Parkdeck und knipse.
Endlich reiße ich mich los und gehe zum Eingang.
Drei Jugendliche schlendern pommesessend in Richtung meines Autos.

Paranoid bleibe ich sofort stehen und warte, ob sie sich dem Carrera nähern.
Auch beim Einkaufen denke ich immer wieder, hoffentlich geht das gut.
Der Porschebruder und der Dr. kriegen natürlich noch während des Einkaufs Fotos geschickt, denn die wissen die schwarze Schönheit natürlich angemessen zu würdigen und halten mich nicht für eine befremdliche Person.

Irre, nach zwei Jahren immer noch so verliebt…

Absturzgefahr!

Mittwochnachmittag.
Der Dr. ist zu einem seiner Endlosdienste aufgebrochen.
Eine eitlere Frau hätte vielleicht aus dem blonden Lockenchaos eine nette Frisur gemacht.
Eine bessere Hausfrau hätte mit Sicherheit die Küche aufgeräumt.
Aber die Sonne scheint, es sind 8 Grad, wir haben Porschewetter!

Strubbelig verfrachgte ich den Mops in den Elfer und mich hinters Steuer.
Das Styling verschiebe ich, heute Abend gehe ich mit einer Freundin tanzen und die Küche wird verdrängt.

Es geht ins Bergische Land, Freitag habe ich da einen Termin und ich will mir die Strecke ansehen.
Der Mops schnauft, durch die Winterpause ist er das bissige Sportwagengefühl nicht mehr gewohnt.

Das Radio dudelt, die Sonne scheint, ich fahre.
Absturz
Dieses Schild übersehe ich auf dem Hinweg.

Och, denke ich, was für eine schöne Strecke!
Eine schmale Straße, viele Kurven, steile Anstiege.
Einen kurzen Moment überlege ich, dass man hier geile Porsche-in-Landschaft-Fotos machen könnte.

Weiter geht es durch die Berge.
Dann höre ich meine eigenen Stimme „Ach du Scheiße!“ sagen.
Mir wird klar, dass dies keine Einbahnstraße ist.
Wenn mir jetzt jemand entgegen kommt, wird einer von uns eine weite Strecke zurücksetzen müssen.

Eine sehr weite Strecke.
Weit und eng und kurvig und bergig und rückwärts.
Ich halte den Atem an und sende Stoßgebete gen Himmel.
Jeder weiß, dass Atemanhalten das Auto schmaler macht…

Es geht auf einer winzig schmalen Brücke über die A3, weit und breit keine Möglichkeit zum Wenden oder Abbiegen.
Diese road to nowhere geht weiter und weiter.
Ins Nichts.

Jetzt schnauft nicht mehr der Mops, sondern ich.
Warum gibt es solche Straßen?
Warum warnt einen denn niemand??
Hiiiiiiilfe!!
Nach gefühlten sieben Stunden komme ich an einen Reitstall.

Um mich herum sehr viele junge, minifahrende Damen in Reithosen.
Hier hat so ziemlich jeder Bauer auf Pferdewirt umgesattelt, damit die höheren Düsseldorfer Töchter ihre Zossen stadtnah parken können.
Ich wende die schwarze Schönheit und schaffe es tatsächlich heil zurück in die Zivilisation.

Erst als ich die sichere Autobahn wieder erreiche und der Carrera sein sonores Organ erhebt, sinkt mein Puls langsam wieder.
Gott, war das gefährlich…

Boney M

Das C-Klasse-Fasten gefällt mir sehr gut.
Morgen geht es nach Wesel, da habe ich eine schöne längere Fahrt mit dem Elfer.
Das Wetter wird sonnig, das wird eine Wucht.
Ich nehme die Kamera mit, vielleicht ergibt sich ja eine schöne Kulisse für Porschefotos.

Weil ich früh los muss, werde ich entsprechend früh ins Bett gehen.
Der Dr. und ich lassen den Feierabend auf der Couch ausklingen.
Mit Boney M., keine Ahnung wie wir darauf gekommen waren.
Die Hits meiner Jugend!

Immer noch gute Songs, aber die Texte und Choreographien sind aus heutiger Sicht ebenso fragwürdig wie die Kostüme.
Der Fake-Sänger hat sicher ADHS.
Das wallende Brusthaar in diesem rosa Satin-Anzug, würg.

Der Dr. sagt, Bahama Mama sei Cabrio-Musik.
Ich seh uns am Wochenende schon offen durch die sonnige Eifel cruisen,
„Brown girl in the ring. Tra la la la la“!
Großartig.

Born this way

So!
Der Beweis ist erbracht.
Gott will nicht, dass ich Auto wasche.
Seit ich das gemacht habe, fühle ich mich krank: Ohrenschmerzen, Schnupfen, Müdigkeit…
Also: Finger weg von Waschanlagen!
Die bekommen mir nicht.

Während ich schwächlich herum  lag, haben der Dr. und ich über gute Hintergründe für Porschefotos gesprochen.
Dabei wurde wieder einmal schmerzlich deutlich, dass wir einen unterschiedlichen Geschmack haben.
Ich: Der Rhein, eine schöne Allee, schicke Architektur.
Er: Olle Zechengebäude, das Rheinufer bei Köln (!!!) und andere Dinge, die für mich eher Albtraum als porschekompatibel sind.

Er ist einer der Menschen, denen man Halden und abgewrackte Fabriken im Ruhrgebiet als „Industriekultur“ verkaufen kann.
Damit braucht mir niemand zu  kommen, schon gar nicht in Zusammenhang mit meinem wunderschönen Porsche.

Er hat auch in so ziemlich allen anderen Dingen einen anderen Geschmack als ich.
Er mag bunte Autos, Audi, hat einen Boxster, einen Hang zur Working-class Ästhetik, bei mir sind die Autos schon immer schwarz, und meine erste große Liebe hat mir, bereits bevor ich volljährig wurde, vorgeworfen, ich hätte ein „Scheiß-elitäres Denken“.

Aber als gute Rheinländerin weiß ich, „Jeder Jeck ist anders“.
Und „Et hätt noch immer jot jegange.“
Wir finden schon noch den passenden Hintergrund für unsere Fotos.

Es sollen nämlich schwer romantische Fotos werden.
Unsere beiden Porsches!
Sie haben uns zusammen gebracht und unsere Kaufentscheidung damals hat, bevor wir wussten, dass es den anderen nur wenige Kilometer von uns entfernt gibt, die Weichen richtig gestellt.