Der Ring wird 90 – auch ohne mich

Vor 2500 Jahren war Heraklit schon schlauer als ich.
Ich hatte mir vorgestellt, (oder sollte ich „gewünscht“ schreiben?), an diesem langen Wochenende meine schönen Urlaubsgefühle fortsetzen zu können.
Ich wollte vier Tage in der Eifel verbringen, Wandern, ausruhen, nach Häusern suchen den Ring hochleben lassen…

Aber Dinge lassen sich nicht einfach wiederholen.
Am Vormittag des zweiten Tages ging es los.
Meine Hundebetreuung brach in sich zusammen, da des Drs. Alltagsauto einen Motorschaden hatte, er sich um Abschleppwagen kümmern musste, und nicht wie geplant die Hunde nehmen konnte.

Dann kam die Nachricht meiner Mopssitterin, die momentan mit schwerer Krankheit im Krankenhaus liegt, dass es ihr sehr schlecht gehe.
Kurz darauf erfuhr der Dr, dass bei seiner Mutter der Verdacht auf Krebs besteht.

Alles innerhalb von zwei Stunden.
Heute schrieb eine Freundin, dass ihr bester Freund verstorben sei.
Manchmal kommt es aus allen Richtungen.
Das Wochenende verging wie unter einer dunklen Wolke.

Ute schickte Fotos vom Ring, meine liebe, selbstlose Hundesitterin mahnte, es sich schön zu machen und die guten Zeiten zu genießen, aber wenn man umgeben ist von so viel Schwere mag zumindest mir das nicht gelingen.
Aber zum Glück kommen die schönen Momente ja auch unplanbar und von alleine.

Im Vergleich zu so vielen anderen und ihren Lieben geht es mir gut, sehr gut sogar.
„S dnem rozhdenija!“ lieber Ring, Du bist ja jetzt in russischer Hand…

 

On my way in LA

Ich hatte Urlaub.
Acht Tage ohne Termine, paradiesisch!
Leider ohne Porsche.

Im Urlaub war ich kurz beim 24h-Rennen, am Morgen des zweiten Tages.

Reine Fomo-Aktion, hätte ich mir sparen können.

Im Fernsehen sieht man besser, aufs Boxendach dürfen nur noch VIPs.

Krethi und Plethi dürfen durch den Zaun gucken.

Oder sich monetär beim Oligarchen hochschlafen.

24-Stundenrennen heißt die Veranstaltung, weil der Weg vom Ort des Rennens zum Parkplatz einen 24stündigen Fußmarsch erfordert.
Parken und Eintritt teuer, wenig zu sehen, ich bin nach kurzer Zeit genervt wieder gefahren.

Und ich habe mir Wollseifen angesehen, ein ausgesprochen eindrucksvoller Ort.
Bedrückend.


Blick aus der verwüsteten Kirche auf die Kulissen des Häuserkampfes.

Ein Irrsinn, man möchte umgehend Friedenstaubenaufkleber kaufen und Menschenketten machen, damit es nie wieder Krieg gibt.
Dort wurde mir bewusst, was wir Kinder der 70er in Deutschland doch für ein Glück mit dem Zeitpunkt unserer Geburt hatten…

Noch immer darf man die Wege nicht verlassen, es ist eben jahrzehntelang geballert worden. Aber auch auf den Wegen lauert Gefahr…

Das ist vom Wolf. Mindestens.

Mit dem letzten Tag des langen Pfingswochenendes ging der Urlaub zuende.
Das Urlaubsende brachte die Wiedervereinigung mit dem Porsche und bei bestem Helden-zeugen-Wetter habe ich ihn für eine anstehende Fahrt genutzt.
Es war so gut, dass ich mich wieder ganz frisch in ihn verliebte.

Auf der A57 zog auf einmal ein Mercedes schnittig von der rechten Spur links neben mich, auf gleiche Höhe.
Ich wollte cruisen, im Radio dudelte „On my way to LA“ und ich hatte keine Eile.
Gutmütig grinste ich herüber.

Die Beifahrerin strahlte euphorisch zu mir herüber.
Ich kannte die Leute nicht, ein Kennzeichen von irgendwo weiter weg.

Keine Ahnung, was die hatten, vielleicht hatte sie mit dem Fahrer gewettet, dass eine Frau am Steuer sitzt und gewonnen.
Vielleicht auch einen Leserin, die sich freute, die schwarze Schönheit mal im wahren Leben zu sehen.

Wie auch immer.
Im Kombi passiert einer Frau sowas auf jeden Fall nicht.

Kurz vor Wonnemonat

Am letzten Samstag des Aprils bin ich wieder in Sachen Immobilien in der Eifel unterwegs, und habe vor meinem Termin noch etwas Zeit.
Also kurz zum Porsche Sports Cup.
Noch ist es früh, die Rennen laufen nicht, aber man kann überall hin und Porsches gucken.


Der Lambo hat nicht nur mir gut gefallen, einige Porschefahrer blieben stehen und lichteten ihn ab.


Ikeas Bälle-Bad ist total out.
Porschefaher hängen ihre Kinder auf und gehen dann auf die Strecke.
Und danach kann man sich von der Commerzbank (!) seinen Reichtum managen lassen.

Toll.

Als ich die Boxen entlang lief, folgte mir eine Gruppe junger Männer.
Einer davon erzählte seinen Freunden, er habe einen Auftrag von seinem Vater bekommen.
Er möge doch ein getrages Höschen von… (…sexistisches, misogynes Gefasel) mitbringen.

Ich drehe mich um.
Fixiere die Gruppe giftig, die Nachwuchssexisten merken, dass die Porschewelt gar nicht so männlich ist, wie sie sich in ihren Jungmännerhirnen ausgemalt haben.
Meine Kunden sagen oft, ich hätte so einen kalten Blick, ich hoffe, das stimmt.

Per Gedankenübertragung lasse ich Sie wissen: „Macht nur weiter mit solchen Sprüchen, dann ramme ich Euch meinen Porscheschlüssel bis zum Anschlag zwischen die Augen.“

Danach treffe ich Herrn McLaren bei unserem gemeinsamen Lieblingsitaliener.
Ich treffe ihn allerdings nur insofern, dass wir zur gleichen Zeit essen, noch sind wir nicht verheiratet…
Danach kurz im Garten die Beine hoch legen und dann zum Termin.

So, morgen Nacht hätte ich dann gerne einen Maibaum!

 

Ich brauch keinen Porsche

Um mit der Geschwindigkeit des Verkehrs aus Bad Godesberg raus und an Köln vorbei mitzuhalten, täte es auch ein Fahrrad.

Zwei Stunden für 34 Kilometer.
Es hängt mir so zum Hals raus.
Wenn man seit 10 Stunden unterwegs ist, will man nur noch ankommen.
Autofahren in NRW ist das Gegenteil davon.


Auf dem Foto kaum zu sehen, vor dem roten Auto fährt tatsächlich ein DeLorean.
Kleiner Lichtblick kurz vor dem Nervenzusammenbruch.
Vor Freude rufe ich meine Freund Stefan an, und erzähle ihm davon.
Ohne die nette Plauderei mit diesem Fels in der Brandung meines Lebens wäre ich vermutlich rechts ran gefahren und hätte mich vor Wut weinend auf den Seitenstreifen geworfen…

Stayin´alive – was macht der Papst in der Eifel auf einem Trecker?

Urlaub.
Endlich, endlich, endlich Zeit!
Leider sitze ich nicht im Porsche, sondern im Mopstransporter.
Ich fahre zum Spaß durch die Eifel und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein.

Kurve durch die Gegend, sehe mich um, das Radio dudelt.
Bis er auf einmal auf einer Landstraße vor mir auftaucht.
Der Papst auf einem Trecker.
„Gott, warum nicht…“, denke ich, „vielleicht hat er auch Ostrferien?“.

„Ach nee, der muss ja urbi et orbi…“.
Ok, bei näherem Hinsehen ist es nicht der Papst.
Von hinten wirkten die massigen Schultern des älteren Bauern nur wie eine Soutane und das auf seinem Kopf ist auch nicht dieses Geistlichen-Hütchen, sondern die unvermeidliche Baseball-Kappe.

Ich fahre weiter.
Zufällig gerate ich auf eine dieser Eifelstraßen, die so breit sind, wie normalerweise eine einzelne sehr schmale Fahrspur.
Leider sind es keine Einbahnstraßen.

Da hilft nur beten, dass der Gegenverkehr einem nur dort begegnet, wo ca. jeden Kilometer eine Ausweichmöglichkeit existiert.
Es ist kurvig und geht steil bergab.
Dennoch darf man 70 fahren, unter der 70 ist ein schlingerndes Auto abgebildet, na super!

„Lass jetzt bloß keinen kommen, lass jetzt bloß keinen kommen!!“ stoßbete ich.
Steil hoch, steil runter, Kurve rechts, steil wieder hoch, Kurve links.
Im Radio singen die Bee Gees: „Ah, ha, ha, ha, stayin‘ alive, stayin‘ alive.“
Ich habe alle Hände voll zu tun beim Fahren und denke: “ Nicht lustig.“

Irgendwann hört die Höllenstrecke auf und ich komme in Ripsdorf wieder auf eine normale Straße.
Puuuuuh!
Weder in den Graben gefahren, noch 900 Meter im Rückwärtsgang.

Andere müssen für so viel Adrenalin im Urlaub Bungee jumpen.
Ich treibe mich einfach nur auf einsamen Straßen herum, dafür aber hinterm Papst und fast and furious.

 

Kurz zur VLN

Samstagmorgen, strahlender Sonnenschein und der erste Lauf der VLN.
Nicht selten musste dieser in der Vergangenheit wegen schlechten Wetters abgesagt werden, im März ist in der Eifel alles denkbar.
Dieses Jahr strömten die Massen nur so an die Rennstrecke.

Normalerweise wäre ich mit Begeisterung dabei gewesen, aber ich hatte den Kopf nicht richtig frei.
Ich suche momentan nach einer neuen Bleibe und was die Immobilieneigner in der Eifel an Preisvorstelllungen haben, könnte ein eigenes Blog füllen…

Was für eine Schande, wenn die Saison so schön startet und einen andere Themen umtreiben.

Die Gedankenberge zur Seite schiebend, entschloss ich mich, wenigstens einen kurzen Blick auf die Strecke zu werfen.
Vorher fiel mein entsetzter Blick allerdings auf diese Felgen:
Kann man sicher so machen, muss man aber nicht.
Als ich fassungslos die Kamera meines Telefons auf das gelbe Elend richtete, kam der schwer tätowierte Besitzer, ein passendes Bild.


Die Fahrer schenkten den Fans gewagte Manöver, da stach einige wohl der Hafer nach der langen Winterpause.
Es sollen auch ein Lambo und ein Ferrari gestartet sein, die habe ich allerdings nicht gesehen.
Zumindest der Lambo wäre mir mit Sicherheit aufgefallen.

Dafür war der Fuchsschwanz-Manta wieder dabei und solange der auf der Nordschleife seine Runden dreht, ist die Welt noch in Ordnung.

Mein Maserati fährt 210

Hätte man mir als 12 jähriger erzählt, dass ich Markus auf einer Party treffen würde, ich hätte es nicht geglaubt.
So ist das mit den Helden der Jugend, je älter man selber wird, desto eher werden sie zu ganz normalen Menschen.

Der arme Markus hat mir nur die Hand gegeben, weil mein Star-Freund Bastian uns vorgestellt hat, war aber ausgesprochen charmant.
Vor mehr als 20 Jahren habe ich bei der Arbeit mal Extrabreit getroffen, auch Jugend-Ikonen.

Ich weiß nicht woran es liegt, aber die Hits meiner Jugend habe ich so oft gehört, wie ich nie wieder Musikstücke konsumiert habe.
Tatsächlich war ich der Meinung, dass es nichts Geileres gäbe, als wenn die Schule endlich in Flammen aufginge und obwohl es kein Maserati geworden ist, sehen wir ja, wohin Markus Hit geführt hat.

Ich kann da nichts für, wenn ich Geschwindigkeitsbegrenzungen ignoriere.
Das ist Gehirnmanipulation in früher Jugend.
Ich muss das quasi tun.