Anne´s got the Blues

Der letzte Ostertag ist sommerlich warm, am Abend liegt die Landschaft in goldenem Licht.
Ich bin auf der Rückfahrt aus Düsseldorf, zügig fahre ich die Kurve hinter der Brücke über den Rhein, der Elfer klebt am Asphalt.

Sauber kommen die ersten wehmütigen Töne von Mark Knopflers Gitarre und umhüllen mich von allen Seiten. You and your friend.
Der Sound passt zu den abendlich leeren Straßen, und unverhofft reißt es mich.
Schwermütig muss ich an die Touren denken, die der Dr. und ich am Anfang abends oft gemacht haben.

Tränen steigen in meinen Augen auf, es hätte so gut sein können, und ist so epochal gescheitert…

Als ich meine Ausfahrt erreiche, nehme ich den längeren Weg nach Hause.
Ich will noch etwas über die Landstraßen jagen.
Aber vor mir in den Wagen sitzen müde Familienväter am Steuer, und bremsen die traurige Frau auf das vorgeschriebene Tempolimit ab.

Kurz nachdem ich wieder daheim bin, schickt der Porschebruder ein Bild nebst Tonaufnahme seiner roten Schönheit.
Geschwister im Geiste…

Porsche-Licht

Es ist dieses Licht.
Goldene Abendsonne, ein Licht, bei dem man Porschefahren muss.
Der Dr. arbeitet, und ich muss nirgendwo hin.

Kein Problem, ich werde ihn als Alibi benutzen, und eine Porschetour zum Krankenhaus machen.
Vorher will der Carrera noch Benzin.
An der Tankstelle treffen sich die Gleichgesinnten.

Ein Elfercab wird gerade betankt und neben mir steht ein schwarzes, schweres Motorrad mit Rüssel im Tank.
Die beiden Herren und ich tauschen ein kleines wissendes Grinsen, auch sie haben das Licht gesehen.

Kaum schiebe ich meinen breiten schwarzen Arsch auf die Autobahn, sind sie auch schon da.
Aufgeregte Männer in BMWs.
Sie wollen zeigen, wie schnell sie die Auffahrt nehmen können.

Macht mal, denke ich und drehe Mark Knopfler lauter, während ich mich wohlig in den Sitz lehne.
Die Zeiten, in denen ich glaubte, jemandem etwas beweisen zu müssen sind schon länger vorbei.

Im Krankenhaus schicke ich eine Schwester den Dr. holen.
Er ist freudig-überrascht mich zu sehen, aber hat Patienten.
Ein schneller, süßer Kuss auf dem Krankenhausflur, mehr ist nicht drin.
Nicht schlimm, draußen wartet der Elfer darauf die Fahrt fortzusetzen.

Gott, dieses Auto macht so glücklich.
Die Sonne ist untergegangen, die Straßen werden leerer.
„God knows what I could do with you…“