Joyride

Video

Wir haben den dritten Oktober und mir ist zum ersten Mal in diesem Jahr langweilig.
Ich hatte vergessen, was das für ein nerviges Gefühl ist.
Am frühen Nachmittag trocknen die Straßen endlich ab, es stellt sich doch noch Porschewetter ein, und ich greife nach dem Elferschlüssel.

Ich muss nirgendwo hin.
Wobei, so kann man das nicht sagen, schließlich bin ich nicht ziellos unterwegs, denn es zieht mich auf leere, kurvige Landstraßen in die Gegend meiner Kindheit.
Ich bin nicht die einzige Lustfahrerin heute.

Als ich auf die A46 fahre, kommt von rechts der nächste Porsche.
Dieses kurze wissende Begrüßungsgrinsen und schon fangen wir an, auf der Bahn ein bisschen Unsinn zu machen.
Irgendwann fährt er ab und ein Lotus übernimmt.

Blick, Grinsen, Gas.
Im Tunnel beschleunigt er weit in den führerscheingefährdenden Bereich, und es klingt gut.
Kindliche Freude, angesichts des Memento mori der nahenden Winterzeit.

Über Serpentinen geht es hinab ins Neandertal.
Ausflüglerrummel bremst mich aus, nur weg hier.
Steil geht es Richtung Wuppertal hinauf, der Carrera nimmt die Höhenmeter freudig.

Felder erstrecken sich neben der Landstraße, die Bäume sind schon herbstlich gefärbt.
Die schwarze Schönheit klebt zuverlässig auf dem Asphalt und mein Herz wird immer leichter.
Irgendwann ist die Strecke nach Wuppertal gesperrt und ich biege zurück ins Rheinland ab.

Das Wetter ist etwas instabil und ich beschließe, die Tour zu beenden.
Zwei kleine Jungen stehen mit ihren Fahrrädern an der Straße, als ich mein Haus fast erreiche.
Ihr Blick klebt fasziniert an meinem Heck, als ich schmunzelnd zum Sender für das Garagentor greife.

Müde und erholt zugleich bleibe ich noch einen Moment neben dem warmen, knisternden Porsche stehen.
Dann schließe ich das Tor und gehe mit einem „the cat that got the cream-Blick“ ins Haus.

 

Advertisements

Puh!

Tag zwei der Aufbauarbeiten am Carport hat leider nicht das Ende gebracht, erst morgen kommt vermutlich das Dach drauf.

Bis dahin bin ich reif für die Anstalt.
Gestern, sehr spät am Abend, hörte ich noch Menschen sprechen und Autos rangieren.
Neben dem schwarzen Porscheprinzen!
Ich war so bescheuert, die ganze Zeit innen auf der Treppe zu hocken, bis das Auto aus der Straße raus war.

Und heute Morgen dann der große Müllwagen.
Wo hier doch so wenig Platz ist…
Wieder saß ich bangend auf der Treppe.

Das sind harte Zeiten für eine Porsche-Paranoikerin.

Heute Abend habe ich einen der Handwerker zur S-Bahn gefahren und er sinnierte darüber, dass es ja doch etwas anderes ist, wenn eine Frau einen Porsche fährt als ein Mann. Er meint, dass es wohl noch 10 Jahre dauern wird, bis Frauen junge Männer auf Spritztouren in ihrem Porsche einladen.

Hm, ich fahr ja am liebsten alleine mit meiner schwarzen Schönheit, aber für einen jungen Mann wäre ich unter Umständen bereit, eine Ausnahme zu machen.
Vorausgesetzt, er hat saubere Klamotten an. Und die Schuhe sind auch nicht dreckig.
Und er faßt nichts an.
Ach nö, vielleicht doch lieber alleine.

Blöd nur, dass es echt niemanden gibt, der auf eine Spritztour im Kombi mit will, da wär ich auch bereit, jemanden mitzunehmen.
Paranoia macht einsam 🙂