Die Jungs sicher in den heimischen Stall bringen.

Weihnachten sind der Dr. und ich zwischen den Wohnsitzen hin und her gependelt.
Eigentlich wollten wir bis heute Nachmittag in der Eifel bleiben.
Aber es war Schneeregen bei fallenden Temperaturen angekündigt worden, und da werden die Straßen gerne mal unangenehm seifig.

Also habe ich schon nach dem Frühstück, bei dem es die Reste unseres großartigen, binationalen Buffets gab, zum Aufbruch geblasen.
Wie immer, als das Radioteleskop Effelsberg am Horizont erschien, musste der Dr. mich mit dem Anblick aufziehen.

Unser Lateinlehrer hatte uns als Teenager auf einem grauenvollen Gewaltmarsch von der Jungedherberge in Bad Münstereifel bis zum Teleskop laufen lassen.
Nur knapp bin ich damals dem sicher scheinenden Erschöpfungstod von der Schippe gesprungen.
Das war das Jahr, in dem die Welt von Rock Hundsons AIDS-Erkrankung erfuhr.

Inzwischen habe ein zum Glück einen Führerschein, ein Auto und konnte den Lateinlehrer gegen einen sympathischeren Reisebegleiter austauschen.
Der technikbegeisterte Dr. war sofort Feuer und Flamme, als ich vorschlug, die Autobahn zu verlassen und beim Jugend-Trauma-Teleskop einen Zwischenstopp einzulegen.

Im Sommer gibt es in der Gegend schöne porschetaugliche Strecken.
Und so ein Teleskop ist ein lohnendes Ziel.

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Technik, die begeistert.

Nur als Institutsangehöriger darf man bis mit dem Auto ans Teleskop heran.
Etwas Fußmarsch bleibt auch nach 30 Jahren noch…
Auf der Rückfahrt hatten wir es schon fast geschafft, und gerade hatte ich zum Dr. gesagt, dass wir vor dem Schnee zuhause ankommen würden.

Eine Sekunde danach begann es zu regnen.
Vor uns gingen die Fahrer in die Eisen, jäh fuhren wir in eine Schneeregenfront.
Die Temperatur halbierte sich, das mögliche Tempo ebenso.
Auf den letzten zehn Kilometern war ich froh, mich gegen die Idee entschieden zu haben, mit zwei Autos in die Eifel zu fahren, damit ich den Porsche mitnehmen kann.

Zum Glück ist es mir gelungen, die Jungs sicher in den heimischen Stall zu bringen.
Jetzt liegen Zweibeiner nebst Hund auf der gemütlichen Couch und wünschen warme und trockene Weihnachten, sowie immer genügend Grip!

Mein wunderschöner Porsche macht mich zu einer bösen Frau

Der rheinische Winter zeigt sich von seiner besten Seite.
Es ist so mild, dass ich den Elfer ohne Winterschlappen fahren kann.
Heute lagen ein paar hundert Kilometer vor mir, keine Kurzstrecke, also ein porschetauglicher Tag!

Wenn ich in den Seitenspiegel sehe, kann ich die prachtvollen Rundungen seiner Hüften sehen und der Motor klang wieder sooo sexy, ich liebe es, diesen Wagen zu fahren!
Wenn nur dieses Porblem nicht immer wieder auftauchen würde.
Schon wieder bin ich road-rage-Opfer geworden.

Also nicht Opfer eines anderen, sondern Opfer meiner eigenen Rage.
Und dabei brauche ich meinen Führerschein!
Mein Leben würde ohne nicht funktionieren.
Aber wenn ich in den Porsche steige, passiert irgendetwas mit mir.

Mir geht einen Sicherung durch und ich vergesse völlig alle Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Ich will dann einfach nicht überholt werden.
Vermutlich wäre aus mir in jungen Jahren eine gute Rennfahrerin geworden.

Auf der Autobahn  haben solche Momente der Raserei allerdings nichts zu suchen.
Ich muss mich mehr in den Griff bekommen!
Es ist doch bestimmt gar nicht so schlimm, überholt zu werden.
Vielleicht ist das gar kein schwarzer Prinz, sondern schwarze, böse Magie auf Rädern.

Vielleicht habe ich aber auch zuviel Testosteron, ich werde mal den Dr. bitten, nach Zeichen von Bartwuchs bei mir zu suchen.
Aber immer wenn ich das tue, sagt er die einzigen Haare, die er sehen könne, wären die auf meinen Zähnen…