Faraday-Porsche

In den letzten Tagen hat Murphys Gesetz sich bei mir breit gemacht.
Freitag der letzten Woche war der 13. und als wolle mich jemand davon überzeugen, dass es Unglückstage wirklich gibt, reihten sich die Unerfreulichkeiten nur so aneinander.

Als ich gestern zur Arbeit aufbrach, war das Leben noch immer doof.
Aber immerhin warm und trocken, daher kam der Porsche mit.
Und als ich über die morgendlich dunkle Autobahn fuhr, legte sich zum ersten Mal seit vier Tagen Ruhe über meine Seele.

Ich saß in meinem schwarzen Kokon,
eingepackt in den Sportsitz, umhüllt vom Klang der Anlage.
Drinnen Bose, draußen das Böse.
Als trenne die Flyline die Einflüsse der Mitmenschen vom Innenraum.

Der Sportwagen als sicherer Hafen, als Mutterschoß, in den Frau sich flüchtet.
Take that, Porsche-Marketingabteilung!

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Bin ich eigentlich die Einzige…

…die so viel im Auto heult?
Oder sind wir unbemerkt eine Nation von Menschen, die beim Fahren weinen?
Weine ich unbemerkt, oder nehmen die anderen wahr, dass die Frau im schwarzen Wagen beim Fahren weint?
Die Leute, die im Auto popeln denken ja auch nur, dass sie niemand sieht…

Ich habe, glaube ich, noch nie jemanden irgendwo im Auto weinend fahren sehen.
Ich muss in solchen Situationen immer irgendwo hin.
Heute hatte der Hund kein Futter mehr, und der Tierladen hatte nur noch 30 Minuten geöffnet.

Ich musste also ins Auto.
Und ich musste weinen.
Bei dem Dr. und mir hatte es immer schlechter und schlechter funktioniert.
In meinen Augen durchaus ein Grund zu weinen.

Der hungrige Welpe durchaus ein Grund zu fahren.
Also macht Frau beides.
Kurz vor dem Aussteigen muss sie dann alle Kraft zusammen nehmen und aufhören.
Schnell aussteigen, tun, was zu tun ist.

Zurück im faradayschen Tränenkäfig auf Rädern, Motor wieder an und Beherrschung aus.
Männer weinen sicher nie im Auto.
Ich glaube, die weinen ohnehin weniger.

Sollte ich mich irren, lasst es mich wissen.
Dann setzen wir uns ins Auto.
Ich habe Bose surround!

„What becomes of the broken-hearted
Who have love that’s now departed
I know, I’ve got to find
Some kind of piece of mind…“