Gift und Galle

Ich hatte mein Mobiltelefon bei der Arbeit liegen lassen.
Außerdem war das Wetter schön, also sind der Dr. und ich nach Feierabend noch einmal los.
Nachdem wir essen waren, ging es noch zu einem Spaziergang am Rhein.

Es hätte alles schwer romantisch werden können.
Der Fluss schimmerte im lezten Licht des Tages, die Luft war sauber und mild, wir gingen Hand in Hand…
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Wenn, ja wenn wir nicht an dieser bestimmten Stelle spaziert wären.
Normalerweise fahren wir hier immer mit dem Auto über die Brücke.
Dort, wo uns die fiese Blitzsäule aus dem Weihnachtsvideo neuerdings zu Tempo 80 nötigt.

Die Anwohner der Häuser,  an denen wir an diesem Abend vorbei flanierten,  hatten über Jahre für diese Lärmschutzmaßnahme gekämpft.
Der Dr war für Romantik nicht  mehr zu haben, da halfen weder Rhein noch Blondine an der Hand.

„Ä*sche“, „W*chsbären“, „zum K*tzen!“, er spuckte Gift und Galle wegen der Geschwindigkeitsbeschränkungen.
Auch mein mehrfaches beschwichtigendes „Schatz!“ konnten ihn nicht stoppen.
Inzwischen sitzt er friedlich wieder daheim im DTM-Tshirt auf der Couch und ist  entspannt.

Von Bürgerinitiativen mit dem Ziel der Verkehrsberuhigung sollte man meinen Lieblings-Porschefahrer aber besser fern halten.
Dann klappt es auch  mit der Romantik…

Triebwünsche, eine Frau und ihr Porsche

Wikipedia sagt: „Eine Frustration (von lat. frustra = vergeblich bzw. frustratio = „Täuschung einer Erwartung“[1]) ist eine Wunschversagung, welche mit dem Erlebnis eines aufgezwungenen Verzichts von Triebwünschen einhergeht.“

Genau!!
Wunschversagung!!!

Weiter schreibt Wikipedia: „Ebenso entsteht Frustration durch tatsächliche oder vermeintliche Benachteiligungen, enttäuschte Erwartungen und erlittene Ungerechtigkeiten, welche sich in einem Zustand der Enttäuschung äußern. Unmittelbare negative Folgen können Aggressionen sein,[2]längerfristige ein Burnout-Syndrom[3] oder eine Depression.“

Ha!
So gefährlich ist das also, was die Städte der Region mit meiner Seele anrichten!
Ich kriege davon Burn-out und Depressionen.
Wozu habe ich einen Sportwagen gekauft?!
Da will Frau fahren, und um jede noch so popelige Stadt haben sie einen Ring von Tempo 80 gezogen.

Beispiel Düsseldorf: da fährt man ca. 10 Kilometer Tempo 80, schön von Blitzern kontrolliert, wenn man an der Stadt auch nur vorbei will.
Ist die Geschwindigkeitsbegrenzung dann endlich aufgehoben, und sind atemberaubende 120 erlaubt, kündigt das Radio an:
Acht Kilometer Stau zwischen Düsseldorf und Wuppertal.

Na, ist ja ganz doll!
Da  kann ich den Porsche mal so richtig ausfahren.
Mit 5 kmh!
Im Rausch der Geschwindigkeit.

„In der Umgangssprache wird der Begriff Frust verwandt, um ein Gefühl des Missmuts bzw. der Verdrossenheit zu benennen.“ (Wikipedia)

Verdrossenheit  triffts ganz gut!
Schönen Abend noch,
Eure Anne Missmut  😦