Gift und Galle

Ich hatte mein Mobiltelefon bei der Arbeit liegen lassen.
Außerdem war das Wetter schön, also sind der Dr. und ich nach Feierabend noch einmal los.
Nachdem wir essen waren, ging es noch zu einem Spaziergang am Rhein.

Es hätte alles schwer romantisch werden können.
Der Fluss schimmerte im lezten Licht des Tages, die Luft war sauber und mild, wir gingen Hand in Hand…
IMAG0196

Wenn, ja wenn wir nicht an dieser bestimmten Stelle spaziert wären.
Normalerweise fahren wir hier immer mit dem Auto über die Brücke.
Dort, wo uns die fiese Blitzsäule aus dem Weihnachtsvideo neuerdings zu Tempo 80 nötigt.

Die Anwohner der Häuser,  an denen wir an diesem Abend vorbei flanierten,  hatten über Jahre für diese Lärmschutzmaßnahme gekämpft.
Der Dr war für Romantik nicht  mehr zu haben, da halfen weder Rhein noch Blondine an der Hand.

„Ä*sche“, „W*chsbären“, „zum K*tzen!“, er spuckte Gift und Galle wegen der Geschwindigkeitsbeschränkungen.
Auch mein mehrfaches beschwichtigendes „Schatz!“ konnten ihn nicht stoppen.
Inzwischen sitzt er friedlich wieder daheim im DTM-Tshirt auf der Couch und ist  entspannt.

Von Bürgerinitiativen mit dem Ziel der Verkehrsberuhigung sollte man meinen Lieblings-Porschefahrer aber besser fern halten.
Dann klappt es auch  mit der Romantik…

Mein Karnevalsprinz

Wir sitzen wieder zusammen im Porsche, der Dr. und ich.
Wir haben uns einfach zu sehr vermisst.

Als wir damals im Sommer frisch zusammen waren,
habe ich ihn auf dem Rückweg von unseren Boxstertouren oft gebeten, noch einen Umweg zu fahren, weil es so schön war, dass ich noch nicht nach hause wollte.

Das habe ich gestern Abend wieder getan und er ist bereitwillig noch eine Schleife gefahren.
Wir waren essen, und auf dem Rückweg lief im Radio eine Büttenrede, die mich sehr amüsiert hat.
Obwohl der Dr. kein Freund des Karnevals ist, hat er es über sich ergehen lassen.

Wenn das kein Liebesbeweis ist…

Regenbogen

Vorhin habe ich zum letzten Mal mein Elternhaus betreten.
Das Haus ist verkauft und heute war Schlüsselübergabe.
Wer diesen Weg schon selbst gegangen ist, wird wissen, dass die Fahrt zu einem solchen Termin keine unbeschwerte ist.

Man ist vermutlich leicht sentimental und traurig.
Und wenn man dann alleine im Auto sitzt, überkommt es einen so richtig.
In den letzten Jahren habe ich für meinen Geschmack zu oft im Auto gesessen und mich mies gefühlt.
Vielleicht fahre ich auch einfach zu viel…

Es war sicher Zufall, was heute passiert ist.
Ich bin keine Esoterik-Tante, die Dinge überbewertet,
aber die Natur hat sich mit dem Begleitprogramm auf diesem allerletzten Heimweg doch gehörig Mühe gegeben.
20140301_173420
Ein ganz intensiver Regenbogen.
Daneben ein zweiter, etwas schwächerer und ich bin mittendurch gefahren.
20140301_173518
Im Vorgarten meiner Kindheit blühte dann, durch den milden Winter, ein Busch, zur völligen Unzeit, wunderschön.
Der Käufer will den Vorgarten unter Steinplatten legen.
Zeit, sich schleunigst wieder ins Auto zu verdrücken.

Zum Glück feiert einer meiner Freunde Geburtstag und meine Fahrt geht weiter.
Fahren kann auch sich Entfernen bedeuten,
hinter sich lassen,
in diesem Zwischenraum sein, zwischen nicht mehr dort und noch nicht angekommen.