Der junge Mann und der Porsche

Er sieht so gut aus, dass die Arzthelferinnen beim Tierarzt, zu dem er mich neulich begleitet hatte, hochinteressiert an ihm waren.
Er  ist genau halb so alt wie ich, 22 Jahre.
Bevor er im Herbst eine Ausbildung beginnt, passt er in diesem Sommer auf meine Hunde auf.

Und er mag Autos.
Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam, dass ich ihm vom Porsche erzählte.
Irgendwann habe ich geklagt, wie dreckig meine Felgen sind, und er hat angeboten, mir bei der Reinigung zu helfen.

Heute Morgen waren wir verabredet.
Morgen werden zwei der Hunde operiert und heute war die letzte Gelegenheit, sich mit den schönen Nebensächlichkeiten des Lebens zu befassen.
Um kurz nach acht brachen wir auf.

Der gutaussehende junge Mann, zwei Eimer, Felgenreiniger, Insektenentferner, Autoshampoo, 700 Lappen, der Carrera und ich.
Und er sagte genau die richtigen Dinge.
Als wir die ersten Meter fuhren, lobte er den schönen Ledergeruch.

Dann kauerten wir sehr lange in einer Pfütze vor dem Auto.
Ich verstehe nicht, warum man eine Stelle die so schnell dreckig wird, und in die sich Bremsstaub einbrennt, so bescheuert designt!
Glauben die Ingenieure, dass ich unter überwältigender Langeweile leide?
Warum entwerfen die nicht eine leicht zu reinigende Fläche als Felge?

Vermutlich sind das alles Autisten.
Die können sich nichts Schöneres vorstellen, als laufend in einer Waschbox vor einer Felge zu kauern, und sich abzumühen, aus all den Ecken den Dreck zu popeln, der schon auf der Rückfahrt von der Waschbox zurück nach hause wieder anfängt, sich einzubrennen.

Irgendwann hatte ich keinen Nerv mehr auf Felgen-Folter und wir wuschen den Elfer weiter oben.
Der junge Mann lobte beim Einseifen seine wunderschönen Kurven.
Er hat recht, man kann nichts Schöneres waschen.

Als wir endlich fertig waren, reichte die Zeit für eine kleine Fahrt in der schwarzen Schönheit.
Man muss so ein Auto schließlich trockenfahren, hab ich mal irgendwo gelesen.
Der Porsche röhrte und zeigte, was er kann.
Wir hatten Freude an der schönen Maschine.

Angenehme zwei Stunden, bevor der Alltag mich wieder in seine Klauen bekam.
Der Elfer steht nun sauber in der Garage.
Ich habe ihn mit einem weichen Winterbettuch von meiner Oma zugedeckt.
In den nächsten Tage gilt meine Sorge und Aufmerksamkeit zwei Mopsdamen.

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