Es kam anders

Samstag.
Strahlender Sonnenschein in der Eifel.
Der Tag des ersten VLN-Laufes.
Wir hatten geplant, dabei zu sein.
Es kam anders.

Mittags waren wir unterwegs  und fuhren eine dieser wunderschönen Strecken.
Kurvig, bergauf und -ab, durch den Wald.
Ein entgegenkommender Fahrer gab uns ein Zeichen mit der Lichthupe.
Kurz darauf sahen wir den Unfall.

Ein schwerer Motorradunfall, gerade erst passiert.
Der Dr. hat zusammen mit zum Glück auch zufällig vorbei kommenden Rettungssanitätern erste Hilfe geleistet.
Ich habe versucht, den schockierten Zeugen eine Stütze zu sein.

Der schwer verletzte junge Fahrer ist mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen worden.
Ich habe so etwas noch nie erlebt.
Ich habe vorher auch noch nie einen ernsthaft verletzten Menschen gesehen.
Furchtbar.

Inmitten der schönsten Natur dieses Grauen.
Völlig surreal.
Der verletzte Junge, die völlig schockierten Autofahrer.
Drei davon noch ganz junge Menschen.

Die Polizisten habe ich nicht als besonders hilfreich erlebt.
Zwar trugen sie selbst Gummiehandschuhe, ich musste aber erst einen Polizisten ansprechen, damit er den Dr., der dem jungen Mann einen Zugang legte, auch mit Handschuhen versorgte.
Als ich fragte, wer die unter Schock stehenden zwei anderen Motorradfahrer, einer davon verwandt mit dem jungen Mann, aus dem Wald fahren würde, kam die Antwort: „Wir machen das aus versicherungstechnischen Gründen nicht.“

Wie bitte?!
Das darf ja wohl nicht wahr sein.
Ich habe die Jungs dann im Boxster einen nach dem anderen ins Tal gefahren, und wir sind bei ihnen geblieben, bis einer der Väter sie abholen kam. Für die Polizei habe ich nur Verwunderung über.

Ebenso wie für die Gaffer.
Einer stand essend (!) am Rand, während der junge Mann dort am Boden lag.
Eine Polizistin musste mich davon abhalten, ihm an die Gurgel zu gehen.
Zwei Mountainbiker schickten sich an, durch die Trümmer am Verletzten vorbei zu radeln.
Durch einem scharfen Hinweis meinerseits haben sie dann ihre Route überdacht.
Unglaubliche Idioten.

Sehr tröstlich war die große Hilfsbereitschaft und das gute Umgehen aller vor Ort anwesenden Autofahrer und Helfer.
Ich glaube, es ist uns gelungen, die Situation, so gut wie man das in solchen Momenten machen kann, zu bewältigen und uns menschlich zu verhalten.

Ganz übel ist das Foto vom Unfallort in der Zeitung.
Man sieht das Blut, Verbandsmaterial und seine Handschuhe.
Es war schlimm, diese Details in der Zeitung zu sehen.
So eine ekelhafte Art der Berichterstattung ist doch nicht nötig!
Liebe Redakteure, so nicht!!

Mir wird momentan bei dem Gedanken an Eifelstraßen, die am Wochenende voll mit Motorrädern sind, schlecht.
Mich zieht auch nichts mehr zum Ring.
Allein bei dem Gedanken macht meine Psyche eine Vollbremsung.

Ich hoffe sehr, dass der Fahrer sich von seinen schweren Verletzungen wieder völlig erholt.
Und ich wünsche allen, die den Unfall miterleben mussten, viel Kraft und innere Stärke.
Leute, fahrt vorsichtig!!!

 

 

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3 Gedanken zu „Es kam anders

  1. Liebe Anne,

    da bleibt einem nichts weiter zu sagen außer gut gemacht.Es sollte eigentlich selbstverständlich sein zu helfen.Leider verstehen das viele nicht.Kann dich sehr gut verstehen das du da agro geworden bist.
    Hoffe es geht dir wieder besser……

    LG
    Stefan

  2. Pingback: Eine wunderbare Nachricht! | Nur nicht aus Liebe weinen

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